Kloster Benediktbeuern

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Historische Ansicht des Klosters Benediktbeuern auf einem Stich von Michael Wening
Innenhof des Klosters Benediktbeuern

Das Kloster Benediktbeuern ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner und heute eine Niederlassung der Salesianer Don Boscos in Benediktbeuern in Bayern in der Diözese Augsburg unweit des Kochelsees.

Benediktinische Geschichte des Klosters[Bearbeiten]

Kloster Benediktbeuern

Kloster Buron/Benediktbeuern ist sehr wahrscheinlich bereits 725/728 von Karl Martell während zweier Feldzüge nach Bayern als weltlicher Stützpunkt und als Wach- und Kontrollstation vor dem Kesselberg an taktisch günstiger Stelle gegründet worden. Karl Martell setzte dabei den hochadeligen Alemannen Lantfrid, ein Mitglied der Huosi, als seinen verlässlichen Vasallen ein. Um 739/740 wurde das St. Jakob und St. Benedikt geweihte Kloster als Benediktinerabtei begründet. Erzbischof Bonifatius führte Lantfrid als Benediktinerabt ein und weihte die erste Klosterkirche. Es gab eine Schreib- und Unterrichtsschule, von deren Arbeit zahlreiche Codices aus dem 8. und 9. Jahrhundert zeugen. Das im 8. Jahrhundert in Kochel am See begründete Frauenkloster verlegte um 800 in das Kloster Benediktbeuern, wo es bis ins 14. Jahrhundert seinen Sitz auf der Nordseite des Männerklosters hatte [1]. Daher rührt auch der doppelte Abtstab (Abt und Äbtissin) im Wappen des Klosters Benediktbeuern. Im Jahr 955 wurde das Kloster jedoch durch die Magyaren (Ungarn) zerstört, was mit dem Ende des karolingischen Schulwesens einherging. Das Kloster wurde jedoch durch den hl. Bischof Ulrich von Augsburg (923-973) wiederaufgebaut und 1031 durch Benediktiner aus dem Kloster Tegernsee neu besiedelt. Unter Abt Gothelm und den Mönchen Gotschalk und Adalbert kam es zu einer neuen Blüte der Schreibschule und auch die botanischen Forschungen und die Anlage von Heilkräutergärten um 1200 sind bezeugt. Um 1250 deckte die Klosterbibliothek mit rund 250 Handschriften den ganzen Bereich des damaligen höheren Bildungswesens ab. 1530/40 wurde die systematische Klostergeschichtsschreibung durch P. Antonius Funda vertieft. Es wurden in Benediktbeuern theologische, philosophische und naturwissenschaftliche Studien betrieben. Im dreißigjährigen Krieg wurde das Gymnasium aufgelöst, allerdings bereits 1689 mit sprachlichen, musischen, mathematischen und botanischen Schwerpunkten wiedereröffnet. Kurz vorher zwischen 1669 und 1679 wurde die heutige barocke Form der Klosteranlage geschaffen und ab 1672 die Klosterkirche St. Benedikt neu gebaut. 1700 wurde durch P. Karl Meichelbeck OSB (1669-1734) erstmals die quellenkritische Methode der Geschichtsschreibung in Süddeutschland mustergültig angewandt. Er ist der Verfasser der Historia Frisingensis (Geschichte des Bistums Freising) und des Chronicon Benedictoburanum (Geschichte des Klosters Benediktbeuern). 1698 wurde die Hochschule (commune studium) im äußeren Nordtrakt eröffnet. Der Bibliothekskomplex stammt aus dem Jahr 1722. 1751 bis 1753 wurde die Anastasiakapelle im Nordosten der Klosterkirche erbaut.

Klosterkirche[Bearbeiten]

Siehe: Klosterkirche St. Benedikt (Benediktbeuern)

Die Säkularisation 1803[Bearbeiten]

Klosterkirche St. Benedikt

Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. In der Klosterbibliothek wurden dabei die Carmina Burana, eine Sammlung von Vagantenliedern aus dem 13. Jahrhundert gefunden. Die Handschrift, auch Codex Buranus genannt, befindet sich heute in der Bayerischen Staatsbibliothek. Auch viele andere Handschriften und ein Teil der gedruckten Bücher wurden nach München ausgelagert. Die ehemaligen Mönche gingen zum Teil als Universitätsprofessoren nach Salzburg (P. Ägidius Jais OSB als Pastoraltheologe), Landshut (P. Sebastian Mall OSB als Orientalist) und München (P. Florian Meilinger OSB als Mathematiker). Die Klosterkirche wurde mit der Säkularisation Pfarrkirche der Pfarrei St. Benedikt Benediktbeuern.

Das Kloster zwischen Säkularisation und 1930[Bearbeiten]

Anastasiakapelle im Kloster Benediktbeuern
Die Orgel in der Klosterkirche

Den Klosterkomplex erhielt Josef von Utzschneider. Joseph von Fraunhofer errichtete hier 1805 eine Glashütte. Er konnte hier unter anderem das schlierenfreie bzw. wellenfreie Flintglas entwickeln und entdeckte die Fraunhoferschen Linien, die für die Entwicklung der Spektralanalyse bedeutsam geworden sind. 1818 übernahm der Bayerische Staat das Kloster und nutzte es als militärischen Fohlenhof (Remontendepot), dann als Kaserne, Invalidenheim, Genesungskrankenheim für Soldaten und als Gefängnis. 1925 wurde die ehemalige Klosterbrauerei geschlossen.

Salesianische Geschichte des Klosters[Bearbeiten]

Seit 1930 nutzen die Salesianer Don Boscos die Gebäude wieder als Niederlassung einer Ordensgemeinschaft. Heute leben und arbeiten dort rund 50 Salesianer Don Boscos. Direktor des Klosters ist P. Claudius Amann SDB, die Salesianer haben keinen Abt, sondern stets einen Direktor. Stellvertreter ist P. Ernest Zeisel SDB.

Philosophie und Theologie[Bearbeiten]

Kloster Benediktbeuern

Hauptartikel Philosophisch-Theologische Hochschule Benediktbeuern

1931 gründeten sie dort eine „Theologische Studienanstalt“ für ihre Ordensmitglieder, aus der die heutige Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH Benediktbeuern) hervorging. 1941 wurde im Kloster eine Zahlmeisterschule der Wehrmacht eingerichtet. Nach 1945 konnte sich die Ordensniederlassung neu entfalten. 1946 wurde ein Gymnasium für spätberufene Priesteramtskandidaten gegründet. Dieses bestand bis 1964, als es nach Buxheim bei Memmingen verlegt wurde. Durch die Affiliation der Philosophisch-Theologischen Hochschule 1970 zunächst an die Theologische Fakultät, dann 1976 auch an die Philosophische Fakultät der Universitas Pontificia Salesiana (UPS) in Rom, erwarb sich die Hochschule weitere Rechte. 1981 erfolgte die staatliche Anerkennung der PTH als nichtstaatliche wissenschaftliche Hochschule. 1990 wurde der PTH das staatliche Promotionsrecht im Bereich der Katholischen Theologie verliehen. Außerdem wurde in diesem Jahr das Institut für Salesianische Spiritualität errichtet. 1992 wurde sie durch die Congregatio de Institutione Catholica zur Theologischen Fakultät erhoben und erhielt dadurch auch das kirchliche Promotionsrecht. 2000 folgte das Habilitationsrecht. 1998 wurde an der PTH die Clearingstelle „Kirche und Umwelt“ errichtet. 2003 wurde aufgrund dieser Veränderungen auch ein neues Leitbild erstellt. Die PTH Benediktbeuern wurde zum Wintersemester 2013/14 geschlossen. Ab dem WS 2014/15 soll ein Studiengang Religionspädagogik der Katholischen Stiftungsfachhochschule in den Räumen der ehemaligen PTH eingeführt werden.

Sozialpädagogik[Bearbeiten]

1967 wurde ein Jugendleiterseminar eröffnet, das 1968 in die „Höhere Fachschule für Sozialpädagogik der Salesianer Don Boscos“ umgewandelt wurde. 1971 wurde die Höhere Fachschule für Sozialpädagogik in die Kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts „Katholische Bildungsstätten für Sozialpädagogik in Bayern“ als Abteilung Benediktbeuern der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (KSFH) integriert. Am 1. Oktober 1990 wurde an der KSFH der Studienschwerpunkt „Umwelt- und Kulturpädagogik“ eingerichtet.

Friedhofseingang zur Basilika
Durchgang in den Innenhof des Maierhofs
Kloster-Innenhof mit Eingang zur Basilika
Säulengang im Kloster Benediktbeuern

Jugendpastoralinstitut[Bearbeiten]

1978 kam es zur Gründung des Jugendpastoralinstituts Don Bosco Benediktbeuern als kooperierende Institution sowohl zur PTH als auch zur KSFH. Es dient der Fort- und Weiterbildung von Fachkräften aus Einrichtungen und Diensten der Kinder- und Jugendhilfe.

Jugendherberge, Aktionszentrum und Zentrum für Umwelt und Kultur[Bearbeiten]

Sehr früh wurde im ehemaligen Kloster eine Jugendherberge untergebracht, die dem Deutschen Jugendherbergswerk angeschlossen ist. Sie ist spezialisiert auf Klassenfahrten, Jugendfreizeiten, Expeditionen, Exkursionen und Hüttentouren.

Für die praktische Jugendarbeit wurde Mitte der 70er Jahre das sog. Aktionszentrum Benediktbeuern eröffnet, das sich vor allem auf Orientierungstage für Schulklassen und offene Veranstaltungen für Jugendliche und Junge Erwachsene spezialisiert hat. 14000 Jugendliche nehmen jährlich an Orientierungstagen und offenen Veranstaltungen der Jugendbildungsstätte Aktionszentrum teil.

1988 wurde das Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern errichtet. Es dient der Jugend- und Erwachsenenbildung zu diesen beiden Themen. Dazu gibt es ein Museum, Ausstellungen, Konzerte, Landschaftspflege, Biotope und Lehrpfade. Das Zentrum für Umwelt und Kultur erreicht mehr oder weniger intensiv rund 90000 Besucher im Jahr.

Museen und Sammlungen[Bearbeiten]

Im Kloster Benediktbeuern ist die historische Glashütte Fraunhofers als Museum eingerichtet.[2] Besucher können seine Schmelzöfen, optische und andere Geräte und die Technik des Glasmachens zur Zeit Fraunhofers informieren.

Außerdem ist das Trachten-Zentrum des Bezirks Oberbayern im Kloster angesiedelt.[3] Es baut eine Sammlung und Fachkompetenz in Sachen historischer Bekleidung auf, ist aber bisher nur beschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich.

Fraunhofer Gesellschaft[Bearbeiten]

Die Fraunhofer Gesellschaft betreibt im Kloster das Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege[4] Dort wird einerseits Forschung betrieben, wie Denkmalpflege und Altbausanierung unter dem Gesichtspunkt moderner Wärmedämmung optimiert werden können. Andererseits bietet das Zentrum Beratung zum Thema für individuelle Bauherrn, Handwerker und Denkmalpfleger.

Seit 2013 plant die Fraunhofer Gesellschaft zudem den Bau eines Konferenzzentrums aus dem Klosterareal unter dem Namen Netzwertzentrum. Als Baubeginn ist Herbst 2015 vorgesehen.[5]

Stiftungen[Bearbeiten]

Hauptartikel Don-Bosco-Stiftungszentrum

2001 kam es zur Gründung der Don-Bosco-Stiftung Benediktbeuern und der Don-Bosco-Hochschulstiftung, die die Arbeit der Salesianer in Benediktbeuern finanziell mit absichern helfen sollen. Beide Stiftungen sind Teil des Don-Bosco-Stiftungszentrums.

Großbrände[Bearbeiten]

Das Kloster erlebte mehrere Großbrände. 1490 wurde dabei das zentrale Klostergebäude zerstört. Den letzten erlebte es 1979, als unter anderem der halbe Nordtrakt mit dem Fachhochschulgebäude in Flammen aufging.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leo Weber: Vestigia Burana: Spuren und Zeugnisse des Kulturzentrums Kloster Benediktbeuern , Don Bosco Medien 1995, ISBN 3-7698-0790-1
  • Leo Weber: Kloster Benediktbeuern : mit päpstlicher Basilika und Anastasiakapelle, Schnell und Steiner Regensburg 2001 (11. Auflage), ISBN 3-7954-4095-5
  • Leo Weber: Kloster Benediktbeuern : Hoheits-, Wirtschafts- und Kulturzentrum seit dem frühen 8. Jahrhundert im Pfaffenwinkel, Schnell und Steiner Regensburg 2003, ISBN 3-7954-1412-1
  • Geert Müller-Gerbes (Text), Friedemann Mayer (Bearb.): Carmina burana. Ein Rundgang in Bildern mit Sieger Köder und seinen Schülern. Heidenheimer Zeitung, Heidenheim an der Brenz 2007, ISBN 978-3-920433-13-4 (gemalte Bilder im Zentrum für Umwelt und Kultur).
  • Norbert Wolff (Hg.): Benediktbeuern. Erbe und Herausforderung. FG für Leo Weber SDB zum 80. Geburtstag (= Benediktbeurer Studien 12), München (Don Bosco) 2008, ISBN 978-3-7698-1721-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Weber, Leo,SDB, Kloster Benediktbeuern, Regensburg 2003, S. 10, ISBN 3-7954-1412-1
  2. Gästeinformation Benediktbeuern: Fraunhofer Glashütte
  3. Trachten-Informationszentrum: Tracht ist Mode. Tracht ist Leben. Tracht hat Zukunft.
  4. Fraunhofer Gesellschaft: Fraunhofer-Zentrum Benediktbeuern
  5. Süddeutsche Zeitung: Ein attraktives Wissenschaftszentrum, 3. April 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Benediktbeuern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.7075511.398047222222Koordinaten: 47° 42′ 27″ N, 11° 23′ 53″ O