Kloster Blaubeuren

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Kloster Blaubeuren
Chorgestühl und Hochaltar im Chor der Klosterkirche Blaubeuren

Das Kloster Blaubeuren in Blaubeuren (Württemberg) war ein um 1085 gegründetes Kloster des Benediktinerordens in unmittelbarer Nähe des Blautopfs, das nach der Reformation an die württembergischen Herzöge fiel und zum evangelischen Seminar wurde. Heute werden die spätmittelalterlichen Klostergebäude als altsprachliches Gymnasium genutzt; sie sind neben dem Kloster Maulbronn Standort der Evangelischen Seminare Maulbronn und Blaubeuren.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster wurde um 1085 an der sich an diesem Ort bereits befindlichen Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht war, durch Anselm und Hugo Pfalzgrafen von Tübingen und Sigiboto von Ruck, einem nahen Verwandten, gegründet. Besiedelt wurde das Kloster mit Mönchen aus dem Kloster Hirsau, das auch den ersten Abt (Abt Azelin) für Blaubeuren stellte. In den ersten Jahrzehnten seines Bestehens wurde das Kloster mit zahlreichen Besitztümern beschenkt und erlebte vermutlich eine gewisse Blütezeit, wenngleich es kulturell oder in den Kirchenstreiten der damaligen Zeit nicht weiter hervorgetreten ist. Im 12. Jahrhundert erfolgte dann auch ein Neubau der Klosterkirche in romanischem Stil, der 1124 vollendet wurde. Nach dem Aussterben der Ruck im selben Jahrhundert blieb die Vogtei über das Kloster pfalzgräflich bis sie 1282 an die Helfensteiner vererbt wurde. Im 14. und frühen 15. Jahrhundert kam es zu einem vorübergehenden Niedergang und es werden mehrere rohe Verbrechen berichtet. So sollen 1347 der Prior und 1407 der Abt durch Mönche ermordet worden sein. Zur selben Zeit herrschte auch die Pest in Mitteleuropa, und das Kloster war wohl auch vorübergehend entvölkert und seiner Güter verlustig. Durch mehrere Stiftungen konnte das Kloster jedoch wiederhergestellt werden und wieder in den Besitz seiner Güter gelangen. Nach zahlreichen Verpfändungen ab 1368 verkauften die Helfensteiner schließlich 1447 Klostervogtei und Stadt Blaubeuren an Württemberg, das großen Einfluss auf die Abtswahl ausübte. Das Kloster gewann nun sehr rasch an Bedeutung. 1451 wurde die Kirchenreform im Kloster durch Mönche aus Wiblingen durchgeführt. 1456 war der Blaubeurer Abt Ulrich Kundig im Generalkapitel des Benediktinerordens, dessen Präsidium in der Folgezeit mehrfach mit Blaubeurer Mönchen besetzt wurde. Herausragend war auch Kundigs Nachfolger, der Abt Heinrich III. Fabri († November 1493), der 1477 die Universität Tübingen mitbegründet haben soll und auf den der grundlegende Neubau der Klosteranlage zurückgeht. So ist auch sein Wappen vielfach im Kloster zu finden: Ein Hufeisen und gekreuzte Nägel weisen auf seine Entstammung aus einer Schmiedefamilie hin. Fabris im Jahr 1466 begonnene Neubau war wegen eines verheerenden Brandes nötig geworden und wurde vermutlich vom Grafen Eberhard im Barte von Württemberg finanziell unterstützt. Im Jahr 1493 wurde der Neubau des Chores der Klosterkirche mit der Weihe des Hochaltares abgeschlossen. Der Neubau fand seinen vollständigen Abschluss im Jahr 1510.

Im Zuge der Reformation wurde Blaubeuren 1534 durch Herzog Ulrich von Württemberg reformiert, der anschließend das Kloster einzog. Während der Abt Ambrosius Scheerer als Klosterverwalter bis zu seinem Tod im Kloster blieb, gingen Prior und Mönche vorübergehend in die Verbannung nach Markdorf. In der Zeit des Augsburger Interims konnten sie zwar zurückkehren, jedoch bestätigte der Augsburger Religionsfriede 1555 den rechtmäßigen Besitz von Herzog Ulrichs Sohn Christoph von Württemberg, der das Kloster 1556 zum Sitz einer evangelischen Klosterschule machte. Vorübergehend lebten die katholischen Mönche gemeinsam mit den evangelischen Klosterschülern im Kloster, bis ihr Abt Tubing verhaftet und sie ausgewiesen wurden. Von 1563 bis 1570 war Matthäus Alber erster evangelischer Abt und Leiter der Klosterschule.

Heute sind die Klostergebäude im Besitz der Evangelischen Seminarstiftung. Besichtigt werden können der Kreuzgang des Klosters mit der Margarethenkapelle, der Kapitelsaal sowie der Chor der Klosterkirche mit der Petri- und der Urbanskapelle.

Bauform der Klosterkirche[Bearbeiten]

Die Kirche ist aus fünf Baukörpern zusammengesetzt: Langhaus, Zentralturm, zwei querschiffartige Kapellen und langgestreckter Chor. Das aus fünf Jochen bestehende Langhaus ist mit einem Sternnetzgewölbe überfangen und besitzt zu beiden Längsseiten je fünf nicht sehr in die Tiefe gehende Seitenkapellen. Das Langhaus ist durch den mächtigen Zentralturm sowie einen Lettner in der Tradition der Bettelorden strikt vom Chor abgetrennt. Dieser wird von einem Maschennetzgewölbe überspannt und weist eine polygonale Apsis mit Drei-Achtel-Abschluss auf. Auffallend und ungewöhnlich (v.a. für das ausgehende 15. Jahrhundert, aus dem der Neubau der Kirche stammt) ist die völlige Abriegelung des Chores vom Langhaus. Eventuell handelt es sich hierbei um Reminiszensen aus der Anfangszeit des Klosters und der Kirche, als diese unter dem starken Einfluss der Hirsauer Reform stand, die wiederum abhängig von der cluniazensischen Reform war. Ein Merkmal dieser Reformen, die sich auch auf die Bauform der Kirchen auswirkte, war die strikte Trennung von Mönchschor für die „spirituales“ und Laienkirche für die „saeculares“.

Inventar der Klosterkirche[Bearbeiten]

Der Chorraum der Kirche enthält bedeutende Werke der Ulmer Schule und der spätgotischen deutschen Schnitzkunst, die im Zuge des Neubaus der Kirche und des Chores geschaffen wurden. Das Chorgestühl stammt aus der Werkstatt Jörg Syrlins d. J. und erinnert in der Gestaltung an das Chorgestühl seines Vaters Jörg Syrlin d. Ä. im Ulmer Münster. Es ist mit Maßwerk und figürlichen Darstellungen geschmückt, z.B. freiplastischen Halbfiguren von Propheten und Stiftern. Ebenfalls von Jörg Syrlin d. J. wurde der Dreisitz geschaffen, der sich rechts neben dem Altar befindet. Er ist aufwendiger als das Chorgestühl gestaltet und zeigt u.a. das Relief eines schlafenden Mannes, was vermutlich ursprünglich Teil einer Darstellung der Wurzel Jesse war, von der heute viele Teile verloren sind. Filialtürmchen und Ornamentik sowohl des Dreisitzes, als auch des Chorgestühls ähneln sehr dem Gesprenge des Hochaltars, was wohl darauf schließen lassen kann, dass Jörg Syrlin d. J. auch für Aufbau und Architektur des Retabels verantwortlich ist. Die monumentalen Schreinfiguren allerdings, sowie die Reliefs auf den Innenseiten der inneren Flügel und die Gesprengefiguren sind in der Werkstatt des Michel Erhart, wahrscheinlich unter Mitarbeit dessen Sohnes Gregor Erhart, geschaffen worden. Verschiedene Maler übernahmen schließlich die Tafelmalereien der Altarflügel und die Fassung der Skulpturen, darunter vor allem der Ulmer Maler Bartholomäus Zeitblom und der Memminger Maler Bernhard Strigel.

Badhaus im Kloster

Museen[Bearbeiten]

Im ehemaligen Badhaus der Mönche ist das Blaubeurer Heimatmuseum untergebracht, im ehemaligen Amtshaus die literarische Gedenkstätte Schubartstube.

Ausgewählte Bilder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Dilger: Kloster, Klosterschule und Seminar. In: Blaubeuren 700 Jahre Stadt. Blaubeuren 1967.
  • Otto-Günter Lonhard: 900 Jahre Kloster Blaubeuren, Kritische Überlegungen zur Gründungsgeschichte (1180-1125), Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte 46 (1987) S.368ff.
  • Gerhard Dopffel (Hrsg.): Kloster Blaubeuren – 900 Jahre. Theiss, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0424-1.
  • Immo Eberl (Hrsg.): Kloster Blaubeuren. 1085–1985. Benediktinisches Erbe und evangelische Seminartradition. Ausstellungskatalog. Thorbecke, Sigmaringen 1985, ISBN 3-7995-4019-9.
  • Otto-Günter Lonhard: Das Kloster Blaubeuren im Mittelalter. Rechts- u. Wirtschaftsgeschichte einer schwäbischen Benediktinerabtei. (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg; Bd. 225). Kohlhammer, Stuttgart 1963.
  • Rainer Kahsnitz: Blaubeuren, ehemalige Abteikirche St. Johannes der Täufer, Hochaltar. In: ders: Die großen Schnitzaltäre. Spätgotik in Süddeutschland, Österreich, Südtirol. Aufnahmen von Achim Bunz. Verlag Neue Zürcher Zeitung, Zürich 2005, ISBN 978-3-03823-179-0. Online (PDF, 3.1 MB)
  • Anna Morath-Fromm und Wolfgang Schürle (Hrsg.): Kloster Blaubeuren. Der Chor und sein Hochaltar. Theiss, Stuttgart 2002.
  • Christian Kayser: Mönchszellen, Spitztonnen, Formziegel – Untersuchungen am Dormentbau und Kapitelsaal des ehemaligen Klosters Blaubeuren. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 44. Jahrgang 2014, Heft 1, S. 33–38. (PDF; 5,4 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Blaubeuren – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.4152595133339.7847628594444Koordinaten: 48° 24′ 55″ N, 9° 47′ 5″ O