Kloster Frauenroth

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Ehemalige Zisterzienserinnen-Klosterkirche Frauenroth

Das Kloster Frauenroth ist ein ehemaliges Kloster der Zisterzienserinnen im gleichnamigen Ortsteil von Burkardroth; es gehörte zur Diözese Würzburg. Erhalten ist nur das Mittelschiff der Klosterkirche.

Das Relikt des Klosters steht in ländlicher Gegend, umgeben von den teilweise bewaldeten Höhenzügen am Ostrand der bayerischen Rhön.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Schleiersage als Postkartenmotiv (1920)

Das Maria und Allerheiligen geweihte Kloster wurde 1231 gegründet durch den Minnesänger und Kreuzritter Graf Otto II. und seine Frau Beatrix von Courtenay, die nach Rückkehr vom Kreuzzug ihren Besitz auf Burg Botenlauben bei Bad Kissingen an den Bischof von Würzburg verkauft hatten, um sich aus der irdischen Welt zurückzuziehen.

Die Schleiersage berichtet, dass das Kloster gegründet wurde, als Beatrix mit ihrem Ehegatten auf Botenlauben wandelte und der Wind ihren Schleier fortwehte, woraufhin Beatrix gelobte, am Fundort des Schleiers ein Kloster errichten zu lassen.

Nach dem Tod des Gründerpaares, das in der Klosterkirche begraben ist, wurde ihr Sohn, der auch Otto hieß, Provisor des Klosters. Es mehrte seine Besitzungen durch eine Reihe von Tauschgeschäften und Zukäufen.

Nach dem Tod der letzten Äbtissin Amalia von Rumrod löste sich das Kloster 1574 auf; der Besitz fiel an die fürstbischöfliche Kammer in Würzburg. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Anlage geplündert, anschließend bis auf das Mittelschiff der Kirche abgebrochen. 1691 wurden die Güter an acht Bauern aus Burkardroth verkauft, wodurch das Dorf Frauenroth entstand.

Nach der Säkularisation 1803 wurde die Klosterkirche als einfache Dorfkirche genutzt. Die Klostergeschichte und die mit ihr verbundenen Kunstschätze blieben lange unbeachtet; erst eine Restaurierung des Kirchenraums in den 1970er Jahren brachte sie in das Bewusstsein Interessierter zurück.

Die Kirche[Bearbeiten]

Hochgrab der Stifter Otto von Botenlauben und seiner Frau Beatrix, Mitte 13. Jahrhundert
Hochaltar Klosterkirche Frauenroth (Rückseite), mit Darstellung von Maximilian Adam von Blumencron als Stifter

Das Gebäude ist eine romanische Zisterzienser-Saalkirche mit rundbogigen Blendarkaden, Lanzettfenstern, typischem Dachreiter und Rundapsis. Nur an der Nordseite ist noch ansatzweise zu erkennen, dass es früher eine dreischiffige Basilika mit Seitenschiffen und Querhaus war.

Der Kirchenraum ist flach gedeckt, der gotische Chor kreuzrippengewölbt. Die farbige Profilierung des Triumphbogens, der Gewölberippen und Fensterlaibungen - alternierend grau und bordeauxrot - ist stark restauriert. Im Chor wurden bei der Sanierung 1970–72 gotische Fresken mit Passionsszenen teilweise freigelegt; Kreuzigung und Auferstehung sind deutlich identifizierbar, der übrige Erhaltungszustand ist rudimentär.

Kunsthistorisch bedeutendstes Ausstattungsstück ist das Hochgrab des Stifterpaares. Die sehr ausdrucksvollen frühgotischen Skulpturen von unbekannter Hand zählen zu den qualitätsvollsten Grabplastiken der Region und sind mit Katharina und Mauritius im Magdeburger Dom, den Stifterfiguren des Naumburger Meisters sowie mit Arbeiten in Straßburg in stilistischen Zusammenhang gebracht worden.

Die übrige sparsame Barockausstattung der Kirche (Hochaltar, eine Pietà und ein Andreas) stammt nicht aus der originären Klosterprovenienz.

Der Hochaltar ist doppelseitig benutzbar. Laut Inschrift auf der Predella (Rückseite) ließ Maximilian Adam von Blumencron, der Begründer des gleichnamigen Adelsgeschlechtes, als Klosterverwalter die ruinierte Kirche wieder für den Gottesdienst herstellen und hat den Altar 1652 gestiftet. Er ist dort zu Füßen eines Kreuzes kniend mit seinen beiden ersten Frauen und 11 Kindern dargestellt.[1] Die Inschrift lautet:

Zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit und Mutter Gottes Maria, auch ewiger Gedechtnis seiner beiden lieben Ehefrauen Eva Maria Ludwigin ein gebohrene Fränckin, so allhier begraben, dann Maria Dorothea Ludwigin, ein gebohrene Moserin wie auch aus beider Ehe erzeugten Kindern, hat der ehrenfeste und hochvornehme Herr Maximilian Adam Ludwig von Würtzburg Chur- auch hochfürtslicher Würtzburgischer 24 Jahr lang bei Hof des Stieffts Bedienter und des Klosters Frauenroth Verwalter diese Kirchen, so ganz abgebrannt und zugrundt gangen auch kein Gottesdienst gehalten werden können, neben diesem Altar machen lassen, geschehen den 1. Octrobris Anno 1652"

Inschrift aus der Hochaltarrückseite

Zwei weitere Kunstschätze aus der Zeit der Kirche als Zisterzienserkloster befinden sich nicht mehr vor Ort:

  • Eine Sandsteinmadonna (Mitte 13. Jahrhundert), die sogenannte Lächelnde Madonna steht in der Dorfkirche des Nachbarortsteils Lauter;
  • Eine Pergament-Handschrift aus dem frühen 14. Jahrhundert (so genanntes Frauenrother Graduale) wird in der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart aufbewahrt.

Umgebung[Bearbeiten]

Frauenroth mit ehemaliger Klosterkirche, Feldern und Dorfweiher

Die einst vom Kloster landwirtschaftlich genutzten Areale sind durch das Dorf Frauenroth eingenommen; Obstbäume, Pferdekoppeln, weitläufige Getreidefelder und ein Dorfweiher inmitten der und rund um die Bausubstanz des Dorfes lassen jedoch noch eine Vorstellung von der ursprünglichen Gestaltung zu.

Ein Aussichtspunkt bei einem Kruzifix oberhalb des Dorfes vermittelt einen Überblick.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leonhard Rugel: Burkardroth und Frauenroth. Schnell-Kunstführer Nr. 1009, 1994
  • Peter Pfister: Klosterführer aller Zisterzienserklöster im deutschsprachigen Raum. Verlag Josef Fink, 2002
  • Werner Dettelbacher, Stefan Fröhling, Andreas Reuß: Franken. DuMont Kunstführer, Köln 1999

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Frauenroth – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Othmar Müller von Blumencron: Maximilian Adam Ludwig - Stammvater des Geschlechts von Blumencron, in Würzburger Diözesangeschichtsblätter, Band 67, 2005, Seiten 371 und 372

50.26142510.018652777778Koordinaten: 50° 15′ 41″ N, 10° 1′ 7″ O