Kloster Lüne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kloster Lüne
Lageplan der Klosteranlage 1800

Das Kloster Lüne ist ein ehemaliges Benediktinerinnenkloster und heutiges evangelisches Damenstift in Lüneburg. Es ist eines von mehreren Klöstern, die von der Klosterkammer Hannover verwaltet werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Handstein genannte Laufbrunnen in der Eingangshalle

Das Kloster Lüne wurde 1172 von Hildeswidis von Markboldestorp gegründet. In der vom Verdener Bischof Hugo von Verden ausgestellten Gründungsurkunde ist kein Bekenntnis einer Ordensregel aufgeführt, so dass zu dieser Zeit von der Form eines Kanonissenstiftes auszugehen ist. Erstmals 1272 wurde das Kloster in einer Urkunde als Benediktinerinnenkloster bezeichnet und erst ab Mitte des 14. Jahrhunderts ist eine vollständige Annahme der Benediktinerregeln urkundlich belegt. Geleitet wurde das Kloster von der Äbtissin. Die Güterverwaltung und die Seelsorge unterstand dem von den Stiftsdamen gewählten Propst. Lüne gehörte zur Bursfelder Kongregation.

Im Zuge der Einführung der Reformation im Fürstentum Lüneburg wurde auf Veranlassung von Herzog Ernst dem Bekenner gegen den Widerstand der Nonnen am 26. April 1528 erstmals der Gottesdienst in deutscher Sprache gefeiert. 1529 wurden die Propsteigüter der herzoglichen Verwaltung unterstellt und ein neuer vom Landesherrn bestimmter Propst eingesetzt, der die Umsetzung der lutherischen Lehren sicherstellen sollte. Bedingt durch den erheblichen Widerstand der altgläubigen Nonnen dauerte es jedoch bis zu einer vollständigen Annahme der neuen Lehre durch den Konvent noch bis zum Jahre 1562. Aufgrund einer Regelung in der Lüneburger Klosterordnung behielt das Kloster jedoch seine Selbstständigkeit.

Sommer-Remter im Kloster Lüne, im Stil des 16. Jahrhunderts restauriert
Wandmalerei an der Ostwand des Refektoriums von 1500

1711 erfolgte auf Veranlassung des Herzogs Georg-Ludwig die Umwandlung des Klosters in ein evangelisches Damenstift, dessen primäres Ziel die Versorgung unverheirateter Töchter des Lüneburger Landadels war.

Das Kloster gehört seit dem 19. Jahrhundert zur Klosterkammer Hannover. Derzeit (2008) wird das Kloster von der Äbtissin Reinhild von der Goltz geleitet.

Architektur[Bearbeiten]

1380 wurde das Kloster nach einem Großbrand in Backsteingotik wiederaufgebaut. Der Kreuzgang, die einschiffige Kirche von 1412 und der Nonnenchor sind gut erhalten, desgleichen das ehemalige Dormitorium (Schlafraum).

Kunstinventar[Bearbeiten]

Berühmt ist Lüne durch seine Wirk- und Stickereiarbeiten (Wolle auf Leinwand). Wertvolle Stücke (Weißstickereien, Altardecken, Fastentücher und Teppiche), die ältesten aus der Zeit um 1250, sind in dem 1995 eröffneten Textilmuseum auf dem Gelände des Klosters ausgestellt. In der Kirche befindet sich auf dem Altar des Nonnenchors ein Bild aus der Werkstatt von Lucas Cranach dem Älteren. Das Hochaltar-Triptychon (Schnitzaltar) ist im frühen 16. Jahrhundert entstanden. Erwähnenswert sind Wandmalereien aus der Zeit um 1500 im Refektorium des Klosters.

Galerie[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens-Uwe Brinkmann: Kloster Lüne. Aufnahmen von Jutta Brüdern. Königstein i. Ts. 2009 (= Die Blauen Bücher), ISBN 978-3-7845-0829-0
  • Hans-Cord Sarnighausen: Ein alter Lageplan des Klosters und Amtes Lüne. In: 6. Heimatbuch f. d. Landkreis Lüneburg, ebd. 2007, S. 22-31.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Lüne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugo Thielen: Sarstedt, Konrad (auch Cord) von, in: Stadtlexikon Hannover, S. 535

53.26027777777810.422222222222Koordinaten: 53° 15′ 37″ N, 10° 25′ 20″ O