Kloster Loccum

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Kloster Loccum
Blick auf das Kloster Loccum
Blick auf das Kloster Loccum
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Niedersachsen
Koordinaten: 52° 27′ N, 9° 9′ O52.4519444444449.1505555555556Koordinaten: 52° 27′ 7″ N, 9° 9′ 2″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
384
Gründungsjahr 1163
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
um 1585; seitdem Fortbestand als evangelischer Konvent.
Mutterkloster Kloster Volkenroda
Primarabtei Kloster Morimond

Tochterklöster

Kloster Reinfeld (1186)

Kloster Loccum ist eine ehemalige Abtei der Zisterzienser in der Stadt Rehburg-Loccum, Niedersachsen, nahe dem Steinhuder Meer. Auf eine Stiftung des Grafen Wilbrand von Hallermund zurückgehend, wurde es 1163 als Filialgründung des Klosters Volkenroda in Thüringen errichtet, mit welchem es heute der Pilgerweg Loccum–Volkenroda verbindet. Primarabtei ist das Kloster Morimond. Heute gilt Kloster Loccum neben dem Kloster Maulbronn in Baden-Württemberg als das am besten erhaltene Zisterzienser-Kloster nördlich der Alpen.

Das Kloster Loccum ist eine „selbstständige geistliche Körperschaft“ in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Es dient kirchlichen Zwecken innerhalb der Landeskirche.[1]

Das Gebäude wird heute als Predigerseminar, als Tagungshaus und als Ausflugsziel genutzt. Unter dem Leitmotiv „Wort halten“ feiert das Kloster Loccum im Jahr 2013 sein 850-jähriges Bestehen.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorläuferanlage[Bearbeiten]

Burghügel der Luccaburg, seit 1820 Grabdenkmal
Hauptartikel: Luccaburg

Namensgeber von Loccum war die Luccaburg, deren Reste in der Art einer Erdhügelburg sich etwa einen Kilometer südlich des Klosters in der Niederung der Fulde befinden.

Die Burg ist nach dem Geschlecht derer von Lucca benannt worden. Ihre Entstehungszeit wird im 9. oder 10. Jahrhundert vermutet. Von der Burganlage, die aus einem aufgeschütteten kreisrunden Hügel von 40 Meter Durchmesser bestand, sind kaum oberirdische Steinreste mehr vorhanden. Bei archäologischen Untersuchungen 1820, 1893 und 1914 wurde eine 2 Meter starke und fast 3 Meter tief in den Boden hineinreichende Ringmauer gefunden. Die Burg wurde wahrscheinlich bereits vor der Gründung des Klosters aufgegeben.

Seit 1820 befindet sich am Burghügel ein Grabdenkmal für einen 1818 verstorbenen Prior und Provisor des Klosters Loccum.

Gründung[Bearbeiten]

Klosteranlage im 19. Jahrhundert

Im Jahr 1163 kamen ein Abt und zwölf Mönche aus dem thüringischen Zisterzienserkloster Volkenroda nach Loccum, um hier eine neue Niederlassung ihres Ordens zu gründen. Die Ansiedlung der Mönche erfolgte durch eine Stiftung von Wilbrand I. von Loccum-Hallermund als Graf von Hallermund.

Um 1250 beschrieb ein Loccumer Mönch in der sogenannten Vetus narratio de fundatione Monasterii Luccensis, also der „Alten Erzählung von der Gründung des Loccumer Klosters“, die Lebensumstände der ersten Mönche als dramatisch schlecht. Danach hätten die Mönche sich an einem „Ort des Schreckens und weiter Einsamkeit“ niedergelassen, einem Ort „des Aufenthalts von Räubern und Wegelagerern“.[3] Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse seien so gewesen, dass die Gründerväter Loccums in Hunger und Durst die Armut Christi nachgeahmt hätten. Trotz Kälte und Hitze hätten sie aber nicht abgelassen zu arbeiten, bis sie aus der Räuberhöhle ein Haus des Gebets gemacht hatten. Diese Zustände hätten den in den Statuten der Zisterzienser festgelegten Idealen entsprochen.

Die Beschreibung entsprach jedoch nicht den wahren Umständen. Die nähere Umgebung des Klosters war besiedelt. Es ist umstritten, ob die Luccaburg, die den Kern der Stiftung bildete, noch bewohnt war. Die Nennung des zur Burg gehörenden Fronhofs in der Stiftungsurkunde des Mindener Bischofs spricht dafür. Ausweislich der Stiftungsurkunde gehörten zum Stiftungsgut zusätzlich drei namentlich bekannte Ortschaften. Auch war die Gegend nicht so unwirtllich wie beschrieben, denn in der Umgebung Loccums hatte die landwirtschaftliche Erschließung der Sumpf- und Waldgebiete bereits begonnen. Ein vom Klosterstifter, dem Grafen von Loccum-Hallermund, zum Schutze des Klosters eingerichteter Ministerialensitz dürfte die 1183 erwähnte Burg Monechusen auf dem Haarberg (zwischen den heutigen Orten Rehburg und Winzlar) gewesen sein, der Stammsitz des Adelsgeschlechtes Münchhausen.

Die heute noch stehende Kirche wurde erst 1240 als Bau begonnen. Die Loccumer Mönche erschlossen vor allem in der unmittelbaren Umgebung des Klosters sowie um den Grinder Wald größere Flächen für die Landwirtschaft.[4]

Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits 1279 war das Kloster Loccum Hausbesitzer in Hannover. Nach zwei ersten Buden am dortigen Hokenmarkte kam 1293 ein Hof in der Osterstraße hinzu, der vor allem dem Verkauf der eigenen Getreideernte dienen sollte. Diesen Besitz erweiterte das Kloster durch den Ankauf eines weiteren Grundstückes zum Loccumer Hof,[5] auf dem bis in 20. Jahrhundert hinein Geschichte geschrieben wurde.[6]

Loccum unterstand dem direkten Schutz des Reiches sowie des Papstes. Es führte den Titel eines Freien Reichsklosters. Vom Kloster Loccum ausgehend, wurde 1186 das Kloster Reinfeld besetzt.

Für Loccum lassen sich im Verlauf des 14. Und 15. Jahrhunderts Anzeichen einer sich zuspitzenden Krise feststellen. Bereits seit 1206 hatte man begonnen, Land an Bauern zu verpachten. Was anfangs noch Ausnahmecharakter hatte, wurde dann im 14. Jahrhundert zur Regel.[7] Es gab auch in Loccum nicht mehr genug Konversen, um die Grangien weiter in Eigenregie zu bewirtschaften, die Ländereien mussten aufgeteilt und an Ordensfremde ausgegeben werden. Die entstandene Grundherrschaft des Klosters unterschied sich nicht mehr von der eines herkömmlichen Benediktinerklosters. In dieser Phase endete das wirtschaftliche Wachstum des Klosters und der Konvent geriet in immer größere wirtschaftliche Schwierigkeiten.[8] Zu Beginn des 15. Jahrhunderts musste sich Loccum verschulden, um den Unterhalt der noch verbliebenen 20 Mönche und zehn Konversen zu finanzieren. Einen Tiefpunkt stellt dabei im Jahr 1424 die Verpfändung von Messkelchen und einer Handschrift an das Kloster Scharnebeck dar, zumal die Pfänder nicht wieder ausgelöst werden konnten.[4]

Es gibt auch direkte Hinweise auf die innere Krise des Klosters im 14. Jahrhundert. Mehrfach gab es mit Herren der Umgebung gewaltsame Auseinandersetzungen und Fehden, bei denen es vor allem um den Klosterbesitz ging.[9] 1320 kam es im Verlauf eines solchen Streits zwischen dem Kloster und Konrad von Wendessen so weit, dass drei Loccumer Brüder den Sohn ihres Widersachers entführten und töteten.[9]

Der Tief- und Wendepunkt der Krise wurde in der Mitte des 15. Jahrhunderts erreicht. Dabei war das Jahr 1454 entscheidend, in dem die Wahl eines neuen Abts anstand. Da sich in Loccum kein geeigneter Kandidat fand, setzte der Abt des Gründungsklosters Volkenroda die Ernennung des Abts Heinrich II. aus dem Kloster Marienrode durch.[10] Der neue Abt begann die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Einer seiner Nachfolger, Abt Arnold Holtvoigt (1458–1483), öffnete den Konvent für nichtadelige Chormönche, sein Nachfolger Abt Ernst (1483–1492) war selbst ein Bürgerlicher. Daraufhin verließen die adeligen Mönche das immer noch arme Kloster.[9] Eine solche Tendenz zur „Verbürgerlichung“ des Konvents ist typisch für die Ordensreformbewegung und nicht nur auf Loccum beschränkt. Der Erfolg der Reformen ist dokumentiert im 1504 entstandenen Visitationsbericht des Abts Nicolaus von Volkenroda anlässlich der Einführung des neuen Abts Boldewin Clausing. Nun lebten wieder 40 Chormönche in Loccum, und die wirtschaftlichen Verhältnisse waren gut. Das lässt sich unter anderem am großen, in dem Dokument aufgeführten Viehbestand ablesen.[10]

Reformation[Bearbeiten]

Gerhard Wolter Molanus († 1722), LIB. ET IMP. COENOBII LUCCENSIS ABBAS „Abt des freien und reichsständischen Klosters Loccum“

1585 kam das Loccumer Kloster bei Bestätigung aller bisherigen Rechte unter die Hoheit der welfischen Landesherren. Ende des 16. Jahrhunderts nahm es die Augsburger Konfession, also das Luthertum, an.

Im Dreißigjährigen Krieg fanden die „Loccumer evangelischen Konventualen“ zeitweilig auf dem Loccumer Hof in Hannover Zuflucht, nachdem das Kloster durch das Restitutionsedikt eine Zeitlang durch einen katholischen Zisterzienser-Konvent besetzt war.[5]

Mit dem Übertritt zur evangelischen Kirche war ein Ende des mönchischen Lebens im ursprünglichen Sinn verbunden. Die Konventsmitglieder, jetzt lutherische Geistliche, legten nicht mehr die klassischen, für die gesamte Lebenszeit bindenden Mönchsgelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit ab; sie hatten das Recht, sich zu verheiraten, in diesem Fall mussten sie jedoch aus dem Konvent wieder austreten. Austritte sind überhaupt aus verschiedensten Gründen bezeugt und waren unproblematisch. Die Mitgliedschaft im Konvent hatte den Charakter einer zumindest potentiell zeitlich begrenzten beruflichen Stellung angenommen und war in der Regel keine Lebensentscheidung mehr. Die Gemeinschaft behielt aber ihr Klostererbe bis zur Agrarreform im 19. Jahrhundert und wurde seit dieser Zeit als calenbergischer Landstand geführt. Die landständische Eingliederung war verbunden mit der Übernahme des Vorsitzes in der Ständeversammlung, dem Calenberger Landtag, durch den jeweiligen Abt des Klosters, eine Aufgabe, die bis heute wahrgenommen wird.

Hexenprozesse[Bearbeiten]

Im Stiftsgebiet Loccum gab es zwischen 1581 und 1661 insgesamt 54 belegte Hexenprozesse. Höhepunkt waren die Jahre 1628 bis 1638 während der konfessionellen Auseinandersetzungen. Etwa 33 Menschen wurden in Hexenverfolgungen hingerichtet. Mit 15 Frauen und fünf Männern gehörten die meisten der Angeklagten zur Gemeinde Wiedensahl. Eine besondere Rolle spielte der evangelische Pastor Heinrich Rimphoff (1622–1638 in Wiedensahl), später Superindendent in Verden, genannt „großer Hexenverfolger“ und „Hexenriecher“.[11] Er publizierte 1647 das Buch „Drachenkönig – Das ist: Wahrhafftige Deutsche Christliche und hochnothwendige Beschreybunge deß grawsamen hochvermaledeyten Hexen und Zauber Teuffels“ in Rinteln. In einem der letzten Prozesse wurde am 2. Juni 1660 Gesche Köllers, verw. Weimars aus Wiedensahl, im Stiftsort durch das Schwert hingerichtet.[12]

Klosteranlage[Bearbeiten]

Das Kloster Loccum ist bekannt für seine gut erhaltene, bis in die spätromanische Zeit zurückreichende Bauanlage mit Kirche (Renaissance-Taufstein von 1601[13]), Kreuzgang und den anliegenden Räumen sowie den Wirtschaftsgebäuden. Auch die zum Kloster Loccum gehörende Teich- und Waldlandschaft in der Umgebung erlaubt Einblicke in die ursprüngliche Organisation des ehemaligen Klosters als Wirtschaftsbetrieb.

Klosterkirche[Bearbeiten]

Blick auf den Altarraum
Kreuzgang
Hochaltar
Epitaph

Die Klosterkirche St. Maria und Georg (heute Pfarrkirche St. Georg) wurde wahrscheinlich in den Jahren von 1230/40 bis 1280 errichtet.

Die Stiftskirche wurde in den Jahren 2010–2012 grundlegend saniert, um die Statik der historischen Klosterkirche zu sichern. Außerdem wurden die Seitenkapellen ausgebaut und eine neue Orgel aufgestellt.[14] Neu angeschafft wurde ein Bronzeguss „Amplexus“ des Künstlers Werner Franzen. Es handelt sich um einen Abguss eines Werks, das sich im Altenberger Dom befindet. Es zeigt Jesus, der sich vom Kreuz herabbeugt, um den Zisterziensermönch Bernhard von Clairvaux und den ebenfalls knienden Martin Luther zu umarmen.[15]

Orgeln[Bearbeiten]

Die Geschichte der Orgeln in der Klosterkirche reicht zurück in das 14. Jahrhundert. Das erste, größere Orgelwerk wurde wohl 1417 erbaut, unter Verwendung von Material des ersten, kleinen Instruments. 1599 erbaute der Orgelbauer Andreas de Mare die dritte Orgel, die im 18. und 19. Jahrhundert erweitert und in einem neuen Gehäuse untergebracht wurde. 1947 wurde das Instrument beim Brand der Kirche, verursacht durch einen Brand im Orgelmotor, vernichtet. Es hatte 32 Register auf drei Manualen und Pedal. 1956 erbaute der Orgelbauer Paul Ott eine neue Orgel, deren Rückpositiv 1963 fertiggestellt wurde. Das Schleifladen-Instrument hatte 40 Register auf drei Manualen und Pedal. 2011 wurde diese Orgel durch einen Neubau der Werkstatt Orgelbau Romanus Seifert & Sohn ersetzt. Dieses Instrument hat 37 Register (2414 Pfeifen) auf drei Manualen und Pedal. Ein Großteil der Register des Hauptwerkes stehen auf Wechselschleifen, die damit eine Registrierung auf das zweite Manual ermöglichen. Die Spieltrakturen und Koppeln sind mechanisch und elektrisch, die Registertrakturen sind elektrisch.[16]

I Hauptwerk C–g3
Principal 16'
Principal 8'
Jubalflöte 8'
Viola da Gamba 8'
Großgedackt 8'
Octave 4'
Spitzflöte 4'
Hohlflöte 4'
Nasat 22/3'
Waldflöte 2'
(Fortsetzung)
Superoctave 2'
Terz 13/5'
Quinte 11/3'
Cornett V 8'
Mixtur VI 2'
Scharff IV 11/3'
Trompete 8'
Clarinette 8'
Tremulant
II Positiv C–g3
Principal 8'
Jubalflöte 8'
Viola da Gamba 8'
Großgedackt 8'
Spitzflöte 4'
Nasat 22/3'
Waldflöte 2'
Superoctave 2'
Terz 13/5'
Scharff IV 11/3'
Trompete 8'
Clarinette 8'
III Schwellwerk C–g3
Stillgedackt 16'
Rohrflöte 8'
Salicional 8'
Aeoline 8'
Vox coelestis 8'
Fugara 4'
Traverse 4'
Octavin 2'
Progressio IV 22/3'
Trompete 8'
Oboe 8'
Vox humana 8'
Tremulant
Pedal C–f1
Bordun 32'
Principal 16'
Violonbass 16'
Subbass 16'
Octavbass 8'
Cello 8'
Choralbass 4'
Posaune 16'
Basstrompete 8'

Die Orgel verfügt zudem über ein mitteltöniges Werk mit 7 Registern (sog. Spanisches Werk), das vom ersten Manual aus anspielbar ist. Die Register des spanischen Werks sind überwiegend in Bass- und Diskantseite unterteilt.

I Spanisches Werk CDEFGA–c1/cis1-c3
Flautado 8'
Octava B/D 4'
Nasardos B/D 22/3'
Nasardos B/D 2'
(Fortsetzung)
Nasardos B/D 13/5'
Lleno IV B/D 22/3'
Viejas B/D 8'

Rechtsstellung[Bearbeiten]

Die heutige Rechtsstellung des Klosters Loccum ergibt sich aus der Kirchenverfassung der Hannoverschen Landeskirche[17] und der Klosterverfassung.[18] Die landeskirchliche Rechtssetzung billigt dem Kloster Loccum eine weitgehende Autonomie, einschließlich des Rechts auf freie Abtwahl zu. Allerdings werden die landeskirchlichen Aufsichtsrechte, die durch den Kirchensenat ausgeübt werden, gewahrt. Die einzige durch die Kirchenverfassung festgelegte Aufgabe ist der Unterhalt des Predigerseminars. Bis heute gehört das Kloster offiziell zum Orden der Zisterzienser und zur „Gemeinschaft Evangelischer Zisterzienser-Erben in Deutschland“

Konvent[Bearbeiten]

Kloster Loccum als selbständige geistliche Körperschaft besteht aus dem Abt, der den Vorsitz innehat, und den in der Regel vier bis acht Konventualen. Diesem neunköpfigen Konvent, dem Kloster, gehören zumeist Geistliche und Juristen an. Er ergänzt sich selbst. Der Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche ist Mitglied eigenen Rechtes. Der Konventual- Studiendirektor des Predigerseminars ist für die Dauer seiner Amtszeit Mitglied. Die Konventualen und der Konvent wählen den Abt und den Prior des Klosters Loccum. Der Konvent ist grundsätzlich frei in der Abtwahl, allerdings hat der Kirchensenat der Hannoverschen Landeskirche das Recht der Einflussnahme auf die Wahlliste.

Das Konventshaus wurde zwischen 1778 und 1780 als eindrucksvoller spätbarocker Fachwerkbau neu errichtet.[19]

Verbundene Einrichtungen[Bearbeiten]

Die andere Hälfte dieses Kunstwerkes steht beim Mutterkloster Volkenroda

Predigerseminar[Bearbeiten]

Das „Predigerseminar der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum“ wurde 1820 gegründet. Es ist eine Einrichtung der Hannoverschen Landeskirche und seit 2009 deren einziges Predigerseminar für die Ausbildung von Vikaren nach dem Studium während der zweiten Ausbildungsphase zum Pastor. Im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen werden auch Vikare der anderen Landeskirchen auf dem Gebiet Niedersachsens und Bremen ausgebildet. Das Predigerseminar wird von einem Kuratorium beraten und beaufsichtigt, den Vorsitz führt ein Vertreter der Ausbildungsabteilung im Landeskirchenamt Hannover. Zudem gibt es den Ausbildungsbeirat, in dem Vertreter der an der Ausbildung beteiligten Einrichtungen und Gremien einen „Runden Tisch“ bilden. Die Leitung des Predigerseminars obliegt dem Konventual-Studiendirektor, der vom Kuratorium im einvernehmen mit dem Konvent des Klosters Loccum vorgeschlagen und von der Landeskirche Hannovers berufen wird.,[20][21]

Die Wurzeln des Predigerseminars reichen bis in die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert.[22] Ein geregelter Studienbetrieb begann auf Initiative des Abtes Johann Christoph Salfeld im Jahre 1795. In den welfischen Ländern gab es zuvor bereits praktisch-theologische Ausbildungseinrichtungen, wie an den Landesuniversitäten in Helmstedt und Göttingen.

Akademie[Bearbeiten]

Seit 1952 wirkt die Evangelischen Akademie der Hannoverschen Landeskirche vis-à-vis dem Kloster.

Loccumer Vertrag[Bearbeiten]

Hauptartikel: Loccumer Vertrag

Am 19. März 1955 wurde im Kloster Loccum der Loccumer Vertrag zwischen dem Land Niedersachsen und den evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen abgeschlossen.[23] Er regelt die Beziehungen zwischen dem Staat und den evangelischen Kirchen, die als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannt sind. Der im Loccumer Refektorium unterzeichnete Vertrag ist richtungweisend für die Beziehungen zwischen dem Staat und den evangelischen Landeskirchen in Deutschland geworden.

Äbte des Klosters in evangelischer Zeit[Bearbeiten]

Der Titel des Abtes wurde über die Reformation und das Ende des klösterlichen Lebens hinaus bis heute beibehalten.

  • Johannes (VII.) Fenger (1591–1596)
  • Johannes (VIII.) Beese (1596–1600)
  • Theodor Stracke (1600–1629). Dieser Abt orientierte sich im Rahmen des behutsamen Übergangs des Klosters zum lutherischen Glauben offenbar wiederum stärker am römischen Bekenntnis. Ein Gemälde des 2,05 m großen Mannes befindet sich an der Südwand des Kreuzganges im Kloster. Das Taufbecken im Westen der Klosterkirche ist nach seinem Maß gefertigt.
  • Johann IX. Kitzow (1629–1657). Geboren 1594 als Sohn eines Pastors in Minden. Nach dem Studium der Theologie wurde er 1629 zum Nachfolger des verstorbenen Abtes, den er schon vorher vertreten hatte. Seine Amtszeit fiel in die unsichere Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Ein Jahr nach seiner Einführung wurde durch kaiserliches Dekret die Rückführung des Klosters in katholische Obrigkeit verfügt. Da Kitzow nicht konvertieren wollte, wurden nacheinander zwei katholische Äbte eingesetzt. Erst als Gustav Adolf an Einfluss gewann und sich die Lage der Evangelischen wieder besserte, konnte K. sein Amt 1634 wieder übernehmen, das er bis zu seinem Tod innehatte. Seine Ehefrau, die er mit fürstlichem Dispens heiratete, durfte nicht in einer geringeren Entfernung als zwei Meilen vom Kloster wohnen. Sein Grab befindet sich in der nordöstlichen Ecke des Kapitelsaales.
  • Johann X. Kotzebue (1657–1677). Geboren 1616 als Sohn eines Pastors und Rektors in Quedlinburg. Studium der Theologie in Wittenberg und Helmstedt. Bereits Konventual in Loccum wurde Kotzebue 1657 mit 41 Jahren zum Abt gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod 1677. Fünf Jahre nach seiner Einführung heiratete er, ebenfalls mit fürstlichem Dispens unter Rücksicht auf seine „Leibesschwäche“. Auch seine Ehefrau durfte nicht im Kloster wohnen. Kotzebue hatte sechs Kinder. Sein jüngster Sohn wurde Abt von Bursfelde.
  • Gerhard Wolter Molanus (1677–1722)
  • Just Christopherus Böhmer (1722–1732)
  • Georg Wilhelm Ebell (1732–1770)
  • Christoph Heinrich Chappuzeau (1770–1791)
  • Johann Christoph Salfeld (1791–1829)
  • August Ludwig Hoppenstedt (1830), anschließend Vakanz bis 1832
  • Friedrich Rupstein (1832–1876)
  • Gerhard Uhlhorn (1878–1901)
  • Georg Hartwig (1902–1927)
  • August Marahrens (1928–1950)
  • Johannes Lilje (1950–1977)
  • Eduard Lohse (1977–2000)
  • Horst Hirschler (seit 2000)

Konventual-Studiendirektoren des Predigerseminars[Bearbeiten]

  • Andreas Gottfried Groschupf (1795–1800)
  • Carl Georg Schuster (1800–1806)
  • Johann Friedrich Wilhelm Stützing (1809–1814)
  • Johann Friedrich Burchard Köster (1819–1822)
  • Justus Günther Eduard Leopold (1822–1832)
  • Carl Erich Hüpeden (1832–1842)
  • Eduard Twele (1842–1845)
  • Georg August Christlieb Wolde (1845–1850)
  • August Heinrich Adolf Schultze (1850–1858)
  • Friedrich Düsterdieck (1858–1865)
  • Carl Schuster (1865–1880)
  • Wilhelm Hölscher (1880–1885)
  • Albert Friedrich Hermann Rudolf Bückmann (1885–1893)
  • Ludwig Ihmels (1894–1898)
  • Hans Süßmann (1899–1902)
  • Franz Adolph Gustav Sprenger (1902–1906)

Literatur[Bearbeiten]

  • Christoph Erich Weidemann: Geschichte des Klosters Loccum. Mit Urkunden und einer Kupfertafel. Nach Weidemann’s Manuscripte bearbeitet, fortgesetzt und herausgegeben von Friedrich Burchard Köster. Baier, Göttingen 1822. (Digitalisat aus Wien und Digitalisat aus Harvard von Google Bücher)
  • Wilhelm von Hodenberg (Hrsg.): Archiv des Stifts Loccum (= Calenberger Urkundenbuch; 3. Abtheilung). Jänecke, Hannover 1858. (Digitalisat)
  • Heinrich Ludolf Ahrens: Zur ältesten Geschichte des Klosters Loccum. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen. 38 (1872), S. 1–47. (Teil 1), 40 (1874/1875), S. 372–423. (Teil 2), 41 (1876), S. 47–156. (Teil 3). (Digitalisate der SLUB Dresden)
  • Frithjoff Bestmann: Loccum. In: Philipp Meyer (Hrsg.): Die Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippes. Band 2: Kaarßen bis Zeven. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1941, S. 84–87.
  • Wilhelm Steinmann: Der Besitz des Klosters Loccum bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Eine Studie zur Wirtschaftsgeschichte der Zisterzienser. Diss. phil. masch. Göttingen 1951.
  • Conrad Wilhelm Hase. Baumeister des Historismus. Ausstellungskatalog. Historisches Museum am Hohen Ufer, Hannover 1968, S. 27: Restaurierung 1848–1854.
  • Horst Hirschler, Ernst Berneburg (Hrsg.): Geschichten aus dem Kloster Loccum. Studien, Bilder, Dokumente. Lutherhaus-Verlag, Hannover 1980.
  • Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Band 2, Landbuch-Verlag, Hannover 1992, ISBN 3-7842-0479-1.
  • Nicolaus Heutger: Das Kloster Loccum im Rahmen der zisterziensischen Ordensgeschichte. Zum 100. Geburtstag von Johannes XI. Lilje, Abt zu Loccum, und zur Expo 2000. Theodor Oppermann Verlag, Hannover 1999, ISBN 3-87604-030-2.
  • Johannes Jürgen Siegmund: Bischof Johannes Lilje, Abt zu Loccum. Eine Biographie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003. (Zugl. Diss. theol., Kirchliche Hochschule Neuendettelsau 2001)
  • Arbeitskreis Wasserwirtschaft der Zisterzienser: Die Wasserbaukunst im Kloster Loccum. Lukas Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-936872-81-3.
  • Horst Hirschler, Ludolf Ulrich (Hrsg.): Kloster Loccum. Lutherisches Verlagshaus, Hannover 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Loccum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. kirchenrecht-evlka.de
  2. Siehe die Website Kloster Loccum 2013.
  3. Mitgeteilt nach dem lateinischen Original bei Gottfried Wilhelm Leibniz: Scriptores rerum Brunsvicensium. Band 3, Förster, Hannover 1711, S. 690 f. und bei Wilhelm von Hodenberg (Hrsg.): Archiv des Stifts Loccum (= Calenberger Urkundenbuch; 3. Abtheilung). Jänecke, Hannover 1858, Nr. 1, S. 3..
  4. a b Werner Rösener: Die Wirtschaftsstruktur der niedersächsischen Zisterzienserklöster im Mittelalter. In: Jahrbuch für niedersächsische Kirchengeschichte. 88 (1990), S. 41–60, hier S. 48 ff.
  5. a b Arnold Nöldeke: Loccumer Hof. In: Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover. Band 1, H. 2, Teil 1, Selbstverlag der Provinzialverwaltung, Theodor Schulzes Buchhandlung, Hannover 1932 (Neudruck Verlag Wenner, Osnabrück 1979, ISBN 3-87898-151-1), S. 221–224.
  6. Waldemar R. Röhrbein: Loccumer Hof. In: Stadtlexikon Hannover. S. 413 f.
  7. Werner Rösener: Die Wirtschaftsstruktur der niedersächsischen Zisterzienserklöster im Mittelalter. In: Jahrbuch für niedersächsische Kirchengeschichte. 88 (1990), S. 41–60, hier S. 57 f.
  8. Werner Rösener: Die Wirtschaftsstruktur der niedersächsischen Zisterzienserklöster im Mittelalter. In: Jahrbuch für niedersächsische Kirchengeschichte. 88 (1990), S. 41–60, hier S. 59.
  9. a b c Christoph Erich Weidemann: Geschichte des Klosters Loccum. Mit Urkunden und einer Kupfertafel. Nach Weidemann’s Manuscripte bearbeitet, fortgesetzt und herausgegeben von Friedrich Burchard Köster. Baier, Göttingen 1822, S. 21–31..
  10. a b Christoph Erich Weidemann: Geschichte des Klosters Loccum. Mit Urkunden und einer Kupfertafel. Nach Weidemann’s Manuscripte bearbeitet, fortgesetzt und herausgegeben von Friedrich Burchard Köster. Baier, Göttingen 1822, S. 21–39..
  11. Peter Beer: Hexenprozesse im Kloster und Klostergebiet Loccum. V & R Unipress, Göttingen 2007, ISBN 978-3-89971-357-2, S. 52–60. und passim für das gesamte Thema.
  12. Namensliste der Opfer der Loccumer Hexenprozesse (PDF-Datei; 12 kB)
  13. Georg Speitel: Die Taufsteine in der Klosterkirche Loccum und in St. Marien zu Minden. In: Mitteilungen des Mindener Geschichtsvereins. 55 (1983), S. 103–110.
  14. Zur Sanierung der Klosterkirche
  15. Informationen der Landeskirche zur Sanierung der Stiftskirche
  16. Umfassende Informationen zur Geschichte der Orgeln und zum heutigen Instrument
  17. Verfassung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Vom 1. Juli 1971. In: Kirchenrecht Online-Nachschlagewerk.
  18. Verfassung des Klosters Loccum. Vom 17. Mai 1980. In: Kirchenrecht Online-Nachschlagewerk.
  19. Nichts lenkt von Gebet und Arbeit ab. In: Calenberger Zeitung. vom 2. September 2006, S. 15.
  20. predigerseminar-loccum.de
  21. landeskirche-hannovers.de
  22. Heinrich Holze: Zwischen Studium und Pfarramt. Die Entstehung des Predigerseminars in den welfischen Fürstentümern zur Zeit der Aufklärung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1985, S. 213–220.
  23. Kirchengesetz über den Vertrag der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der übrigen evangelischen Landeskirchen Niedersachsens mit dem Lande Niedersachsen. Vom 14. April 1955. In: Kirchenrecht Online-Nachschlagewerk.
  24. http://www.stadtarchiv.goettingen.de/chronik/1950_12.htm https://stiftskirche-wunstorf.de/?q=drcordcordes