Kloster Loccum

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Kloster Loccum ist ein ehemaliges Kloster der Zisterzienser in der Stadt Rehburg-Loccum, Niedersachsen nahe dem Steinhuder Meer. Auf eine Stiftung der Grafen Wilbrand von Hallermund zurückgehend, wurde es 1163 als Filialgründung des Klosters Volkenroda in Thüringen errichtet. Primarabtei ist das Kloster Morimond.

Blick auf das Kloster Loccum

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Klosterkirche um 1840 aus gleicher Perspektive wie Foto oben
Innenraum der Klosterkirche

Im Jahr 1163 begannen in Loccum zwölf Zisterziensermönche aus Volkenroda mit dem Bau des Klosters. Das war die übliche, am Vorbild der zwölf Jünger Jesu orientierte Größe einer Gründungsgemeinschaft im Zisterzienserorden. Einige Zeit später lebten mindestens 24 Brüder im Loccumer Konvent, wie aus einer Verkaufsurkunde von 1199 hervorgeht.

Wichtiges Kennzeichen der Zisterzienser war, dass sie nicht von Abgaben der ihnen unterstellten Bauern leben wollten, sondern von ihrer eigenen Arbeit. Deswegen lebten in den zisterziensischen Konventen nicht nur Priestermönche, die sich vor allem einem asketischen Leben im Gebet widmeten. Vielmehr gab es in jedem Kloster zumindest in der Anfangszeit eine große Anzahl von Laienbrüdern, deren Hauptaufgabe die Arbeit zur Erhaltung der Gemeinschaft war. Diese Laienbrüder lebten in eigenen Räumlichkeiten auf dem Klostergelände und hatten deutlich erleichterte Gebets- und Askesevorschriften, um die harte körperliche Arbeit leisten zu können. So war es auch in Loccum, wo sie wie üblich im Westflügel des Klosters untergebracht waren. Die Brüder bewirtschafteten den von den Grafen von Hallermund gestifteten Klosterbesitz, wobei sie größere Ländereien, so zum Beispiel nördlich von Loccum gelegene Moorgebiete um den Grinderwald, überhaupt erst urbar machten.

Die zisterziensische Form der Klosterwirtschaft brachte es mit sich, dass einige Laienbrüder außerhalb des eigentlichen Klosters in relativ weit entfernten Wirtschaftshöfen, den sogenannten Grangien, lebten. Von Loccum aus entstanden nach und nach zehn solcher "Außenstellen". Dies zeigt das Wachstum und den wirtschaftlichen Erfolg des Klosters. Ein Indiz für die dynamische Entwicklung des Konventes ist auch die Angabe der Jüngeren Mindener Bischofschronik, es habe in der Klosterkirche 70 Sitze für Laienbrüder gegeben.

Loccum unterstand dem direkten Schutz des Reiches sowie des Papstes. Es führte den Titel eines Freien Reichsklosters. Vom Kloster Loccum ausgehend wurde 1186 das Kloster Reinfeld besetzt.

1585 kam das Loccumer Kloster bei Bestätigung aller bisheriger Rechte unter die Hoheit der welfischen Landesherren. Ende des 16. Jahrhunderts nahm das Kloster die Augsburger Konfession, also das Luthertum, an. Mit dem Übertritt zur evangelischen Kirche war selbstverständlich ein Ende des mönchischen Lebens im ursprünglichen Sinn verbunden. Die Konventsmitglieder, jetzt lutherische Geistliche, legten nicht mehr die klassischen Mönchsgelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit ab, sondern waren in der Regel verheiratete Pastoren. Die Gemeinschaft behielt aber ihr Klostererbe bis zur Agrarreform im 19. Jahrhundert und wird seit dieser Zeit als calenbergischer Landstand geführt. Die landständische Eingliederung war verbunden mit der Übernahme des Vorsitzes in der Ständeversammlung, dem Calenberger Landtag, durch den jeweiligen Abt des Klosters, eine Aufgabe, die bis heute wahrgenommen wird.

[Bearbeiten] Vorläuferanlage

Burghügel der Luccaburg, ab 1820 Grabdenkmal

Namensgeber von Loccum war die Luccaburg, deren Reste in der Art einer Erdhügelburg sich etwa 1 km südlich des Klosters in der Niederung der Fulde befinden. Die Burg ist nach dem Geschlecht derer von Lucca benannt worden. Ihre Entstehungszeit wird im 9. oder 10. Jahrhundert vermutet. Von der Burganlage, die aus einem aufgeschütteten kreisrunden Hügel von 40 m Durchmesser bestand, sind kaum oberirdischen Steinreste mehr vorhanden. Bei archäologischen Untersuchungen 1820, 1893 und 1914 wurde eine 2 m starke und fast 3 m tief in den Boden hineinreichende Ringmauer gefunden. Die Burg wurde wahrscheinlich bereits vor der Gründung des Klosters aufgegeben. Seit 1820 befindet sich am Burghügel ein Grabdenkmal für einen 1818 verstorbenen Prior und Provisor des Klosters Loccum.

[Bearbeiten] Rechtsstellung

Die heutige Rechtsstellung des Klosters ergibt sich aus der Kirchenverfassung der Hannoverschen Landeskirche und der Klosterverfassung. Die landeskirchliche Rechtssetzung billigt dem Kloster eine weitgehende Autonomie, einschließlich des Rechts auf freie Abtwahl zu. Allerdings werden die landeskirchlichen Aufsichtsrechte, die durch den Kirchensenat ausgeübt werden, gewahrt. Die einzige durch die Kirchenverfassung festgelegte Aufgabe ist der Unterhalt des Predigerseminars.

[Bearbeiten] Konvent

Der Konvent des Klosters besteht heute in der Regel aus vier bis acht rechtskundigen und in der Mehrheit geistlichen Mitgliedern. Er ergänzt sich selbst, mit Ausnahme der Konventualen, die dem Konvent per Amt angehören: Der Landesbischof der Hannoverschen Landeskirche und der Konventual-Studiendirektor des Predigerseminars. Aus dem Kreis der Konventualen und durch den Konvent wird der Abt und der Prior des Klosters gewählt. Der Konvent ist grundsätzlich frei in der Abtwahl, allerdings hat der Kirchensenat der Hannoverschen Landeskirche das Recht der Einflussnahme auf die Wahlliste.

Das Konventshaus ist zwischen 1778 und 1780 als eindrucksvoller spätbarocker Fachwerkbau neu errichtet worden.[1]

[Bearbeiten] Verbundene Einrichtungen

Die andere Hälfte dieses Kunstwerkes steht beim Mutterkloster Volkenroda

Das Kloster wird als evangelisches Predigerseminar genutzt. Die Wurzeln dazu reichen bis in die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Ein geregelter Studienbetrieb begann auf Initiative des Abtes Johann Christoph Salfeld im Jahre 1795. In den welfischen Ländern gab es zuvor bereits praktisch-theologische Ausbildungseinrichtungen, z.B. an den Landesuniversitäten in Helmstedt und Göttingen. Loccum ist auch Sitz der Evangelischen Akademie der Hannoverschen Landeskirche.

[Bearbeiten] Architektur

Das Kloster ist bekannt für seine gut überlieferte, bis in die spätromanische Zeit zurückreichende Bauanlage mit Kirche, Kreuzgang und den anliegenden Räumen sowie den Wirtschaftsgebäuden. Auch die zum Kloster gehörende Teich- und Waldlandschaft in der Umgebung erlaubt wertvolle Einblicke in die ursprüngliche Organisation des Klosters als Wirtschaftsbetrieb.

Die Klosterkirche St. Maria und Georg (heute Pfarrkirche St. Georg) wurde wahrscheinlich in den Jahren von 1230/40 bis 1280 errichtet.

[Bearbeiten] Loccumer Vertrag

Am 19. März 1955 wurde im Kloster Loccum der Loccumer Vertrag zwischen dem Land Niedersachsen und den evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen abgeschlossen.

[Bearbeiten] Äbte des Klosters in evangelischer Zeit

  • Johannes (VII.) Fenger (1591–1596)
  • Johannes (VIII.) Beese (1596–1600)
  • Theodor Stracke (1600–1629). Dieser Abt orientierte sich im Rahmen des behutsamen Übergangs des Klosters zum lutherischen Glauben offenbar wiederum stärker am römischen Bekenntnis. Ein Gemälde des 2,05 m großen Mannes befindet sich an der Südwand des Kreuzganges im Kloster. Das Taufbecken im Westen der Klosterkirche ist nach seinem Maß gefertigt.
  • Johann IX. Kitzow (1629–1657). Geboren 1594 als Sohn eines Pastors in Minden. Nach dem Studium der Theologie wurde er 1629 zum Nachfolger des verstorbenen Abtes, den er schon vorher vertreten hatte. Seine Amtszeit fiel in die unsichere Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Ein Jahr nach seiner Einführung wurde durch kaiserliches Dekret die Rückführung des Klosters in katholische Obrigkeit verfügt. Da Kitzow nicht konvertieren wollte, wurden nacheinander zwei katholische Äbte eingesetzt. Erst als Gustav Adolf an Einfluss gewann und sich die Lage der Evangelischen wieder besserte, konnte K. sein Amt 1634 wieder übernehmen, das er bis zu seinem Tod innehatte. Seine Ehefrau, die er mit fürstlichem Dispens heiratete, durfte nicht in einer geringeren Entfernung als 2 Meilen vom Kloster wohnen. Sein Grab befindet sich in der nordöstlichen Ecke des Kapitelsaales.
  • Johann X. Kotzebue (1657-1677). Geboren 1616 als Sohn eines Pastors und Rektors in Quedlinburg. Studium der Theologie in Wittenberg und Helmstedt. Bereits Konventual in Loccum wurde K. 1657 mit 41 Jahren zum Abt gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod 1677. Fünf Jahre nach seiner Einführung heiratete er, ebenfalls mit fürstlichem Dispens unter Rücksicht auf seine "Leibesschwäche". Auch seine Ehefrau durfte nicht im Kloster wohnen. Kotzebue hatte sechs Kinder. Sein jüngster Sohn wurde Abt von Bursfelde.
  • Gerhard Wolter Molanus (1677–1722)
  • Just Christopherus Böhmer (1722–1732)
  • Georg Wilhelm Ebell (1732–1770)
  • Christoph Heinrich Chappuzeau (1770–1791)
  • Johann Christoph Salfeld (1791–1829)
  • Ludwig Hoppenstedt (1830), anschließend Vakanz bis 1832
  • Friedrich Rupstein (1832–1876)
  • Gerhard Uhlhorn (1878–1901)
  • Georg Hartwig (1902–1927)
  • August Marahrens (1928–1950)
  • Johannes Lilje (1950–1977)
  • Eduard Lohse (1977–2000)
  • Horst Hirschler (seit 2000)

[Bearbeiten] Studiendirektoren des Predigerseminars

  • Andreas Gottfried Groschupf (1795–1800)
  • Carl Georg Schuster (1800–1806)
  • Johann Friedrich Wilhelm Stützing (1809–1814)
  • Johann Friedrich Burchard Köster (1819–1822)
  • Justus Günther Eduard Leopold (1822–1832)
  • Dieter Andersen (bis 1964)
  • Martin Kruse (1964–1970)
  • Horst Hirschler (1970–1977)
  • Jan Olaf Rüttgardt (1977–1982)
  • Dieter Zinßer (1982–1988)
  • Jürgen Johannesdotter (1988–1992)
  • Hartmut Keitel (1992–1996)
  • Michael Wohlgemuth (1996–2003)
  • Matthias Schlicht (2003–2008)
  • Christian Stäblein (seit 2008)

[Bearbeiten] Literatur

  • Wilhelm Steinmann, Der Besitz des Klosters Loccum bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Eine Studie zur Wirtschaftsgeschichte der Zisterzienser, Diss. phil. masch. Göttingen 1951
  • Frithjoff Bestmann: Art. Loccum. In: Philipp Meyer (Hg.): Die Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippes. Bd. 2 Kaarßen bis Zeven. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1941, S. 84-87.
  • Conrad Wilhelm Hase. Baumeister des Historismus. Ausstellungskatalog. Historisches Museum am Hohen Ufer, Hannover 1968. Seite 27: Restaurierung 1848-1854.
  • Horst Hirschler, Ernst Berneburg (Hrsg.): Geschichten aus dem Kloster Loccum. Studien, Bilder, Dokumente. Hannover 1980.
  • Wilhelm von Hodenberg (Hrsg.): Archiv des Stifts Loccum (= Calenberger Urkundenbuch; 3. Abtheilung). Hannover: Jänecke 1858. (Digitalisat)
  • Heinrich Holze: Zwischen Studium und Pfarramt. Die Entstehung des Predigerseminars in den welfischen Fürstentümern zur Zeit der Aufklärung. Göttingen 1985. Zugl. Diss., Univ. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1984.
  • Johannes Jürgen Siegmund: Bischof Johannes Lilje, Abt zu Loccum. Eine Biographie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2003. Zugl. Diss. theol., Kirchliche Hochschule Neuendettelsau 2001.
  • Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Band II. Hannover: Landbuch-Verlag 1992. ISBN 3-7842-0479-1
  • Arbeitskreis Wasserwirtschaft der Zisterzienser: Die Wasserbaukunst im Kloster Loccum. Berlin: Lukas Verlag 2006. ISBN 978-3-936872-81-1
  • Peter Beer: Hexenprozesse im Kloster und Klostergebiet Loccum Göttingen: V&R unipress 2007. ISBN 978-3-89971-357-2
  • Nicolaus Heutger, Das Kloster Loccum im Rahmen der zisterziensischen Ordensgeschichte: zum 100. Geburtstag von Johannes XI.Lilje, Abt zu Loccum----- ISBN 3-87604-030-2 Theodor Oppermann Verlag, Hannover

[Bearbeiten] Quellen

  1. Nichts lenkt von Gebet und Arbeit ab; Calenberger Zeitung vom 2. September 2006, Seite 15

[Bearbeiten] Weblinks

52.4519444444449.1505555555556Koordinaten: 52° 27′ 7″ N, 9° 9′ 2″ O

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