Kloster Niedernburg

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Die Türme der Klosterkirche
Innenraum der Klosterkirche
Das Grab der Seligen Gisela von Bayern

Das Kloster Niedernburg Passau ist eine ehemalige Abtei der Benediktinerinnen und heutiges Kloster der Englischen Fräulein in der Altstadt von Passau in Bayern im Bistum Passau.

Geschichte[Bearbeiten]

Helmut de Boor meint, das Kloster Niedernburg könnte das in dem 'Nibelungenlied' erwähnte Kloster sein: "Der Dichter [vom 'Nibelungenlied'] weiß auch, dass in Passau am Zusammenfluss von Donau und Inn ein Kloster liegt; [...] Es ist das alte Benediktinerinnenkloster Niedernburg; man kann erwägen, ob der Dichter zu diesem Kloster in besonderer Beziehung gestanden hat."[1]

Das Kloster wurde 739 durch die Agilolfinger (Herzog Odilo oder Tassilo III. von Bayern) gegründet. Niedernburg erhielt 1010 von Heinrich II. die Reichsunmittelbarkeit verliehen. Im 11. Jahrhundert entstand die romanische Pfeilerbasilika Heiligkreuz. Mitte des 11. Jahrhunderts wurde hier die Äbtissin Gisela von Bayern, Schwester Kaiser Heinrichs II. und Witwe des ungarischen Königs Stephan des Heiligen bestattet. Im 12. Jahrhundert wurde als zweiter Sakralbau eine Marienkirche errichtet.

Das Kloster Niedernburg wurde 1161 von Friedrich I. Barbarossa dem Passauer Fürstbischof Konrad I. von Babenberg geschenkt, wodurch es die Reichsunmittelbarkeit wieder verlor. Sein Nachfolger Wolfger von Erla erhielt von Kaiser Heinrich IV. im Jahr 1191 auch Königssteuer und Vogteirechte, sodass Niedernburg zum Eigenkloster der Passauer Bischöfe wurde und der weite Grundbesitz des Klosters den wirtschaftlichen Grundstock für das Hochstift Passau bilden konnte. Die Äbtissin wurde von Wolfger abgesetzt und die Leitung des Klosters an eine Dechantin übertragen.

Im 15. Jahrhundert wurde das Grab der als Seligen verehrten Gisela das Ziel zahlreicher ungarischer Pilger. Um 1500 wurde die damalige Dechantin Ursula von Schönstein von Papst Alexander VI. wieder in den Rang einer Äbtissin erhoben wurde. 1583 öffnete Fürstbischof Urban von Trennbach den Konvent auch für Bürgertöchter. Die beiden verheerenden Passauer Stadtbrände von 1662 und 1680 zerstörten jeweils auch das Kloster. Heiligkreuz-Kirche und Konventgebäude wurden aber schnell wieder errichtet. 1780 wurde in Niedernburg eine Mädchenschule eingerichtet.

Das Kloster wurde 1806 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. In der Klosteranlage wurde 1815 eine Besserungs- und Beschäftigungsanstalt der Polizei, 1822 eine Irrenanstalt und 1826 ein Taubstummenheim untergebracht. Bischof Karl Joseph von Riccabona konnte 1836 in Kloster Niederburg Englische Fräulein ansiedeln, die hier das "Gisela-Gymnasium", die "Gisela-Realschule" und ein Schülerinnenheim einrichteten.

Das Grab der in Ungarn sehr verehrten seligen Äbtissin Gisela, Königin von Ungarn, wird von vielen Pilgern besucht.

Klosterkirche Zum Heiligen Kreuz[Bearbeiten]

Die Klosterkirche Zum Heiligen Kreuz ist eine romanische Pfeilerbasilika aus dem 12. Jh. Die Vorhalle ist noch älteren Datums. Das Gewölbe ist barock. Vom linken Seitenschiff getrennt ist die gotische Erasmuskapelle mit Taufstein, Wandfresko und Pietà-Gruppe von 1420. An den Langhauspfeilern sind gotische und barocke Figuren zu sehen. Im südlichen Querhaus befindet sich ein Monument der seligen Gisela sowie Grabdenkmäler des 14. bis 17. Jh. Das Hochaltarkreuz stammt aus dem Jahr 1508.

Die Klosterkirche und das Kloster erlitten bei einem Brand 1662 Schaden. An die Kirche schließt sich ein spätgotischer Kreuzgang an. Auf der Ostseite des Klosters steht die 1150 erbaute aber seit 1662 Ruine gebliebene St.-Marien-Kirche.

Literatur[Bearbeiten]

  • Leidl August: 150 Jahre Institut der Maria-Ward-Schwestern in Passau-Niedernburg, in: Ostbairische Grenzmarken 29 (1987) 151-158.
  • Dehio Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Bayern II: Niederbayern (München 1988) 526-531.
  • A. Grüneis, Die Kgn. U. Äbtissin G. und ihr Grab in d. Klosterkirche v. Niedernburg, in: Jahresbericht Passau 1953; M. Birgit-Hielscher, Gisela, Königin von Ungarn u. Äbtissin v. Passau-Niedernburg, i: OG 10, 1968; A. Leidl, Die sel. G., Kgn. v. Ungarn (um 985-um 1060), in: Bavaria Sancta, III, 1973.
  • Mader Franz: Vergessene Kirchen. Profanierte oder abgebrochene Kirchen und Kapellen in Passau = Der Passauer Wolf. Veröffentlichungen zur Kulturgeschichte Passaus 14 (Passau 2000) 24-31.
  • Stein-Kecks Heidrun: Die romanischen Wandmalereien in der Vorhalle zur ehemaligen Marienkirche des Klosters Niedernburg, in: Möseneder Karl (Hg.): Kunst in Passau. Von der Romanik zur Gegenwart (Passau 1993) 30-59.
  • Kloster Niedernburg, Gisela und das Kloster Niedernburg, CD-ROM Passau 2008.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Nibelungenlied. Nach der Ausgabe von Karl Bartsch. Herausgegeben von Helmut de Boor. 22. Auflage. Mannheim: F.A. Brockhaus 1988. S.VIII.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Niedernburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.57416666666713.471944444444Koordinaten: 48° 34′ 27″ N, 13° 28′ 19″ O