Kloster Nienburg

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Portal der Klosterkirche Nienburg

Das Kloster Nienburg war ein Kloster der Benediktiner in Nienburg an der Saale im Salzlandkreis, Sachsen-Anhalt.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf dem Areal wurde zwischen 930 und 950 die „Neue Burg“ (= Nienburg) errichtet. Mit dem Ziel, die damals noch sorbische Bevölkerung der Region zu missionieren, wurde im Jahre 975 die 970 in Thankmarsfelde im Harz gegründete Benediktiner-Abtei in das Kastell verlegt. Die Umbauarbeiten dauerten über 30 Jahre.

Erst am 8. August 1004 wurde die bis heute erhaltene Klosterkirche im Beisein König Heinrichs II. geweiht, der sich auf Kriegszug gegen die Polen befand. Gleichzeitig erhielt die Stadt das Markt- und Münzrecht. Das Kloster wurde von Kaiser Otto II. zu einem Reichskloster erklärt. Es entwickelte sich bald zu einem der wohlhabendsten Klöster der Region. Zum Kloster gehörten zahlreiche Besitzungen und Orte, darunter Harzgerode, Niemitsch und Lübben. Sie lagen jedoch isoliert zwischen Harz und Lausitzer Neiße verstreut. Noch 1115 bedrohten aufständische Sorben letztmals die Gebiete des Klosters Nienburg.

Um 1073 machte Graf Adalbert (von Ballenstedt), der Großvater Albrechts des Bären, dem Kloster mehrere Schenkungen. 1166 übertrug Kaiser Friedrich Barbarossa das Kloster Nienburg und die Burg Freckleben dem Erzbistum Magdeburg im Tausch gegen dessen Besitzungen am Rhein - die Burg Schönburg, das Dorf Oberwesel und den Hof Jugenheim. Infolgedessen musste Markgraf Albrecht der Bär von Brandenburg nach schließlich vergeblichem Widerstand seine bisher vom Reich zu Lehen gehende Vogtei über das Nienburger Kloster vom Magdeburger Erzbischof zu Lehen nehmen. Zwischen Albrechts Enkel, Fürst Heinrich von Anhalt, und den Nienburger Äbten kam es zu einem erbitterten Streit, der 1239 mit einer Beschneidung der Rechte des Vogtes endete. Als Folge der Reformation und der Bauernkriege wurde es 1563 an die Fürsten von Anhalt-Köthen übergeben, die das Klausurgebäude von 1680 bis 1690 umbauten, um es als Schloss und Witwensitz zu nutzen.

Im Jahre 1871 wurde das Schloss an einen Industriellen verkauft, der das Gebäude zu einer Malzfabrik umbaute. 1996 wurden Teile desselben durch einen Brand zerstört, der von spielenden Kindern verursacht wurde.

Die gut erhaltene tausendjährige Klosterkirche St. Marien und St. Cyprian von 1004 ist eines der bedeutendsten frühgotischen Bauwerke im mitteldeutschen Raum. Sie gehört zur Evangelischen Landeskirche Anhalts und wird heute ökumenisch genutzt. Die Kirche ist eine Station an der Straße der Romanik.

67 Bände der Klosterbibliothek, darunter eine Pergamenthandschrift aus dem 10. Jahrhundert, kamen 1567 in die Bibliothek des Stifts St. Bartholomäi in Zerbst/Anhalt und mit dieser 1803 in die Francisceumsbibliothek.

Literatur[Bearbeiten]

  • Erich Vogel: Chronik des Nienburger Klosters, Teil 2 1004 bis 1563 (Broschüre der Evangelischen Kirchengemeinde St. Johannis und St. Marien sowie Katholische Kirchengemeinde St. Nicolaus), Nienburg/Saale

Weblinks[Bearbeiten]

51.83651211.771758Koordinaten: 51° 50′ 11,4″ N, 11° 46′ 18,3″ O