Kloster Petershausen

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Kloster Petershausen
Wappen
Wappen 1594 BSB cod icon 326 010 crop.jpg
Alternativnamen Reichsstift Petershausen
Herrscher/Regierung Abt
Heutige Region/en DE-BW
Reichstag 1 Kuriatsstimme auf der Schwäbischen Prälatenbank
Reichskreis Schwäbischer Reichskreis
Kreistag 1 Kuriatsstimme auf der Prälatenbank
Hauptstädte/Residenzen Petershausen (Konstanz)
Konfession/Religionen römisch-katholisch
Sprache/n deutsch
Fläche 40 km²
Einwohner 1 400
Aufgegangen in Säkularisation 1802; Markgrafschaft Baden

Das Kloster Petershausen war eine Reichsabtei des Benediktinerordens in Konstanz (Stadtteil Petershausen), gegründet vor 983, säkularisiert 1802. Seine Bauten, ursprünglich vor den Toren der Stadt an der Rheinmündung gelegen, finden sich heute im Süden des nach dem Kloster benannten Stadtteils Petershausen und beherbergen unter anderem die zentrale Schausammlung des Archäologischen Landesmuseums Baden-Württemberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die Konstanzer Kirchenlandschaft um das Jahr 1000
Grundsteinlegung des Klosters Petershausen durch Bischof Gebhard von Konstanz, Historiengemälde von Gebhard Fugel (1908)
Übertragung der Reliquie des Hl. Gregor (Stich gegen Ende des 17. Jahrhunderts)

Das Kloster Petershausen wurde von Gebhard II., Bischof von Konstanz, gegründet und mit Erbgütern ausgestattet. Im Jahr 983 wurden die ersten Klosterbauten und eine Kirche errichtet. Die Kirche wurde dem Petersdom in Rom nachempfunden. Daher stammt auch der lateinische Name Petri domus, der später zu Petrihusa (erstmals 1099 erwähnt) und zum heutigen Petershausen wurde. Der Ort auf der rechten Rheinseite war ebenfalls analog zum Petersdom gewählt, nachdem Gebhards Amtsvorgänger Konrad I. bereits drei Kirchen nach dem Vorbild der römischen Patriarchalbasiliken errichtet hatte. Der Seerhein diente als Entsprechung zum römischen Tiber. Die Nähe zur Bischofskirche, dem Konstanzer Münster, verdeutlichte die Bedeutung der Neugründung als bischöflichem Eigenkloster.

Die ersten Mönche des Klosters kamen aus dem Kloster Einsiedeln, einer benediktinischen Reformgründung von 934. Bereits Bischof Gebhard sorgte für die Exemtion des Klosters. Im Prinzip konnte der Konvent den Abt und den Schutzvogt des Klosters frei wählen, doch die Konstanzer Bischöfe und Vögte des Hochstifts sicherten sich stets gewichtigen Einfluss. Am 28. Oktober 992 folgte die Weihe der Kirche zu Ehren Papst Gregors des Großen, dessen Haupt als kostbare Reliquie aus Rom nach Konstanz übergeführt worden war. Bischof Gebhard wurde selbst in der Klosterkirche beigesetzt und 1134 heiliggesprochen.

Reform und Reichsfreiheit[Bearbeiten]

Im 11. Jahrhundert kam es zum Verfall des Ordensgeistes. Bischof Gebhard III. holte deshalb Mönche aus dem Reformkloster Hirsau. Abt Theoderich (1086–1116) konnte das Kloster reformieren und sogar Mönche an andere Klöster abgeben. 1086 scheiterte eine Klostergründung in Andelsbuch (Bregenzer Wald); sie glückte schließlich 1092 in Mehrerau. Als Gebhard III. abgesetzt wurde, zog der Bruder des Nachfolgers Arnold von Heiligenberg die Vogtei an sich. Abt Theoderich musste von 1103-05 mit einem Teil seiner Mönche das Kloster verlassen und Zuflucht im Kloster Kastl suchen, bis der alte Bischof wieder eingesetzt wurde. Theoderich entsandte Mönche in das umgewandelte Stift Neresheim und reformierte das Kloster in Wagenhausen.

1159 brannte die Abtei ab und wurde 1162 bis 1180 neu erbaut und später mehrmals erweitert.

Im späten 12. Jahrhundert kam Petershausen unter den Schutz der Staufer. Unter Friedrich II, erlangte die Abtei die Reichsfreiheit und löste sich vom Bistum, indem es sich kaiserliche und päpstliche Privilegien sicherte.

Konzil und Reformation[Bearbeiten]

Während des Konstanzer Konzils (1414–1418) war König Sigismund zu Gast im Kloster. Papst Johannes XXIII., den das Konzil später absetzte, verlieh dem Petershauser Abt Johannes Frei (1392–1425) das Recht, die Pontifikalien zu tragen. Am 28. Februar 1417 trat das Provinzialkapitel der Ordensprovinz Mainz-Bamberg in Petershausen zusammen.

Wiederholt versuchte die Stadt Konstanz im 15. und 16. Jahrhundert die Herrschaft über das Kloster zu gewinnen. Auch Bischof Hugo von Hohenlandenberg (1496–1529) versuchte, das Kloster samt seiner Besitzungen dem Fürstbistum Konstanz einzuverleiben, wurde jedoch von Maximilian I. daran gehindert. Abt Johannes Merk (1518-24) gelang schließlich die Reform des zerrütteten Konvents. Die Mönche wurden wieder enger an ihre Pflicht gebunden und die Schulden wurden reduziert.

Die Errungenschaften der Reformen hielten nicht lange vor, da sich in diesen Jahren in Konstanz die Reformation durchsetzte und der Rat der Stadt von den Mönchen einen Treueeid forderte, um ihnen Bürgerrechte und Bürgerpflichten – vor allem die Zahlung von Steuern – aufzuerlegen. 1528 suchte der Abt Schutz in Überlingen, wohin auch Klosterarchiv und Kirchenschatz verlegt wurden. 1530 vertrieb die Stadt den Konvent und ließ einen Teil des Klosters abbrechen. Die Kirche wurde im Bildersturm verwüstet. Als die Habsburger 1548 die Stadt zur Rekatholisierung zwangen, plünderten ihre Soldaten das Kloster. Erst 1556 kehrten Abt und Konvent in die übel verwüsteten Klostergebäude zurück.

Barockzeit[Bearbeiten]

Das Kloster Petershausen im Jahr 1627

1575 wurde Petershausen in das Schwäbische Reichsprälatenkollegium aufgenommen, das die Interessen der Klöster im Reichstag vertrat. 1583 erfolgte die Vereinigung mit der fast ausgestorbenen Abtei St. Georgen in Stein am Rhein und der Propstei Klingenzell. 1603 gründeten Petershausen und die Abtei Weingarten gemeinsam die Oberschwäbische Benediktinerkongregation.

Im Dreißigjährigen Krieg litt das Kloster unter den Kriegshandlungen, aber auch unter der Stadt Konstanz, die Steuern für Festungsbauten einforderte. Mehrere Äbte wurden in dieser Zeit vom Bischof abgesetzt, angeblich wegen schlechter Führung. Nach dem Krieg erlebte das Kloster dank der Gegenreformation einen Aufschwung. Verträge mit den Städten Konstanz und Überlingen sowie der Deutschordenskommende Mainau wurden geschlossen. 1671 gründete Abt Wunibald die Engelbruderschaft zur Bekehrung der Sünder, um die Beichtpraxis zu fördern. Einige Mönche des 17. und 18. Jahrhundert machten sich als Prediger und Gelehrte einen Namen. Darunter war der gelehrte Pater Johann Georg Übelacker (* um 1740), der den Entwurf zum Neubau des Klosters lieferte, das 1769 erstellt wurde.[1]

Säkularisation[Bearbeiten]

Das Kloster im frühen 18. Jahrhundert
Urkunde der Inbesitznahme des Klosters durch die Söhne des Markgrafen von Baden (1802)

Das Kloster wurde 1802 säkularisiert und fiel an die Markgrafschaft Baden. Die Abteigebäude dienten zunächst als Wohnsitz der Söhne des Markgrafen Karl Friedrich von Baden, die sich zeitweilig „Grafen von Petershausen“ nannten, bis ihre kleine Grafschaft 1807 dem Großherzogtum Baden eingegliedert wurde. Ab 1813/14 dienten die Klosterbauten als Militärspital, ab 1850 als Kaserne. Die Kirche wurde 1819 geschlossen und 1832 abgerissen. Die Klosterbibliothek wurde von der Universität Heidelberg aufgekauft und in die Universitätsbibliothek Heidelberg überführt, wo Arbeiten wie das Petershausener Sakramentar und die Casus monasterii Petridomus (Chronik des Klosters Petershausen) als Digitalisat im Rahmen der Codices Salemitani auch online einsehbar sind.[2]

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Das Kloster wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst durch badische, dann deutsche und nach dem Zweiten Weltkrieg bis 1977 durch die französischen Truppen genutzt. Konstanz gehörte nach dem Zweiten Weltkrieg zur Französischen Besatzungszone.[3]

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Der Ostflügel des ehemaligen Klosters Petershausen mit dem Anbau des Archäologischen Landesmuseums

Das Stadtarchiv befindet sich seit 1984 im Westflügel. Seit 1992 beherbergen die Klosterbauten im Ost- und Mittelflügel die zentrale Schausammlung des Archäologischen Landesmuseums.[1] Für die Ausstellungsstücke zur Bodenseeschifffahrt wurde eigens ein repräsentativer moderner Anbau, eine Konstruktion aus Stahl und Glas geschaffen, der dem Ostflügel des Museums zum Sternenplatz hin vorgelagert ist.

Weiterhin sind in den Klostergebäuden die Polizeidirektion Konstanz, Teile des Landratsamtes sowie eine Musikschule untergebracht.

Klosterterritorium[Bearbeiten]

Zum Klostergebiet gehörte neben dem eigentlichen Klostergelände die Gemeinde Hilzingen und die Herrschaft Herdwangen – insgesamt dreiviertel Quadratmeilen.[4]

Äbte von Petershausen[Bearbeiten]

  • Periger-Bezelin (993, 996)
  • Ellimbold († um 1003)
  • Walther (1003/04)
  • Siegfried
  • Erchimbold
  • Folmar (1043)
  • Adalbert (ca. 1044, 1058-1060†)
  • Siggo (1061/62†)
  • Arnolf (abgesetzt 1064)
  • Meginrad (1079, zurückgetreten 1080/81)
  • Liutold (abgesetzt 1085)
  • Otto (1085/86)
  • Theoderich (1086-1116†)
  • Werner (Gegenabt, 1103/04)
  • Bertholf (1116-1127, abgesetzt)
  • Konrad I. (1127-1164†)
  • Gebhart I. (1164-1171)
  • Heinrich I. (1171-1182)
  • Eberhard (ca. 1195, 1200-1218, ca. 1222)
  • Konrad II. (1225-1248)
  • Ulrich I. (1248-1258)
  • Heinrich II. (1259)
  • Heinrich III. (1289)
  • Diethelm von Kastel (1292-1321)
  • Ulrich II. (1321-1329)
  • Konrad III. Auf dem Hof (1329-1339?)
  • Burkhart I. (1339-1342?)
  • Johann I. (1340-exz)
  • Johann II. (-1352/53)
  • Heinrich IVON (1354-1360)
  • Burkhart II. Lützler (1360-1386)
  • Heinrich VON Sämli (1386-1391)
  • Johann III. Frey (1392-1425)
  • Johann IV. Am Feld (1426-1427)
  • Diethelm II. Wiß (1427, 1443)
  • Johann V. Hüw (1443-1451)
  • Nikolaus Roschach (1451-1473)
  • Johann VI. Sünderstorff (1473-1489)
  • Martin Brülin (1489/90, 1495)
  • Johann VII. Merk (1495-1524)
  • Andreas I. Berlin (1524-1526)
  • Gebhart II. Dornsperger (1526-1556)
  • Christoph Funk (1556-1580)
  • Andreas II. Öxlin (1580/81-1605)
  • Johannes VIII. Stephani (1605-1608)
  • Jakob Renz (1608-1621)
  • Benedikt Pfeiffer (1623-1638/39)
  • Wilhelm Rotbach (1639-1671)
  • Wunibald Saur (1671-1685)
  • Franz Öderlin (1685-1714)
  • Placidus Weltlin (1714-1737)
  • Alphons Strobel (1737-1750)
  • Michael Sautter (1750-1761)
  • Georg Strobel (1761-1786)
  • Joseph Keller (1786/87-1802)

Literatur[Bearbeiten]

  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe: 1000 Jahre Petershausen. Beiträge zu Kunst und Geschichte der Benediktinerabtei Petershausen in Konstanz. Konstanz: Stadler 1983. ISBN 3-7977-0109-8
  • Cornelius Peter Bock, Karl Zell: Die Kirche der Benedictiner-Abtei Petershausen bei Konstanz, Herder´sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1867 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)
  • Manfred Krebs: Petershausen. In: Lexikon für Theologie und Kirche. 2. Auflage, 8. Band. Freiburg i. Br.: Herder 1960
  • Ilse Miscoll-Reckert: Kloster Petershausen als bischöflich-konstanzisches Eigenkloster. Studien über das Verhältnis zu Bischof, Adel und Reform vom 10. bis 12. Jahrhundert. (= Forschungen zur oberrheinischen Landesgeschichte, Band 24). Karl Alber Verlag, Freiburg i. Br. 1973, ISBN 3-495-49924-5.
  • Paul Motz: Die Neubauten der ehemaligen Benediktiner- und Reichsabtei Petershausen bei Konstanz im 18. Jahrhundert. Ein Beitrag zur Klosterbaukunst im süddeutschen Raum, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 79. Jg. 1961, S. 26–51 (Digitalisat)
  • Franz Quarthal (Bearb.): Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg. (= Germania Benedictina, Bd. 5), Ottobeuren 1976, S. 484–502
  • Hansmartin Schwarzmaier: Reichsprälatenklöster. In: Meinrad Schwab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im alten Reich. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg herausgegeben. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-608-91371-8, S. 591–594
  • Helmut G. Walther: Gründungsgeschichte und Tradition im Kloster Petershausen vor Konstanz, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 96. Jg. 1978, S. 31–68 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Petershausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Konstanz im Blickpunkt. Ausgabe 2011/12, Norbert Höpfinger Verlag, Konstanz, S. 12–13
  2. UB Heidelberg: Heidelberger Handschriften – digital, Codices Salemitani (Cod. Sal.)
  3. Konstanz im Blickpunkt. Ausgabe 2011/12, Norbert Höpfinger Verlag, Konstanz, S. 12.
  4. Hansmartin Schwarzmaier: Reichsprälatenklöster. In: Meinrad Schwab, Hansmartin Schwarzmaier (Hrsg.): Handbuch der baden-württembergischen Geschichte. Band 2: Die Territorien im alten Reich. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg herausgegeben. Stuttgart 1995, S. 591–594, hier: S. 594.

47.6689.1785Koordinaten: 47° 40′ 5″ N, 9° 10′ 43″ O