Kloster Prüfening

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Außenansicht der Klosters

Das Kloster Prüfening ist eine ehemalige Abtei der Benediktiner in Regensburg in Bayern im Bistum Regensburg. Seit der Säkularisation zu Beginn des 19. Jahrhunderts sind die Klostergebäude auch als Schloss Prüfening bekannt, namengebend für die Prüfeninger Schlossstraße. Die Klosterkirche beherbergt u.a. das (1283 entstandene) frühgotische Erminold-Grabmal, die Prüfeninger Weiheinschrift, ein einzigartiges Dokument mittelalterlicher Typographie[1], sowie im Originalzustand erhaltene romanische Fresken.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster liegt am westlichen Stadtrand von Regensburg und wurde 1119 vom Bamberger Bischof Otto I. als Benediktinerabtei gegründet. Die 1125 fertiggestellte Klosterkirche St. Georg ist der erste größere Kirchenbau der so genannten Hirsauer Schule in Bayern. Die Kirche ist eine romanische Pfeilerbasilika mit Querschiff. Die romanischen Wandmalereien sind noch gut erhalten. Erminold, der erste Abt des Klosters, soll wegen seiner großen Strenge von seinem Bruder erschlagen worden sein. Das ihm zu Ehren vom Regensburger Bischof Heinrich II. 1283 errichtete Hochgrab wurde von einem der bedeutendsten Regensburger Bildhauer errichtet, der, da namentlich nicht bekannt, nach seinem Werk von der Kunstgeschichte Erminoldmeister genannt wurde und von dessen Hand auch die Verkündigungsgruppe im Dom stammt.

Das Kloster wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Klostergebäude wurden verkauft und gelangte zuerst in den Besitz des Thurn und Taxischen Generralpostdirektors Alexander Freiherr von Vrints-Berberich und seiner Gemalin Henriette. Nach dem Tod des kinderlosen Vrints-Berberich gelangte das Schloss-Gut 1843 an seinen Ziehsohn François Ghislaine Freiherr van Zuylen van Nyevelt. Dieser schuf aus dem Komplex ein Fideikommiss. Nachdem dieses kurz vor dem Bankrott stand, gelangte es 1899 in den Besitz der Familie Thurn und Taxis. Die Fürsten nutzten das Schloss als Sommersitz für die Familie. Der Versuch von Pater Emmeram OSB (1902–1994), in den Gebäuden wieder ein Benediktinerkloster zu errichten, scheiterte. Seit 2002 beherbergen die Klostergebäude eine Montessori-Grund- und Hauptschule. Die ehemalige Klosterkirche wird als Neben-Pfarrkirche der katholischen Pfarrgemeinde St. Bonifaz genutzt.

Bilder der romanischen Fresken[Bearbeiten]

Äbte des Klosters (Auswahl)[Bearbeiten]

Hochgrab des Abtes Erminold
  • Erminold, 1114–1121, ermordet
  • Erbo, 1121–1162: Blüte der theologischen und monastischen Schriftstellerei in Kloster Prüfening
  • Wernher, um 1247
  • Ulricus Viehauser, um 1379
  • Albrecht Glück, 1414–1432: Einführung der Kastler Reform
  • Georg Grahamer (Garhaimer): 1445 von Herzog Albrecht zum Rücktritt gezwungen; 1446 von den Mönchen des Klosters erneut zum Abt gewählt; Neubau der Klostergebäude; gest. 1458, begraben in Kloster Prüfening
  • Johann Grasser: 1488 bau des St. Anna Kirchleins auf dem Grund seines Elternhauses in Großprüfening
  • Maurus von Trauner, zugleich Abt von Kloster Frauenzell
  • Romanus I. Schneidt, 1653–1677: Erneuerung des Klosters nach den Wirren der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges
  • Otto Kraft, 1693–1729: barocke Neuausstattung der Klosterkirche
  • Petrus II. Gerl, 1756-1781: Abtpräsides der Bayerischen Benediktinerkongregation
  • Martin Pronath, 1781–1790
  • Rupert Kornmann, 1790–1803 (letzter Abt des Klosters)

Bedeutende und bekannte Mönche[Bearbeiten]

Romanisches Brunnhaus
St. Georg Kirche
Stadtpalais des Klosters am Bismarkplatz in Regensburg

Weitere Gebäude auf dem Klostergelände[Bearbeiten]

Brunnhaus[Bearbeiten]

Das romanische Brunnhaus ist Teil der früheren Wasserversorgung des Klosters. Die in diesem Haus gefasste Quelle liefert bis auf den heutigen Tag Wasser.

St. Georg-Kirche[Bearbeiten]

Die romanische Kirche St. Georg steht (unmittelbar an eine Montessori-Schule angrenzend) westlich vom Hauptgebäude in einem i.d.R. nicht zugänglichen Teil des Klostergeländes und ist nur sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet (von April bis Oktober). Sie wurde 1107 bis 1130 errichtet und ist ein einschiffiger Bau mit einem südlichen Chorturm.

Stadtpalais[Bearbeiten]

Wohlstand und Einfluss des Klosters im 18. Jahrhundert repräsentiert das 1701 errichtete Stadtpalais am Bismarckplatz in Regensburg. Im 19. Jahrhundert diente das Gebäude als Erbprinzenpalais der Fürsten von Thurn und Taxis.

Literatur[Bearbeiten]

  • Maria Baumann (Hrsg.): Mönche, Künstler und Fürsten. 900 Jahre Gründung Kloster Prüfening. Ausstellungskatalog der Kunstsammlungen des Bistums Regensburg. Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2314-8.
  • Michael Kaufmann P. Edmund Walberer (1768─1842), Benediktiner von Prüfening, in seinem Annuarium. SMGB 123, 2012, 345─392.
  • Manfred Knedlik; Georg Schrott (Hg.): Abt Rupert Kornmann von Prüfening (1757-1817). Ein Benediktinischer Universalgelehrter zwischen Aufklärung und Restauration. Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg: Beiband; Bd. 17. Verein für Regensburger Bistumsgeschichte, Regensburg 2007, ISSN 0945-1722.
  • Günter Lorenz: Kloster Prüfening. Gerlach, Regensburg 2009, ISBN 978-3-00-029067-1.
  • Heidrun Stein: Die romanischen Wandmalereien in der Klosterkirche Prüfening. Zugleich Dissertation Universität Regensburg, 1984. Mittelbayerische Druckerei- und Verlags-Gesellschaft, Regensburg 1987, ISBN 3-921114-05-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Prüfening – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert E. Brekle (2005): "Die Prüfeninger Weiheinschrift von 1119. Eine paläographisch-typographische Untersuchung" [kurze Zusammenfassung], Scriptorium Verlag für Kultur und Wissenschaft, Regensburg, ISBN 3-937527-06-0

49.00916666666712.045555555556Koordinaten: 49° 0′ 33″ N, 12° 2′ 44″ O