Kloster Waldsassen

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Kloster Waldsassen
Die Stiftsbasilika, das Wahrzeichen von Waldsassen
Die Stiftsbasilika, das Wahrzeichen von Waldsassen
Lage Bayern, Deutschland
Liegt im Bistum Regensburg
Koordinaten: 50° 0′ N, 12° 19′ O50.00388912.309444Koordinaten: 50° 0′ 14″ N, 12° 18′ 34″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
71
Patrozinium Mariä Himmelfahrt
Gründungsjahr 1133
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1803
Jahr der Wiederbesiedlung 1863
Mutterkloster Volkenroda; Seligenthal
Primarabtei Kloster Morimond
Kongregation Mehrerauer Kongregation

Tochterklöster

Kloster Sedlec (1143)
Kloster Walderbach (1143)
Kloster Osek (1194)

Der Ignorant, Holzfigur von Karl Stilp in der Stiftsbibliothek

Das Kloster Waldsassen ist eine Abtei der Zisterzienserinnen in Waldsassen in der Oberpfalz im ostbayerischen Bistum Regensburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Das der Heiligen Jungfrau Maria geweihte Kloster wurde um 1133 durch den Markgrafen des Nordgaus, Diepold III. von Vohburg, der Mönche aus dem Kloster Volkenroda ins Land holte, als Zisterzienserkloster gegründet. Es gehörte zur Filiation der Primarabtei Morimond und bekam 1147 aufgrund eines Privilegs König Konrads III. aus dem Hause der Staufer die Reichsunmittelbarkeit, wurde gefürstete Zisterzienser-Abtei, entfaltete eine rege kolonisatorische und wirtschaftliche Tätigkeit und geriet in Konflikte mit dem Magistrat der benachbarten Reichstadt der Staufer Eger, dem heutigen Cheb in Tschechien, der ähnliche Pläne verfolgte. Der in den Besitz des Klosters Waldsassen gelangte Grundbesitz wurde an Ministeriale, die in den Dienst des Klosters getreten waren, als Lehen vergeben. Diese wurden in vorhandenen oder neuerrichteten befestigten Wohnsitzen ansässig und bauten sie in wirtschaftlich günstigen Zeiten zu Schlossgebäuden um, in deren Umgebung sich Ortschaften entwickelten.

Im Jahre 1142 gründete das Kloster Waldsassen mit Zustimmung des böhmischen Herzogs Vladislav II., des Bischofs Otto in Prag und des Bischofs Heinrich Zdik in Olmütz ein erstes Zisterzienserkloster in Sedletz in Böhmen. Papst Lucius III. stellte das Kloster Waldsassen 1185 pro forma unter den Schutz der römischen Kurie und bestätigte dessen ausgedehnte Grundherrschaft mit den beachtlichen Einnahmen, erwirtschaftet durch die zu Frondiensten verpflichteten Untertanen, deren Erbuntertänigkeit im Jahr 1848 mit der Bauernbefreiung endete. Johannes III. von Elbogen war Anfang des 14. Jahrhunderts der erste Abt, der aus dem Egerland stammte. 1348 verkaufte das Kloster Waldsassen das Schönbacher Ländchen an Rüdiger von Sparneck. Die Waldsassener Äbte mehrten den Besitz bis Ende des 15. Jahrhunderts vor allem unter Wendelin Peisser, 1433 bis 1461 als Johann VI. 27. Abt des Klosters Waldsassen, und Nikolaus Peisser 1461 bis 1479 als Nikolaus IV. 28. Abt der reichsunmittelbaren und gefürsteten Zisterzienser-Abtei systematisch zu einem geschlossenen Herrschaftsgebiet, dem sogenannten Stiftland auf bayerischer Seite, zu dem bis in das 17. Jahrhundert auch Grund- und Ortsbesitz in Westböhmen im Egerland und in der Frais gehörte.

Während des Landshuter Erbfolgekrieges (1503/05) und durch Heeresgruppen der böhmischen Hussiten wurde das Kloster geplündert und 1430 auf deren Rückzug von Nürnberg durch die Oberpfalz nach Böhmen in Brand gesetzt. Nach dem beginnenden Wiederaufbau ließ Pfalzgraf Friedrich II. von Wittelsbach den damaligen römisch-katholischen Abt Georg III. Agmann gefangen nehmen, besetzte 1543 das Kloster und setzte weltliche Administratoren zur Verwaltung des Grundbesitzes ein. Im Jahre 1556 wurde das Kloster Waldsassen unter dem bayerischen Kurfürsten Ottheinrich von Wittelsbach, der auf Grund des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens von 1555 das evangelisch-lutherische Bekenntnis angenommen hatte, säkularisiert und war von 1571 bis 1669 ein kurpfälzisches evangelisches Pflegamt. Im Jahre 1617 waren die Klostergebäude für Friedrich V., der später als Winterkönig in die Geschichte einging, und sein Gefolge ein kurzzeitiger Wohnsitz bei seiner Reise über Eger nach Prag zu seiner Krönung als König von Böhmen. Das Stiftland war über drei Generationen evangelisch-lutherisch. Teilverkäufe reduzierten den umfangreichen Grundbesitz.

Stich des Klosters aus dem Churbaierischen Atlas des Anton Wilhelm Ertl 1687

Bei der Rekatholisierung des Landes nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) ab 1661 erfolgte eine Wiederbesiedlung der Zisterze Waldsassen durch das Zisterzienserkloster Fürstenfeld. 1690 wurde das Kloster wieder zur Abtei erhoben, erhielt den vorhandenen Besitz und dessen beachtliche Einkünfte zurück, nicht jedoch seine Reichsunmittelbarkeit, da der Landesherr der bayerische Kurfürst war. Es begann eine zweite Blütezeit des Klosters und des Ortes Waldsassen. Die Klosteranlage war seit dem Jahr 1647 nach einer Brandschatzung durch schwedisch-evangelische Truppen desolat. Ab 1681 wurde ein Neubau begonnen, bedeutende Kirchenbaumeister wie Abraham Leuthner und die Gebrüder Dientzenhofer schufen eine der großartigen Barockkirchen Bayerns. 1704 fand die feierliche Weihe statt. 1727 war die Klosterbibliothek vollendet.

Das Kloster Waldsassen wurde 1803 im Zuge der Säkularisation in Bayern erneut aufgelöst. Der Grundbesitz des Stiftlands umfasste damals 715 Quadratkilometer mit 20.000 Untertanen, die Stadt Tirschenreuth, das Schloss Hardeck, sechs Marktorte (darunter Waldsassen und Konnersreuth) und mehr als 150 weitere Ortschaften. Die Klostergebäude gingen in bayerischen Landesbesitz über, die Klosterkirche wurde Pfarrkirche von Waldsassen. 1828 erwarb der Kaufmann Wilhelm Rother aus einem Egerer Patriziergeschlecht Teile des Klosterkomplexes und errichtete eine Kattunfabrik, die auf der Produktion von Filz und Tuch mit daraus hergestellter Fußbekleidung in den Klostergebäuden aufbaute. Sie war bis 1863 in Betrieb und linderte die wirtschaftliche Not der Bewohner Waldsassens und in den Orten der Umgebung.

Die Marktgemeinde Waldsassen und das Bistum Regensburg setzten sich in dieser Zeit für die Wiederbesiedlung des Klosters durch Ordensangehörige ein. Am 18. Dezember 1863 wurde das Kloster als Priorat der Zisterzienserinnen von Bischof Ignatius von Senestrey in Regensburg neu gegründet und als Kolonie von Landshut-Seligenthal besiedelt. 1925 wurde das Kloster Waldsassen eine selbständige Abtei.

Seit dem Jahr 1949 wird der geschändete Christus von Wies von Bittstellern aus dem Egerland besonders verehrt. Er stammt aus der ehemaligen Wallfahrtskirche in Wies in Böhmen. Die verstümmelte, aus Holz geschnitzte Christusfigur war am Schlagbaum der nahen Grenze aufgefunden worden, als die Kirche und der Ort Wies im Zuge der Grenzbefestigungen gegen Bayern niedergerissen und dem Erdboden gleichgemacht wurden.

Im Jahre 1969 erhielt die Stiftskirche den päpstlichen Ehrentitel Basilica minor.

Gegenwart[Bearbeiten]

Seit Mitte der 1990er Jahre erlebt das Kloster Waldsassen einen Neuaufbruch. Im Zuge der ersten Generalsanierung seit der Barockzeit konnten die vom Verfall bedrohten Gebäude renoviert werden. Ein Gästehaus für ein Kultur- und Begegnungszentrum wurde errichtet. Seit September 2008 besteht eine Stiftung Kloster Waldsassen GmbH & Co KG, die Betreiber des Kultur- und Begegnungszentrums Abtei Waldsassen und einer privaten, römisch-katholischen Realschule für Mädchen ist, in der auch Schwestern des Ordens der Zisterzienserinnen als Lehrkräfte tätig sind.

Der Konvent, zeitweise überaltert, erhält Zuwachs durch junge Schwestern und verdient ein Zubrot durch die Aufnahme und Versorgung der Gäste im Gästehaus St. Joseph, Anfertigung von Kunsthandwerk wie Paramentik, Gestaltung von Kerzen und den Verkauf der eigenen Erzeugnisse im Klosterladen.

Äbtissinnen und Äbte[Bearbeiten]

Stiftsbibliothek[Bearbeiten]

Hauptartikel: Stiftsbibliothek Waldsassen

Die prachtvolle Stiftsbibliothek der Abtei Waldsassen wurde unter Abt Eugen Schmid (reg. 1724–1764) durch Künstler wie den Bildhauer Karl Stilp, den Freskenmaler Karl Hofreiter und den Holzschnitzer Andreas Witt neu gestaltet. Der Bestand von ca. 19.000 Bänden wurde bis auf 3.520 Bücher nach der Säkularisation in Bayern nach München gebracht und teilweise verkauft. Die Bibliothek ist ein begehrtes Tourismusziel in der Oberpfalz.

Panoramabild der Stiftsbibliothek von Waldsassen

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Muggenthaler: Kolonisatorische und wirtschaftliche Tätigkeit eines deutschen Zisterzienserklosters im 12. und 13. Jahrhundert (Waldsassen), München 1924
  • Vinzenz Pröckl: Eger und das Egerland, Falkenau an der Eger, 1877, Johann IV. (Wendelin Peisser), 27. Abt des Klosters Waldsassen, Seite 390, Nikolaus IV. (Nikolaus Peisser) 28. Abt der reichsunmittelbaren und gefürsteten Zisterzienser Abtei, Seite 390 und 391
  • Johann Baptist Brenner: Geschichte des Klosters und Stiftes Waldsassen, Nürnberg 1837, Nikolaus IV. (Nikolaus Peisser, auch Peysser) 28. Abt der reichsunmittelbaren und gefürsteten Zisterzienser Abtei Waldsassen, Seite 107
  • Franz Binhack: Die Äbte der Zisterzienser Abtei und des Stiftes Waldsassen, Eichstäst 1887, Seite 43
  • Rudolf Langhammer: Waldsassener Salbuch aus dem Ende des 14.Jahrhunderts, in: Unser Egerland, Jahrgang 37, Seite 32 - 45.
  • Rudolf Langhammer: Böhmens Schutzherrschaft über das Kloster Waldsassen, in: Unser Egerland, Jahrgang 37, 1933, Seite 78
  • Rudolf Langhammer: Der Winterkönig (Friedrich V. von der Pfalz) in Waldsassen und Eger, in Unser Egerland, 37. Jahrgang, 1933, Seite 109ff
  • Gerwigkreis Waldsassen (Hrsg.): Geschichte des Klosters und Stiftes Waldsassen. Waldsassen 1984
  • Stiftsbibliothek Waldsassen, Kunstführer Nr. 688 aus dem Jahr 1969, 11. Auflage 1993, Verlag Schnell und Steiner GmbH München und Regensburg
  • Stiftsbasilika Waldsassen, Peda-Kunstführer Nr. 102, 1995, Kunstverlag Peda Passau, ISBN 3-927296-62-7
  • Georg Schrott: Der unermäßliche Schatz deren Bücheren. Literatur und Geschichte im Zisterzienserkloster Waldsassen (Studien zur Geschichte, Kunst und Kultur der Zisterzienser 18) Berlin 2003, ISBN 978-3-936872-04-0
  • Jakob Ignaz Sendtner, Georg Schrott (Hrsg.): Die Entstehung des Klosters Waldsassen. Laßleben, Kallmünz 2008, ISBN 978-3-3847-1206-2 (formal falsche ISBN), korrekt ISBN 978-3-7847-1206-2
  • Annett Haberlah-Pohl, Münchberg Historischer Atlas von Bayern Franken I/39, München 2011, Seiten 51-53

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Waldsassen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Kloster Waldsassen – Quellen und Volltexte