Kloster Weltenburg

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Abtei Weltenburg, Blick von der gegenüberliegenden Donauseite

Das Kloster Weltenburg ist eine Benediktinerabtei (Abtei zum heiligen Georg) in Weltenburg, einem Ortsteil von Kelheim an der Donau in Niederbayern. Es liegt oberhalb des Donaudurchbruchs in einer Donau-Schlinge. Das Kloster gehört zur Bayerischen Benediktinerkongregation. Hauptaufgaben der heutigen Abtei Weltenburg sind die Pfarrseelsorge (Betreuung von vier Pfarreien) und die Aufnahme von Gästen in der „Begegnungsstätte St. Georg“.

Geschichte[Bearbeiten]

Schon im Jahre 45 n. Chr. lag bei Weltenburg auf dem Südufer der Donau der Ausgangspunkt einer römischen Grenz- und Militärstraße, die der Donau stromaufwärts folgend bis zum Kastell Hüfingen bei Donaueschingen führte. Diese Donausüdstraße war lange Zeit eine der beiden wichtigsten Ost-West-Verbindungen nördlich der Alpen. Bei Burghöfe (Mertingen) nahm sie den Verkehr der aus Oberitalien kommenden Via Claudia auf. Über der heutigen Klosteranlage, auf dem Frauenberg, siedelten bereits seit vorgeschichtlicher Zeit immer wieder Menschen. Archäologische Funde und Grabungen lassen vermuten, dass sich dort eine römische Militärstation befunden hat.

Kloster Weltenburg, Blick auf den Donaudurchbruch, 2007

Eine lokale Überlieferung besagt, dass das Kloster um das Jahr 617 durch die iro-schottischen Mönche Eustachius und Agilus aus Luxeuil nach den Regeln des Heiligen Kolumban gegründet wurde. Dies gilt in der Forschung mittlerweile als widerlegt,[1] archäologische Funde zeigen jedoch, dass das Gebiet um Weltenburg um 600 christlich geprägt war.[2] Die Frage, ob Weltenburg das älteste Kloster Bayerns ist, ist damit nicht eindeutig zu beantworten. Um das Jahr 700 soll der Heilige Rupert, der „Apostel der Baiern“, die Klosterkirche dem hl. Georg geweiht haben. Diese Überlieferung stützt sich auf das Weltenburger Martyrologium, das allerdings erst um 1047/49 in Regensburg entstand und 50 Jahre später nach Weltenburg gelangte. Allerdings kann diese Zeichnung auch auf die Einsetzung des ersten Abtes von Kloster Prüll bezogen werden.[3]

Im 8. Jahrhundert übernahmen die Weltenburger Mönche wohl die Ordensregeln des hl. Benedikt, möglicherweise im Zuge der Kirchenreform des Bonifatius. Tassilo III., 748 bis 788 Herzog von Bayern, gehörte zu den Förderern des Klosters, nach seiner Entmachtung durch Karl den Großen wurde es reichsunmittelbar. Aufgrund dieser Überlieferung, die auch im Gewölbe des Altarraums der Klosterkirche dargestellt ist, wurde lange Zeit Tassilo als Klostergründer angesehen. In der Liste der fränkischen Reichsklöster von 817 wird ein Kloster Altemburc genannt. Wenn damit Weltenburg gemeint ist, stellt dieses Dokument die älteste nachgewiesene Nennung der Abtei dar. Während der Ungarneinfälle im frühen 10. Jahrhundert verließen die Mönche die Abtei. 932 wurde Weltenburg als Eigenkloster des Bistums Regensburg vom Kloster Sankt Emmeram aus wieder besiedelt. Eine neu erbaute Kirche wurde 1191 geweiht. In den Jahren 1123 bis 1328 lebten in Weltenburg Augustiner-Chorherren.

Kloster Weltenburg, Innenhof, 2013

Im 14. und 15. Jahrhundert erlebte das Kloster eine Zeit häufig wechselnder Äbte und Administratoren. Unter Abt Konrad V. (1441–1450) wurden deshalb die Kastler Reformen eingeführt. Im Schmalkaldischen Krieg wurde das Kloster geplündert, Abt Michael II. Häusler (1553–1556) musste aus wirtschaftlicher Not wertvolle Bestände der Klosterbibliothek verkaufen. Trotz Plünderungen während des Dreißigjährigen Krieges konnte Abt Matthias Abelin (1626–1659) das Kloster geordnet hinterlassen. 1686 gehörte das Kloster zu den Gründern der Bayerischen Benediktinerkongregation.

Während der Zeit des Abtes Maurus I. Bächl (1713–1743) entstanden die Frauenbergkirche, Kirchen in den inkorporierten Pfarreien und mehrere den Klosterhof umgebende barocke Klostergebäude, darunter die in den Jahren 1716 bis 1739 errichtete Klosterkirche, die dem hl. Georg geweiht und von den Gebrüdern Asam entworfen und ausgestaltet wurde. Zum Klosterneubau und zur neuen Abteikirche legte der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck am 29. Juni 1716 den Grundstein und weihte das Gotteshaus am 9. Oktober 1718.[4]

Im Zuge der Säkularisation in Bayern wurde am 21. März 1803 auch Kloster Weltenburg aufgelöst, am 1. Juni 1842 jedoch von König Ludwig I. als Priorat des Klosters Metten neu errichtet und am 25. August 1913 durch Prinzregent Ludwig, später König Ludwig III., wieder zur Abtei erhoben.

Kloster Weltenburg, Blick vom Nordufer, 2013

Wegen seiner direkten Lage an der Donau ist der Gebäudekomplex stark hochwassergefährdet; das Wasserwirtschaftsamt Landshut realisierte zwischen Januar und Oktober 2006 einen Hochwasserschutz für das Kloster, der am 12. Oktober 2006 feierlich eingeweiht wurde.

Am 2. September 2008 verstarb der Weltenburger Klosterarchivar P. Leopold Lörnitzo OSB im Alter von 53 Jahren an schweren Verbrühungen, die er sich im Baderaum des Klosters zugezogen hatte. Die zuständige Landshuter Kriminalpolizei schloss ein Verbrechen als Todesursache aus.[5][6]

Bekannte Personen mit Bezug zum Kloster Weltenburg[Bearbeiten]

  • Benno Grueber (1759-1796), Pater und seit 1785 Musikdirektor des Klosters
  • Johann Simon Mayr (1763-1845), Komponist, Vater der italienischen Oper, Schüler in Weltenburg von 1769 bis 1774
  • Thomas Niggl (1922-2011), Abt von 1976-1995


Klosterkirche[Bearbeiten]

Brandenstein-Orgel der Klosterkirche des Klosters Weltenburg
Altarbild mit dem hl. Georg in der Klosterkirche des Klosters Weltenburg
Deckenfresko der Klosterkirche des Klosters Weltenburg. Am unteren Rand des Freskos befindet sich dass bekannte Selbstporträt von Cosmas Damian Asam.
Die Brüder Egid Quirin Asam (links im Deckengemälde) und Cosmas Damian Asam (rechts als Stuck-Skulptur) in der Klosterkirche Weltenburg
Hochwassermarken der Donau am Kloster Weltenburg
Frauenbergkapelle oberhalb des Klosters
Der Hl. Benedikt auf dem Dach der Klosterkirche

Orgel[Bearbeiten]

Mit dem Bau der Orgel für die neue Klosterkirche beauftragte der Weltenburger Abt Maurus I. Bächel 1728 den Orgelbauer Johann Konrad Brandenstein (1695–1757) aus Stadtamhof bei Regensburg. Die Orgel sollte ursprünglich folgende Gesamtanlage („Disposition“) und Register haben:

Manual
Principal 8′[Anm. 1]
Octav 4′[Anm. 1]
Quint 3′[Anm. 1]
Mixtur III [Anm. 1]
Waldflauten 2′[Anm. 1]
Copel 8′[Anm. 2] [Anm. 3]
Flauten 4′[Anm. 2]
Viola da gamba 8′[Anm. 1]
Echo 8′[Anm. 1]
Pedal
Nono Bass [Anm. 1]
Octav 8′[Anm. 2]
Sub Bass 16′[Anm. 2] [Anm. 3]
Anmerkungen
  1. a b c d e f g h Zinn
  2. a b c d Holz
  3. a b Gedeckt

Geläut[Bearbeiten]

Die Glocken I bis III stammen aus der Glockengießerei Otto, Hemelingen bei Bremen, 1948. Ihre Patrone sind Sankt Benedikt, Sankt Georgius und hl. Schutzengel.

  1. g' + 2. „Die für Glocken typischen Abweichungen von den Tönen der temperierten Stimmung werden in Sechzehnteln eines Halbtones angegeben. Bezugston ist a' = 435 Hz.“ (Kurt Kramer in „Die Glocke und ihr Geläute“), Ø 102 cm, ca. 650 kg, Holzjoch, Stundenschlag der Uhr.
    Inschrift: 547 PAX 1947 JUBILATE DEO, Bildnis: „St. Benedictus“.
  2. a' + 4, Ø 90,5 cm, ca. 500 kg
    Inschrift: ESTOTE FORTES IN BELLO – Seid standhaft im Kampf, Bildnis: St. Georg.
  3. h' + 4, Ø 80 cm, ca. 320 kg.
    Inschrift: ANGELUS DEI VOBISCUM EST – Der Engel Gottes ist mit Euch. Bildnis: Ein Schutzengel.
  4. Gegossen 1642 von Georg Schelchshorn in Regensburg, d" - 3, Ø 71,5 cm, ca. 250 kg. Viertelstundenschlag der Uhr.

Inschriften: An der Schulter zweizeilig:CAMPANAM ISTAM FIERI CVRAVIT MATTHIAS ABBAS IN WELTENBVRG ANNO MDCXLII (Dass diese Glocke gegossen wurde veranlasste Abt Matthias in Weltenburg im Jahre 1642). GEORG SCHELCHSHORN VON REGENSBVRG GOS MICH – AVS DEM FEVER FLOS ICH
(In einem Kunstführer 1986 wird diese Glocke unter den Künstler- und Handwerkernamen – Schelchshorn – irrtümlicherweise als „nicht mehr vorhanden“ aufgeführt.)

Klosterbrauerei[Bearbeiten]

Die Klosterbrauerei Weltenburg besteht seit 1050 und ist damit die vermutlich älteste bestehende Klosterbrauerei der Welt (älteste Brauerei ist die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan).[7] Der Jahresausstoß beträgt knapp 30.000 Hektoliter. Im Klosterhof wurde ein Biergarten eingerichtet, in dem Erzeugnisse der Brauerei ausgeschenkt werden. Seit April 2007 werden an den Wochenenden Führungen durch die Brauerei angeboten. Das „Weltenburger Kloster Barock Dunkel“ wurde 2004, 2008 und 2012 mit dem „World Beer Cup“ als bestes Dunkelbier der Welt ausgezeichnet.[8]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Von Kelheim aus ist Kloster Weltenburg in wenigen Minuten über die Staatsstraße 2233 per Pkw oder Bus zu erreichen. Etwa ein Kilometer vom Kloster entfernt liegt ein (gebührenpflichtiger) Parkplatz; für Gehbehinderte verkehrt von dort aus ein Zubringerbus. Zwischen Kelheim und Weltenburg pendeln von Frühjahr bis Herbst Passagierschiffe, so dass ein Besuch des Klosters mit einer Fahrt durch den Donaudurchbruch verbunden werden kann. Die Gegend um das Kloster ist von zahlreichen, landschaftlich reizvollen Wanderwegen durchzogen. Vom linken Flussufer können Wanderer auf Höhe des Klosters mit kleinen Booten übersetzen. Zudem verkehrt wenige hundert Meter flussaufwärts eine kleine Fähre, die auch für einen Pkw bis maximal 1,7 Tonnen Gewicht geeignet ist. Das Kloster Weltenburg liegt am internationalen Donauradweg sowie dem Deutschen Limes-Radweg. Dieser folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Besondere geographische Lage[Bearbeiten]

Abgesehen von den im Artikel Donaudurchbruch bei Weltenburg beschriebenen geologischen Zusammenhängen – die spektakulären Jurafelsen und den Donaustrom betreffend – und den in diesem Artikel geschilderten historisch-religiösen Zusammenhängen – hauptsächlich die Geschichte des Klosters betreffend – ist die Lage der Ansiedlung auch rein geographisch interessant: Sie gibt nämlich ein besonders treffendes Beispiel ab für das Bezugspaar Prallhang-Gleithang der Strömung an einer Flußschlinge. Und zwar ist das Kloster direkt oberhalb der für solche Situationen charakteristischen Kiesbank des Gleithanges erbaut und anderseits durch die hohen Jurafelsen – hauptsächlich auf der gegenüberliegenden Prallhang-Seite – geschützt. Wegen der spezifischen „Durchbruchs-Situation“ und der Enge der Ortszusammenhänge besteht hier Schutz (also nicht nur „Platz“) auch auf der Gleithangseite.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Altmann: Benediktinerabtei Weltenburg a.d. Donau. Geschichte und Kunst. (= Große Kunstführer 86). Regensburg 1997, ISBN 3-7954-1117-3.
  • Hans Christian Egger: Die Abtei Weltenburg und die Gebrüder Asam – Eine Richtigstellung. Die neue Baugeschichte eines Barockjuwels. Dissertation. disserta Verlag, Hamburg 2014. ISBN 978-3-95425-526-9.
  • Georg Schwaiger (Hg.): Kloster Weltenburg. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 2004. ISBN 3-87437-472-6.
  • Georg Schwaiger (Hg.): Kloster Weltenburg. Geschichte und Gegenwart. Anton H. Konrad Verlag, Weißenhorn 2014. ISBN 978-3-87437-472-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Weltenburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Störmer: Die Baiuwaren. Von der Völkerwanderung bis Tassilo III. C. H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47981-2, S. 76.
  2. http://kloster-weltenburg.de/einfuehrung/
  3. http://kloster-weltenburg.de/geschichte-des-klosters/
  4. Zur Aktivität des Fürstbischofs in Weltenburg
  5. Beisetzung von P. Leopold Lörnitzo OSB († 2. September 2008), 6. September 2008.
  6. Mönch lag vor seinem Tod in 60 Grad heißem Wasser, Augsburger Allgemeine, 25. September 2008.
  7. Klosterbrauereien in Deutschland
  8. Weltenburger Biere: Auszeichnungen

48.89888888888911.819722222222Koordinaten: 48° 53′ 56″ N, 11° 49′ 11″ O