Kloster Zinna

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche
Kloster Zinna im 19. Jahrhundert
Kloster Zinna im 19. Jahrhundert

Kloster Zinna ist ein früheres Kloster der Zisterzienser, gegründet im Jahre 1170 durch Erzbischof von Magdeburg, Wichmann.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Lage

Die Klosteranlage befindet sich im Ortsteil Kloster Zinna der Stadt Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming in Brandenburg), rund 60 km südlich von Berlin an der Bundesstraße 101.

[Bearbeiten] Geschichte

Klosterkirche
Klosterkirche
Alte und Neue Abtei
Alte und Neue Abtei

[Bearbeiten] Zisterzienser

Das Kloster wurde 1170 im Todesjahr des Askaniers Albrecht der Bär, dem Gründer der Mark Brandenburg gegründet. Politischer Hintergrund der Klostergründung war wahrscheinlich die Absicht des Erzbischofs, der Südausdehnung der benachbarten askanischen Luckenwalder Herrschaft einen Riegel vorzuschieben. Erbaut wurde das Kloster in den Sümpfen der Nuthe von Mönchen, die aus der Zisterzienserabtei Altenberg bei Köln kamen.

Die Mönche legten das Gebiet trocken und verwandelten es in fruchtbares Land. Das Kloster gewann wirtschaftliche Bedeutung für die Region. Im Jahr 1285 wurden vom Kloster die Stadt Luckenwalde und elf umliegende Dörfer gekauft. Auf dem Höhepunkt seiner wirtschaftlichen Blüte im Jahr 1307 betrug die Ausdehnung des Klosterbesitzes nahezu 300 km². Für die ausgedehnte Handelstätigkeit wurden Stadthöfe u. a. in Berlin, Wittenberg und Jüterbog unterhalten.

Nach einem längeren Zerfallsprozess endete das mönchische Leben im Kloster im Jahr 1553. Infolge der Reformation konnten sich die katholischen Mönche nicht behaupten.

Der Marienpsalter Nouum beate marie vigi[ni]s psalterium aus der Klosterdruckerei Zinna gilt als der älteste Buchdruck in Brandenburg. Der Wiegendruck des Buchdruckers Hermannus Nitzschewitz aus der Zeit um 1493 ist das bedeutendste Stück unter den historischen Buchbeständen der Sammlung Brandenburgica in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam.

[Bearbeiten] Friedrich der Große, Weber und Sommermusiken

1764 gründete Friedrich der Große auf dem Klostergebiet eine Stadt, die seit 1902 den Namen Kloster Zinna trug und ihn als Ortsteil von Jüterbog weiterhin trägt. Friedrich der Große siedelte Handweber aus der Oberlausitz an, um die Region wirtschaftlich neu zu beleben. Diese Belebung gelang zwar nicht in gewünschtem Umfang, dennoch errichtete die Stadt Friedrich zum Dank ein Denkmal auf dem Marktplatz. Laut Inschrift auf der Rückseite des Denkmals wurde dieses 1949 zerstört, aber am 8. April 1994 durch Spenden von Bürgern und Gästen des Ortes erneuert und die Figur von M. Starke und F. Woike gestiftet. Die Vorderseite trägt die Inschrift:

Friedrich dem Großen, dem Begründer der Stadt im Jahre 1764, das dankbare Kloster Zinna 1864

Neben der Klosteranlage und der landschaftlichen Umgebung laden die Kloster Zinna Sommermusiken zum Besuch ein, die jährlich zwischen Juni und Anfang September stattfinden. Sonderkonzerte gibt es bereits im April und zu Neujahr ein schon traditionelles Konzert bei Kerzenschein in der „naturtemperierten“ Kirche. Gemeinsam mit dem Kloster Lehnin wird ferner die Mittelalterreihe Musica Mediaevalis angeboten.

[Bearbeiten] Erhaltene Teile

Neben Klosterkirche, Neuer Abtei, Siechenhaus und Zollhaus sind von der ursprünglich ausgedehnten Klosteranlage einige Teile der Klausur aus dem 13. Jahrhundert und das Gästehaus erhalten. An die ehemalige Wallfahrtsstätte des Klosters auf dem nahegelegenen Golmberg erinnert heute nur noch ein Wallfahrtskreuz auf dem Gipfel des Berges.

[Bearbeiten] Klosterkirche

Die aus Feldsteinen erbaute, schlichte Klosterkirche ist eine frühgotische Pfeilerbasilika mit kreuzförmigem Grundriss. Während der Spätgotik wurden Wölbungen in den Seitenschiffen, Nebenchören und im Querschiff eingezogen. Das Schriftfeld aus Tonfliesen im Chorfußboden stammt aus dem 13. und 14. Jahrhundert.

Ein musikalischer Glücksfall ist die erhaltene frühromantische Wilhelm-Baer-Orgel aus den Jahren 1850/1851; bei Besichtigungen gibt es den Gang durch die Orgel.

[Bearbeiten] Neue Abtei, Siechenhaus, Zollhaus

In der Neuen Abtei, einem Backsteinbau, befindet sich das Heimatmuseum mit mittelalterlichen Fresken und einem sehenswerten Modell der Klosteranlage im Jahr 1170. Ferner wird die Klostergeschichte bis ca. 1550 und die Entwicklung der Weberkolonie dargestellt. Im alten Zollhaus kann man die traditionelle Weber-Technik besichtigen und Handwebern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Im ehemaligen Siechenhaus wird der süße Kräuterlikör Zinnaer Klosterbruder heute noch nach den alten Rezepten hergestellt, die Produktion darf der Besucher hautnah miterleben.

[Bearbeiten] Literatur

  • Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts, hrsg. von Heinz-Dieter Heimann/Klaus Neitmann/Winfried Schich, 2 Bde. Berlin 2007, S. 1359-1384.
  • Ernst Badstübner: Klosterbaukunst und Landesherrschaft. Zur Interpretation der Baugestalt märkischer Klosterkirchen. In: Möbius, Friedrich/Schubert, Ernst: Architektur des Mittelalters. Funktion und Gestalt, Weimar 1983, S. 184–239.
  • Wolfgang Ribbe: Zur Ordenspolitik der Askanier. Zisterzienser und Landesherrschaft im Elbe-Oder-Raum. In: Zisterzienser-Studien I (= Studien zur Europäischen Geschichte 11), Berlin 1975, S.77-96.
  • Winfried Schich: Klöster und Städte als neuartige zentrale Orte des hohen Mittelalters im Raum östlich der mittleren Elbe. In: Spieß, Karl-Heinz (Hrsg.): Landschaften im Mittelalter, Stuttgart 2006, S. 113-134.
  • Oliver H. Schmidt: Kloster Zinna und der Orden der Zisterzienser, Lukas Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-931836-10-X

[Bearbeiten] Weblinks

Koordinaten: 52° 1′ 21" n. Br., 13° 6′ 14" ö. L.

Persönliche Werkzeuge
Andere Sprachen