Klosterfrau Healthcare Group

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50.94345556.9475945Koordinaten: 50° 56′ 36,44″ N, 6° 56′ 51,34″ O

Klosterfrau AG
Klosterfrau.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1826
Sitz Chur, Schweiz
Leitung Petra Tritschler-Klein
(VR-Präsidentin)
Mitarbeiter 1'307 (2011)
Branche Pharmazie
Website klosterfrau.de

Die Klosterfrau AG (auch Klosterfrau Healthcare Group) ist ein Schweizer Pharmaunternehmen im Bereich der Selbstmedikation mit Sitz in Chur[1] und operativer Hauptzentrale in Köln,[2] dessen bekannteste Marke sein Hauptprodukt Klosterfrau Melissengeist ist.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

Klosterfrau Melissengeist

Das Hauptprodukt Klosterfrau Melissengeist ist die Erfindung der Nonne Maria Clementine Martin (* 1775, † 1843), die am 2. Oktober 1792 als Novizin in das Annuntiatinnenkloster St. Anna in Coesfeld eintrat. Sie lernte dort in der Klosterapotheke die Herstellung geheimer Kräuterrezepturen, darunter auch des alten Geheimrezeptes des „echten spanischen Melissenwassers“ kennen.[3] Alte Rezepturen wurden verbessert und neue entwickelt. Als das Kloster 1803 von der Säkularisation erfasst wurde, ging sie ins Kloster Glane bei Gronau, das allerdings 1811 ebenfalls säkularisiert wurde. Sie zog schließlich in die Paterskerk nach Tirlemont bei Brüssel und versorgte am 18. Juni 1815 in der Schlacht bei Waterloo die verwundeten deutschen Soldaten unter Generalfeldmarschall Blücher. Hierfür erhielt sie von König Friedrich Wilhelm III. eine jährliche Leibrente von 160 Goldtalern zuerkannt.[4]

Am 27. April 1825 kam sie nach Köln, um den kranken 86-jährigen Domvikar Johann Gumpertz (* 1739) in dessen domnah gelegenen Haus Auf der Litsch Nr. 1 zu pflegen.[5] Ihre Heilpflanzenkenntnis wandte sie in einem kleinen Destillationsbetrieb an, den sie in der Straße Auf der Litsch Nr. 1 errichten ließ. In der Kölnischen Zeitung erschien - mit einer Auflage von 8.000 Exemplaren - am 6. November 1825 ihre erste Anzeige, in der sie ihr Heilwasser anbot: „Ein sich selbst empfehlendes echtes Kölnisch Wasser ist zu haben. Auf der Litsch No. 1, die große Flasche zu 6 Silbergroschen, 3 Pfennig“.[6] Mit ihr konkurrierten 64 Firmen, die Kölnisch Wasser herstellten. Es folgte am 7. Mai 1826 eine weitere Anzeige, worin sie ihr „selbst gefertigtes Kölnisches Wasser“ bekannt machte.[7] Die Unternehmensgründung erfolgte mit der Eintragung am 23. Mai 1826 im städtischen Magistratsregister (Handelsregister) unter der Firma „Maria Clementine Martin Klosterfrau“.

Seit dem 17. Juni 1827 produzierte sie ihr „ächtes Carmeliter-Wasser“ (echtes Carmeliter-Wasser) in einem Haus am Domhof Nr. 19, das sie erworben hatte. Im Jahre 1829 begann der 14-jährige Peter Schaeben eine Lehre als „Gehülfe“ in ihrem Betrieb. Am 7. November 1829 richtete sie ein „allerunterthänigstes Gesuch der Klosterfrau Maria Clementine Martin, Köln am Rhein, um die Allerhöchste Erlaubniß, den Preußischen Adler auf ihren Fabrikaten führen zu dürfen“, persönlich an König Friedrich Wilhelm III. Bereits im Januar 1830 erhält sie vom preußischen Innenministerium die Genehmigung, „die Etiquette des von ihr fabricirten Melissen- und Cölnischen Wassers mit dem preußischen Adler versehen zu dürfen“.[8] Am 17. Oktober 1831 hinterlegte sie beim Rat der Gewerbeverständigen der Stadt Köln ihr „Fabrikzeichen“. Die 1831 eingetragene Marke „Klosterfrau“ lässt ihre Entstehungsgeschichte einwandfrei zurückverfolgen.[9] Ihren Antrag, dem Melissengeist in Preußen Monopol zu gewähren, lehnte die Regierung am 21. Februar 1835 wegen der Gewerbefreiheit ab.[10]

Um international bekannt zu werden, nahm sie an der „Kunst- und Industrie-Ausstellung“ teil, die der Gewerbe-Verein in Köln vom 27. Mai 1838 bis 4. Juli 1838 auf dem Heumarkt ausrichtete. Noch am 30. August 1842 erschienen Anzeigen in der Kölnischen Zeitung über ihren Melissengeist. Kurz vor ihrem Tod verfasste sie am 5. April 1843 ihr Testament und machte darin „den bei mir wohnenden Peter Schaeben“ zum „Erben meines gesammten Vermögens im Vertrauen, dass derselbe die seither bewiesene fromme Gesinnung sein Leben hindurch treu bewahren werde“.[11] Am 9. August 1843 starb Maria Clementine Martin, ihr Grab auf dem Melaten-Friedhof steht unter Denkmalschutz. Ihr Wasser erhielt nach ihrem Tod im August 1843 eine erste Auszeichnung auf der Londoner Weltausstellung, die zwischen Mai und Oktober 1851 stattfand. Sie vererbte das Unternehmen an ihren Gehilfen Peter Gustav Schaeben (* 1815, † 1885), der es beträchtlich ausweitete und die Produkte weltweit vertrieb.[12] Sein Sohn Robert Schaeben (* 1863, † 1944) führte das Unternehmen zwischen 1885 und 1933 weiter. Dessen Sohn Wilhelm Schaeben (* 1888, † 1972) gründete am 1. August 1933 „Haus Schaeben GmbH Kölnisch Wasser Fabrik“. Der bisher im Automobilhandel tätige Wilhelm Doerenkamp (* 19. Mai 1882, † 26. Dezember 1972) trat 1929 als Kommanditist in das Unternehmen ein und führte es nach der Auswanderung Robert Schaebens in die USA ab 1933 als Alleininhaber,[13] sanierte es erfolgreich und konzentrierte es auf die Herstellung von Melissengeist, der nahezu konkurrenzlos vertrieben werden konnte.[14] Im Oktober 1962 entstand die Tochtergesellschaft Klosterfrau Berlin GmbH, um die steigende Nachfrage zu bewältigen. Nach Doerenkamps Tod wurde am 17. November 1973 die „Wilhelm Doerenkamp-Stiftung“ in Chur gegründet, um den Bestand seines Lebenswerks und die Arbeitsplätze zu sichern. Sie bildet als Holding das Aufsichtsorgan der unterschiedlichen Länder- und Firmengruppen. Begünstigte der Stiftung war bis zu ihrem Tod († 21. Februar 2011) seine Tochter Hildegard Doerenkamp und ist seitdem seine Enkelin Martine Eloy (* 1957), die seit 1976 Miteigentümerin der Stiftung ist.[15]

Klosterfrau Melissengeist[Bearbeiten]

Hauptprodukt der über 200 Produkte des Konzerns ist das Universalheilmittel „Klosterfrau Melissengeist“, dessen Inhaltsstoffe sich aus der namengebenden Echten Melisse (Melissa officinalis) aus streng kontrolliertem, biologischem Anbau sowie einer Reihe weiterer ätherischer Öle in alkoholischem Auszug zusammensetzen.[16] Die Rezeptur dieses Universalheilmittels stellten Pariser Karmelitermönche erstmals im Jahre 1611 mit 13 Heilkräutern her,[17] die Nonne Martin fügte das Destillationsverfahren hinzu. Der Bonner Medizinprofessor Johann Friedrich Christian Herless bescheinigte ihr Wasser 1827 als „sowohl hinsichtlich des hierzu gebrauchten reinen Weingeistes, als der zur Destillation angewendeten Ingredienzien aus der Klasse der aromatisch-ätherischen Heilpflanzen von bewährten Heilkräften sowie hinsichtlich der Bereitung, von sehr vorzüglicher Güte und Zweckmäßigkeit, und daher für den innerlichen und äußerlichen Gebrauch besonders empfehlenswürdig“.[18]

Der Begriff „Klostermelisse“ ist ein Markenzeichen der Firma Klosterfrau;[19] gemeint ist die Zitronenmelisse, die als Küchenkraut auch in vielen Supermärkten erhältlich ist.[20] Die Melissenprodukte können innerlich insbesondere angewandt werden bei nervösen Beschwerden, Einschlafstörungen, Lampenfieber, Wetterfühligkeit oder nervös bedingten Magen- und Darmbeschwerden sowie äußerlich bei Muskelkater und Hexenschuss. Es handelt sich um ein Kräuterdestillat mit einem Alkoholgehalt von 79 Vol.-% Alkohol, das als Arzneimittelspezialität beim Bundesgesundheitsamt registriert ist. In den Registrierungsunterlagen werden als Anwendungsgebiete u.a. Altersbeschwerden, Erkältung und Grippegefahr, Einschlafschwierigkeiten, Erschöpfungszustände, Gallenbeschwerden, Herzbeschwerden nervöser Art, Husten und Heiserkeit sowie nervöse Magen- und Darmstörungen angegeben.[21] Unter dem Produktnamen Klosterfrau werden auch Franzbranntwein, Erkältungsbäder, Vitamin- und Kräuter-Dragees hergestellt. Das Unternehmen ist seit 2005 Marktführer bei OTC-Produkten. Im Juni 2006 erwarb Klosterfrau die Lichtwer Healthcare-Produkte.

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

Stammsitz in der Gereonsmühlengasse 1-11 in Köln

Am Stammsitz in Köln beschäftigt das Unternehmen heute 530 Mitarbeiter. Die Produktion findet seit 1971 überwiegend in Berlin mit rund 190 Mitarbeitern statt. Das gesamte Unternehmen hat (Stand 2006) 1.025 Mitarbeiter und einen weltweiten Umsatz von 650 Millionen Euro.[22] Die Klosterfrau-Gruppe wurde 2006 in „Klosterfrau Healthcare Group“ umbenannt.

Durch den Zukauf mehrerer Unternehmen entwickelte sich das Unternehmen weiter zu einer Unternehmensgruppe, einem führenden Anbieter im Bereich der Selbstmedikation (vgl. OTC). Das Kerngeschäft besteht aus Herstellung und Vertrieb von Gesundheitsprodukten. Zur Klosterfrau-Gruppe gehören unter anderem die Firmen Divapharma GmbH und Cassella-med GmbH & Co. KG. Im Juni 2006 erwarb die Klosterfrau Gruppe das gesamte Markenportfolio der Firma Lichtwer Healthcare GmbH & Co. KG und die dazugehörigen arzneimittelrechtlichen Zulassungen. Zu den erworbenen Produkten gehören Hepar SL forte, Jarsin, Kwai, Kaveri, Euminz, Ameu und Bedan. Über die Summe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Eine weitere Tochtergesellschaft ist die Artesan Pharma GmbH & Co. KG mit etwa 200 Mitarbeitern in zwei Werken am Unternehmenssitz in Lüchow. Artesan ist ein Lohnhersteller und fertigt Arzneimittel in Tabletten- und Salbenform, Homöopathika und Nahrungsergänzungsmittel; ein weiterer Schwerpunkt ist die Galenik. Die YUL-Kerzenfabrik Vollmar GmbH und ihre Tochtergesellschaft Salzwedeler Kerzenfabrik, einer der führenden Kerzenproduzenten in Deutschland, sind dem Unternehmen ebenfalls angeschlossen.

Produkte[Bearbeiten]

Klosterfrau Melissengeist[Bearbeiten]

Ein Hauptumsatzträger ist das Destillat Klosterfrau Melissengeist; eine innerlich und äußerlich anwendbare Naturarznei, basierend im Wesentlichen auf:[23]

Aufgrund des hohen Alkoholgehaltes[24] sollte die tägliche Gesamtdosis 25 ml nicht überschreiten und eine Anwendung erst ab 18 Jahren erfolgen.

Sonstiges[Bearbeiten]

Neben den Klosterfrau-Produkten wie Klosterfrau Mobilind Franzbranntwein und Klosterfrau Aktiv-Kapseln V werden insgesamt über 200 weitere Produkte vertrieben. Zum Angebot zählen u.a. neo-angin Halstabletten, Vita-Gerin-Geistlich N und die Sortimente von taxofit, Soledum, Broncholind, Getreideprodukte von Goldsam und Hustenbonbons der Marke Krügerol.

Vertriebskooperationen bestehen mit der Schweizer Ricola und Condomi[25].

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klosterfrau Healthcare Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag der Klosterfrau AG im Handelsregister des Kantons Graubünden
  2. Klosterfrau-Standorte der Unternehmen
  3. Hundertfünfzig Jahre Regierungsbezirk Köln, 1966, S. 422
  4. Hiltrud Kier/Ulrich Krings, Stadtspuren, Denkmäler in Köln, Band 21, 1996, S. 514
  5. Die kleine Gasse Auf der Litsch lag auf der heutigen Domplatte und führte an der Westfassade des Kölner Doms in Nord-Süd-Richtung bergab vorbei und verband Trankgasse und Domkloster.
  6. Jo Horstkotte, Scrum und Innovation, Chefwissen, 2013, o. S.
  7. Peter Fuchs (Hrsg.), Chronik zur Geschichte der Stadt Köln, Band 2, 1991, S. 124
  8. Heinz-Kurt Wahren, Erfolgsfaktor Innovation, 2004, S. 226
  9. Philipp Lehmann, Marken-, Kennzeichen- und Namensrecht…, 2010, S. 108
  10. Heiko Hünemeyer, Haus Schaeben, Familienunternehmen mit Tradition, August 2007, S. 16
  11. Heiko Hünemeyer, a.a.O., S. 16
  12. Bayerische Akademie der Wissenschaften, Historische Kommission, Neue deutsche Biographie, Band 16, 1990, S. 292
  13. Ulrich Soénius/Jürgen Wilhelm, Kölner Personen-Lexikon, 2008, S. 462
  14. Thomas Deres, Krank - gesund: 2000 Jahre Krankheit und Gesundheit in Köln, 2005, o. S.
  15. Eigentümerin von Klosterfrau gestorben. apotheke adhoc, 10. März 2011, abgerufen am 27. Juli 2013.
  16. Mara Ordemann, Taschenapotheke Naturheilkunde, 2010, o. S.
  17. Katrin Wittmann, Kräuter: 70 Küchenkräuter von A-Z, 2013, S. 149
  18. Heiko Hünemeyer, a.a.O., S. 12
  19. Klostermelisse in der Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
  20. Wirtschaft: Klostermelisse – die Piemont-Kirsche aus dem Hause Klosterfrau. Handelsblatt, 25. Juli 2008
  21. BGH, Urteil vom 21. Mai 1979, in: GRUR 1979, 646 – „Klosterfrau Melissengeist“
  22. Kölner Stadtanzeiger vom 18. Oktober 2007, S. 14
  23. Klosterfrau Melissengeist – Gebrauchsinformation. MCM Klosterfrau, August 2007, S. 2, abgerufen am 12. April 2015 (PDF; 1,8 MB).
  24. 25 ml Klosterfrau Melissengeist enthalten 15,5 g Alkohol und entsprechen etwa der Alkoholmenge von 0,4 l Bier (5 Vol.% alc.)
  25. Wolfgang Hirn: Klosterfrau – Wiederbelebter Markengeist. Manager Magazin, 7. Juni 2006, abgerufen am 26. April 2015.
  26. Mit 77 macht Rechtsanwalt Helmut Heckelmann an der Uni Regensburg seinen Doktor – das Thema beschäftigt ihn seit 1975. In: Mittelbayerische Zeitung, 21. Januar 2015