Klosterfrau Healthcare Group

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50.94345556.9475945Koordinaten: 50° 56′ 36,44″ N, 6° 56′ 51,34″ O

Klosterfrau Deutschland GmbH
Klosterfrau.svg
Rechtsform GmbH
Gründung 1826
Sitz Köln, Deutschland
Leitung Friedrich Neukirch (Vorsitz)
Guido Zaß
Mitarbeiter 1.307 (2011)
Umsatz EUR 382 Mio. (2011)[1]
Branche Pharma
Produkte Medikamente & HeilmittelVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website klosterfrau.de

Die Klosterfrau Deutschland GmbH ist ein deutscher Pharmahersteller im Bereich der Selbstmedikation mit Sitz in Köln, dessen bekanntestes Produkt der Klosterfrau Melissengeist ist. Klosterfrau Deutschland ist der bedeutendste Teilkonzern der Klosterfrau Healthcare Group, der über eine Schweizer Holding kontrolliert wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Klosterfrau Melissengeist

Maria Clementine Martin, die Gründerin des Hauses Klosterfrau, wurde 1775 in Brüssel, der damaligen Hauptstadt der „Österreichischen Niederlande“, als Tochter des Tiroler kaiserlich-königlichen Offiziers Johann Heinrich de Martin und seiner Gemahlin Christine, geb. von Mergenthal, geboren.

1792 trat sie in das Kloster St. Anna in Coesfeld bei Münster ein und war dort zehn Jahre Ordensschwester in der Krankenpflege. In dieser Zeit setzte sie sich mit dem Thema der Pflanzenheilkunde auseinander. Alte Rezepturen wurden verbessert und neue entwickelt. Im Auftrag des Ordens reiste sie zu benachbarten Klöstern. In Brüssel erfolgte die Herstellung des „ächten Carmeliter- oder Melissenwassers“ (vgl. Karmelitergeist).

1815 war Maria Clementine Martin als Krankenschwester auf dem Schlachtfeld von Waterloo im Auftrag des Feldmarschalls Blücher im Einsatz. Hierbei kam ihr das Wissen über die Wirkung von Pflanzen zugute. Für ihren Einsatz erhielt sie von König Friedrich Wilhelm III. eine jährliche Rente von 160 Goldtalern. Von 1821 bis 1825 wohnte sie im Domkapitel in Münster und kam anschließend nach Köln, um den 86-jährigen Domvikar Gumpertz in seinem Haus neben dem Dom zu pflegen.

Als Krankenschwester aus dem Annuntiatinnen-Orden verfügte sie über zahlreiche Rezepte für Duft- und Heilwässer. Die jährliche Rente von 160 Goldtalern ermöglichte es ihr 1826, ein Unternehmen zu gründen. Im Handelsregister der Stadt Köln ließ sie ihren Herstellungsbetrieb unter dem Namen „Maria Clementine Martin Klosterfrau“ eintragen. Am 9. August 1843 starb Maria Clementine Martin. Ihr Grab auf dem Melaten-Friedhof steht unter Denkmalschutz. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelt sich ein internationales Unternehmen, das heute neben dem Melissengeist rund 200 weitere rezeptfreie Heilmittel anbietet. Als Werbung für den Klosterfrau Melissengeist wird die angeblich besonders heilkräftige Klostermelisse in Apothekergärten präsentiert, die von der Klosterfrau Healthcare Group besonders gefördert werden. Auch in Fernsehsendungen mit Hademar Bankhofer wurde die Klostermelisse protegiert.[2] Der Begriff „Klostermelisse“ ist ein Markenzeichen der Firma Klosterfrau[3]; gemeint ist die Zitronenmelisse, die als Küchenkraut auch in vielen Supermärkten erhältlich ist.[4]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten]

Der Stammsitz in Köln

Am Stammsitz in Köln beschäftigt das Unternehmen heute 530 Mitarbeiter. Die Produktion findet seit 1971 überwiegend in Berlin mit rund 190 Mitarbeitern statt. Das gesamte Unternehmen hat (Stand 2006) 1025 Mitarbeiter und einen weltweiten Umsatz von 650 Millionen Euro.[5] Die Klosterfrau-Gruppe wurde 2006 in „Klosterfrau Healthcare Group“ umbenannt.

Durch den Zukauf diverser Unternehmen entwickelt sich das Unternehmen weiter zu einer Unternehmensgruppe, der Klosterfrau Healthcare Group, einem führenden Anbieter im Bereich der Selbstmedikation (vgl. OTC). Das Kerngeschäft besteht aus Herstellung und Vertrieb von Gesundheitsprodukten. Zur Klosterfrau-Gruppe gehören unter anderem die Firmen Divapharma GmbH und Cassella-med GmbH & Co. KG. Im Juni 2006 erwarb die Klosterfrau Gruppe das gesamte Markenportfolio der Firma Lichtwer Healthcare GmbH & Co. KG und die dazugehörigen arzneimittelrechtlichen Zulassungen. Zu den erworbenen Produkten gehören Hepar SL forte, Jarsin, Kwai, Kaveri, Euminz, Ameu und Bedan. Über die Summe des Kaufpreises wurde Stillschweigen vereinbart. Eine weitere Tochtergesellschaft ist die Artesan Pharma GmbH & Co. KG mit etwa 200 Mitarbeitern in zwei Werken am Unternehmenssitz in Lüchow. Artesan ist ein Lohnhersteller und fertigt Arzneimittel in Tabletten- und Salbenform, Homöopathika und Nahrungsergänzungsmittel; ein weiterer Schwerpunkt ist die Galenik. Die YUL-Kerzenfabrik Vollmar GmbH und ihre Tochtergesellschaft Salzwedeler Kerzenfabrik, einer der führenden Kerzenproduzenten in Deutschland, sind dem Unternehmen ebenfalls angeschlossen.

Neben den Klosterfrau-Produkten wie Klosterfrau Mobilind Franzbranntwein und Klosterfrau Aktiv-Kapseln V werden insgesamt über 200 weitere Produkte vertrieben. Zum Angebot zählen u.a. neo-angin Halstabletten, Vita-Gerin-Geistlich N und die Sortimente von taxofit, Soledum, Broncholind, Getreideprodukte von Goldsam und Hustenbonbons der Marke Krügerol. Vertriebskooperationen bestehen mit der Schweizer Ricola, der Krügerol, Condomi Health International und der Reckitt Benckiser mit den Produkten Dolo Dobendan, Nurofen, Migränin.

Auf Bestreben von Konsul Wilhelm Doerenkamp, der ab 1929 Inhaber des Unternehmens war, wurde das Eigentum der Firma Klosterfrau in den 1970er Jahren in eine Stiftung schweizerischen Rechts überführt, deren Begünstigte bis 2011 seine Tochter und seitdem seine Enkelin sind.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klosterfrau Healthcare Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konzernjahresabschluss der Klosterfrau Deutschland für das Geschäftsjahr 2011 (hinterlegt bei www.unternehmensregister.de)
  2. Fernsehen: Die Affaire Hademar Bankhofer (Aktualisiert: WDR feuert Bankhofer), Handelsblatt, 23. Juli 2013
  3. Klostermelisse in der Registerauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA)
  4. Wirtschaft: Klostermelisse – die Piemont-Kirsche aus dem Hause Klosterfrau. Handelsblatt, 25. Juli 2008
  5. Kölner Stadtanzeiger, 18. Oktober 2007 S.14
  6. Eigentümerin von Klosterfrau gestorben. apotheke adhoc, 10. März 2011, abgerufen am 27. Juli 2013.