Kluczbork

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Kluczbork
Wappen von Kluczbork
Kluczbork (Polen)
Kluczbork
Kluczbork
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Kluczbork
Fläche: 12,35 km²
Geographische Lage: 50° 58′ N, 18° 13′ O50.96666666666718.216666666667Koordinaten: 50° 58′ 0″ N, 18° 13′ 0″ O
Höhe: 180 m n.p.m
Einwohner: 24.544
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 46-200 bis 46-203
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OKL
Wirtschaft und Verkehr
Straße: LubliniecKępno
OppelnWieluń
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 24 Schulzenämter
Fläche: 217,00 km²
Einwohner: 36.781
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 169 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1604023
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jarosław Kielar
Adresse: ul. Katowicka 1
46-200 Kluczbork
Webpräsenz: www.kluczbork.pl
Der Ring mit der evangelischen Kirche
Wasserturm
Rathaus

Kluczbork [ˈkluʤbɔrk] 1945–1946: Kluczborek; deutsch Kreuzburg O.S.,ältere Schreibweise: Creutzburg (18. Jh.) auch Creuzburg[2] bzw. später Kreutzburg (Anfang/Mitte 19. Jh.)[3] ist eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Oppeln.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt ca. 50 Kilometer nördlich der Stadt Oppeln am Fluss Stober in der historischen Region Oberschlesien.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Siedlungen an der Stelle des heutigen Kluczbork gab es bereits 1000 bis 800 v. Chr. Dies wird durch Funde aus der Steinzeit und der jüngeren Bronzezeit belegt. Die Skiren und Bastarnen siedelten Ende des 6. Jahrhunderts in der Gegend des Stadtgebietes. Später folgten die Kelten, und die Wandalen waren etwa 100 v. Chr. hier. Letztere verließen Schlesien ca. 400 n. Chr. Damit können slawische Völker in das Gebiet vordringen. Im 13. Jahrhundert erfolgt dann die eigentliche Entstehung von Kreuzburg. Der Ritterorden der Kreuzherren mit dem Roten Stern erwarb in dieser Zeit Land sowohl um Breslau als auch im Kreuzburger Land, so u. a. die Dörfer Ullrichsdorf, Kuhnau und Kotschanowitz. Das so erworbene Gebiet erhielt um 1252 ein Zentrum. Einer Gründungsurkunde zufolge wurde die Siedlung am 2. November 1252 gegründet.

Am 26. Februar 1253 wurde der Siedlung das Stadtrecht nach Magdeburger Recht verliehen. Dieses Datum wird heute als Gründungsdatum von Kluczbork/Kreuzburg angesehen. Der Name war damals Cruceburg. Bis 1274 oblag den Kreuzherren die Rechtsprechung. Danach ging sie an einen herzoglich bestellten Vogt über, welcher zusammen mit Schöffen Recht sprach. Herzog Heinrich III. von Glogau erhielt nach dem Tod des Fürsten Heinrich IV. von Breslau die Stadt in seinen Besitz. Nach dem Tod Heinrichs III. von Glogau gelangte Kreuzburg 1309 an dessen Sohn Konrad I. von Oels.

Im Jahr 1335 kam der Ort durch Verzicht von Kasimir I. zum Heiligen Römischen Reich. Während dieser Zeit wurde der Ort mehrfach verpfändet und, nicht immer friedlich, wieder ausgelöst. 1426 wurde der Stadt das Privileg, einen Salzmarkt abzuhalten, erteilt. Ab 1480 war die Stadt mehrheitlich von polnischsprachiger Bevölkerung bewohnt. Ein großer Brand wütete am 8. Dezember 1562 in der Stadt und vernichtete viele Häuser. 1553 wurde die erste Tuchmacherinnung des Ortes gegründet. Nur sechs Jahre später wurde der Ort bei einem weiteren Großbrand vernichtet. 1588 wurde die Stadt anlässlich der Schlacht bei Pitschen von den Polen geplündert und in Brand gesteckt.

Im Jahr 1681 lebten etwa 1000 Menschen in dem Ort. 1657 fiel die Stadt an die Habsburger. Am 23. April 1737 wurde die Stadt erneut Opfer eines Großbrandes und wird dabei fast vollständig vernichtet. Einzig ein paar Häuser und das Schloss wurden verschont. Der Aufbau zu der einstigen Größe zog sich über viele Jahre hin. Der nächste Stadtbrand brach 1819 aus, dabei brannte auch das 1778 von Carl Gotthard Langhans erbaute Landesarmenhaus nieder.

Im Jahr 1741 fiel der Ort an Preußen und wurde 1820 dem Regierungsbezirk Oppeln zugeordnet. Auch wenn der Kreuzburger Kreis ursprünglich zum niederschlesischen Herzogtum Brieg gehört hatte,[4] galt er spätestens seitdem als Teil Oberschlesiens.

Im Jahr 1875 lebten 5238 Menschen in der Stadt, die im 19. Jahrhundert noch zu zwei Dritteln, 1933 dann zur Hälfte evangelischer Konfession waren. In der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten im etwa je zur Hälfte deutsch- und polnischsprachigen Landkreis Kreuzburg 95,6 % der Wähler für ein Verbleiben des Kreises in Deutschland. Am 19. Juni 1922 erfolgte die Rückgabe des von Franzosen besetzten Kreises Kreuzburg an das Deutsche Reich. Beim Stadtbrand von 1925 brannten acht der als die Zwölf Apostel bezeichneten Giebelhäuser aus dem Jahre 1737 am Ring ab. Im Novemberpogrom 1938 wurde die Kreuzburger Synagoge zerstört. Im Jahr 1939 wurde die Stadt Kreuzburg Sitz eines "Landkreises Kreuzburg O.S." mit etwa 50.000 Einwohnern, wobei die Stadt selbst 11.693 Einwohner besaß. Kreisleiter der NSDAP und damit eigentlicher Herrscher im Kreis war seit Sommer 1939 bis Okt. 1942 Alfred Rieger, sein Vorgänger war Johannes Schweter[5], sein Nachfolger war Harksen.[6][7]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Ort polnischer Verwaltung unterstellt, und es begann die Zuwanderung von Polen aus Gebieten östlich der Curzon-Linie, die an ihren Heimatorten von der zuständigen Sowjetkommandantur im Allgemeinen vor die Wahl gestellt worden waren, entweder eine andere Staatsangehörigkeit zu akzeptieren oder auswandern zu müssen. Die ansässige deutsche Bevölkerung wurde aufgrund der Bierut-Dekrete vertrieben.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Kluczbork nach dem jeweiligen Gebietsstand:[8]

Jahr Einwohner
1750 1.793
1756 1.416
1766 1.355
1768 1.451
1782 1.434
1800 1.918
1820 2.925
1830 3.166
1840 3.530
1844 3.642
1850 3.819
1855 3.691
1859 4.019
Jahr Einwohner
1861 4.176
1885 6.578
1890 7.558
1900 10.230
1905 10.919
1910 11.588
1925 12.395
1933 12.717
1939 11.673
1995 26.829
2000 26.799
2005 26.027

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Kluczbork erstreckt sich auf einer Fläche von 217 km² und gliedert sich neben dem gleichnamigen Hauptort in folgende 23 Orte (Dörfer):

  • Bażany (Basan, 1936–1945 Wacholdertal)
  • Bąków (Bankau)
  • Biadacz (Ludwigsdorf)
  • Bogacica (Bodland)
  • Bogacka Szklarnia (Bodländer Glashütte)
  • Bogdańczowice (Wüttendorf)
  • Borkowice (Borkowitz, 1936–1945 Borkenwalde)
  • Stare Czaple (Alt Tschapel, 1936–1945 Stobertal)
  • Gotartów (Gottersdorf)
  • Krasków (Kraskau, 1936–1945 Grasenau)
  • Krzywizna (Schönwald)
  • Kujakowice Dolne (Nieder Kunzendorf)
  • Kujakowice Górne (Ober Kunzendorf)
  • Kuniów (Kuhnau)
  • Ligota Dolna (Nieder Ellguth)
  • Ligota Górna (Ober Ellguth)
  • Łowkowice (Lowkowitz, 1936–1945 Bienendorf)
  • Maciejów (Matzdorf)
  • Nowa Bogacica (Karlsgrund)
  • Smardy Dolne (Nieder Schmardt)
  • Smardy Górne (Ober Schmardt)
  • Unieszów (Berthelschütz)
  • Żabiniec (Fabianswalde)

und folgende Ortsteile:

Brzezinka, Chałupska, Czaple Wolne, Damnik, Dobrzyny, Drogomin, Drzewiec, Gotartów-Ogrodnictwo, Korzeniaki, Krasków-Kolonia, Ligota Zamecka (Schloss Ellguth), Miłoszowice, Zameczek.[9]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kluczbork unterhält mit folgenden Städten Partnerschaften:

Bekannte Personen[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

  • Max Clairon d’Haussonville (1836–1899), Abgeordneter des Preußischen Landtags
  • Alfred Rieger (1907–1990), Politiker der NSDAP und der FDP, Kreisleiter der NSDAP in Kreuzburg zur Zeit der Judenvernichtung (Abbildung Alfred Rieger in Uniform: Heimatkalender Kreis Kreuzburg 1942, S. 31)

Sonstiges[Bearbeiten]

Gustav Freytag widmete den sechsten Band Aus einer kleinen Stadt (1880) seines historischen Romanzyklus Die Ahnen seinem Geburtsort Kreuzburg. Im 15. Kapitel findet der Sohn des Haupthelden eine industriell veränderte Stadt vor: Eisenbahnen und Dampfschornsteine durchdringen den ländlichen Charakter: „Unsere Stadt ist jetzt durch Eisenbande dem Weltverkehr angeschlossen, fast jede Stunde fliegt Neues heran, mit der Einsamkeit schwindet auch das kleinstädtische Wesen; die gute alte Stadt fühlt zu ihrem Heil und zu unserem Schaden jeden Pulsschlag unseres großen Staates und jede Bewegung fremder Nationen“.

Kreuzburg ist auch Schauplatz des autobiografischen Romans Zeit meines Lebens des Schriftstellers und Georg-Büchner-Preisträgers 1976 Heinz Piontek, der in der Stadt seine Kindheit und Jugend vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund des Dritten Reichs verbrachte. Im vorletzten Kapitel dieses Romans[10] porträtiert er den schlesischen Barockdichter Johann Christian Günther, der 1720 versucht sich im oberschlesischen Grenzgebiet um Kreuzburg durch seine Niederlassung als Arzt und durch die Verlobung mit der Pfarrerstochter Johanna Barbara Littmann eine bürgerliche Existenz aufzubauen und an den geforderten Bedingungen, sich mit dem Vater zu versöhnen und den Doktortitel zu erwerben, scheitert. Pionteks Geburtsort ist auch lebendig in seinem letzten Roman Goethe unterwegs in Schlesien (1983), wenn er den Dichter auf seiner Rückreise aus dem oberschlesischen Industriegebiet und Tarnowitz nach Breslau in Kreuzburg am Ring logieren lässt. Das plastisch geschilderte Marktleben und die Landschaften an der Oder sind auch in dem umfangreichen Erinnerungsprotokollen des lyrischen Werks von Heinz Piontek präsent.

Walter Wicclairs Erinnerungen sind ein Dokument jüdischer Existenz und ein bedeutendes Zeugnis der Exilliteratur. Sein Nachlass von Theatermaterialien und Emigrationsdokumenten steht der Forschung im Archiv der Akademie der Künste und der Technischen Universität Berlin zur Verfügung. Er gründete 1932 in seiner Heimatstadt das erste feste Theater, das er mit Einverständnis des Dichters Gerhart-Hauptmann-Bühne nannte und in der Spielzeit 1932/1933 leitete. Der Theatermann beschreibt den jüdischen Anteil im Handel- und Sanitätswesen um den Kreuzburger Ring. Eine eindrucksvolle Schilderung gilt dem Überfall von SA-Männern anlässlich einer Vorstellung und der Zerstörung dieser Bühne. Wicclair – damals noch Weinleb – konnte dem Mordanschlag knapp entfliehen.[11]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Fuhrmann: «Fern von gebildeten Menschen». Eine oberschlesische Kleinstadt um 1870. C. H. Beck, München 1989, ISBN 3-406-33984-0
  • Horst Fuhrmann: Heinz Pionteks Kreuzburg. In dsb.: Wurzeln und Werk eines Dichters aus Oberschlesien. Dülmen 1985, S. 13–22
  • Heidenfeld: Chronik der Stadt Kreuzburg von Begründung derselben bis auf die neueste Zeit, Verlag E. Thielmann, Kreuzburg 1861 (Digitalisat)
  • Walter Wicclair: Von Kreuzburg bis Hollywood. Nachwort Curt Trepte. Henschel, Berlin 1975

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kluczbork – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Beyträge zur Beschreibung von Schlesien von Friedrich-Albert Zimmermann, 1794; S. 133
  3. Als Verschreibung öfters auch "Kreuzberg", z. B. in Genealogien und bei Antiquariaten;
  4. Vgl. A. Scheer, Zmiany granic Śląska na przestrzeni wieków. Świdnica 2002, S. 28. (pl)
  5. Joachim Lilla: Statisten in Uniform, Mitglieder des Reichstags 1933-1945
  6. Kreuzburger Heimatnachrichten Jahrgang 1944, Febr.-Dez.(Feldpostzeitung der NSDAP Kreisleitung Kreuzburg OS.), Herausgeber: Kreisleiter Harksen
  7. Wolfgang Schwarz, Edgar Günther Lass: Die Flucht und Vertreibung, Oberschlesien 1945/46, verlegt 1965, S. 45, Zitat: Auch der Kreisleiter Harksen aus Kreuzburg ist anwesend
  8. Quellen der Einwohnerzahlen:
    1750, 1766, 1768, 1800, 1820, 1830, 1850, 1859: Chronik der Stadt Kreuzburg – 1756, 1782, 1855, 1861: Felix Triest: Topographisches Handbuch von Oberschlesien. Breslau 1865 – 1844: Johann Georg Knie: Alphabetisch-statistisch-topographische Uebersicht der Dörfer, Flecken, Städte und andern Orte der Königl. Preuss. Provinz Schlesien. Breslau 1845 – 1885: Meyers Konversationslexikon, 1885–1892 – 1890, 1925, 1933, 1939: geschichte-on-demand.de – 1900, 1905: Brockhaus, 1911 – 1910: gemeindeverzeichnis.de – 1995, 2000, 2005: GUS
  9. Główny Urząd Statystyczny, Krajowego Rejestru Urzędowego Podziału Terytorialnego Kraju - Kluczbork (1604025), Online, abgerufen am 30. September 2011
  10. Heinz Piontek: Zeit meines Lebens. Autobiographischer Roman. Schneekluth, München 1984, S. 377–386
  11. Zitiert bei Fuhrmann, Heinz Pionteks Kreuzburg, a. a. O. S. 20-21