Knüppeldamm

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Bauweise von Wegen. Zum Ortsteil Knüppeldamm der Gemeinde Fincken siehe dort.
Historischer Knüppeldamm in Oranienburg
Heute werden meist Bohlenwege statt Knüppeldämmen angelegt

Ein Knüppeldamm oder Bohlenweg versteht man einen durch Rundholz befestigten Weg, der durch ein Moor oder ein Sumpfgebiet mit wenig tragfähigem Grund führt. Dabei legt man die Hölzer quer zur Fortbewegungsrichtung auf Randhölzer und überdeckt sie durch weitere Randhölzer, jeweils auf beiden Seiten. Ober- und unterhalb liegende Randhölzer wurden anschließend durch Bindeweiden oder später auch durch Draht verbunden. Statt der Knüppel wurden auch Faschinen verwendet. Der Knüppeldamm war eine weitverbreitete Bauweise um das 16. Jahrhundert herum.

Die über die kleine Radaufstandsfläche wirkende Belastungskraft wird über die momentan berührten ein bis etwa zwei Bohlen oder Faschinen auf eine wesentlich grössere Fläche auf den Untergrund verteilt und reduziert somit den Auflagedruck (= Kraft / Fläche) und damit das Einsinken. Analoges gilt beim Belasten mit Tierhufen oder Menschenfüssen. Für diese Funktion ist eine gewisse Auflagefläche der Bohlen oder Faschinen und Eigensteife notwendig, weshalb ein Mindestdurchmesser vorteilhaft ist. Andererseits sollen Knüppel nicht zu grob sein, um Räder nicht zu stark rumpeln und Hufe oder Füsse nicht zu stark verkippen zu lassen. Die Tragelemente werden durch Belastung nahe ihren Enden dort spezifisch bis zu doppelt so stark pro Fläche belastet und würden entsprechend tiefer einsinken, was von quer zu diesen (und längs des Wegs) liegenden Unterlagselementen aufgefangen wird. An den Rändern obenauf gebundene Längselemente schützen vor Abgleiten mit Rad oder Bein. Zumindest solange das Holz noch frisch und nicht mit Wasser angesoffen ist, ist es spezifisch leichter als der halbflüssige Morast ist, trägt es auch mittels Auftrieb und versinkt dadurch auch nicht von selbst.

Geschichte[Bearbeiten]

Knüppeldämme bzw. vorgeschichtliche Bohlenwege sind seit dem Mesolithikum bekannt.

Varia[Bearbeiten]

Im Lied Wieder unterwegs (1979) erzählt der Liedermacher Hannes Wader ebenfalls von einem Knüppeldamm: „...aber plötzlich spuckt und stottert der Motor; kurz entschlossen fahr’ ich rechts auf einem Knüppeldamm entlang: der führt kerzengrade mitten durch ein Moor ...“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hajo Hayen: Der Bohlenweg VI (Pr) im Großen Moor am Dümmer. (= Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens (MUFN). Heft 15). Lax, Hildesheim 1979, ISBN 3-7848-1515-4.
  • Hajo Hayen: Bohlenwege - Brücken über die Moore. In: Von Speerspitzen und Steingräbern. Ur- und Frühgeschichte im Emsland. Emsländischer Heimatbund (Hrsg.), Sögel 1982, ISBN 3-88077-104-X (formal falsche ISBN).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knüppeldämme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien