Knabenkräuter (Orchis)

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Knabenkräuter
Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)

Helm-Knabenkraut (Orchis militaris)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Orchidoideae
Tribus: Orchideae
Untertribus: Orchidinae
Gattung: Knabenkräuter
Wissenschaftlicher Name
Orchis
L.

Die Knabenkräuter i.e.S. (Orchis) bilden eine Gattung in der Familie der Orchideengewächse (Orchidaceae).

Name[Bearbeiten]

Wegen der Ähnlichkeit der zwei Knollen mit Hoden stammt der botanische Name vom griechischen Wort όρχις orchis (Hoden). Der griechische Philosoph Theophrastos von Eresos war der erste Naturforscher, der etwa 300 v. Chr. die Knabenkräuter wissenschaftlich erwähnte. Wegen der paarigen Wurzelknollen und der Ähnlichkeit mit den männlichen Genitalien benannte er sie "Orchis" und begründete den Aberglauben, der sich noch lange in alten Schriften wiederfand, dass Frauen, die die stärkere und saftigere der beiden Knollen aßen, einen Knaben gebären würden (Theophr. IX. 18.3.). Auch der deutsche Name „Knabenkraut“ ist hiervon abgeleitet.

In der klassischen griechischen Mythologie wurde Orchis, der Sohn eines Satyrs und einer Nymphe, von Bacchanten getötet. Durch die Gebete seines Vaters wurde er in eine Pflanze verwandelt, die nun seinen Namen trägt.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Knabenkräuter (Orchis) sind ausdauernde krautige Pflanzen mit eirunden Knollen als Überdauerungsorganen (Geophyten). Eine der Knollen verwelkt zur Blütezeit, die andere ist für die nächste Blütezeit bestimmt (Wechselknolle). Es wurde in der Vergangenheit angenommen, dass die Arten der Gattung Orchis von der Keimung bis zur Blüte sieben bis neun Jahre brauchen. Tatsächlich ist diese Zeitspanne wesentlich kürzer. Das Kleine Knabenkraut (Orchis morio) kann im günstigen Fall bereits innerhalb von drei bis vier Jahren zur Blüte gelangen. Die oberirdischen Teile sind schwach giftig und werden im frischen Zustand vom Vieh gemieden.

Die Samen sind sehr zahlreich und klein, oft nur 1/4 mm groß und ein Millionstel Gramm schwer.

Arten[Bearbeiten]

Die Gattung wird in neun Sektionen gegliedert:

  • Sektion Saccatae (Parl.) H. Baumann & R. Lorenz

Systematik[Bearbeiten]

In einer Revision der Subtribus Orchidinae durch Bateman 1997 auf der Basis von genetischen Merkmalen werden die Arten der Sektion Galericulatae zur Gattung Neotinea und die Arten der Sektionen Adranthus, Coriophoranthus, Phalaenanthus, Morianthus und Saccatae zur Gattung Anacamptis gezählt. Diese Änderungen werden heute teilweise bereits als gültig angesehen, z.B. von Kew Gardens, haben sich jedoch bislang nicht vollständig durchgesetzt und sind auch nicht ganz unumstritten bei Experten (siehe Anmerkungen beim Brand-Knabenkraut).

Aberglaube und Heilkunde[Bearbeiten]

Das Mehl der Knollen war im orientalischen Altertum ein hochbezahltes Mittel zur angeblichen Wiedererlangung der Zeugungskraft, also ein Aphrodisiakum nach der Signaturenlehre. Die Pflanzen heißen in manchen Gegenden heute noch Liebeswurz oder Nachlaufwurz.

Die Knollen der Orchis-Arten und einiger anderer Orchideen wurden früher als Schleimdroge („Tubera Salep“) besonders in der Kinderheilkunde bei Reizerscheinungen des Magen-Darmtraktes angewandt, als es noch keine besseren Arznei- und Heilmittel gab. Heute werden Orchideenarten nicht mehr als wirksame Heilkräuter angesehen. Auch stehen alle Arten der Gattungen Orchis und Dactylorhiza unter strengstem Naturschutz, was insbesondere für die unterirdischen Pflanzenteile gilt.

Literatur[Bearbeiten]

  • AHO (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Verlag AHO Thüringen Uhlstädt - Kirchhasel, 2005, ISBN 3-00-014853-1
  • Helmut Baumann & Richard Lorenz: Die Sektionen der Gattung Orchis L. In: Journal Europäischer Orchideen 38(1) 2006, S. 173-183, ISSN 0945-7909
  • Karl-Peter Buttler: Orchideen, die wildwachsenden Arten und Unterarten Europas, Vorderasiens und Nordafrikas. Mosaik Verlag 1986, ISBN 3-5700-4403-3
  • Hans Sundermann: Europäische und mediterrane Orchideen. Brücke-Verlag, 2. Auflage: 1975, ISBN 3-871-05010-5

Weblinks[Bearbeiten]