Knabenschiessen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ehrenmeldung Knabenschiessen 1925

Das Knabenschiessen ist ein Volksfest, das am zweiten Septemberwochenende bzw. am Wochenende vor dem Bettag in Zürich auf dem Schiessplatz Albisgüetli vom Samstag bis Montag stattfindet.

Anlass[Bearbeiten]

Um 1899 fand das erste moderne Knabenschiessen statt, bei dem etwa 5000 Knaben im Alter von 13 bis 17 Jahren um den Titel als Schützenkönig konkurrierten. Seit 1991 sind auch Mädchen zugelassen (Schützenköniginnen gab es 1997, 2004, 2011, 2012 und 2014). Teilnahmeberechtigt sind alle Jugendlichen, die im Kanton Zürich wohnen und/oder zur Schule gehen. Das Startgeld beträgt zwölf Schweizer Franken und beinhaltet Munition und eine Bratwurst.

Der Schiesswettkampf findet vom Samstag bis Montag statt. Geschossen wird mit dem Sturmgewehr 90 der Schweizer Armee auf eine A-Scheibe mit 6er-Einteilung (5 Schuss). Dabei gibt es für jeden Treffer einen Punkt zusätzlich. Ab 28 Punkten gibt es einen Preis. Erreichen mehrere Schützen 34 oder 35 Punkte, wird der Schützenkönig im Ausstich am Montag ermittelt. Der Schützenkönig oder die Schützenkönigin erhält ein Preisgeld; weitere Schützen in den vorderen Rängen erhalten oft Waren vom Gabentisch.

In der Stadt Zürich ist der Knabenschiessen-Montag ein (nicht gesetzlich anerkannter, aber dennoch gemeinhin begangener) halber Feiertag, denn am Montagnachmittag wird in der Regel nicht gearbeitet. Viele Geschäfte sind daher ab 13 Uhr geschlossen, Lehrer und Schüler haben den ganzen Tag schulfrei.

Das Schiessen ist seit einigen Jahren gegenüber dem Chilbi-Betrieb in den Hintergrund geraten. Seit den letzten Jahren gibt es am Montag jeweils eine Happy Hour, in der Besucher auf allen Chilbibahnen eine halbe Stunde gratis fahren dürfen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Knabenschiessen, früher dialektal Chnaabeschüüsset und nicht wie heute -schüüsse genannt, geht auf die vormilitärische Waffenübung der Bürgersknaben zurück. Um bei diesen die Freude daran zu wecken, winkten den Schützen schon im 17. Jahrhundert Preise, dem Besten ein Taler mit drei silbernen Kettchen. Anschliessend zog die Jugend in zwei Kompanien abgeteilt mit Fahnen, Trommeln und Pfeifen durch die Stadt, wo ihnen Ehrentrünke dargeboten wurden. Das Fest fand bis ins 19. Jahrhundert im stadtnahen Sihlhölzli statt, wurde aber nach der Eingemeindung von 1893 vorerst nicht mehr weitergeführt und erst 1899 am neuen Standort im Albisgüetli wieder aufgenommen.[1][2]

Der Termin des zweiten Septemberwochenendes setzt übrigens denjenigen der alten Zürichilbi fort, die am 11. September, dem Fest der Kirchenpatrone des Grossmünsters, Felix und Regula, stattgefunden hatte.[3]

Ein mit Preisschiessen verbundenes Chnaabeschiesset gab es früher auch in Glarus und Nidwalden.[1]

Bekannte Schützen[Bearbeiten]

1832 verzeichnete das Zürcherische Wochen-Blatt beim Knabenschiessen den „WaisenknabAlexander Rordorf als Gewinner.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Adrian Bänninger: Sechseläuten und Morgestraich: Die schönsten Feste und Bräuche der Schweiz. Geschichte und Gegenwart. Diederichs / Hugendubel, Kreuzlingen / München 2007, ISBN 978-3-7205-3029-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knabenschiessen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Schweizerisches Idiotikon Bd. VIII Sp. 1440 f. Artikel Chnaben-Schiesset
  2. static.nzz.ch: Knabenschiessen_1.12402255.pdf (application/pdf-Objekt; 3,2 MB), Zugriff am 12. September 2011
  3. Schweizerisches Idiotikon Bd. XV Sp. 1086, Artikel Zürich-Chilch-wîhi
  4. Zürcherisches Wochen-Blatt, Bd. 31