Knauf Gips

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Knauf Gips KG
Knauf Gips-Logo
Rechtsform Kommanditgesellschaft
Gründung 1932
Sitz Iphofen, Deutschland
Leitung Alexander Knauf (Vorsitzender der Geschäftsleitung)
Mitarbeiter ca. 25.000
Branche Baustoffindustrie
Website www.knauf.de

Die Knauf Gips KG ist ein Hersteller von Baustoffen aus Gips, Dämm- und Isolierstoffen, bauchemischen Produkten, Formteilen und Verpackungen sowie Baumaschinen. Das Unternehmen ist Teil der Knauf Gruppe Deutschland, zu der zahlreiche weitere Firmen zählen. Die Unternehmensgruppe betreibt weltweit mehr als 150 Werke und erwirtschaftete 2011 mit rund 25.000 Mitarbeitern ca. 5,7 Mrd. Euro. Hauptsitz der Knauf Gips KG ist das unterfränkische Iphofen in Deutschland.

Knauf ist jeher ein Familienunternehmen geblieben. Die Firmengruppe befindet sich im Besitz der Nachkommen der Gründer Alfons und Karl Knauf. Zum 1. Januar 2012 hat Alexander Knauf den Vorsitz der Geschäftsleitung der Knauf Gips KG übernommen und ist damit für die Knauf Gruppe Deutschland und Schweiz verantwortlich. Im Januar 2013 wurde Alexander Knauf zum Geschäftsführenden Gesellschafter der Knauf Gruppe berufen.

Die Knauf Gruppe wird von den Geschäftsführenden Gesellschaftern Manfred Grundke (seit 2008) und Alexander Knauf (seit 2013) geführt. Nikolaus Knauf und Baldwin Knauf, beides Söhne der Unternehmensgründer Alfons und Karl Knauf, wechselten im Jahr 2008 in den Gesellschafterausschuss und sind dort im jährlichen Wechsel als Vorsitzender und stellvertretender Vorsitzender verantwortlich.

Im Januar 2013 nahm die Gruppe im Ranking der 500 größten Familienunternehmen Deutschlands der Zeitschrift Wirtschaftsblatt Platz 24 ein.[1]

Unternehmen der Knauf-Gruppe[Bearbeiten]

  • Knauf AMF (Decken-Systeme)
  • Knauf Bauprodukte (Profi-Lösungen für Zuhause)
  • Knauf Dämmstoffe (Dämmstoffe aus Polystyrol und Hartschaum)
  • Knauf Insulation (Dämmstoffe aus Steinwolle, Glaswolle und Holzwolle)
  • Knauf Integral (Gipsfasertechnologie für Boden, Wand und Decke)
  • Knauf Perlite (Perlite, Innendämmung, zementgebundene Bauplatten)
  • Knauf PFT (Maschinentechnik und Anlagenbau)
  • Marbos (Mörtelsysteme für Pflasterdecken im Tiefbau)
  • Richter System (Metallsysteme im Trockenbau)
  • Sakret Bausysteme (Trockenmörtel für Neubau und Sanierung)

Produkte[Bearbeiten]

Vom Gipswerk an Saar und Main expandierte Knauf zu einer weltweiten Gruppe mit Produkten und Leistungen in den Bereichen:

  • Putz-/Fassaden-Systeme
  • Boden-Systeme
  • Trockenbau-Systeme
  • Dämmstoffe
  • Formteile/Verpackungen
  • Baumaschinen

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Die Knauf Gips KG ist Mitglied im Bundesverband Gips, der die Interessen der deutschen Gipsindustrie vertritt. Weiterhin ist sie Mitglied im Industrieverband Werkmörtel (IWM) und im Fachverband Wärmedämm-Verbundsysteme.

Im Juli 2010 ist Knauf Gips der BDI-Initiative "Energieeffiziente Gebäude" beigetreten. Die Initiative ist eine branchen- und gewerkeübergreifende Vereinigung von über 20 Verbänden und Unternehmen der Gebäudebranche. Ihr Ziel ist es, die großen Effizienzpotenziale im Gebäudesektor zu heben.

Knauf Akademie[Bearbeiten]

Dem Bereich Bildung und Weiterbildung räumt die Unternehmensgruppe Knauf einen hohen Stellenwert ein. Die Knauf Akademie bietet deshalb Handwerkern und Baustoffhändlern ein vielfältiges und praxisbezogenes Seminarprogramm an, das sich am aktuellen Stand der Entwicklungen orientiert.

Der Bereich Knauf Campus innerhalb der Knauf Akademie richtet sich speziell an Hochschulen und Universitäten der Fakultäten Bauingenieurwesen und Architektur. Über Projekte, Workshops und Vorlesungen fördert der Knauf Campus das praxisorientierte Lehrangebot für die Studierenden und vermittelt zugleich die kreativen Möglichkeiten und die Leistungsfähigkeit moderner Bautechniken.

An der Fachhochschule Rosenheim und der Hochschule Darmstadt unterhält Knauf zwei Stiftungsprofessuren im Bereich Trockenbau und Architektur und investiert damit sehr stark in die Förderung von qualifizierten Fachkräften im Trockenbau.

Knauf-Museum[Bearbeiten]

Am 30. Juni 1983 wurde in einem ursprünglich 1688 als Wirtshaus gebauten Barockbau in Iphofen, direkt am Marktplatz, das Knauf-Museum eröffnet. Es beherbergt Originalabgüsse aus den großen Museen der Welt, teilweise am Originalstandort abgeformt und zusammengetragen. Heute zieren über 200 Repliken den eindrucksvollen Innenhof und die Museumsräume – zumeist in Gips gefertigt und farblich so behandelt, dass ein Unterschied zum Original kaum festzustellen ist. Sie sind nach den alten Kulturepochen geordnet, beginnend etwa um 3500 v. Chr.[2] 2010 wurde das Knauf-Museum um einen neuen Bau (Entwurf: Architekturbüro Böhm & Kuhn, Iphofen) erweitert, in dem künftig alle Sonderausstellungen gezeigt werden. Am 16. November 2011 wurde das Knauf-Museum für seinen Erweiterungsbau mit dem Bayerischen Tourismus-Architektur-Preis „artouro“ ausgezeichnet. Verliehen hatte den Preis das Bayerische Wirtschaftsministerium und die Bayerische Architektenkammer in Kooperation mit der Bayern Tourismus Marketing GmbH.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nikolaus und Baldwin Knauf wurden 1982 zu Ehrenbürgern der Gemeinde Weißenbach (Steiermark) ernannt und 1990 gemeinsam mit Harro Seth von Knauf Iphofen mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreichn ausgezeichnet. Manfred Winkler, Geschäftsführer von Knauf Österreich, erhielt 1993 das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Steiermark.

1982 und 1997 wurde Knauf mit dem von Werner Wohlfarth initiierten Baustoffmarkt-Oskar ausgezeichnet.

Das Kauf-Gipswerk in Neumorschen wurde 1983 mit dem Umweltschutzpreis des Landes Hessen ausgezeichnet.

Die Region Mainfranken GmbH hat die Knauf Gips KG 2012 als eines der familienfreundlichsten Unternehmen in Mainfranken ausgezeichnet. Beim Wettbewerb „Familienfreundlichster Arbeitgeber Mainfrankens 2012“ wählte die Jury das Unternehmen in die TOP 5, verbunden mit der Auszeichnung „besonders familienfreundlich“.

Bei dem von der Region Mainfranken 2012 erstmals ausgelobten „Nachhaltigkeitspreis Mainfranken“ gewann die Knauf Gips KG den Preis in der Kategorie „Über 250 Mitarbeiter“. Die Jury würdigte das vielfältige betriebliche Maßnahmenspektrum von Knauf für mehr Umwelt- und Klimaschutz. Um das Bewusstsein für das Thema Nachhaltigkeit unter den Mitarbeitern zu stärken, veranstaltete das Unternehmen im Juli 2012 in Iphofen den ersten Nachhaltigkeitstag.

Verschiedene Betriebe und Produkte der Knauf-Gruppe erhielten außerdem zahlreiche Auszeichnungen der Fachpresse und des Handels.

Sponsoring[Bearbeiten]

Die Firma Knauf Bauprodukte GmbH & Co. KG ist seit 2007, dem Start in der Regionalliga, Hauptsponsor des Basketball-Erstligisten s.Oliver Baskets aus Würzburg. Zudem setzt sich das Unternehmen im Rahmen der s.Oliver Baskets Akademie auch für die Jugendarbeit und Nachwuchsförderung des Vereins ein.

Die ehemalige Biathlon-Athletin und ARD-Sportmoderatorin Kati Wilhelm ist bereits seit vielen Jahren das Werbegesicht für Knauf Easyputz. Seit der Saison 2011/2012 läuft darüber hinaus der Biathlet Florian Graf mit dem Knauf-Logo auf Mütze, Gewehr und Trageriemen erfolgreich in der Loipe. Ebenfalls von Knauf gesponsert wird der Schwimmer Thomas Lurz. Der in Gerbrunn bei Würzburg lebende Lurz hat viele Titel im Freiwasserschwimmen gewonnen. So ist er 10-facher Weltmeister auf der 5 km-Strecke, vierfacher Europameister auf 10 km sowie Sieger im Gesamtweltcup 2011. Nach seiner Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 holte der diplomierte Sozialpädagoge 2012 in London die Silbermedaille.

Firmengeschichte[Bearbeiten]

Unternehmensgründung im Saarland[Bearbeiten]

Die Brüder Alfons Knauf und Karl Knauf gründeten 1932 in Schengen an der Mosel eine Gipsgrube.[3] Im Folgejahr erwarben die beiden Bergingenieure im benachbarten Perl ein in Konkurs geratenes Kalkwerk, das sie zum Gipswerk mit drei Kammeröfen umbauten.[4] Das Unternehmen nannte sich anfangs Rheinische Gipsindustrie und Bergwerksunternehmen und ab 1938 Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke.[5] Das Stammwerk ist heute als Trockenmörtelmischwerk für Marmorit-Produkte in Betrieb. Weil die deutsch-französische Grenze durch das Werk verläuft, versteht sich Knauf als ureuropäisches Unternehmen.

Die erste Expansion erfolgte bereits 1935, als die Brüder Knauf in Siersburg ein weiteres Gipswerk erwarben und die Gipsgrube auf dem Gauberg pachteten. Als sich diese für wenig ergiebig erwies, schlossen sie einen Abbauvertrag für eine stillgelegte Gipsgrube in Mechern, in der bis 1960 Gips gewonnen wurde.[6] Die etwa um 1937 wieder geschlossene Grube Gauberg wurde später von einem anderen Pächter zur Champignonzucht genutzt, die darin angebauten Pilze wurden zeitweise als Werbegeschenke von Knauf genutzt.[7]

Die ersten Abnehmer für Knauf-Erzeugnisse waren Zementfabriken an Rhein und Ruhr. Da die Moselschifffahrt in den 1930er Jahren noch unsicher war, errichtete Knauf 1935 Lager in Duisburg und bei Krupp in Rheinhausen. Die günstige Verschiffung der Produkte im Gegensatz zum teuren Straßen- oder Bahntransport und der große Kundenkreis an Rhein und Ruhr sicherten in den Anfangsjahren die Existenz des Unternehmens.[8] 1935 wurde die Verwaltung von Perl nach Merzig verlegt.[9]

1936 übernahmen die Brüder Knauf einen Gipsbruch in Hüttenheim bei Iphofen.[10] 1938 folgte ein Gipssteinbruch in Stadtoldendorf. Die Jahresproduktion betrug nun rund 28.000 Tonnen Gips, womit Knauf schon damals mit dem größten deutschen Gipsproduzenten Euling & Mack um die Marktführerschaft konkurrierte.[11]

Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden das Gipswerk in Perl und die Gipsgrube auf dem Hammelsberg während des Westfeldzuges zerstört. Die Gründer verließen daraufhin vorläufig ihre Stammwerke. Alfons Knauf wandte sich zum Standort Iphofen, Karl Knauf wandte sich nach Stadtoldendorf. Nach Ende des Frankreichfeldzugs kehrten die Unternehmer ins Saarland zurück, konnten das Werk in Perl aufgrund kriegsbedingter Mängel jedoch nur langsam wiederaufbauen.[12] 1943 pachteten sie dann noch das Gipswerk Markt Einersheim dazu.[13] Im weiteren Verlauf des Krieges musste die Produktion an zahlreichen Standorten eingestellt werden. Gegen Ende des Krieges waren nur noch das Gipswerk in Siersburg, das Gipswerk in Markt Einersheim und der Steinbruch in Stadtoldendorf in Betrieb. Mit Kriegsende wurden alle Betriebe unter Zwangsverwaltung gestellt.[14]

Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg in Iphofen[Bearbeiten]

In der unmittelbaren Nachkriegszeit war es zunächst nicht absehbar, ob die Familien Knauf jemals wieder in den Besitz ihrer Betriebe gelangen würden, zumal mehrere der Treuhänder bzw. Sequester versuchten, selbst in den Besitz der Unternehmen zu gelangen.[15] Karl Knauf zog darum nach Iphofen und gründete dort 1947 die Fränkische Gipswerke GmbH, mit der man mit den unter Treuhandverwaltung stehenden früheren Betrieben konkurrieren und diese letztlich übernehmen wollte.[16] Im Juni 1948 wurden die in der amerikanischen und britischen Zone gelegenen Betriebe dann rückübertragen.[17] In Iphofen entstand dennoch ein für damalige Verhältnisse neuartiges Drehofen-Gipswerk, mit dem 1950 bereits wieder der Vorkriegsumsatz erreicht wurde und das 1953 vergrößert wurde.[18] 1950 erwarb Knauf zudem das durch die Währungsreform in Schieflage geratene Werk der Frankfurter Gipswerke GmbH im Frankfurter Osthafen.[19] 1951 wurden auch die Betriebe im Saarland rückübertragen.[20]

Das Unternehmen profitierte insbesondere vom Bauboom der Wiederaufbaujahre während des so genannten Wirtschaftswunders. Die saarländischen und die von Iphofen aus geleiteten Betriebe blieben zunächst unabhängig, banden sich jedoch durch Kooperationsverträge eng aneinander.[21] Im Werk Perl nahm man die Produktion von Perllit-Deckenplatten und Gipsdielen auf, 1957 folgten Spachtelgipse, darunter auch der erfolgreiche Gips in der Tube. Gipsplatten wurden ebenfalls in den Werken in Frankfurt und Iphofen produziert, ab Ende der 1950er Jahre dann auch Gipsfaserplatten.[22]

In den frühen 1960er Jahren gliederte Knauf seine Trockenmörtel-Produkte neu. Nach dem Vorbild von Zigarrenbändern wurden die Verpackungen der Produkte mit farbigen Bändern gekennzeichnet. Zum besonderen Verkaufserfolg wurde der Haftputzgips „Rotband“, der bis heute in großen Mengen international vertrieben wird.[23] Die Herstellung erfolgte anfangs überwiegend im Werk Siersburg, wo man 1960 durch einen Werksneubau die Produktionsmenge um das sechsfache auf 210.000 Tonnen Putzgips steigern konnte.[24] Der einlagige Haftputzgips ermöglichte schnellere Arbeitsmethoden und wurde durch geschulte Vorführmeister auch direkt auf Baustellen beworben.[25] Der große Erfolg des Produkts führte zu einer Expansion des Unternehmens Knauf, das nun zahlreiche kleinere Gipswerke erwarb, darunter Sartor & Engel in Trier, Früh & Co. in Saarfels, Brill in Straßburg und eine Anhydritgrube in Veltenheim. Durch die Übernahme des Gipswerks Brill mit angeschlossenem Baustoffgroßhandel gelang es Knauf, verschiedene Filialen in Frankreich (Mülheim, Nancy, Lion, Paris) zu eröffnen.[26]

Für die Produktion von Wandplatten aus Industriegips errichtete Knauf 1962 ein Werk in Castrop-Rauxel[27]. Noch im selben Jahr wurde die Vertriebsniederlassung in Neuss in ein produzierendes Werk für Wandplatten umgewandelt. Später fertigte man dort dann Fließ-Estriche.[28] 1964 erwarb Knauf alle Anteile an einem Gipswerk in Wittershausen, das durch die Beteiligung zweier weiterer Unternehmen zu den Vereinigten Gipswerken GmbH expandierte, wobei die Unternehmerfamilie Knauf später auch die Anteile der Partner erwarb. In Wittershausen entstand ein neues Werk zur Herstellung von Putzgips. Das alte Werk hat man der örtlichen Feuerwehr überlassen, die es im Rahmen einer Übung kontrolliert abbrannte. Das mehrfach erweiterte Werk in Wittershausen produziert heute Handputze, Maschinenputze und Stuckgips, vor allem auch für den Schweizer Markt.[29] 1966 entstand in Königshofen ein weiteres neues Werk für Gipskartonplatten, das eine Kapazität von 15 Mio. Quadratmetern pro Jahr hatte. In Königshofen wurde bis in die 1980er Jahre produziert, danach wurde das dortige Werk geschlossen und die Anlagen anderweitig innerhalb der Knauf-Betriebe genutzt.[30]

In den 1960er Jahren ging man im Baugewerbe von der handwerklichen zur maschinellen Zubereitung von Putzgips über. Die Labors und Techniker bei Knauf sowohl in Siersburg als auch in Iphofen entwickelten gemeinsam die Putzmaschine Gipsomat und den darauf abgestimmten Maschinenputz MP 75[31], der bis heute großen internationalen Absatz findet. Die Putzmaschinen wurden von der Firma Putzmeister hergestellt, ihr Alleinvertrieb lag für zehn Jahre bei Knauf.[32]

Bahntrasse und Produktionsanlage beim Hauptsitz des Unternehmens Knauf in Iphofen

1969 traten mit Nikolaus Knauf, dem Sohn von Alfons Knauf, und Baldwin Knauf, dem Sohn von Karl Knauf, die ältesten Söhne der Unternehmensgründer als persönlich haftende Gesellschafter in die Unternehmensleitung ein. Ihre sieben Geschwister wurden 1970 Kommanditisten.[33] Gleichzeitig begann man in den späten 1960er Jahren, die immer noch unabhängigen Betriebe im Saarland zentral innerhalb der Knauf-Gruppe von Iphofen aus zu verwalten und auch die Produkte zentral zu verwalten und zu vertreiben.[34] 1972 ging die Gebr. Knauf Saar-Gipswerke GmbH dann endgültig in der Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke GmbH auf.[35] Das Werk in Iphofen wurde ab 1968 umfassend erweitert und modernisiert.[36] Das Werk im nahegelegenen Markt Einersheim wurde als Werk Iphofen II ebenfalls modernisiert und außerdem zum Schulungszentrum des Unternehmens ausgebaut.[37] Das Werk in Stadtoldendorf erhielt 1970 eine Produktionsstraße für Gipskartonplatten.[38] In Neuherberg entstand 1970/71 eine neue Produktionsstätte für Maschinenputze.[39] Dort experimentierte man 1989 erstmals mit dem losen Transport solcher Produkte in Containern, woraus 1993 die Knauf Transport GmbH entstand.[40]

Mit der Mehrheitsbeteiligung an der Deutschen Perlite GmbH in Dortmund 1970 begann die Diversifizierung der Knauf-Produkte, indem man künftig Perlit als Zuschlagstoff für Mörtel und Putze nutzte sowie Dämmstoffbauplatten produzierte. Die Deutsche Perlite GmbH produziert heute Perlcon-Boards und Perlcon-TE an verschiedenen Standorten, darunter Iserlohn, Lübeck, Bülstringen und Dorfprozelten. Das Unternehmen hat eigene Vertriebsniederlassungen in Österreich und seine Produkte werden im restlichen internationalen Markt über die Knauf-Niederlassungen vertrieben. In Iserlohn werden von der Deutschen Perlite GmbH seit 2001 in einem Joint Venture mit der United States Gypsum Corporation, dem weltgrößten Gipshersteller, Aquapanel-Zementplatten gefertigt.[41]

1971 übernahm Knauf die Frisalit-Werke in Satteldorf und Neumorschen. Das Werk in Satteldorf wurde für die Produktion von Gipsfaserplatten mordernisiert, in Neumorschen werden Maschinenputze produziert.[42] Das Werk in Neumorschen nahm 1981 die weltweit erste Bandkontrollwaage in Betrieb[43] und wurde wegen seiner speziellen Gewebefilter 1983 mit dem Umweltschutzpreis des Landes Hessen ausgezeichnet.[44] In Vellberg in der Nähe von Satteldorf entstand darüber hinaus 1971/72 ein neues Gipswerk.[45] 1972 übernahm Knauf außerdem die Mehrheit an den Kurhessischen Gipswerken in Hundelshausen,[46] mit denen man später ein deutsch-ungarisches Joint Venture zur Produktion von Zwischenwandplatten in Székesfehèrvàr in Ungarn begann.[47] 1972/73 entstand weiterhin ein neues Werk zur Gipsplattenherstellung in Lauffen ob Rottweil,[48] 1974 ein Putzgipswerk in Embsen.[49]

Nach langen Jahren des ununterbrochenen Wachstums wurde 1971 ein neues Hauptverwaltungsgebäude in Iphofen geplant. Fertigstellung und Bezug des Gebäudes fielen bereits in die Zeit der Ölkrise 1973/74 und der Baukrise ab 1974, die zu einer Neuorientierung des Unternehmens führten.[50]

Neuorientierung in den 1970er Jahren[Bearbeiten]

Mit der Öl- und Baukrise ab 1973 zeichnete sich ab, dass der Absatz der bisherigen Produkte stagnieren würde und vorerst keine neuen Knauf-Gipswerke in Deutschland gebaut würden, wie sie vorher noch in großer Zahl entstanden waren. Auch bei den Rohstoffquellen vollzog sich ein Wandel. Man entschied sich daher für eine weitere Diversifizierung der Produkte sowie um die Ausweitung des Unternehmens um Anlagen- und Maschinenbau.

Für den Bau seiner Gipswerke hatte Knauf zahlreiche Ingenieure beschäftigt. Die nun freigewordenen Anlagenbauer wurden in die 1974 gegründete Knauf Engineering GmbH überführt, die sich auf Planung und Bau von Gipsfabriken im Ausland konzentrierte.[51] Zu den ersten Aufgaben dieses neuen Unternehmenszweigs gehörten die Erweiterung einer 1969 bis 1971 von Knauf errichteten Gipsfabrik in Teheran[52] und der Bau eines Gipskombinats in Fleurus in Algerien.[53] Weitere Großprojekte auf der ganzen Welt folgten.

Bei der Beschaffung der Rohstoffe ging man vom traditionellem Gipsabbau in Gipsgruben zu der Verwendung von REA-Gips aus Abgasen über. Als Joint Venture mit der Firma Research Cottrell aus New Jersey gründete Knauf die Knauf Research Cottrell GmbH, die nach dem Bau einer Pilotanlage in Cochise County (USA) zahlreiche Rauchgasentschwefelungsanlagen zur Gewinnung hochreinen REA-Gipses entwickelte und 1985 von Noell übernommen wurde.[54]

Zur Entwicklung von Pump- und Fördergeräten wurde 1972 die PFT Putz- und Fördertechnik GmbH & Co. KG gegründet, die kontinuierliche Mischpumpen konstruierte. Der überraschende Erfolg der Mischpumpe G4 führte schließlich zur Errichtung einer eigenen Maschinenfabrik im Werk Iphofen II, wo bis 1990 20.000 Mischpumpen G4 vom Band liefen. Zusammen mit dem Nachfolgemodell G5 wurden bis 2002 mehr als 60.000 solcher Pumpen gefertigt. Die PFT hat Tochterfirmen in acht Ländern und ein weltweites Vertriebsnetz in 46 Ländern.[55]

1974 konzipierte Knauf ein Baumarkt-Programm mit Produkten für den aufkeimenden Heimwerkermarkt, darunter Putze, Estriche und Kleber, die 1976 als Messeneuheit bei der BAU 76 in München vorgestellt und nachfolgend über Baumärkte vertrieben wurden. Das Baumarkt-Programm war eines der ersten seiner Art im deutschsprachigen Raum und sehr erfolgreich. Bereits 1983 wurde es in über 800 Verkaufsstellen angeboten.[56] Die Produktpalette konnte vielfach erweitert werden, aufgrund der großen Nachfrage nach den Produkten wurde in Iphofen sogar noch eine weitere Produktionsstätte errichtet. Das Baumarkt-Programms war bis 2003 auf rund 200 Produkte angewachsen. Das Knauf-Baumarktsegment wurde mehrfach von der Fachpresse und vom Handel ausgezeichnet, unterhält heute Vertriebs- und Handelsstrukturen in nahezu allen europäischen Ländern und betreibt eine große Produktionsanlage in Belchatow in Polen.[57]

Ebenfalls 1974 gründete man die V.V.G. Versicherungs-Vermittlungs-GmbH, die den Versicherungsschutz und das Risikomanagement innerhalb der Knauf-Gruppe übernimmt sowie zusätzliche Dienstleistungen im Rahmen der Berufsgenossenschaften anbietet.[58]

1979 übernahm Knauf die Richter System GmbH & Co. KG in Griesheim, einen Hersteller von Metallprofilen für Trägersysteme, und formte das Unternehmen zum Hersteller von Wand- und Deckenbausystemen um.[59]

Ein bedeutender Unternehmenszukauf war 1982 die Übernahme der Koch Kalk und Bau GmbH in Bollschweil, die mineralische Edelputze herstellte. Damit konnte Knauf sein Produktprogramm auch auf Kalkputze erweitern, die unter dem noch von Koch herrührenden Markennamen Marmorit vertrieben werden. Kalk wird inzwischen bei der zu Knauf gehörigen Marmorit GmbH außer in Bollschweil auch an den Standorten Perl und Castrop-Rauxel, in einem 1994 neu erbauten Werk in Gnetsch und in Altbach bei Stuttgart verarbeitet. Von 1983 bis 1997 war Knauf zur Gewinnung von Rohkalk zudem an den Rheinischen Kalksteinwerken beteiligt, trennte sich nach dem starken Ausbau von Marmorit jedoch dann wieder von ihren Anteilen.[60] 1999 übernahm die Marmorit GmbH außerdem die Krautol-Werke in Darmstadt, um ihr Produktsortiment um Farben und kunstharzgebundene Putze zu erweitern.[61] Die Marmorit GmbH ist darüber hinaus seit 1990 in einigen Bundesländern Produzent und Lizenznehmer für Sakret-Trockenmörtel.[62]

Erst im Verlauf der 1980er Jahre kam es dann auch wieder zu Werksneubauten in Deutschland. In Neuss entstand mit dem Werk Neuss II eine große Produktionsanlage für die Herstellung von Hand- und Maschinenputzen aus REA-Gips regionaler Kraftwerke. Die Produkte werden außer im Binnenmarkt auch in die Benelux-Staaten, nach Skandinavien und Großbritannien abgesetzt.[63] In Hüttenheim entstand 1985 eine große Produktionsanlage für Fließestriche, die bereits 1992 umfassend modernisiert wurde.[64] In Gelsenkirchen-Buer errichtete man 1986 ein Gipswerk für die Gipswerk Scholven GmbH, die dort erstmals so genannten Alpha-Gips nach dem japanischen Verfahren der Nitto Gypsum Division für die VEBA Division Ruhr produzierte, an der Knauf 1992 Anteile erwarb.[65]

Internationale Expansion[Bearbeiten]

Die Internationalisierung des Unternehmens nahm 1970 mit der Gründung eines Gips- und Gipskartonplattenwerks im steiermärkischen Weißenbach bei Liezen in Österreich ihren Anfang.[66] Von Weißenbach aus, wo auch die österreichische Vertriebszentrale eröffnet wurde, konnte das Unternehmen später den gesamten südosteuropäischen Markt für sich erschließen.[67] Nikolaus und Baldwin Knauf wurden 1982 zu Ehrenbürgern der Gemeinde und 1990 mit dem Großen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ausgezeichnet, mehrere weitere Mitarbeiter erhielten weitere hohe österreichische Auszeichnungen.[68]

1972 gründete Knauf in Belgien die N. et B. Knauf et Cie., die 1973 in Ehein südlich von Lüttich ein Gipswerk errichtete.[69] Die dort gefertigten Mischputze verdrängten bald die in Belgien sonst noch angewendeten Kalkmörtel und Knauf avancierte zum Marktführer in Belgien.[70] 1991 übernahm Knauf auch den belgischen Konkurrenten Isolava in Wielsbeke.[71] 1974 gründete man die Utrecht die Knauf B.V. zum Vertrieb der deutschen und belgischen Produkte in den Niederlanden. In Utrecht entstand 1990 zudem ein großes Schulungszentrum.[72]

1977 folgte eine Vertriebsniederlassung für Italien in Treviso,[73] 1984 in Gambassi auch ein eigenes Gipswerk und 1993 in Riolo Terme ein Gipsprofilwerk. Der italienische Markt florierte außerordentlich, so dass man das Profilwerk Ende der 90er Jahre nach Castellina Marittima verlegte und dort auch noch die Produktion von Gipsplatten aufnahm.[74]

In der Schweiz wurden einige Knauf-Produkte seit 1971 durch die H. Leu AG in Biel-Benken vertrieben. Leu vertrieb 1981 das gesamte PFT-Programm und alle Putze von Knauf, später beteiligte sich Knauf bei Leu und übernahm das Unternehmen schließlich vollends. Seit 1992 firmiert das Unternehmen als Knauf AG/SA.[75]

In den USA errichtete Knauf 1978 ein Glaswolle-Dämmstoffwerk in Shelbyville, Indiana.[76] 1987 folgte ein Werk in Lanett, Alabama, zur Erschließung des Marktes im Süden der USA,[77] 1990 ein weiteres Werk in Shelbyville.[78] Außerdem übernahm Knauf 1990 mit der Southern Ohio Foam in Lebanon, Ohio, ein weiteres Werk zur Dämmstoffproduktion.[79] 2002 folgte in Shasta Lake, Kalifornien, der Neubau des bisher größten Knauf-Dämmstoffwerks in den USA.[80]

Eine bedeutende internationale Übernahme war 1985 der Erwerb der Holding La Rhénane, die ihren Sitz in Ungersheim im Elsass hatte. Das danach Knauf La Rhénane S.A. genannte Unternehmen vereinte 25 Firmen und Werke in Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden unter sich und widmete sich der Herstellung von geblähtem Polystyrol. Knauf hat nach der Übernahme die Hauptverwaltung nach Wolfgantzen verlegt, weitere Firmen zugekauft und verschiedene Werke errichtet. Die Unternehmungen von Knauf in Frankreich wurden später in zwei Sparten aufgeteilt: Knauf La Rhénane widmet sich weiter vorrangig der Polystyrol-Produktion, während Knauf S.A.R.L. im Bereich der Gipsprodukte tätig ist.[81] Durch die Übernahme des schweizer Dämmstoffherstellers Alcopor durch Knauf La Rhénane entstand die Knauf-Dämmstoffsparte unter dem Namen Knauf Insulation, die Werke und Vertriebsgesellschaften in mehreren europäischen Ländern unterhält.[82]

Unterdessen war in den 1980er Jahren durch die Übernahme der Rigips GmbH durch die British Plasterboard und die Übernahme verschiedener internationaler Gips- und Gipsplattenwerke durch das französische Unternehmen Lafarge eine neuartige nationale und internationale Konkurrenzsituation entstanden, der Knauf 1987 durch die strategische Entscheidung zur massiven weiteren Internationalisierung entgegentrat. Die 1988 gegründete Knauf UK GmbH errichtete sogleich bei Sittingbourne ihr erstes Gipsbauplattenwerk in Großbritannien,[83] dem bereits 1990 ein zweites Werk in Immingham folgte.[84] In Frankreich gründete man die Plâtres Knauf et Cie. S.C.S., die 1988 ein Gipsbauplattenwerk in St. Soupplets eröffnete.[85] Ebenfalls noch 1988 erwarb Knauf 50 % der Anteile am griechischen Gipsplattenhersteller Michanokataskevatsi, der daraufhin in Knauf Tsepalitdis umbenannt wurde. 1991 übernahm Knauf alle Anteile und wandelte das Unternehmen mit Produktionsanlagen in Amphilochia zur Knauf ABEE um.[86] Das griechische Werk liefert unter anderem auch nach Nordafrika und in den Nahen Osten, wofür man von Griechenland aus 1996 die Tochterfirma Knauf Lebanon S.A.R.L. mit Sitz in Beirut gründete.[87] Im spanischen Gauxiers wurde 1990 ein Gipsbauplattenwerk durch Knauf errichtet.[88]

Mit der politischen Wende in der DDR und der Öffnung des vormaligen Ostblocks ab 1989 ergaben sich für das ohnehin bereits stark ins europäische Ausland expandierende Unternehmen völlig neue Märkte. Bereits im Frühjahr 1990 gründete Knauf als Joint Venture mit dem Gipswerk in Rottleberode und dem Zementbaukombinat Dessau in der damaligen DDR die Eurogips Produktions- und Vertriebs-GmbH, die fünf Niederlassungen in Leipzig, Rostock, Berlin, Dessau und Dresden errichtete, in denen bis 1994 rund 17.000 Teilnehmer Schulungen in Trockenbau mit Knauf-Produkten durchliefen.[89] Knauf Erwarb noch 1990 alle Anteile an Eurogips[90] und ließ das Werk in Rottleberode in den Folgejahren umfassend modernisieren.[91] Knauf erwarb 1993 auch das 1851 als Kalkhütte gegründete, aber bereits völlig verfallene frühere Hotel-Restaurant Kalkhütte, ließ das marode Gebäude originalgetreu erneuern und durch die Knauf Kalkhütte GmbH seit 1997 wieder als Hotel mit Restaurant betreiben.[92] 1995 errichtete Knauf neben dem VEAG-Kraftwerk in Schwarze Pumpe einen Produktionskomplex zur Verarbeitung des anfallenden REA-Gipses.[93] Auf dem Gebiet der früheren DDR folgte schließlich 1996 noch ein Anhydritwerk in Boxberg.[94]

1992 erfolgte eine weitere bedeutende internationale Übernahme, als Knauf das dänische Unternehmen Danogips A/S mit zwei Gipsbauplattenwerken in Dänemark und einem in Schweden übernahm. Danogips zählt mit seinem Dano-Wandsystem zu den Marktführern für Leichtbau-Systeme in Skandinavien und verfügte seit 1974 auch über eine Vertriebsniederlassung in Deutschland.[95] Mit der Danogips-Übernahme bediente Knauf insbesondere auch die starke Nachfrage während des Baubooms der Nachwendejahre in der ehemaligen DDR. Als dieser nachließ, schloss man 2000 die Plattenproduktion im dänischen Vojens und verlegte die Herstellung von Danogips-Produkten ins Werk Schwarze Pumpe.[96] 1994 erwarb Knauf alle Anteile des schwedischen Papier- und Kartonagenherstellers Inalnd AB in Lilla Edet, an dem Danogips bereits zuvor eine Beteiligung hatte.[97] Die weitere Expansion in Skandinavien vollzog man 1993 mit der Gründung der Knauf-Kipso OY in Finnland, die 1995 alle Anteile an der Suomen Kipso OY übernahm. Das Giupsplattenwerk beim finnischen Pori wurde zunächst mit spanischem Naturgips beliefert, wurde dann jedoch auf die Verarbeitung von REA-Gips aus fünf finnischen Kraftwerken umgestellt.[98]

In Osteuropa fasste Knauf zunächst in Ungarn Fuß, wo man 1989 die Vertriebsgesellschaft Knauf Kft. Budapest gründete und in einem Joint Venture mit österreichischen Unternehmen 1991 eine Produktionsanlage für Putze und Mörtel in Veszprém eröffnete[99] 1996 folgte ein Werk in Bugyi,[100] 2001 ein weiteres in Vác.[101] Von Knauf in Österreich aus erfolgte 1991 die Gründung der tschechischen Knauf Praha spol.sr.o., die zunächst nur Knauf-Produkte in Tschechien vertrieb und 1993 dann das größte tschechische Putz- und Mörtelwerk in Kbely erwarb. Als Joint Venture mit dem tschechischen Kraftwerkskonzern CEZ wurde durch die Knauf Pocerady spol.sr.o. außerdem 1993/94 ein Gipsbauplattenwerk in Pocerady errichtet, das REA-Gips aus einem benachbarten Kraftwerk verarbeitet.[102] In Polen entstand im Anschluss an das Kraftwerk Belchatów bis 1997 ein Gipsbauplattenwerk, das die im Kraftwerk jährlich anfallenden 300.000 Tonnen REA-Gips verarbeitet.[103] Ein weiteres polnisches Werk in Jaworzno war bei seiner Einweihung 1999 das größte osteuropäische Gipsplattenwerk überhaupt.[104] In Kroatien übernahm 1997 die Knauf Knin d.o.o. alle Anteile am Gipsbauplattenwerk in Knin, in einem Joint Venture mit Lasselsberger erwarb die Lasselsberger Knauf d.o.o. außerdem 2000 ein Trockenmörttelwerk im kroatischen Durdevac.[105] Knauf übernahm zudem 1997 die Aktienmehrheit am Gipsbaukombinat Debar in Mazedonien und formte das Unternehmen zur Knauf Radika AG um. Das Werk in Debar wurde modernisiert und um eine zweite Produktionsanlage erweitert. Die Produkte dieses Unternehmenszweigs werden nicht nur auf dem mazedonischen Markt vertrieben, sondern auch im benachbarten Albanien.[106] In Bulgarien erwarb Knauf 1997 ein Gipsfaserplattenwerk in Vidin. Die Produkte dieses Werks werden in deutschen und österreichischen Heimwerkermärkten unter den Markennamen Vidifloor und Vidiwall angeboten.[107]

In der Türkei erwarb Knauf 50 % der Anteile am Unternehmen Biltepe A.S., das danach ab 1997 als Tepe-Knauf Insaat ve Yapi Elemaniari Sanayi ve Ticaret Anonim Sirketi firmierte, und der angeschlossenen Vertriebsgesellschaft Tepe Alccipan A.S.. Tepe-Knauf ist Marktführer für Gipsbauplatten in der Türkei. Neben dem Stammwerk in Ankara produziert man dort seit 2003 auch noch in einem Werksneubau in Kullar bei Izmit.[108]

Die sicherlich umfangreichste und schwierigste Expansion des Unternehmens richtete sich ab den frühen 1990er Jahren auf Russland und die GUS-Staaten, wo man ein gewaltiges Marktpotential vermutete. Ein wissenschaftlich-technischer Austausch zwischen Knauf und sowjetischen Universitäten hatte bereits seit 1970 stattgefunden. Ab 1993 investierte Knauf rund 300 Millionen Euro in russische Baustoffkombinate, um Produktionsstätten zu erwerben, aber auch um eigene Rohstoffquellen zu erschließen und zu sichern, um den Qualitätsstandard des für die Gipsplattenherstellung nötigen Kartons zu erreichen, um Vertriebs- und Handelsstrukturen aufzubauen und um Personal für Produktion und Handel zu schulen.[109] Außerdem tätigte Knauf umfangreiche Investitionen im sozialen und kulturellen Umfeld der Unternehmensstandorte, darunter beim Wiederaufbau des Neptunbrunnens in St. Petersburg und beim Wiederaufbau der orthodoxen Kirche von Ovstug.[110] Binnen zehn Jahren bis 2003 erwarb Knauf 14 Unternehmensbeteiligungen in Russland, zwei in der Ukraine, zwei in Moldawien und eines in Kasachstan. In diesen Unternehmen waren insgesamt rund 7.500 Beschäftigte tätig.[111] Zur Knauf-Gruppe in Russland zählen Werke in Krasnogorsk, Kolpino, Psebaj, Novomoskowsk, Komunar, Dserschinsk, Tscheljabinsk und Baskuntschak, in der Ukraine in Kiew, in Moldawien in Belzi und Kriwa sowie in Kasachstan in Kaptschagaj.[112] Nach Siemens war Knauf im Jahr 2003 zweitgrößter deutscher Investor in Russland.[113]

Die weitere Internationalisierung der Knauf-Gruppe schritt mit dem Eintritt in den chinesischen Markt 1995 voran. Knauf ging ein Joint Venture mit zwei chinesischen Partnern ein und übernahm anschließend deren Anteile. Die Knauf Plasterboard (Wuhu) Co. Ltd. betreibt ein Werk für Gipsbauplatten in Wuhu, die Knauf New Building Material Products Company Ltd. betreibt ein gleichartiges Werk in Dongguan, und die Knauf Plasterboard Tianjin Company Ltd. ein solches in Tianjin.[114] In Südamerika entstanden außerdem 1997 ein Werk im brasilianischen Queimados und 1998 ein Werk in Mendoza in Argentinien.[115]

Im Heimatmarkt hat Knauf 1994 eine große Produktionsanlage in Fenne zur Verarbeitung des in den Saarbergwerken anfallenden REA-Gipses errichtet.[116] Das Werk in Fenne hat den alten Standort Siersburg ersetzt, dessen Anlagen größtenteils am Standort Belzi in Moldawien weiterverwendet werden.[117] 1995 hat Knauf zudem den Mineralfaserplatten-Hersteller AMF in Grafenau übernommen.[118] 1997 wurde die Knauf-Firmenzentrale in Iphofen dem immens gewachsenen Geschäftsfeld geschuldet umfassend erweitert.[119] Die Produktionsanlagen in Iphofen wurden zudem bis 1999 auf die ausschließliche Verarbeitung von REA-Gips umgestellt. Das Rohmaterial wird überwiegend aus Kohlekraftwerken in Ostdeutschland bezogen. Zum Transport des Materials wurde in Zusammenarbeit mit der DB Cargo der Güter-Spezialwaggon Typ Talus entwickelt.[120]

Am 2. Juni 2003 wurde das deutsche Hauptunternehmen zur Knauf Gips KG umgewandelt. 2011 hatte die Knauf-Gruppe einen Umsatz von über 5 Mrd. Euro, davon wurden rund 10 % in neue Anlagen investiert, um die Produktionskapazitäten für eine künftig steigende Nachfrage anzupassen.

Kritik[Bearbeiten]

2002 wurde das Unternehmen im Rahmen der Aufdeckung des Gipsplattenkartells zu einem Bußgeld von 85,8 Millionen Euro verurteilt.[121]

Im März 2009 wurde im Zusammenhang mit korrodierenden Gipsplatten gegen drei chinesische Partnerunternehmen der Knauf Gips KG eine Sammelklage in Miami, Florida (USA) eingereicht. Diese betroffenen Platten beschädigen Kupferleitungen durch korrodierende Dämpfe. Die Knauf Plasterboard Tianjin (KPT) sieht keine Gesundheitsrisiken in dem betroffenen Produkt. Zwei weitere davon unabhängige Sammelklagen sind in Louisiana und Florida anhängig. Die Klagen gegen die Knauf KG wurden am 15. Dezember 2011 mit einem Vergleich beendet. Darin verpflichtete sich die Knauf Gips KG für die Sanierung der betroffenen Häuser aufzukommen. Es wurde ein Entschädigungsfonds gegründet, der anfangs mit 390 Mio. Dollar gefüllt wurde und in den die Knauf Gips KG stetig nachschießen muss. Der Anwalt der Sammelklage schätzt die Gesamthaftung auf knapp 1 Mrd. Dollar. (Quelle: Impulse, Heft 10/12, S. 69)

Im Juli 2009 wurde bekannt, dass ein der Knauf Gips KG unterstehendes Unternehmen ihren iranischen Angestellten mit Entlassung drohte, falls sie bei einer Demonstration gegen die Regierung gefasst würden. Ein entsprechendes vertrauliches Schreiben (unterzeichnet von Isabel Knauf, die zur Gründerfamilie des bayerischen Baustoffherstellers Knauf Gips KG gehört)[122] wurde vom Wall Street Journal veröffentlicht.[123][124] Die Knauf Gips KG erklärte daraufhin, das Schreiben sei „unglücklich formuliert“ und bedürfe einer Korrektur. Die freie Meinungsäußerung werde nicht eingeschränkt und die Beteiligung an Demonstrationen werde ohne Folgen bleiben.[125]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Top 500 – Die größten Familienunternehmen in Deutschland (PDF; 307 kB). In: Wirtschaftsblatt 1/13
  2. Gebr. Knauf Westdeutsche Gipswerke (Hrsg.): Knauf-Museum Iphofen Mainfranken. Reliefsammlung der großen Kulturepochen, Iphofen 1983.
  3. Rödiger et al. 2003, S. 15-17.
  4. Rödiger et al. 2003, S. 21.
  5. Rödiger et al. 2003, S. 23.
  6. Rödiger et al. 2003, S. 25/26.
  7. Rödiger et al. 2003, S. 27.
  8. Rödiger et al. 2003, S. 28.
  9. Rödiger et al. 2003, S. 31.
  10. Rödiger et al. 2003, S. 32-35.
  11. Rödiger et al. 2003, S. 35.
  12. Rödiger et al. 2003, S. 37-38.
  13. Rödiger et al. 2003, S. 39.
  14. Rödiger et al. 2003, S. 40.
  15. Rödiger et al. 2003, S. 50-53.
  16. Rödiger et al. 2003, S. 54.
  17. Rödiger et al. 2003, S. 55.
  18. Rödiger et al. 2003, S. 57-58.
  19. Rödiger et al. 2003, S. 59.
  20. Rödiger et al. 2003, S. 60.
  21. Rödiger et al. 2003, S. 99.
  22. Rödiger et al. 2003, S. 61.
  23. Rödiger et al. 2003, S. 78-80.
  24. Rödiger et al. 2003, S. 83.
  25. Rödiger et al. 2003, S. 84.
  26. Rödiger et al. 2003, S. 85.
  27. Rödiger et al. 2003, S. 92-93.
  28. Rödiger et al. 2003, S. 94.
  29. Rödiger et al. 2003, S. 95-96.
  30. Rödiger et al. 2003, S. 98.
  31. Die Bezeichnung MP 75 erklärt sich aus dem Kürzel für Maschinenputz und der 75% höheren Leistung von Maschinenputzgips im Vergleich zu normalem Putzgips, vgl. Rödiger et al. 2003, S. 97.
  32. Rödiger et al. 2003, S. 97.
  33. Rödiger et al. 2003, S. 113.
  34. Rödiger et al. 2003, S. 99.
  35. Rödiger et al. 2003, S. 112.
  36. Rödiger et al. 2003, S. 114.
  37. Rödiger et al. 2003, S. 115-117.
  38. Rödiger et al. 2003, S. 120.
  39. Rödiger et al. 2003, S. 140.
  40. Rödiger et al. 2003, S. 141.
  41. Rödiger et al. 2003, S. 143-146.
  42. Rödiger et al. 2003, S. 147-150.
  43. Rödiger et al. 2003, S. 148.
  44. Rödiger et al. 2003, S. 148.
  45. Rödiger et al. 2003, S. 153-154.
  46. Rödiger et al. 2003, S. 155-156.
  47. Rödiger et al. 2003, S. 157.
  48. Rödiger et al. 2003, S. 158-159.
  49. Rödiger et al. 2003, S. 237.
  50. Rödiger et al. 2003, S. 168-169.
  51. Rödiger et al. 2003, S. 171.
  52. Rödiger et al. 2003, S. 172.
  53. Rödiger et al. 2003, S. 173.
  54. Rödiger et al. 2003, S. 174.
  55. Rödiger et al. 2003, S. 177-183.
  56. Rödiger et al. 2003, S. 186-190.
  57. Rödiger et al. 2003, S. 190-191.
  58. Rödiger et al. 2003, S. 193-194.
  59. Rödiger et al. 2003, S. 216-217.
  60. Rödiger et al. 2003, S. 225.
  61. Rödiger et al. 2003, S. 219-222.
  62. Rödiger et al. 2003, S. 223-225.
  63. Rödiger et al. 2003, S. 238-239.
  64. Rödiger et al. 2003, S. 240-243.
  65. Rödiger et al. 2003, S. 244-245.
  66. Rödiger et al. 2003, S. 162.
  67. Rödiger et al. 2003, S. 163-166.
  68. Rödiger et al. 2003, S. 167.
  69. Rödiger et al. 2003, S. 195.
  70. Rödiger et al. 2003, S. 197.
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  84. Rödiger et al. 2003, S. 283.
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  90. Rödiger et al. 2003, S. 301.
  91. Rödiger et al. 2003, S. 302–303.
  92. Rödiger et al. 2003, S. 306–307.
  93. Rödiger et al. 2003, S. 308–310.
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  95. Rödiger et al. 2003, S. 312–316.
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  99. Rödiger et al. 2003, S. 322–323.
  100. Rödiger et al. 2003, S. 324.
  101. Rödiger et al. 2003, S. 325.
  102. Rödiger et al. 2003, S. 325–329.
  103. Rödiger et al. 2003, S. 330-331.
  104. Rödiger et al. 2003, S. 333.
  105. Rödiger et al. 2003, S. 334.
  106. Rödiger et al. 2003, S. 335.
  107. Rödiger et al. 2003, S. 336-337.
  108. Rödiger et al. 2003, S. 338-339.
  109. Rödiger et al. 2003, S. 342–345.
  110. Rödiger et al. 2003, S. 346.
  111. Rödiger et al. 2003, S. 342.
  112. Rödiger et al. 2003, S. 348–370.
  113. Rödiger et al. 2003, S. 375.
  114. Rödiger et al. 2003, S. 379–382.
  115. Rödiger et al. 2003, S. 383–386.
  116. Rödiger et al. 2003, S. 390–391.
  117. Rödiger et al. 2003, S. 392.
  118. Rödiger et al. 2003, S. 393–396.
  119. Rödiger et al. 2003, S. 397–399.
  120. Rödiger et al. 2003, S. 401-402.
  121. Gipsplattenkartell: EU-Kommission verhängt hohe Geldbußen gegen vier Unternehmen
  122. Originalschreiben auf dem Webspace des Wall Street Journals (englisch) vom 21. Juli 2009 (PDF; 318 kB)
  123. Wall Street Journal: German Firm in Iran Bans Staff Protests, 31. Juli 2009
  124. Spiegel Online: Deutscher Konzern verbot iranischen Mitarbeitern das Demonstrieren, 31. Juli 2009
  125. Presseerklärung (PDF; 332 kB), 31. Juli 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Rödiger, Herbert Schumacher, Wilfried Demel: Wachsen und Werden. Biografie der Unternehmerfamilie Knauf, Iphofen 2003.