Kniepsand

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Kniepsand
Kniepsand mit Primärdünen
Kniepsand mit Primärdünen
Gewässer Nordsee

Geographische Lage

54° 39′ 6″ N, 8° 20′ 11″ O54.6516666666678.3363888888889Koordinaten: 54° 39′ 6″ N, 8° 20′ 11″ O
Kniepsand (Schleswig-Holstein)
Kniepsand
Länge 15 km
Breite 1,5 km
Fläche 10 km²
NASA-Satellitenbild von Amrum mit dem westlich angelagerten Kniepsand und dem kleinen westlich vorgelagerten Jungnamensand
NASA-Satellitenbild von Amrum mit dem westlich angelagerten Kniepsand und dem kleinen westlich vorgelagerten Jungnamensand

Der Kniepsand (Öömrang: a Kniip) ist eine extrem langsam wandernde Sandbank in der Nordsee. Sie liegt westlich der schleswig-holsteinischen Insel Amrum und nimmt eine Fläche von rund 10 km²[1] ein. Da das Gebiet gewöhnlich nicht überflutet wird, handelt es sich um einen Hochsand.

Name[Bearbeiten]

Der Name geht auf das Öömrang-Wort kniap für „kneifen“ zurück.

Geographie[Bearbeiten]

Der Kniepsand bildet einen scheinbar zu Amrum gehörenden, 15 Kilometer langen und bis zu 1,5 Kilometer breiten Sandstrand, der der gesamten Westküste der Insel vorgelagert ist und unmittelbar in die tatsächlich zur Insel gehörenden Sanddünen übergeht. Dennoch ist der Kniepsand geologisch gesehen kein Teil Amrums.[2] Im Laufe der nächsten Jahrhunderte wird ein Weiterwandern des Kniepsandes um die Nordspitze Amrums, die Amrumer Odde, herum erwartet. Der Kniepsand fungiert als natürlicher Inselschutz bei Sturmfluten und liefert reichlich Sand für den Aufbau des sich anschließenden Dünengürtels.

Im Winter wird der Kniepsand regelmäßig von hohen Sturmfluten überspült. Dabei werden häufig die im Sommerhalbjahr entstandenen Primärdünen abgetragen.

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahr 1585 wurde der Kniepsand auf einer Seekarte als Ameren bor, deutsch: „Amrumer Barriere“, erwähnt. Er lag damals annähernd im rechten Winkel zur Insel Amrum.[3] Im Mittelalter befand sich auf Höhe des heutigen Süddorfer Strandes eine Fischereistation. Durch die zunehmende Drehung des Kniepsands Richtung Küste versandete sie. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts beschleunigte sich der Prozess. Die Amrumer Seenotrettungsstation befand sich 1865 auf Höhe Nebels und musste dann innerhalb zwei Jahrzehnten mehrfach Richtung Norden bis zum Norddorfer Strand verlagert werden.[4] Der Kniephafen, der im Schutz des Kniepsands in einem Priel bei Norddorf lag, diente Mitte des 19. Jahrhunderts noch großen Handelsschiffen als Ankerplatz im Winter, musste wegen der zunehmenden Versandung 1901, 1909 und 1938 nordwärts verlegt werden, bis er während des Zweiten Weltkriegs ganz aufgegeben wurde.[4] Bis Mitte der 1960er-Jahre war der Kniepsand noch durch den Priel von der Insel getrennt. Seither wandert der Kniepsand weiter um die Amrumer Odde herum.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde ein Abzweig der Amrumer Inselbahn von Wittdün durch die Dünen bis über den Kniepsand gebaut, doch die Schienen und Badegebäude wurden gleich von der ersten Sturmflut im Winter vernichtet. Die Strecke wurde mehrfach wieder aufgebaut und schließlich aufgegeben.

Tourismus[Bearbeiten]

Der Kniepsand fungiert als Strand der Insel Amrum. Es gibt mehrere bewachte Badestrände und FKK-Abschnitte. In einigen Bereichen errichten Urlauber aus Strandgut fantasievolle Holzbauten, die mit den Sturmfluten im Herbst wieder abgetragen werden.

Naturschutz[Bearbeiten]

Der Kniepsand ist kein Teil des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, jedoch als Teil des Fauna-Flora-Habitat Gebietes „Küsten- und Dünenlandschaften Amrums“ an das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 gemeldet. So gibt es einige für Menschen gesperrte Areale. Dazu zählen – bis auf den Flutsaum – das Naturschutzgebiet Amrum-Odde, der Kniepsand westlich des Norddorfer Leuchtturms sowie die Südspitze des Kniepsandes bei Wittdün. Diese Gebiete dienen als Rückzugs- bzw. Brutgebiete zahlreicher Vogelarten.

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kniepsand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Informationen bei schleswig-holstein.de, abgerufen am 20. September 2012
  2. Georg Quedens, Hans Hingst, Gerhard Stück, Ommo Wilts: Amrum. Landschaft, Geschichte, Natur. Verlag Jens Quedens, Amrum 1991, ISBN 3-924422-24-9, S. 12
  3. Georg Quedens: Amrum. Breklumer Verlag, Breklum 1971
  4. a b Georg Quedens, Hans Hingst, Gerhard Stück, Ommo Wilts: Amrum. Landschaft, Geschichte, Natur. Verlag Jens Quedens, Amrum 1991, ISBN 3-924422-24-9, S. 14.