Knopf

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Knopf (Begriffsklärung) aufgeführt.
Zunftwappen der Knopfmacher
Reste der Knopfherstellung (Knochenfragmente mit Stanzlöchern, 15. Jahrhundert)

Ein Knopf dient zusammen mit einem Knopfloch oder einer Schlaufe zum Schließen von Kleidung, wie Oberbekleidung, Unterbekleidung oder Schuhen sowie von Behältnissen wie Taschen, Körben, Kästen und anderen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Knopf als Ziergegenstand ohne Knopfloch oder Schlaufe war bereits in der Antike bekannt. Knöpfe mit Knopflöchern (statt Schlaufen) wurden im 13. Jahrhundert in Deutschland erfunden.[1] Die neue Methode verbreitete sich bis zum 14. Jahrhundert rasch in Europa und führte zu einer Mode mit eng anliegenden Kleidern.

Verwendung[Bearbeiten]

Beim Schließen wird der Knopf, der fest mit der einen Stoffhälfte verbunden ist, entweder durch eine in der Größe angepasste Schlaufe auf der anderen Hälfte gezogen oder durch einen gesäumten Schnitt im Stoff (Knopfloch) geführt und die Öffnung so verschlossen. Die Form des Knopfes, seine Größe, das Material und die Anbringung sind der Mode unterworfen. Heutzutage besteht ein Knopf zumeist aus Kunststoff und/oder Metall; andere Materialien sind beispielsweise Holz, Horn, Glas oder Perlmutt. Ein Knopf kann auch zu Zierde angebracht sein. Vorgänger des Knopfs als Gebrauchs- wie als Ziergegenstand waren das Band und die Fibel.

Traditionell befinden sich bei Herrenbekleidung die Knöpfe aus Sicht des Trägers auf der rechten, die zugehörigen Knopflöcher auf der linken Seite; man spricht von einer Links-rechts-Knöpfung. Bei Damenbekleidung ist es dagegen umgekehrt (Rechts-links-Knöpfung). Zu den Gründen hierfür gibt es mehrere Theorien, z. B. dass sich Männer ihre Kleidung selbst zuknöpften, während „die Dame“ von einer Zofe bekleidet wurde, welche auch die Knöpfe schloss. Für die Zofe, zumindest wenn sie Rechtshänderin war, sei es leichter gewesen, die Knöpfe mit der rechten Hand und das Knopfloch mit der linken Hand zu fassen, als andersherum. Dem widerspricht allerdings die Tatsache, dass eine allgemeine Rechts-links-Knöpfung bei Frauenkleidung erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts nachweisbar ist.[2]

Arten von Knöpfen[Bearbeiten]

Knöpfe können nach dem Material unterschieden werden (z. B. Hirschhornknopf, Perlmuttknopf), nach dem Verwendungszweck oder wie im Folgenden nach der Form und Machart.

Ösenknopf[Bearbeiten]

verschiedene Ösenknöpfe

Der Ösenknopf ist seit dem Hochmittelalter gebräuchlich. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er auf der Rückseite eine Öse hat, durch die er an das Kleidungsstück genäht wird. Die Schauseite des Knopfes kann kugel-, kuppel-, scheibenförmig oder flach gewölbt sein. Die Öse kann allein oder zusammen mit einer Trägerplatte an der Rückseite des Knopfes befestigt oder aber mit dem Knopf aus einem Stück gefertigt sein.

Eine Sonderform des Ösenknopfes ist der bezogene Knopf. Hierbei wird eine scheibenförmige oder gewölbte Basis mit Stoff oder Leder bezogen. Der auf der Rückseite des Knopfes zusammengeraffte Stoffüberhang dient, wie eine Öse, zur Befestigung.

Da die Öse als Abstandshalter zwischen Knopf und Trägerstoff wirkt, werden Ösenknöpfe bevorzugt bei dicken Stoffen (z. B. bei Mänteln) eingesetzt, so dass der Knopf plan auf dem Knopfloch aufliegt. Die nicht unterbrochene Oberfläche eignet sich besonders für Verzierungen, beispielsweise für reliefierte Abzeichen (Uniformknöpfe), Gravuren, Cloisonné oder (bei bezogenen Knöpfen) Stickerei.

Überall dort, wo Knöpfe bei der Reinigung und sonstigen Behandlungen von Kleidungsstücken stören können (z. B. Labor- und Arztkittel), können Ösenknöpfe abnehmbar gestaltet sein. Dazu wird die Öse durch ein kleines verstärktes Loch im Stoff geführt und auf der Rückseite mit einem kleinen "Schlüsselring“ gesichert.

Lochknopf[Bearbeiten]

Verschiedene Lochknöpfe

Der Lochknopf ist meist scheibenförmig - mit oder ohne Zierrand - und wird durch die Löcher hindurch am Stoff angenäht. Er kommt am häufigsten als Zwei- oder Vierlochknopf an Hemden und Blusen vor. Er kann leicht maschinell befestigt werden. Wird er für dickere Stoffe verwendet, muss unter dem Kopf für das Knopfloch Platz geschaffen werden, indem man den Knopf zunächst mit überlangen Schlingen annäht und diese dann mehrfach mit dem Nähfaden umwickelt (Stiel).

Zwirnknopf[Bearbeiten]

Zwirnknöpfe

Beim Zwirnknopf wird Leinen- oder Baumwollgarn sternförmig um einen Metallring geführt, bis sich eine geschlossene Fläche ergibt. Da Zwirnknöpfe traditionell (mindestens seit dem 18. Jahrhundert) für Wäsche verwendet werden, findet man sie fast ausschließlich in Weiß.[3]

Posamentenknopf[Bearbeiten]

Posamenten-Knebelknopf

Posamentenknöpfe werden aus den gleichen Materialien wie Kordeln und Quasten gefertigt, d.h. meist aus mit Seide (oder Kunstseide) umwickelten Strängen. Ein Posamentenknopf kann die Form eines Ösenknopfes annehmen oder die eines flächigen Ornaments, das an einer Stelle einen Knauf bildet, der durch die Schlaufe eines symmetrischen Gegenstücks geführt wird.

Knebel[Bearbeiten]

Knebelverschluss

Knebel sind eine längliche Sonderform des Knopfes und vermutlich die älteste Vorläuferform des heutigen Knopfes. Sie können mit Ösen oder Löchern versehen sein und werden meist mit Schlaufen statt Knopflöchern kombiniert. Sie finden vor allem bei Mänteln und in der Trachtenmode Verwendung. Das wesentliche Charakteristikum des Dufflecoats sind Knebelknöpfe.

Druckknopf[Bearbeiten]

Druckknopf

Ein Druckknopf ist ein Verschlussmittel aus zwei kleinen, runden Teilen, von denen eines mit einer Vertiefung, das andere mit einem passenden Kopf versehen ist. Sie werden auf gegenüberliegenden Seiten des Stoffs festgenäht oder -genietet und zum Schließen ineinandergedrückt. Damit der Kopf einschnappt und sich der Knopf nur bei erheblicher Zugkraft öffnet, ist die Vertiefung entsprechend als offener Hohlraum oder Ring geformt, dann ermöglicht die Materialelastizität des Knopfes das Einschnappen, oder es ist ein zusätzliches seitlich federndes Element eingebaut. Druckknöpfe sind meist aus Metall, seltener aus Kunststoff. Den Druckknopf gab es schon lange vor der Zeitenwende, dies belegt ihre Verwendung als Befestigung an den Bronzewagen der berühmten Terrakottaarmee. 1885 erfand Heribert Bauer aus Pforzheim[4] den ersten Druckknopf der Neuzeit. Er war vor allem für Unterbekleidung von Männern gedacht. 1903 kam der Druckknopf in einer von Hans Prym verbesserten Form auf den Markt, mit einer um den Kopfteil eingelegten Feder, die das Öffnen und Schließen beträchtlich erleichterte. Aus rostfreiem Metall hergestellt, ist der Druckknopf in dieser Form bis heute im Handel und dient in der Regel als unauffälliger, bzw. im geschlossenen Zustand meist nicht sichtbarer Verschluss von Kleidungsstücken, Taschen und anderem.

Knopfloch[Bearbeiten]

Gepaspeltes Knopfloch
Maschinell gefertigtes Knopfloch mit Auge
Knöpfe zum Beziehen mit Pelz (Musterkarte, ca. um 1950?)

Knopflöcher werden im Regelfall maschinell hergestellt; auch Haushaltsnähmaschinen können Knopflöcher sauber und zuverlässig fertigen. Bei hochwertigen und maßgeschneiderten Kleidungsstücken sind die Knopflöcher handgenäht. Der Schneider verwendet dazu ein besonders gezwirntes Garn; die früher übliche Knopflochseide wird immer häufiger durch Polyestergarne abgelöst. Das Knopfloch wird mit einem Schlingstich, dem Knopflochstich, gearbeitet, der das Knopfloch festigt und gegen Ausreißen schützt.

Man unterscheidet flache Wäscheknopflöcher (auch Flachlochknopflöcher genannt), Paspelknopflöcher und Augenknopflöcher. Wäscheknopflöcher sind üblich bei Hemden und Blusen, Paspelknopflöcher werden von zwei schmalen Paspeln eingefasst und an Jacken und Mänteln verwendet. Augenknopflöcher haben an der vorderen Zugseite ein rund gearbeitetes Auge, das dem Knopfstiel Platz lässt. Diese Form wird bei schweren Stoffen eingesetzt, bei denen der Knopf nicht eng am Stoff anliegen kann, sondern mit einem sogenannten Stiel angenäht wird, damit beim Schließen beide Stofflagen glatt übereinanderliegen.

Außer bei Hemden und Blusen werden Knopflöcher meist horizontal angebracht.

Knopfleiste[Bearbeiten]

Die Knopfleiste wird beim Hemd und beim Hosenbund als Kennzeichen hochwertiger Verarbeitung angesehen. Sie besteht aus einem angesetzten Stoffstück für Knopf und Knopfloch. Eine „aufgesetzte Leiste“ hat äußerlich sichtbare Steppnähte, eine „blinde Leiste“ eine unsichtbare Steppnaht, zum Beispiel an Smokinghemden.[5]

Bis in die 1950er Jahre war eine Knopfleiste die bevorzugte Schließvorrichtung für Pelze. Sie bestand aus einem Stoffstreifen mit Knopflöchern, der an der Innenseite der Übertrittvorderkante aufgenäht wurde, so dass das Teil blind geknöpft werden konnte, also ohne Knopflöcher im Fell. Die Knöpfe waren hierbei beim geschlossenen Pelz nicht sichtbar. Die Erfindung des unauffälligen Klipverschlusses für Pelze ersetzte Knopf und Knopfleiste.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lynn White: The Act of Invention: Causes, Contexts, Continuities and Consequences. In: Technology and Culture. Band 3, Nr. 4 (Herbst 1962), S. 486–500 (497f. & 500).
  2. Zwirnknopfherstellung, englische Anleitung, abgerufen am 30. Juli 2010.
  3. Vor 120 Jahren: Heribert Bauer lässt den Druckknopf patentieren. Westdeutscher Rundfunk, 5. März 2005, abgerufen am 24. Februar 2008 (german).
  4. Alfons Hofer: Textil- und Modelexikon. 7. Auflage. Band 1, Deutscher Fachverlag, Frankfurt am Main 1997, Stichwort „Knopfleiste“, ISBN 3-87150-518-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Druckknöpfe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien