Knud Rasmussen

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Knud Rasmussen

Knud Johan Victor Rasmussen (* 7. Juni 1879 in Ilulissat, West-Grönland; † 21. Dezember 1933 in Kopenhagen, Dänemark) war ein grönländisch-dänischer Polarforscher und Ethnologe.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Geburtshaus von Knud Rasmussen, Ilulissat, Grönland
Knud Rasmussen und Adolphus Greely
Rasmussen 1924 mit seinen zwei Begleitern, Frau Amarulunguaq und Quvigarssuaq Knud Miteq, nach der Rückkehr von der 5. Thule-Expedition.

Rasmussen war der Sohn des Missionars und Sprachforschers Christian Rasmussen (1846–1918) und dessen Frau Sofie Louise Rasmussen (1842–1917), geborene Fleischer, einer Grönländerin mit norwegischen und Inuit-Vorfahren. Bereits als kleiner Junge war er ein auch für grönländische Verhältnisse ausgezeichneter Hundeschlittenfahrer. Ein bekanntes Zitat von ihm ist: „Gib mir Schnee, gib mir Hunde, und den Rest kannst Du behalten“. Sein grönländischer Spitzname war Kunuunguak („kleiner Knud“).

Ab 1891 besuchte er die Latein- und Realschule in Nørrebro, einem Stadtteil Kopenhagens. Anschließend studierte er einige Semester an der Universität Kopenhagen, legte das Philosophicum ab, konnte sich aber für kein Fachstudium entscheiden. 1901 ging er als Korrespondent nach Stockholm, um von den Nordischen Spielen zu berichten, und reiste danach durch Lappland und das nördliche Norwegen.

1902–1904 nahm er mit seinem Freund, dem Maler und Zeichner Harald Moltke, an der Literarischen Expedition nach Nordwestgrönland teil, die unter Leitung von Ludvig Mylius-Erichsen stand, mit dem Rasmussen im Jahr 1900 bereits Island besucht hatte. Im Mittelpunkt der Expedition stand die Aufzeichnung der Lieder und Legenden der Polareskimos. In den folgenden Jahren kam Rasmussen immer wieder, teilweise in offiziellen Angelegenheiten, nach Grönland.

Am 11. November 1908 heiratete Knud Rasmussen Dagmar Theresa Andersen (1882–1965).

1909 war er bei der Gründung der Missionsstation in Nordgrönland dabei.

1910 gründete er zusammen mit seinem Kompagnon Peter Freuchen am gleichen Platz die Handels-, und Forschungsstation Thule, die Ausgangspunkt seiner Expeditionen wurde. Den Gewinn der Handelsstation steckte Rasmussen in seine Expeditionen und den Aufbau einer örtlichen Infrastruktur mit Laden, Krankenhaus, freier medizinischer Versorgung und einer Kirche. Im völkerrechtlichen und juristischen Niemandsland hatte Rasmussen die oberste Autorität, welche er jedoch zugunsten der Polareskimo einsetzte. Heute befindet sich in unmittelbarer Nähe die Thule Air Base. 1953 wurden die Einwohner auf Druck der Amerikaner zwangsumgesiedelt. Rasmussens Wohnhaus wurde in seine Einzelteile zerlegt und 1986 nach Qaanaaq gebracht, wo es wieder aufgebaut wurde und seitdem als Heimatmuseum (Thule Museum) dient.

Rasmussen führte zwischen 1912 und 1933 sieben Expeditionen (die sogenannten „Thule-Expeditionen“) nach Nordgrönland und in die arktischen Gebiete Kanadas und Alaskas durch. Ziel war neben der geographischen Forschung vor allem auch die Erforschung und Konservierung der Inuit-Kultur, der Inuit-Sprache, der Inuit-Sagen und -Geschichten. Von besonderer Bedeutung war die 5. Thule-Expedition von 1921 bis 1924, die dem Ziel diente, die Herkunft der Inuit aufzuklären. Die Expedition schlug ihr Lager zunächst auf einer Insel im östlichen arktischen Kanada auf und besuchte die Inuit-Siedlungen im größeren Umkreis. Im Frühjahr 1923 begann Rasmussen in Begleitung zweier Inuit die längste Hundeschlittenreise in der Geschichte der Arktisforschung, die ihn an der Nordküste des nordamerikanischen Festlands innerhalb von sechzehn Monaten bis nach Nome in Alaska führte.

1925 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Kopenhagen.

Auch Filmgeschichte schrieb Knud Rasmussen. Bei seiner letzten Expedition entstand der Spielfilm „Palos Brautfahrt“, der das traditionelle Leben der Inuit zeigt. Rasmussen hatte das Drehbuch geschrieben und wählte die Hauptdarsteller aus. Auch war er Schirmherr des Arnold Fanck-Films „SOS Eisberg“ (mit Ernst Udet und Leni Riefenstahl), der als erster Spielfilm die besondere Schönheit der Eislandschaften Grönlands zeigte.

Im Oktober 1933 erkrankte Rasmussen in Ostgrönland an einer Fleischvergiftung und starb am 21. Dezember in einem Kopenhagener Krankenhaus.

In Knud Rasmussens Geburtshaus befindet sich heute das Ilulissat-Museum, das insbesondere auch an diesen berühmtesten aller Grönländer erinnert. Weitere Erinnerungsstücke befinden sich im Thule-Museum in Qaanaaq. Das letzte Expeditionsschiff von Knud Rasmussen, die 1933 erbaute „Kivioq“, befindet sich heute im Privatbesitz von Jutta Carstensen und Uwe Käding und liegt im Hafen von Aabenraa im Süden Dänemarks.

Publikationen[Bearbeiten]

Auch als Schriftsteller war Rasmussen bedeutend. Einige seiner Bücher sind

  • Nye mennesker (Neue Menschen), 1905
  • Min rejsedagbog (Mein Reisetagebuch – Über das grönländische Inlandeis nach dem Peary-Land), 1915
  • Der Sängerkrieg – Eskimosagen aus Grönland, 1922
  • Myter og sagn fra Grønland (Mythen und Sagen von Grönland), Gyldendal, Nordisk forlag, 1925
  • Fra Grønland til Stillehavet (Von Grönland bis zum Stillen Ozean), 1925–26.
  • Den store slæderejse (Die große Schlittenreise), 1932

Rasmussen übersetzte 1915 den ersten grönländischen Roman Sinnattugaq von Mathias Storch unter dem Titel En Grønlænders Drøm (Ein grönländischer Traum) ins Dänische.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knud Rasmussen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien