Koblenz AG

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AG ist das Kürzel für den Kanton Aargau in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Koblenz zu vermeiden.
Koblenz
Wappen von Koblenz
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Zurzachw
BFS-Nr.: 4310i1f3f4
Postleitzahl: 5322
UN/LOCODE: CH LEN
Koordinaten: 660068 / 27353347.6097238.237497319Koordinaten: 47° 36′ 35″ N, 8° 14′ 15″ O; CH1903: 660068 / 273533
Höhe: 319 m ü. M.
Fläche: 4.09 km²
Einwohner: 1575 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 385 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 40,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.koblenz.ch
Koblenz

Koblenz

Karte
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Koblenz (im regionalen schweizerdeutsch: ˈχɔbləts)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Zurzach des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt an der Mündung der Aare in den Hochrhein, unmittelbar an der Grenze zu Deutschland.

Geographie[Bearbeiten]

Westlich des Dorfes vereinigen sich die zwei grössten Flüsse der Schweiz. Der Rhein fliesst zunächst in westlicher, dann in südwestlicher Richtung und nach einer sehr engen Flussbiegung in Richtung Norden. Drei kleine Inseln liegen im Rhein; zwei auf der schweizerischen, eine auf der deutschen Seite. An der Flussbiegung befindet sich die Mündung der Aare. Deren Wassermenge ist rund ein Viertel grösser als jene des Rheins (durchschnittlich 557 bzw. 439 m³/s). Das Dorfzentrum liegt im schmalen Uferstreifen zwischen dem Rhein und der steilen Flanke des Frittel, einem rund 350 Meter hohen Hügel. Auf der sich anschliessenden Hochebene liegen neuere Wohngebiete. Der Frittel ist ein Ausläufer des Achenbergs, der zum Tafeljura gehört.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 409 Hektaren, davon sind 123 Hektaren bewaldet und 77 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 444 Metern ganz im Südosten, die tiefste Stelle befindet sich auf 314 Metern am Zusammenfluss von Rhein und Aare.

Nachbargemeinden sind Waldshut-Tiengen im Norden, Küssaberg im Nordosten, Rietheim im Osten, Klingnau im Süden und Leuggern im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet ist seit der Römerzeit besiedelt. Zwischen der Mitte des 1. bis zum 3. Jahrhundert bestand hier ein Gutshof. 1914 kamen bei Grabungsarbeiten eine Badeanlage, importierte Terra Sigillata und Ziegelstempel zum Vorschein. Gut erhalten sind die Grundmauern eines im Jahr 371 errichteten Wachtturms, der sich rund einen Kilometer östlich des heutigen Dorfes beim Kleinen Laufen befand und den Namen summa rapida («oberste Stromschnelle») trug. Ein weiterer Wachtturm befand sich weiter westlich im Gebiet Rütenen.[5] Nach dem Rückzug der Römer im ersten Jahrzehnt des 5. Jahrhunderts war die Gegend weitgehend unbewohnt.

Die erste urkundliche Erwähnung von Confluentia erfolgte im Jahr 1010, damals wurden von dort Steine für den Neubau der Kirche in Zurzach herangeschafft. Die älteste bekannte Ortsnamensform ist lateinisch und nimmt Bezug auf den Zusammenfluss von Aare und Rhein.[3] Im Hochmittelalter lag die Siedlung im Herrschaftsbereich der Herren von Klingen. Walther von Klingen, der bekannte Minnesänger, verkaufte 1269 die Siedlung zusammen mit dem Städtchen Klingnau an das Bistum Konstanz. Weitere bedeutende Grundbesitzer waren die Klöster St. Blasien und St. Gallen sowie der Johanniterorden in Leuggern. Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau. Koblenz gehörte nun zum Amt Klingnau der Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft.

Im Rhein lag einst die kleine Insel Judenäule, die lange Zeit für die Juden der Schweiz die einzige erlaubte Bestattungstätte war und nicht zu selten, bei den sich wiederholenden Verfolgungen, auch der einzige mögliche Zufluchtsort. Die kleine Insel wurde regelmässig bei Hochwasser überflutet. 1750 erhielten die Schweizer Juden dann einen eigenen Friedhof zwischen den Dörfern Endingen und Lengnau. Die Insel selbst wuchs mit der Zeit mit dem rechten (deutschen) Ufer zusammen. Die Toten in den übrig gebliebenen Gräbern wurden 1954/55 exhumiert und nach Endingen überführt.

Der Dorfbrand von 1795 zerstörte 54 Häuser und machte 335 Personen obdachlos. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Koblenz war nun eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden. Seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Zeitungsberichte von 1891

Die Koblenzer Flussschiffer hatten jahrhundertelang ein Monopol für den Transport vom damals wichtigen Messeort Zurzach rheinabwärts durch die gefährlichen Stromschnellen von Laufenburg in Richtung Basel. Mit dem Aufkommen der Eisenbahn und dem Niedergang der Zurzacher Messe verlor die Schiffergenossenschaft ihre Existenzgrundlage und löste sich 1858 auf. Am 18. August 1859 wurde die Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut eröffnet, am 1. August 1876 folgte die Bahnstrecke Winterthur–Bülach–Koblenz, am 1. August 1892 die Bahnstrecke Stein-Säckingen–Koblenz.

Doch trotz dieser Eisenbahnlinien nahm die Bevölkerungszahl in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts um über zwanzig Prozent ab. Ab 1900 setzte ein langsames Wachstum ein. Mit dem Bau zweier Strassenbrücken über den Rhein (1932) und die Aare (1936) entwickelte sich Koblenz endgültig zum überregionalen Verkehrsknotenpunkt. Die grenznahe Lage hatte aber auch Nachteile, so entstand 1945 bei einem versehentlichen Angriff durch alliierte Bomber ein beträchtlicher Sachschaden.

1987 wurde im Dorfzentrum eine neue Bahnhaltestelle eröffnet, die den abseits gelegenen Bahnhof ergänzte. Im selben Jahr erfolgte der Bau eines Damms, der den unteren Dorfteil vor Überschwemmungen schützt; er dient gleichzeitig als Umfahrungsstrasse. Seit dem 28. Mai 1994 gibt es auf der Eisenbahnlinie nach Laufenburg nur noch Güterverkehr, die Schnellzüge zwischen Basel und Winterthur waren schon einige Jahre zuvor gestrichen worden.

Insel oberhalb Koblenz

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Gelb blauer Fluss mit Einmündung vom rechten Schildfuss her, darauf linksgewendeter schwarzer Weidling mit schräg gelegtem schwarzem Ruder.» Das Wappen wurde 1926 eingeführt. Es deutet einerseits den Zusammenfluss von Aare und Rhein an und weist andererseits auf die frühere Bedeutung der Flussschifffahrt hin.[6]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[7]

Jahr 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 709 554 614 882 1114 1439 1465 1588 1611 1592

Am 31. Dezember 2013 lebten 1575 Menschen in Koblenz, der Ausländeranteil betrug 40,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 44,7 % römisch-katholisch, 27,7 % reformiert, 1,7 % christlich-orthodox und 14.7 % muslimisch; 1,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[8] 82,4 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 4,3 % Albanisch, 3,7 % Serbokroatisch, 2,6 % Italienisch, 1,8 % Portugiesisch, 1,1 % Türkisch.[9]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Bad Zurzach zuständig. Koblenz gehört zum Friedensrichterkreis Klingnau.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Koblenz gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 650 Arbeitsplätze, davon 3 % in der Landwirtschaft, 57 % in der Industrie und 38 % im Dienstleistungssektor.[10] Der mit Abstand grösste Arbeitgeber ist die Firma Stoll Giroflex AG, die Bürostühle herstellt. Ebenfalls von Bedeutung sind die Holzverarbeitung und die Herstellung von Kunststoffen. Zahlreiche Erwerbstätige sind Wegpendler und arbeiten in den Nachbargemeinden des unteren Aaretals oder in der Region Brugg/Baden.

Verkehr[Bearbeiten]

Koblenz wird im Volksmund auch «Vier-Brücken-Dorf» genannt, da je zwei Strassen- und Eisenbahnbrücken über die Aare bzw. den Rhein führen. Das Dorf liegt am Schnittpunkt mehrerer Hauptstrassen: Die Hauptstrasse 7 (Rheintalstrasse) führt von Basel über Koblenz nach Winterthur, die Hauptstrasse 5 durch das untere Aaretal nach Brugg. Über die Rheinbrücke führt die Strasse nach Waldshut. Oft bricht der Verkehr im Dorf zusammen, wenn viele Einkaufstouristen nach Waldshut unterwegs sind.

Der Bahnhof Koblenz befindet sich ausserhalb des Dorfes im äussersten Südwesten des Gemeindegebiets. Von hier aus verkehren Züge nach Baden, Waldshut, Bad Zurzach und Winterthur. Eine weitere Bahnstation (Koblenz Dorf) an der Linie nach Bad Zurzach und Winterthur erschliesst das Dorfzentrum. Die Strecke in Richtung Laufenburg dient nur noch dem Güterverkehr, als Ersatz verkehrt eine Postautolinie nach Leibstadt.

Die Eisenbahnlinie nach Waldshut weist eine interessante Streckenführung auf. Nach Verlassen des Bahnhofs führt sie zunächst nach Osten durch einen tiefen Einschnitt im Frittel-Hügel, durchquert diesen anschliessend in einem rund 200 Meter langen bogenförmigen Tunnel und überquert mitten im Dorfzentrum die Strecke nach Winterthur auf einem Viadukt. Daraufhin wird der Rhein in nordwestlicher Richtung auf einer der ältesten erhaltenen Eisenbahnbrücken Europas überquert.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und zwei Schulhäuser, in denen die Kinder der Primarschule und der Einschulungsklasse unterrichtet werden. Seit dem Sommer 2005 ist die Oberstufe (Real-, Sekundar- und Bezirksschule) der 'OSUA' (Oberstufe Unteres Aaretal) in Klingnau und Döttingen angegliedert. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Koblenz (AG) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Aarebrücke Koblenz-Felsenau: Mündung der Aare in den Rhein

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 247–250.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo
  5.  Martin Hartmann, Hans Weber: Die Römer im Aargau. Verlag Sauerländer, Aarau 1985, ISBN 3-7941-2539-8, S. 177.
  6.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 193.
  7. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  9. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  10. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.