Kobylin

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Kobylin
Wappen von Kobylin
Kobylin (Polen)
Kobylin
Kobylin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Landkreis: Krotoszyn
Fläche: 4,87 km²
Geographische Lage: 51° 43′ N, 17° 14′ O51.71555555555617.226111111111Koordinaten: 51° 42′ 56″ N, 17° 13′ 34″ O
Höhe: 108[1] m n.p.m
Einwohner: 3236
(31. Dez. 2013)[2]
Postleitzahl: 63-740
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: PKR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK36 KrotoszynRawicz
Schienenweg: KrotoszynLeszno
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 23 Ortschaften
20 Schulzenämter
Fläche: 112,37 km²
Einwohner: 8183
(31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 73 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3012023
Verwaltung (Stand: 2011)
Bürgermeister: Bernard Jasiński
Adresse: Rynek Marszałka J. Piłsudskiego 1
63-740 Kobylin
Webpräsenz: www.kobylin.pl

Kobylin [kɔˈbɨlin] ist eine Stadt in Polen in der Wojewodschaft Großpolen. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Krotoszyński.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung eines Dorfes Namens Kobylin stammt vom 15. August 1289 als der Erzbischof Jakub Świnka die Kirche des Ortes besuchte. Die nächste urkundliche Erwähnung vom 6. Februar 1303 stellt die Vergabe des Stadtrechtes fest.[3] Die Stadt wurde nach Neumarkter Recht gegründet.[4] Der Name der Stadt, welche neben dem Dorf errichtet werden sollte, wurde auf Venetia festgelegt, aber der Name Kobylin setzte sich auch für die Stadt durch.[5] Am 21. Dezember 1430 wurde das Stadtrecht durch Władysław II. Jagiełło nach Magdeburger Recht bestätigt.[3] Als Folge der Gegenreformation kam es um 1630 durch eine Massenflucht aus Schlesien zu einem bedeutenden Zuzug von Protestanten, die zu einer deutlichen Erweiterung Kobylins beitrugen.[6] 1793, bei der Zweiten Polnischen Teilung, wurde die Stadt Teil Preußens. Der Anschluss an das Schienennetz erfolgt 1888.[7] Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Kobylin Teil des wiederentstandenen Polens. Im September 1939 wurde die Stadt von der deutschen Wehrmacht im Rahmen des Polenfeldzugs besetzt. Der Stadtname wurde am 18. Mai 1943 in Koppelstädt geändert.[8] Im Jahre 1945, am Ende des Zweiten Weltkrieges, wurde die Gegend von der Roten Armee besetzt und in der Folge Teil der Volksrepublik Polen.

Religionen[Bearbeiten]

Als Folge des massenhaften Zuzuges von Protestanten wurde am 4. März 1632 die evangelische Kirche "Zum Schifflein Christi" geweiht und damit das evangelische Kirchspiel Kobylin gegründet. Ein zweiter Kirchenbau ersetzte 1692 den bisherigen Kirchenbau.[9] Die dritte Kirche mit vorgesetztem Kirchturm wurde als Fachwerkbau mit doppelten Emporen errichtet.[10] Im Januar 1945 verwaiste die Kirchengemeinde mit Verlassen fast aller Deutschen. Im folgenden Jahr wurde das Kirchenschiff abgerissen.[9]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Nachfolgend die graphische Darstellung der Einwohnerentwicklung.[11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke:

  • die gotische Pfarrkirche aus dem Jahr 1512
  • die Klosterkirche der Zisterzienser aus dem 16./17. Jahrhundert
  • ein barocker hölzerner Uhrenturm als Überrest der ev. Kirche Kobylins
  • das Rathaus aus dem 19. Jahrhundert

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt Kobylin ist Sitz einer Stadt- und Landgemeinde mit einer Fläche von 112,37 km² mit etwa 8000 Einwohnern. Die 20 Ortsteile mit einem Schulzenamt (sołectwo) sind:

  • Kuklinów
  • Łagiewniki
  • Nepomucenów
  • Raszewy
  • Sroki
  • Starkowiec
  • Starygród
  • Stary Kobylin
  • Wyganów
  • Zalesie Małe
  • Zalesie Wielkie
  • Zdziętawy

Weitere Ortschaften sind Biała Róża, Kuklinów-Siedlung, Lipówiec und Targoszyce.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Kobylin führt in ost-westlicher Richtung die Landesstraße 36 (droga krajowa 36). Im Westen führt sie nach 30 Kilometern durch Rawicz und kreuzt dabei die Landesstraße 5. Nach etwa 15 Kilometern Richtung Osten kreuzt sie in Krotoszyn die Landesstraße 15.

Die Stadt liegt an der Bahnstrecke von Krotoszyn nach Leszno.

Der nächste internationale Flughafen ist der 70 Kilometer südlich gelegene Nikolaus-Kopernikus-Flughafen Breslau.

Bildung[Bearbeiten]

In der Stadt gibt es eine Vor- und eine Grundschule. Weiterhin gibt es eine Mittelschule und eine Berufsschule (Zasadnicza Szkoła Zawodowa)

Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Auswanderer in Karl Mays Erzählung Satan und Ischariot von 1893 stammen aus Kobylin.[12]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Meyers großes Konversationslexikon von 1905, abgerufen am 9. Januar 2011
  2. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Juni 2014.
  3. a b Website der Stadt, Krótka Historia Kobylina, abgerufen am 26. Dezember 2009
  4. Julius Kohte: Verzeichnis der Kunstdenkmäler der Provinz Posen. Bd. III. Die Landkreise des Regierungsbezirks Posen, Berlin 1896, S. 310–316 Online: PDF, abgerufen am 29. Dezember 2010
  5. Adolf Warschauer: Die Städtischen Archive in der Provinz Posen, Leipzig 1901, Mittheilungen der k. Preussischen Archivverwaltung, H. 5, S. 91–93, Online: Website der Bibliothek der Stadt Kobylin PDF-Datei
  6. Joachim Rogall (Hrsg): Land der großen Ströme, von Polen nach Litauen. Siedler Verlag, Berlin 1996, S. 136
  7. Szukacz.pl, Kobylin - Informacje dodatkowe, abgerufen am 26. Dezember 2009
  8. territorial.de, Amtsbezirk Koppelstädt-Stadt, abgerufen am 26. Dezember 2009
  9. a b Olaf Schölzel: Trauungsregister der evangelischen Kirche "Zum Schifflein Christi" zu Kobylin, 1652–1874. Bad Oeynhausen 2006, S. IV–V
  10. biblioteka.muzeum.krotoszyn.pl (PDF-Datei; 82 kB), abgerufen am 29. Dezember 2010
  11. Für 1875, 1880, 1890: verwaltungsgeschichte.de, Landkreis Krotoschin, abgerufen am 26. Dezember 2009
    Für 1900: Meyers großes Konversationslexikon von 1905, abgerufen am 9. Januar 2011
    Für 1910: gemeindeverzeichnis.de, Landkreis Krotoschin, abgerufen am 29. Dezember 2010
    Für 30. Juni 2009: Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, (WebCite)
  12. Karl May, Satan und Ischariot, 1893/1894/1896 in Deutscher Hausschatz in Wort und Bild. Hier nach gasl.org (PDF-Datei; 5,7 MB)