Kofi Annan

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Kofi Annan (2003)

Kofi Atta Annan (* 8. April 1938 in Kumasi, Goldküste) ist ein ghanaischer Diplomat. Er war zwischen 1997 und 2006 siebter Generalsekretär der Vereinten Nationen. Im Jahr 2001 erhielt Annan gemeinsam mit den Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis „für [seinen] Einsatz für eine besser organisierte und friedlichere Welt“.

Leben[Bearbeiten]

Ausbildung und Familie[Bearbeiten]

Kofi Annan wurde am 8. April 1938 als Sohn von Henry Reginald Annan und Rose Eshun in der ghanaischen Stadt Kumasi geboren und einen Tag später getauft. Ghana war zu dieser Zeit noch eine britische Kolonie. Kofi Annans Familie gehörte zur Elite des Landes und stammte aus der mehr zur Küste hin beheimateten Ethnie der Fante. Seine beiden Großväter und ein Onkel waren sogenannte Chiefs. Sein Vater arbeitete lange Zeit als Exportmanager für die Firma Lever Brothers.

1958 begann Annan ein Studium der Wirtschaftswissenschaften am Kumasi College of Science and Technology. Mit Hilfe eines Stipendiums der Ford-Stiftung setzte er seine Studien in den USA am Macalester College in St. Paul/Minnesota fort und erlangte dort 1961 einen Bachelor-Abschluss. Anschließend studierte Annan für ein Jahr am Genfer Hochschulinstitut für internationale Studien (IUHEI) der Universität Genf. 1972 erlangte er außerdem noch einen Master of Business Administration von der Sloan School of Management des Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Kofi Annan ist in zweiter Ehe mit der schwedischen Anwältin und Künstlerin Nane Maria Annan verheiratet, Tochter des schwedischen Juristen Gunnar Lagergren und Nichte des schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg. Aus seiner ersten Ehe mit der Nigerianerin Titi Alakija hat Annan zwei Kinder; Sohn Kojo und Tochter Ama.

Sein Neffe zweiten Grades ist Anthony Annan, ein bekannter ghanaischer Fußballnationalspieler.

Frühe Karriere[Bearbeiten]

1962 trat Kofi Annan in die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Vereinten Nationen ein. Von 1974 bis 1976 arbeitete er als Tourismusdirektor in Ghana. Darauf kehrte er wieder zu den Vereinten Nationen zurück und arbeitete als Beigeordneter Generalsekretär in drei aufeinander folgenden Positionen: Sicherheitskoordinator Personalmanagement von 1987 bis 1990, Program Planning, Budget and Finance, and Controller von 1990 bis 1992 – unter anderem verhandelte Annan auch über die Freilassung westlicher Geiseln im Irak während des Zweiten Golfkriegs – und Friedenssicherungseinsätze von März 1993 bis Februar 1994. Annan wurde dann Undersecretary-General bis Oktober 1995, als er zum Sonderbeauftragten des Generalsekretärs für das ehemalige Jugoslawien ernannt wurde. Nach fünf Monaten in dieser Aufgabe kehrte Annan im April 1996 wieder zu seinem Posten als Undersecretary-General zurück.

Generalsekretär der Vereinten Nationen[Bearbeiten]

Am 13. Dezember 1996 wurde Annan vom UN-Sicherheitsrat auf Druck der USA und gegen den Widerstand vieler Länder zum UN-Generalsekretär gewählt und übernahm damit die Stelle von Boutros Boutros-Ghali aus Ägypten. Er trat sein Amt am 1. Januar 1997 als erster Generalsekretär an, der direkt aus den Reihen der UN-Mitarbeiter gewählt wurde und als erster schwarzafrikanischer UN-Generalsekretär. Am 29. Juni 2001 wurde er von der UN-Generalversammlung für eine zweite fünfjährige Amtsperiode bestätigt, die am 31. Dezember 2006 endete. Die Wiederwahl Annans ist erstaunlich, da er 1997 nur für die zweite afrikanische Amtszeit gewählt wurde. Seine Nachfolge trat der bisherige südkoreanische Außenminister Ban Ki-moon am 1. Januar 2007 an.

Während seiner Amtszeit als Generalsekretär gab es mehrere Beratungen im Sicherheitsrat zur Lage der Situation im Irak, als wichtiger Punkt wurde über den Stand der Erlangung von Massenvernichtungswaffen durch den Irak debattiert. Kofi Annan sagte 2004, dass seiner Meinung nach die Invasion des Iraks illegal sei.[1]

Im September 2003 setzte Annan ein 16-köpfiges Gremium zur Erarbeitung von Vorschlägen für eine Reform der Vereinten Nationen ein, die so genannte „Hochrangige Gruppe für Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel“. Darauf aufbauend stellte er am 21. März 2005 sein überraschend weitgehendes 63-seitiges Reform-Dokument In größerer Freiheit: Auf dem Weg zu Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte für alle vor.

Zuletzt setzte Annan sich für eine globale CO2-Steuer ein und drängte die Weltgemeinschaft auf eine Lösung der Darfur-Krise.

Weitere Tätigkeiten[Bearbeiten]

2007 wurde Annan Vorsitzender der Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA), einer im Jahr 2006 mit Geldern der Bill & Melinda Gates Foundation und der Rockefeller-Stiftung (insgesamt 150 Millionen Dollar) gestarteten Initiative. Ziel sei es, die landwirtschaftliche Produktion Afrikas in den kommenden 10 bis 20 Jahren zu verdoppeln oder zu verdreifachen, wobei in den ersten Jahren vor allem Kleinbauern unterstützt werden sollen.[2]

Annan ist Gründungsmitglied der Global Elders. Diese Gruppe herausragender Persönlichkeiten hat es sich zum Ziel gesetzt, ihren Einfluss und ihre Erfahrung zur Lösung globaler Probleme einzubringen.

Annan ist Präsident des Global Humanitarian Forum[3] mit Sitz in Genf.

Im März 2012 begann er seine neue Tätigkeit als Sondergesandter der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga für Syrien.[4] Anfang August gab er bekannt, am Ende des Monats auf eine Verlängerung dieses Mandates wegen Mangel an Unterstützung zu verzichten.[5] Sein Nachfolger wurde Mitte August der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi.

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Kofi Annan an der vom ISC organisierten Verleihung des Freiheitspreises der Max Schmidheiny-Stiftung
  • 1998: Ehrendoktorwürde der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (Kumasi), Ehrendoktor der Wissenschaft (24. August)
  • 1999: Ehrenpräsident der United Nations Mandated University for Peace
  • 1999: Ehrendoktorwürde der Universität Lund, Ehrendoktor in Jura
  • 1999: Doktorwürde der National University of Ireland, Doktor in Jura (22. Januar)
  • 1999: Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Dresden (26. April)
  • 1999: Ehrendoktorwürde der Howard University, Honorary Doctorate of Humane Letters (8. Mai)
  • 1999: Ehrenmitgliedschaft der Amerikanischen Gesellschaft für internationales Recht
  • 2000: Doktorwürde der University of Notre Dame, Doctor of Letters (21. Mai)
  • 2000: Path to Peace-Preis
  • 2001: Ehrendoktorwürde der Seton Hall University, John C. Whitehead School of Diplomacy and International Relations, Ehrendoktorat (Februar)
  • 2001: Doktorwürde der Brown University, Doktor in Jura (28. Mai)
  • 2001: Liberty Medal vergeben von der Liberty Medal International Selection Commission (4. Juli)
  • 2001: Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften (13. Juli)
  • 2001: Friedensnobelpreis, zu gleichen Teilen mit den Vereinten Nationen (10. Dezember)
  • 2002: Doktorwürde der Northwestern University, Doktor in Jura (21. Juni)
  • 2002: Gewinner des „Profiles in Courage Award“, vergeben vom JFK Memorial Museum
  • 2002: Ehrendoktorwürde der Universität Tilburg
  • 2003: Ehrendoktorwürde der Universität Gent (Belgien), Ehrendoktorat (21. März)
  • 2003: Ehrendoktorwürde der University of Pittsburgh, Ehrendoktor für „Öffentliche und Internationale Angelegenheiten“ (Public and International Affairs) (21. Oktober)
  • 2003: Deutscher Medienpreis in Baden-Baden
  • 2003: Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments für die Verteidigung der Menschenrechte
  • 2003: Freiheitspreis der Max Schmidheiny-Stiftung an der Universität St. Gallen
  • 2004: Ehrendoktorwürde der Carleton University, Legum Doctor (9. März)
  • 2004: Ehrendoktorwürde der Universität Ottawa, Doctor of the University Degree (9. März)
  • 2004: Four Freedoms Award, Freedom Medal
  • 2005: Friedensplakette der Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik
  • 2005: Doktorwürde der University of Pennsylvania, Doktor in Jura (16. Mai)
  • 2005: Grand Collar of The Order of Liberty (Portugal), (11. Oktober)
  • 2005: Ehrendoktorwürde der Neue Universität Lissabon, (12. Oktober)
  • 2006: Doktorwürde der George Washington University, Doctor of Public Services (5. Mai)
  • 2006: Ehrendoktorwürde der University of Tokyo, Ehrendoktorat (18. Mai)
  • 2006: Orden vom Niederländischen Löwen, Knight Grand Cross
  • 2006: Doktorwürde der Georgetown University, Doctor of Humane Letters (30. Oktober)
  • 2006: Max Schmidheiny Foundation Freedom Prize (18. November) der Universität St. Gallen
  • 2006: Crystal Tiger Award vergeben von der Princeton University (28. November)
  • 2006: Internationale Auszeichnung für herausragende Leistung in den Bereichen Frieden, Sicherheit und Entwicklung (19. Dezember)
  • 2006: Olof Palme Prize
  • 2007: Von Königin Elisabeth II. ehrenhalber zum Ritter geschlagen
  • 2007: MacArthur Preis für Internationale Gerechtigkeit vergeben von der MacArthur Foundation
  • 2007: Ehrendoktorwürde Universität Uppsala
  • 2008: Ehrendoktorwürde des King’s College London, Doktor in Jura (28. Mai)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kofi Annan – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Kofi Annan – Zitate

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uno: Annan verurteilt Irak-Krieg als illegal. In: Spiegel Online. 16. September 2004, abgerufen am 14. Juli 2012 (deutsch).
  2. Der Standard: Annan leitet Afrikas "grüne Revolution", 15. Juni 2007
  3. Global Humanitarian Forum: [1]
  4. Assad empfängt Annan mit noch mehr Blutvergießen. Spiegel Online 10. März 2012
  5. Erfolgloser Uno-Sondergesandter – Kofi Annan gibt Syrien-Amt auf. In: Spiegel Online vom 2. August 2012, abgerufen am 2. August 2012.
  6. List of the 2000 Kora event winners, abgerufen am 22. Februar 2010
  7. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF-Datei; 6,59 MB)
  8. BAZ: Hölzerne Armbrust für Kofi Annan an Swiss Economic Forum 4. Mai 2007
  9. Rede des Bundespräsidenten Horst Köhler v. 5. Mai 2008, archiviert am 5. Juli 2010
  10. Kofi Annan mit Reinhard-Mohn-Preis für Nachhaltigkeit geehrt. Neue Westfälische, abgerufen am 7. November 2013.