Kohle an Bord

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Kohle an Bord (französischer Originaltitel: Coke en stock) ist das 19. Tim-und-Struppi-Album des belgischen Zeichners Hergé. Es erschien erstmals 1958. Das Hauptthema des Bandes ist Sklaverei und Waffenschmuggel.

Handlung[Bearbeiten]

Nach einem Kinobesuch stoßen Tim und Kapitän Haddock an einer Straßenecke mit dem General Alcazar zusammen. Dieser wirkt ziemlich verwirrt und weicht einer Unterhaltung aus. Beim Weitergehen verliert er seine Brieftasche, die ihm Tim zurückbringen will. Er muss allerdings feststellen, dass Alcazar im Hotel, das er selber nannte, nicht bekannt ist. Zurück im Schloss Mühlenhof entdecken die beiden, sehr zum Leidwesen des Kapitäns, dass Abdallah, der Sohn von Emir Ben Kalisch Ezab mit seinem Hofstaat in Mühlenhof abgestiegen ist. Später erfahren Tim und der Kapitän von den Schulzes, dass Alcazar offenbar auf dem Schwarzmarkt alte Militärflugzeuge kaufen möchte, um sich in San Theodoros wieder an die Macht zu putschen.

Als sie ihn im richtigen Hotel antreffen, verhandelt er gerade mit Dawson über den Kauf der Flugzeuge. Dieser ist Tim bereits aus früheren Abenteuern als zwielichtige Figur bekannt. Als Tim Dawson folgt, erfährt er über einen weiteren mysteriösen Waffenhandel. Zurück in Mühlenhof entdeckt er auch den Grund, weshalb der Emir seinen Sohn Abdallah nach Mühlenhof schickte: Er selber wurde von seinem Erzfeind Bab El Ehr geputscht, offenbar mit Hilfe von Müller gelieferter Flugzeuge und Waffen.

Das Schatzhaus in Petra, Vorbild für das Versteck des Emirs

Daraufhin reisen Tim und der Kapitän nach Watisdah, der Hauptstadt von Khemed. Allerdings wird ihnen dort ohne Begründung die Einreise verweigert und sie zurück ins Flugzeug nach Beirut geschickt, zusätzlich schmuggelt ein Unbekannter eine Zeitbombe ins Flugzeug. Bevor die Bombe explodiert, muss die DC-3 allerdings „glücklicherweise“ wegen eines Triebwerkbrandes notlanden. Sie machen sich daraufhin zu Fuß auf den Rückweg nach Watisdah, nehmen allerdings einen versteckten Eingang und finden bei Senhor Oliveira de Figueira Unterschlupf. Er erzählt ihnen, dass sich der Emir vor sechs Monaten mit der Fluggesellschaft Arabair, die Watisdah bedient, überworfen hatte, weiß allerdings auch nicht genau weshalb. Praktisch gleichzeitig marschierte Bab El Ehr mit einer plötzlich auftauchenden Luftwaffe nach Watisdah und übernahm die Macht. Oliveira weiß auch, wo sich der Emir versteckt. Tim und der Kapitän machen sich auf die Suche nach ihm.

Inzwischen hat Bab El Ehr erfahren, dass sich die beiden in der Wüste befinden und schickt seine Kampfpanzer und Flugzeuge los, um sie zu töten. Aufgrund eines Missverständnisses schalten die Flugzeuge jedoch einen der eigenen Panzer aus und verpassen die Helden. Beim Emir erfahren sie den Grund des Zerwürfnisses mit Arabair: Der Emir ist äußerst erbost darüber, dass sich die Fluggesellschaft weigerte, einen Wunsch seines verhätschelten Sohnes zu erfüllen, nämlich dass die Flugzeuge jeweils vor der Landung in Watisdah einige Loopings fliegen sollten. Dass so etwas gefährlich wäre und Verkehrsflugzeuge außerdem gar nicht dafür ausgelegt sind, ist ihm offenbar völlig unbewusst. Außerdem beschuldigt der Emir die Fluggesellschaft, die auch Mekka bedient, in den Handel mit Sklaven involviert zu sein. Chef der Fluggesellschaft ist ein gewisser Di Gorgonzola, der offenbar in allen schmutzigen Geschäften seine Finger drin hat.

De Havilland Mosquito

Tim und der Kapitän machen sich an Bord eines kleinen Schiffes auf nach Mekka. Unterwegs werden sie aber von de Havilland Mosquitos angegriffen. Tim kann eine Maschine abschießen, das Boot fängt dennoch Feuer und die Crew flieht im Rettungsboot. Tim, der Kapitän und Pjotr Klap, der Pilot des abgeschossenen Flugzeugs retten sich auf ein Floß und treiben daraufhin hilflos im Roten Meer umher.

Entdeckt werden sie ausgerechnet von Di Gorgonzola, der auf seiner Luxusjacht einen Kostümball gibt. Er übergibt sie der Mannschaft der Ramona, die angeblich auf dem Weg nach Mekka ist. Es handelt sich dabei jedoch auch um eines von Di Gorgonzolas Schiffen, das die beiden nach Watisdah, direkt in die Arme von Bab El Ehr bringen sollte. Kapitän an Bord ist Allan, der in Die Krabbe mit den goldenen Scheren erster Offizier auf Haddocks Schiff war und gemeutert hatte. Er schließt Tim und den Kapitän in ihrer Kabine ein. In der Nacht bricht an Bord Feuer aus, was die Mannschaft zur sofortigen Flucht von Bord veranlasst, da sich an Bord Waffen und Munition befinden.

Tim und der Kapitän können aus ihrer Koje ausbrechen und das Feuer löschen. Dabei entdecken sie Afrikaner in der Ladeluke. Diese sind auf dem Weg nach Mekka zur Haddsch. Der Kapitän übernimmt das Kommando des Schiffes und will nach Mekka fahren. Unterwegs kommt ein Araber an Bord, der die Kohle[1] an Bord sehen möchte. Die Ramona hat aber keine Kohle geladen. Als nun der Araber damit beginnt, einen der Schwarzen zu untersuchen, wird klar, dass dieser ein Sklavenhändler ist und „Kohle“ lediglich ein Codewort dafür ist. Der Kapitän jagt den Araber mit den übelsten Beschimpfungen von Bord.

Die USS Los Angeles

Di Gorgonzola erfährt davon und schickt ein U-Boot, das die Ramona versenken soll. Tim entdeckt per Zufall jedoch das Periskop bevor das U-Boot seine Torpedos abschicken kann, so dass die Ramona noch einmal ausweichen kann. Währenddessen gelingt es Tim, einen Funkspruch an die USS Los Angeles abzusetzen, die daraufhin zu Hilfe eilt und gerade noch mit Wasserbomben aus Flugzeugen das U-Boot zum Auftauchen zwingen kann. Di Gorgonzolas Jacht wird aufgespürt, ihm selbst, der eigentlich Tims Erzfeind Rastapopoulos ist, gelingt jedoch die Flucht.

Zurück in Mühlenhof scheint sich alles wieder zum Guten gewendet zu haben: Die Sklaven sind befreit, Allan verhaftet, Ben Kalisch Ezab wieder an der Macht und Abdallah ist auch nach Hause zurückgekehrt. General Alcazar hat sich ebenfalls erfolgreich zurück an die Macht geputscht. Nur Fridolin Kiesewetter stört: Er hat sich und seinen ganzen Klub von Rennfahrern nach Mühlenhof eingeladen.

Personen[Bearbeiten]

An diesem Band fällt besonders auf, dass neben den Hauptpersonen sehr viele Personen aus früheren Alben einen kürzeren oder längeren Auftritt haben. Darunter:

Zum Werk[Bearbeiten]

Vorlage für das Titelbild: Das Floß der Medusa von Théodore Géricault
  • Der geplante Titel, den Hergé dem Werk ursprünglich geben wollte, lautete Les requins de la mer rouge (die Haie im Roten Meer). Verschiedene fremdsprachige Ausgaben, darunter die englische, werden immer noch unter diesem Titel geführt.
  • Zwischen der ursprünglichen Ausgabe und der heute bekannten, wurden einige sprachliche und inhaltliche Korrekturen angebracht. Dies, wie schon bei früheren Werken, um politisch unkorrekte oder heikle Sprache zu entfernen. So wurde beispielsweise der Dialog des Kapitäns mit den Schwarzen, der zunächst in einer als petit-nègre bekannten Form geführt wurde, überarbeitet, weil dies von verschiedenen Kreisen als diskriminierend bezeichnet worden war.[2]
  • Die Titelseite – sie zeigt Tim, den Kapitän und Pjotr Klap auf einem Floß, durch ein Fernrohr betrachtet – ist eine direkte Anspielung auf Théodore Géricaults Bild Das Floß der Medusa. Im Band selbst wird die Anspielung sogar noch deutlicher. Der Kapitän fällt ins Wasser und taucht mit einer Medusa auf dem Kopf wieder auf, worauf Tim in der französischen Originalausgabe spottet: „Jetzt ist das endgültig das Floß der Medusa geworden“.

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Das französische Wort coke, das hier steht, wäre eigentlich genauer mit Koks übersetzt worden. Zu der Zeit, als Hergé die Geschichte schrieb, hatte das Wort noch nicht die Bedeutung von Kokain (weder im deutschen noch im französischen).
  2. Vergleiche hierzu petit-nègre

Weblinks[Bearbeiten]