Kohlwald (Gebirge)

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Kohlwald
Der Kohlwald im Nordosten Bayerns

Der Kohlwald im Nordosten Bayerns

Lage des Kohlwaldes im Fichtelgebirge

Lage des Kohlwaldes im Fichtelgebirge

Höchster Gipfel Výhledy (656 m ü. NN)
Lage Bayern, Tschechien
Koordinaten 50° 3′ N, 12° 16′ O50.0512.266666666667656Koordinaten: 50° 3′ N, 12° 16′ O
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Der östliche Teil des Kohlwalds als tschechischer Bezirk Výhledská vrchovina
Die Waldenfelswarte auf dem Kohlberg
Blick auf die Zelená hora (Grünberg)
Der Feisnitz-Stausee am Kohlberg
Die Talsperre Skalka in Tschechien
Der neue Klausenteich mit "Seeklause"
Dreifaltigkeitskirche Kappl
Pfarrkirche in Münchenreuth
WKA Nordex N117

Der Kohlwald ist ein dicht bewaldeter Höhenzug im Fichtelgebirge und zugleich die südöstliche Begrenzung dieses Mittelgebirges.[1] Zu einem Drittel im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge in Oberfranken, zu einem Drittel im Karlovarský kraj (deutsch: Region Karlsbad) in Tschechien und zu einem Drittel im Landkreis Tirschenreuth in der Oberpfalz gelegen, gehört er naturräumlich[2] auf bayerischer Seite nach dem deutschen System zur Haupteinheit Hohes Fichtelgebirge (394)[3] und auf böhmischer Seite nach dem tschechischen System als Bezirk Výhledská vrchovina (deutsch: Oberkunreuther Bergland) der Untereinheit Chebská pahorkatina (deutsch: Egerer Hügelland) zur Haupteinheit Smrčiny (I3A-1) (deutsch: Fichtelgebirge).[4] Seit Sept. 2010 existiert ein Neuentwurf der Naturräume Nordostbayerns, innerhalb dessen das Kohlwaldgebiet einen eigenen Naturraum darstellt.[5]

Geographie[Bearbeiten]

Die Gliederung des Waldes beginnt im Westen mit dem Kohlberg (632 m), weiter Richtung Osten folgt der Sieben-Linden-Berg (643 m), anschließend der Bergrücken des Moosrangen (598 m) bis zur höchsten Erhebung, dem zum Großteil in Tschechien liegenden Výhledy (deutsch: Oberkunreuthberg, 656 m) und schließlich die gänzlich in Tschechien liegenden U Bažantnice (deutsch: Fasanerie, 568 m), Zelená hora (deutsch: Grünberg, 637 m), Krátery (deutsch: Krater, 578 m), U Rozcestí (deutsch: Zwiesel, 541 m) und U Lomu (deutsch: Steinbruch, 515 m). Die südlich des Hauptkammes bereits im Stiftland liegenden Anhöhen Gossenbühl (616 m), Dietzenberg (626 m) und Glasberg (628 m) werden häufig aus kulturgeographischen Gründen schon dem Oberpfälzer Wald zugeordnet, obwohl sie noch nördlich der geologischen Grenze (Wondreb-Graben bei Waldsassen) im Kohlwald liegen.[5]

Der Blick über den Kohlwald nach Osten (noch ohne Windkraftanlagen) zeigt den Sieben-Linden-Berg (rechts vorne), dann den Bergrücken rund um den Moosrangen (mitte, von links bis rechts), die Zelená hora (hinten links, mit Turm), den Výhledy (rechts daneben), Gossenbühl und Dietzenberg (rechts weiter bis Bildrand). Ganz hinten am Horizont Slavkovský les (mitte) und Český les (rechts) mit Dyleň.

Geologie[Bearbeiten]

Geologisch besteht der Gebirgsstock im Wesentlichen aus Granit. Lediglich im äußersten Osten findet man auch Basalt und im Süden vereinzelt Schiefer. Die Geschichte seiner Orogenese beginnt im Präkambrium vor etwa 750–800 Millionen Jahren – fast 20 % der Erdgeschichte deckt das Gebirge ab, was nur auf wenige der heute noch bestehenden Rumpfgebirge zutrifft.

Topografie[Bearbeiten]

Der Südosten des Fichtelgebirges reichte schon in früheren Zeiten bis zum St.-Anna-Berg im heutigen Tschechien. Dabei wird der Kohlwald in seiner West-Ost-Ausdehnung vom Kohlberg bis zum St.-Anna-Berg und in seiner Nord-Süd-Dimension vom Röslau- und Eger-Tal bis zum Wondreb-Graben beschrieben. Der Name Weißensteiner Kette für die Südost-Flanke des Fichtelgebirges geriet aber in Vergessenheit und wird heute nicht mehr verwendet.[6]

Die meisten Beschreibungen beschränken sich auf den bayrischen oder (ober-)pfälzischen Anteil. Der böhmische Teil wird nur sehr selten beschrieben.[7] Die Lage als eigener Höhenzug des Fichtelgebirges, vergleichbar mit dem weiter südwestlich befindlichen Steinwald, ist in der neueren Literatur kaum mehr belegt.[8] Dadurch ist der Begriff Kohlwald auf einen Raum geschrumpft, der fälschlich den heutigen Arzberger Forst mit dem Kohlwald gleichsetzt.[9]

Eine grobe topografische Einteilung hinsichtlich des größtenteils aus Fichtenforsten bestehenden Bewuchses kann als Abteilung Arzberger Forst im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, als Abteilungen Svatokřížský les (deutsch: Heiligenkreuzwald), Na chlumu (deutsch: Kulmwald), Slapanský les (deutsch: Erlholz) und Bučina (deutsch: Buchwald) im Karlovarský kraj und als Abteilung Münchenreuther Wald im Landkreis Tirschenreuth erfolgen.[10]

Geschichte[Bearbeiten]

Bezeugt im Jahre 1061 verlief eine Straße, von Nürnberg kommend, über Kemnath und Oberkunreuth nach Eger und eine Hohe Straße, von Regensburg kommend, über Waldsassen und Schirnding ins Vogtland durch den Kohlwald. Sie kreuzten sich nahe der kleinen Siedlung Forchheim bei Pechtnersreuth, welche bereits im Jahre 1340 wieder als verödet bezeichnet wurde.[11] In dieser Zeit nach der Jahrtausendwende dürften auch die Anfänge der späteren Eisenerz-Gewinnung in dieser Gegend liegen. Der Name Kohlwald stammt wahrscheinlich von den ehemaligen Kohlenmeilern für die Eisenverhüttung in Arzberg. Seine Geschichte ist gekennzeichnet durch häufige politische und sprachliche Teilung.[12] Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches gehörte der östliche Teil des Kohlwalds zum Königreich Böhmen, später zur österreichisch-ungarischen Monarchie und heute gehört er zur tschechischen geomorphologischen Haupteinheit Smrčiny. Der südlich in der Oberpfalz liegende Teil wurde und wird oft aus kulturgeschichtlichen Gründen bereits dem Oberpfälzer Wald zugeordnet. Tatsächlich ist er jedoch Teil des Kohlwaldes.[13]

Ortschaften[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch den Kohlwald verläuft die Staatsstraße 2178 und verbindet Schirnding mit Waldsassen. Die Staatsstraße 2176, welche Arzberg mit Konnersreuth und weiter über die Staatsstraße 2175 mit Waldsassen verbindet, verläuft nach Überwindung des Passes zwischen Kohl- und Sieben-Linden-Berg am West- und Südrand des Kohlwaldes entlang. Vom Scheitelpunkt des Passes in Richtung Osten bis Seedorf verbindet die Kreisstraße WUN 13 die beiden Staatsstraßen 2176 und 2178. Während am Nordrand die Kreisstraße WUN 18 Seußen über Arzberg mit Schirnding verbindet, schließen am Ostrand in Tschechien die II. Klasse-Straße 606[14] von Schirnding nach Cheb und die II. Klasse-Straße 214[15] von Cheb nach Waldsassen den Kreis.

Gewässer[Bearbeiten]

Neben zahlreichen Quellen und Bachläufen ist die am Výhledy entspringende Feisnitz der größte Wasserlauf im Kohlwald. Sie fließt in westliche Richtung, mündet nach ihrer Anstauung (Feisnitz-Stausee) bei Seußen in die Röslau und bildet die geografische Grenze zu Reichsforst und Stiftland. Der wenig südlich der Feisnitz-Quelle entspringende und in südöstliche Richtung fließende Glasmühlbach mündet bei Kondrau in die Wondreb und bildet die restliche geografische Grenze zum Reichsforst-Gebiet. Nennenswerte Gewässer sind noch Mühl-, Hunds-, Grenz- und Buchbach, sowie der Scheitelteich und die in Tschechien liegenden Talsperren Skalka und Jesenice.[10]

Klausen[Bearbeiten]

Im Gebiet des heutigen Feisnitz-Stausees befand sich von 1792 bis 1832 die Zeche Treue Freundschaft, in der Alaunerz gefördert wurde. Bergbaumäßig wurde das Rohmaterial, schwefelkieshaltige bituminöse Braunkohle, in vier bis sechs Meter tiefen Schächten abgebaut und in Werken weiterverarbeitet. Um 1870 entstand im Bereich der Tagebaugrube ein kleiner Teich, Klausenteich genannt. Von diesem führte ein Kanal mit leichtem Gefälle nach Elisenfels, wo das Wasser in einer Turbinenanlage Strom für die dortigen Spinnereien erzeugte. Dieser Teich wurde 1913 von einem Hochwasser zerstört und 1935 von dem Gasthausbesitzer der Klausen neu angelegt. Beim Bau des jetzigen Speichers verschwanden die damaligen Anlagen (Alaunhütte, Magazin und Wohnbau - später als Bierwirtschaft und Gemeindehaus genutzt) und es entstand nördlich des Vordammes die Gaststätte Seeklause, in einem Uferbogen befindet sich ein Campingplatz. Der Vorspeicher wird von einem Fischereiverein bewirtschaftet.

Bauwerke[Bearbeiten]

Auf dem Gipfel des Kohlbergs steht die Waldenfelswarte und eine Schutzhütte des Fichtelgebirgsvereins (nicht bewirtschaftet). Am Westhang des Výhledy befindet sich das Brunnenhaus des Buchbrunnens. Auf dem Gipfel der Zelená hora stehen ein Fernmelde- und ein Aussichtsturm (Bismarckturm). Zwischen Dietzenberg und Glasberg, nahe der Ortschaft Münchenreuth, steht die Dreifaltigkeitskirche Kappl. Das Pfarrdorf Münchenreuth hat von den nach Waldsassen eingemeindeten Ortschaften als einzige eine eigene Pfarrkirche. Es ist zugleich die nördlichste Pfarrei der Oberpfalz.

Im Landschaftsschutzgebiet Blausäulenlinie erheben sich 3 Windkraftanlagen des Typs Nordex N117 mit einer Gesamthöhe von je 199 m bei einem Rotordurchmesser von 117 m, wobei 1 Rotorblatt 57 m lang ist und 10,4 Tonnen wiegt. Die Leistung pro Anlage und Jahr ist auf 6,5 Millionen kWh ausgelegt.[16]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 247
  2. E. Meynen und J. Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands – Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen/Bad Godesberg 1953-1962 (9 Lieferungen in 8 Büchern, aktualisierte Karte 1:1.000.000 mit Haupteinheiten 1960)
  3. Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  4. Smrčiny (Fichtelgebirge)
  5. a b Karl Heinrich Vollrath: Viola in Nordostbayern (Seite 132-133)
  6. Dr. Heinrich Berghaus: Fichtelgebirge und Frankenjura (1834)
  7. J.G. Sommer: Kingdom of Bohemia (1847)
  8. Julius von Plänckner: Piniferus, Taschenbuch für Reisende in das Fichtelgebirge. Hof 1839, S. 61 (Digitalisat).
  9. Th. B. Helfrecht: Das Fichtelgebirge (1799)
  10. a b Geodaten mit dem BayernAtlas
  11. F.W. Singer, Heimat an der Hohen Warte, 1982
  12. Politische Teilungen des Kohlwalds
  13. Dr. Friedrich Singer: Die Freistatt (1993)
  14. II. Klasse-Straße 606
  15. II. Klasse-Straße 214
  16. Frankenpost vom 4. Juli 2014

Karten[Bearbeiten]

  • Fritsch Wanderkarte 1:50.000 Fichtelgebirge-Steinwald

Weblinks[Bearbeiten]