Kol Nidrei (Bruch)

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Das Kol Nidrei op. 47 ist ein musikalisches Werk des Komponisten Max Bruch für Orchester und Cello. Das Werk basiert auf dem jüdischen Gebet Kol Nidre, das am Vorabend des höchsten jüdischen Feiertags, des Jom Kippur, gebetet wird.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Werk entstand im Jahr 1880 auf Anregung des Cellisten Robert Hausmann, nachdem Bruch sich zunächst geweigert hatte, nach den Erfolgen seiner Violinkompositionen auch für das Cello zu komponieren.

Zur Musik[Bearbeiten]

Besetzung[Bearbeiten]

Cello, zwei Flöten, zwei Oboen, zwei Klarinetten, zwei Fagotte, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauke, Harfe und Streichinstrumente

Beschreibung[Bearbeiten]

Kol Nidrei ist in zwei Abschnitte gegliedert. Dem ersten, durch Pausen betonten Teil liegt der traditionelle Bußgesang des jüdischen Jom Kippur-Festes zugrunde. Im zweiten Abschnitt des Kol Nidrei verwendet Bruch Isaac Nathans Fassung von Lord Byrons Hymne „Oh Weep for Those that Wept on Babel's Stream“.

Moll und Dur wechseln sich in dem elegisch gehaltenen Stück ab. Bruch selbst verglich das Kol Nidrei mit seiner Schottischen Fantasie Es-Dur op. 46, »da es«, so Bruch, »wie diese einen gegebenen melodischen Stoff in künstlerischer Weise verarbeitet«.

Wirkung[Bearbeiten]

Mit der Uraufführung Ende 1880 in Berlin zeigte Bruch sich unzufrieden, da man seiner Meinung nach »dies Adagio durch ein wahnsinnig langsames Tempo künstlich vom Leben zum Tode gebracht« habe. Dennoch gewann die Komposition schnell an Popularität. Zum Unmut des protestantischen Komponisten entstand in der Öffentlichkeit die Meinung, Bruch sei Jude, ein Thema, das in der Musikwelt während des Nationalsozialismus wieder aufflammte. Unter diesem Eindruck kam das Kol Nidrei während dieser Zeit nicht mehr zur Aufführung.

Belege[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]