Computer Supported Cooperative Work

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Dieser Artikel behandelt das Thema Computer Supported Cooperative Work; Zur gemeinsamen vernetzten Zusammenarbeit allgemein siehe Social Collaboration.

Als Computer Supported Cooperative Work oder Computer Supported Collaborative Work (CSCW), dt. computerunterstützte oder rechnergestützte Gruppenarbeit, wird ein interdisziplinäres Forschungsgebiet aus Informatik, Soziologie, Psychologie, Anthropologie, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftswissenschaften, Medienwissenschaft und verschiedenen weiteren Disziplinen bezeichnet, das sich mit Gruppenarbeit und Zusammenarbeit und den die Gruppenarbeit unterstützenden Informations- und Kommunikationstechnologien befasst; die zentralen Forschungsgegenstände der CSCW sind also die Kooperationen zwischen Menschen und deren Unterstützbarkeit mit Rechnern[1].

Computer Supported Cooperative Work (CSCW) ist die Bezeichnung des Forschungsgebietes, welches auf interdisziplinärer Basis untersucht, wie Individuen in Arbeitsgruppen oder Teams zusammenarbeiten und wie sie dabei durch Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt werden können. Ziel aller Bemühungen im Gebiet CSCW ist es, unter Verwendung aller zur Verfügung stehenden Mittel der Informations- und Kommunikationstechnologie, Gruppenprozesse zu untersuchen und dabei die Effektivität und Effizienz der Gruppenarbeit zu erhöhen. Den Fokus auf wissensintensive Kooperationsprozesse setzt der Begriff Smart Collaboration. Er stellt damit eine Verbindung zu dem interdisziplinären Fachgebiet Wissensmanagement her. In neueren Entwicklungen hat sich die Disziplin auch Kommunikations- und Kooperationsszenarien jenseits der Arbeitswelt zugewandt (z. B. Online-Communitys im Freizeit- und Heimbereich).

Die Hilfsmittel für die Kooperation innerhalb von Gruppen und Teams werden als Groupware (für schwach strukturierte Arbeitsprozesse) oder Workflow-Management-Systeme (für stark strukturierte Arbeitsprozesse) bezeichnet; dies schließt sowohl Hardware (beispielsweise Kameras, Displays) als auch Software ein.

In der Forschung zu CSCW werden drei eng miteinander zusammenhängende Forschungsbereiche unterschieden (nach Hasenkamp 1994):

  • die Entwicklung eines Verständnisses der Zusammenarbeit und Koordination
  • die Entwicklung von Konzepten und Werkzeugen für die Unterstützung arbeitsteiliger Prozesse
  • die Bewertung dieser Konzepte und Werkzeuge

Umgangssprachlich werden die Begriffe CSCW, Groupware und Workgroup Computing häufig weitgehend synonym gebraucht.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff CSCW wurde 1984 durch einen Workshop in Endicott House (MA) von Irene Greif und Paul Cashman geprägt.

Die erste internationale Konferenz fand 1986 in Austin, Texas statt (CSCW '86), die nächste Februar 2010 in Savannah, Georgia. In den ungeraden Jahren wird in Europa die ECSCW organisiert:

Die Konferenzbeiträge sind online verfügbar.

Die Anfänge der CSCW-Forschung gehen auf Arbeiten vom Anfang der 80er Jahre zurück, die auch als euphorische Phase bezeichnet werden.

Ende der 80er Jahre stellte sich Ernüchterung aufgrund mangelnder Akzeptanz ein; diese Zeit wird auch als Katzenjammer-Phase bezeichnet.

In den 90er Jahren setzte die pragmatische Phase ein, in deren Verlauf praktikable und benutzbare Lösungsansätze erarbeitet wurden, die weniger auf eine Automatisierung von Kooperationsprozessen, sondern auf eine flexible Unterstützung setzen.

Eine Variante des CSCW-Ansatzes ist das Computer-Supported Cooperative Learning (CSCL).

Systemkategorien[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Arten von Systemen. Grundsätzlich werden diese in folgende Typen unterteilt:

Konferenzsysteme[Bearbeiten]

Konferenzsysteme sind dafür ausgelegt, dass mehrere Teilnehmer, welche sich meist an entfernten Orten befinden, über ein gemeinsames Problem diskutieren können. Dabei ermöglicht der Informations- und Dokumentenzugriff das Einsehen von Informationen von allen Teilnehmern. Meistens wird in solchen Systemen Anonymität als ein Merkmal gewährleistet, so dass beispielsweise eine Abstimmung anonym erfolgen kann. Konferenzsysteme lassen sich in 3 Kategorien einteilen:

  • Konferenzzentrum:

Das Konferenzsystem ist zentral, meistens in einem Raum beziehungsweise Büro, untergebracht. Spezielle audiovisuelle Werkzeuge ermöglichen gute Präsentationstechnik und Informationsverarbeitung. Auch das Übertragen von Dokumenten sollte möglich sein.

  • Telekonferenzen:

Diese Form der Konferenz ist am Leichtesten zu benutzen beziehungsweise aufzubauen, da sie zum Beispiel via ISDN als Telefonkonferenz zwischen mehreren Mithörenden eingerichtet werden kann. Aber auch in diesem Sektor sind verteilte Videokonferenzen möglich.

  • Elektronische Meetingsysteme:

Elektronische Meetingsysteme (EMS) ermöglichen eine synchrone oder asynchrone Interaktion zwischen den Meeting-Teilnehmern, die durch spezifische Werkzeuge wie Brainstorming, Abstimmungen oder Diskussionen unterstützt und strukturiert wird. Meetings werden von einem Moderator über eine Agenda gegliedert und gesteuert. Beiträge werden in der Regel anonymisiert. Ergebnisse automatisch protokolliert. Für synchrone Meetings werden EMS häufig um Telefonkonferenzen oder Webkonferenzen (Screensharing) ergänzt.

  • Computerkonferenzen:

Computerkonferenzen ermöglichen eine verteilte asynchrone Interaktion zwischen den einzelnen Teilnehmern. Zu verschiedenen Communities of Interest lassen sich einzelne Chaträume aufbauen, in dessen die Gruppenteilnehmer sich untereinander austauschen können. Die bekannteste Art der Computerkonferenz sind wahrscheinlich Internet usenet news.


Mehrbenutzereditoren[Bearbeiten]

Mehrbenutzereditoren bezeichnen Systeme, die das gleichzeitige (synchrone) und/oder zeitlich versetzte (asynchrone) Bearbeiten von Texten, Bildern oder anderen Inhalten durch mehrere Benutzer ermöglichen. Während synchrone Systeme insbesondere mit der Technik eines gemeinsamen Arbeitsbereiches (shared view) nach dem Prinzip WYSIWIS (What You See Is What I See) arbeiten, unterstützen asynchrone Systeme die Zusammenarbeit insbesondere durch Kommentare (Annotationen) und die Nachverfolgbarkeit von Änderungen durch Versionierung.

Beispiele für synchrone Mehrbenutzereditoren sind sogenannte interaktive Whiteboards. Ein Beispiel für einen asynchronen Mehrbenutzereditor ist der zur Erstellung dieses Textes verwendete MediaWiki-Editor.

Der Fokus von Mehrbenutzereditoren liegt (Stand:2007) auf der Erstellung von Texten. Jedoch ist inzwischen Software erhältlich, mit der kooperativ andere Medientypen erstellt und verändert werden können, beispielsweise openCanvas 1.1b oder andere Paint chat-Applikationen für synchrones Erstellen von Bildern. Auch für asynchrone Videoerstellung existieren bereits Softwarelösungen.

Ein Anwendungsbereich ist das kollaborative Schreiben.

Hypermedia[Bearbeiten]

Elektronische Dokumente, die Verbindungen (Hyperlinks) zu anderen Medien wie Grafik, Sound oder Video enthalten. Sie ermöglichen multimediale Informationspräsentationen und –zugriff mittels Verknüpfungen...

Koordinationssysteme[Bearbeiten]

Sie ermöglichen die Koordinierung von für die Lösung einer Aufgabe notwendigen Schritten der einzelnen Teilnehmer einer Gruppe. Sie modellieren den Datenfluss, die Funktion, die Interaktion oder die Kommunikation innerhalb einer Organisationsstruktur. Diese Systeme bilden eine Grundlage und verfügt über eine Vielzahl von Modulen, die Netzwerker bei Entwicklung und Management eines Netzwerkes unterstützen.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe M. Borghoff, Johann H. Schlichter: Rechnergestützte Gruppenarbeit. Eine Einführung in verteilte Anwendungen. 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer, Berlin u. a. 1998, ISBN 3-540-62873-8.
  • Cora Burger: Groupware. Kooperationsunterstützung für verteilte Anwendungen. dpunkt-Verlag für digitale Technologie, Heidelberg 1997, ISBN 3-920993-60-8.
  • Tom Gross, Michael Koch: Computer-Supported Cooperative Work. Interaktive Medien zur Unterstützung von Teams und Communities. Oldenbourg, München u. a. 2007, ISBN 3-486-58000-0.
  • Ulrich Hasenkamp, Stefan Kirn, Michael Syring (Hrsg.): Computer Supported Cooperative Work. CSCW. Informationssysteme für dezentralisierte Unternehmensstrukturen. Addison-Wesley, Bonn u. a. 1994, ISBN 3-89319-648-X.
  • Kai Riemer, Susanne Strahringer (Hrsg.): eCollaboration (= HMD. Praxis der Wirtschaftsinformatik. Jg. 46, H. 267). dpunkt-Verlag, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-89864-599-7.
  • Bernhard Schmalzl (Hrsg.): Arbeit und elektronische Kommunikation der Zukunft. Methoden und Fallstudien zur Optimierung der Arbeitsplatzgestaltung. Springer, Berlin u. a. 2004, ISBN 3-540-00949-3.
  • Gerhard Schwabe, Norbert Streitz, Rainer Unland (Hrsg.): CSCW-Kompendium. Lehr- und Handbuch zum computerunterstützten kooperativen Arbeiten. Springer, Berlin u. a. 2001, ISBN 3-540-67552-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clarence Ellis, Simon Gibbs, Gail Rein: Groupware: Some Issues and Experiences: Perspectives on a changing World. In: Communications of the ACM. Vol. 34, Nr. 1, 1991, ISSN 0001-0782, S. 39–58.