Kollusion (Psychologie)

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Unter Kollusion versteht man in der Psychologie ein oft unbewusstes Einvernehmen, d. h. ein uneingestandenes, oft aufgrund unbewusster psychischer Motive bzw. Konflikte unbewusst abgestimmtes Zusammenspiel zweier oder mehrerer Personen.

Hinsichtlich einer Zweierbeziehung hat Jürg Willi den Begriff Kollusion für Fälle geprägt,[1] in denen die neurotischen Dispositionen beider Partner wie Schlüssel und Schloss zusammenpassen. In diesen Fällen haben beide Partner bestimmte zentrale Konflikte aus früheren seelischen Entwicklungsphasen in ihrer Persönlichkeit nicht verarbeitet und leben nun entgegengesetzte, sich zunächst aber ergänzende „Lösungsvarianten“ dieser inneren Konflikte aus. Die Partner spielen unbewusst füreinander, oft klischeehafte und stereotype, wechselseitig komplementäre Ergänzungsrollen zur Aufrechterhaltung der Beziehung. Bei Paaren, bei denen z. B. eine narzisstische Störung im Vordergrund steht, findet sich oft eine Konstellation, in der einer der Partner bewundert werden will und der andere ihn gern bewundert und idealisiert, indem er seinen eigenen nicht gelebten Narzissmus an den anderen delegiert (im Sinne einer interpersonalen Abwehr), während gleichzeitig ein Stück von dessen grandiosem Abglanz auch auf ihn als Partner fällt. Im Zusammenleben kommt es in dem kollusiven neurotischen Arrangement im Laufe der Zeit häufig zu einer zunehmenden Polarisierung, mit der Folge, dass die dann gelebten Extrempositionen für einen oder beide Partner belastend werden (wenn beispielsweise der eine Partner immer unselbstständiger, der andere immer selbstständiger und dominanter wird).

Psychologie und Soziologie[Bearbeiten]

Das Konzept der Kollusion ist nicht nur auf die Familien- und Paartherapie beschränkt. Versteht man Familie als kleinste gesellschaftliche Einheit, so leuchtet ein, dass auch in größeren sozialen Verbänden und Gruppen ähnliche Strategien anzutreffen sind. Das Kollusionskonzept ist daher auch als Strategie im Bereich der Ideologiekritik verständlich. Auch die Bedeutung von rechtlicher Kollusion steht daher in engem Zusammenhang mit der psychologischen.

Beurteilung[Bearbeiten]

Es stellt sich die Frage, ob Kollusion hinreichend gegen Täuschung und Manipulation abzugrenzen ist. Als unbewusster Mechanismus ist dieser den beteiligten Personen meist nicht in seiner Zielrichtung auffällig. Nur ein Außenstehender erkennt in der Regel die Zweckhaftigkeit einer Kollusion. Hier ist auch auf die allgemeine biologische Verbreitung ähnlicher Mechanismen hinzuweisen, siehe auch Mimikry, Anpassungsfähigkeit.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Willi, J.: „Die Zweierbeziehung. Spannungsursachen, Störungsmuster, Klärungsprozesse, Lösungsmodelle.“ Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1999, 1975, ISBN 3-499-60509-0