Kolobom

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Linkes Auge einer 67 jährigen Frau. Angeborene Spaltbildung an der Iris. Ausprägung der Spaltbildung nach nasal unten
Klassifikation nach ICD-10
Q10.3 Sonstige angeborene Fehlbildungen des Augenlides
– Lidkolobom
Q12.2 Linsenkolobom
Q13.0 Iriskolobom
Q14.2 Angeborene Fehlbildung der Papille
– Kolobom der Papille
Q14.8 Sonstige angeborene Fehlbildungen des hinteren Augenabschnittes
– Kolobom des Augenhintergrundes
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Unter einem Kolobom (von griechisch κολοβωμα = das Verstümmelte) versteht man im weitesten Sinne eine angeborene oder erworbene Spaltbildung. Meistens wird der Begriff in der Augenheilkunde verwendet, weshalb man dann vom okularen Kolobom spricht (im Folgenden wird ausschließlich das okulare Kolobom besprochen). In der Augenheilkunde bezeichnet der Begriff eine angeborene (zum Teil vererbte) oder auch erworbene Spaltbildung von Iris (Regenbogenhaut), Linse, Augenlid, Netzhaut und/oder Aderhaut.

Pathogenese[Bearbeiten]

Angeborenes Kolobom[Bearbeiten]

Embryonale Entwicklungsphase in der die Fehlentwicklung einsetzt

Die Ursache für eine angeborene Spaltbildung liegt in der embryonalen Entwicklung des Auges begründet und wird den Hemmungsfehlbildungen zugeordnet. Aufgrund von Fehlsteuerungen unterbleibt ein vollständiger Schluss der Augenbecherspalte nach Abschluss der Invagination (Einstülpung) des Augenbläschen zum Augenbecher. Da der embryonale Augenbecherspalt nach nasal unten zeigt, findet sich das angeborene Iriskolobom meist ebenfalls nasal, unten. Je nach Ausprägung sind von der Spaltbildung nur ein Teil oder auch mehrere Teile des Auges betroffen.

Oft geht das Kolobom mit einer Mikrophthalmie (verkleinerter Augapfel) einher.

Initiiert wird die Fehlbildung oft durch Medikamente oder andere chemische Substanzen. Hier ist vor allem Contergan zu nennen.[1] Daneben gibt es erbliche Faktoren (u.a.Katzenaugen-Syndrom, CHARGE-Syndrom, Trisomie 3, Cohen-Syndrom, Lenz-Syndrom) sowie spontanes Auftreten der Entwicklungsstörung.

Erworbenes Kolobom[Bearbeiten]

Erworbene Kolobome sind in der Regel auf äußere Gewalteinwirkung (bei Unfall oder Operationen) zurückzuführen. Dadurch kommt es zu einer Spaltung beispielsweise des Augenlides oder der Iris.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Drews, Taschenatlas der Embryologie, Georg Thieme Verlag – 2006 Googlebooks-Vorschau

Literatur[Bearbeiten]

  • Keith L. Moore, Trivedi V. Persaud, Christopher Viebahn: Embryologie. Entwicklungsstadien, Frühentwicklung, Organogenese, Klinik („The developing human“). 5. Aufl. Elsevier Verlag, München 2007, ISBN 978-3-437-41112-0, S. 518–519.
  • Th. Axenfeld (Begr.), H. Pau (Hrsg.): Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, ISBN 3-437-00255-4, S. 294.
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