Koloss von Barletta

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Der Koloss von Barletta

Der Koloss von Barletta wurde einer lokalen Tradition zufolge zu Beginn des 14. Jahrhunderts beinahe vollständig erhalten im Hafen von Barletta gefunden. Wen die Statue repräsentiert ist nicht sicher zu klären; aber wahrscheinlich stellt sie die spätrömischen Kaiser Markian (450 bis 457)[1] oder Leo I. (457 bis 474) dar.

Daten[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Die Bronzestatue war ursprünglich vielleicht Teil eines Säulenmonuments, das in Konstantinopel stand. Über den Weg, wie die Statue nach Bari gelangte, gibt es in der Wissenschaft unterschiedliche Thesen. Denkbar ist, dass die Statue bereits in der Spätantike nach Italien gesandt wurde, denn es war üblich, dass dort auch nach der so genannten Reichsteilung von 395 Statuen der im Westen anerkannten Ostkaiser aufgestellt wurden. Es ist bekannt, dass Friedrich II. eine bronzene Kaiserstatue von Ravenna, der einstigen Residenzstadt Westroms nach Süditalien schaffen ließ, die dort aber nie ankam. Möglicherweise handelte es sich dabei um den Koloss von Barletta.

Nach einer anderen These wurde die Statue nach der Plünderung von Konstantinopel im Jahr 1204 von Venezianern mitgebracht und bei einem Schiffbruch vor der salentinischen Küste verloren. [2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Fest steht nach Ansicht der meisten Forscher, dass es sich um das Bildnis eines spätantiken Kaiser Ostroms handelt. Der ehemals beinahe fünf Meter hohe Koloss ist mit zwei Tuniken, Panzer, Schärpe und Paludamentum bekleidet, das Haupt ist mit einem Diadem in dem glatt und lange, nur am Rand gestutzten Haar bekrönt. 1491 wurden Arme und Beine ergänzt. Insgesamt ist die Statue auf Fernwirkung angelegt, da die Einzelformen wenig differenziert sind.

Die Stilelemente verweisen eindeutig auf eine oströmische Herkunft. Früher hielt man die Statue für ein Abbild des Kaisers Herakleios (610 bis 641), doch gilt diese Annahme seit langem als widerlegt. Die in der älteren Forschung vertretene Identifikation als Valentinian I. (364 bis 375) wird heute meist ebenfalls abgelehnt, ebenso jene als Honorius. Die genaue Datierung ist weiterhin strittig, aber als sehr wahrscheinlich gilt heute eine Entstehung in der 2. Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. Die für Kaiserdarstellungen nach Diokletian eher untypische (angedeutete) Bärtigkeit stützt die Deutung der Statue als Bildnis des oströmischen Kaisers Leo I. (457 bis 474), der auf einigen Münzen bärtig gezeigt wird (Johnson 1925); aber auch eine Identifikation als Kaiser Markian (450 bis 457) ist möglich (dieser trug im Unterschied zu Leo aber keinen Bart). Beide Kaiser griffen wiederholt in die Geschicke Westroms ein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Franklin Johnson: The Colossus of Barletta. In: American Journal of Archaeology 29, 1925, S. 20-25.
  • Richard Delbrueck: Spätantike Kaiserporträts. Von Constantinus Magnus bis zum Ende des Westreichs (= Studien zur spätantiken Kunstgeschichte Bd. 8). de Gruyter Berlin/Leipzig 1933 (unveränderter fotomechanischer Nachdruck 1978), ISBN 3-11-005700-X, S. 219ff. (Deutung als Markian).
  • Émilienne Demougeot: Le Colosse de Barletta. In: Mélanges de l'École française de Rome 94, 1982, S. 951-978 (Deutung als Honorius).
  • Martina Jordan-Ruwe: Das Säulenmonument. Zur Geschichte der erhöhten Aufstellung antiker Porträtstatuen. (= Asia Minor Studien 19). Habelt, Bonn 1995, S. 167.
  • Alexander Demandt: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diocletian bis Justinian. 284–565 n. Chr. 2. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-55993-8, S. 220 (Deutung als Markian).
  • Karin Hornig: Der Koloss von Barletta. Odyssee einer konstantinischen Statue. In: Skyllis 8, 1/2, 2007/08, S. 100-123.
  • Gereon Siebigs: Kaiser Leo I. Das oströmische Reich in den ersten drei Jahren seiner Regierung (457–460 n. Chr.). de Gruyter, Berlin/New York 2010, ISBN 978-3-11-022584-6, S. 741–746 (Deutung als Leo I.).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Koloss von Barletta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. So B. Andrae: Barletta. In: Lexikon der Alten Welt. Bd. 1. Augsburg 1994. Sp. 437.
  2. Alexander Demandt: Die Spätantike: römische Geschichte von Diocletian bis Justinian, 284-565 n. Chr. 1989. S. 218.