Halleyscher Komet

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1P/Halley
Lspn comet halley.jpg
Der Halleysche Komet am 8. März 1986 (W. Liller)
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Orbittyp kurzperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,967
Perihel 0,586 AE
Aphel 35,082 AE
Große Halbachse 17,834 AE
Siderische Umlaufzeit 75,32 a [1]
Neigung der Bahnebene 162,262°
Periheldurchgang 5. Februar 1986
Bahngeschwindigkeit im Perihel 54,57 km/s
Physikalische Eigenschaften des Kerns
Durchmesser 15,3 × 7,2 × 7,2 km
Masse 2 · 1014 kg
Mittlere Dichte 0,55 g/cm³
Albedo 0,05
Geschichte
Entdecker J.G. Palitzsch[1]
Datum der Entdeckung 25. Dezember 1758
Quelle: Wenn nicht einzeln anders angegeben, stammen die Daten von JPL Small-Body Database Browser. Bitte auch den Hinweis zu Kometenartikeln beachten.

Der Komet Halley, auch Halleyscher Komet und offiziell 1P/Halley genannt, zählt seit langem zu den bekanntesten Kometen. Er ist sehr lichtstark und kehrt im Mittel alle 76 Jahre wieder. Zuletzt kam er 1986 in Erdnähe; seine nächste Wiederkehr wurde für das Jahr 2061 berechnet.

Allgemeines[Bearbeiten]

Babylonischer Keilschrifttext dokumentiert den Halleyschen Kometen
(BM 41462).
Darstellung des Kometen auf dem sogenannten „Teppich von Bayeux“, vermutlich um 1070
Anbetung der heiligen drei Könige von Giotto di Bondone, entstanden 1304-1306

„Der Halley“, wie ihn Astronomen auch nennen, ist ein periodischer Komet, der alle 75 bis 77 Jahre wieder kommt. Er ist der einzige, der meistens gut mit freiem Auge beobachtet werden konnte. Wie andere periodische Kometen – von denen die Mehrzahl eine Umlaufzeit zwischen drei und 20 Jahren hat – verliert er bei jeder Sonnennähe durch Ausgasen Materie, so dass er zuletzt (1985/86) weniger Helligkeit als erwartet entwickelte.

„Halley“ hat eine sehr langgestreckte Ellipsenbahn, die sich vom sonnennächsten Punkt (Perihel) mit 0,586 AE zwischen den Bahnen der Planeten Merkur und Venus bis zum sonnenfernsten Punkt (Aphel) mit 35,082 AE im Bereich der Neptunbahn erstreckt. Die Bahnneigung seiner Umlaufbahn gegen die Ekliptik beträgt 162,262°. Die Umlaufzeit variiert zwischen 75 und 77 Jahren, weil die Bahn zeitweilig deutlich vom Jupiter beeinflusst wird. Zwischen 1222 und 1301 sollen es sogar 79 Jahre gewesen sein.

Erforschung in der Vergangenheit[Bearbeiten]

Er wurde nach dem Mathematiker und Astronomen Edmond Halley (1656–1742) benannt, der wegen seiner Verdienste um die Bahnbestimmung von Kometen 1720 königlicher Astronom und Leiter der Sternwarte in Greenwich wurde. Während das Auftauchen von Kometen bis zu dieser Zeit noch als unvorhersagbar galt, entdeckte Halley im Jahr 1705, dass der 1682 beobachtete Himmelskörper mit früheren Kometensichtungen in den Jahren 1531 (beschrieben von Petrus Apianus) und 1607 (beschrieben von Johannes Kepler und Ottmar Stab d. J.) identisch sein müsse, und sagte seine Wiederkehr für 1758[2] voraus.

Nachdem andere Forscher seine Berechnungen überprüften, erhielt der Schweifstern den Namen „Halley“. Nach dem Tod Halleys kehrte der Halleysche Komet tatsächlich zurück: Sein damaliges Wiedererscheinen wurde zuerst am 25. Dezember 1758 vom sächsischen Amateurastronomen Johann George Palitzsch beobachtet.[3]

Noch bei seiner Wiederkehr im Jahre 1910 versetzte der Komet viele Menschen in Angst: Kurz bevor die Erde den Schweif des Kometen am 19. Mai durchquerte, hatten Astronomen darin das giftige Gas Dicyan entdeckt:

„Während die wissenschaftlichen Beobachtungen, soweit heute bekannt wurde, meist nur negative Ergebnisse lieferten, hat das Volk besonders in den großen Städten den Durchgang in seiner Weise gefeiert, wobei Trinken und Skandal die Hauptsache waren […]“[4]

Darstellung in der Vergangenheit[Bearbeiten]

Rückblickend wurde im Laufe der Zeit erkannt, dass der Komet seit 240 v. Chr. schon mindestens 25-mal beobachtet worden war. Eine der ersten bildlichen Darstellungen des Kometen findet sich auf dem Teppich von Bayeux (um 1070), die bekannteste ist vielleicht jene des Malers Giotto di Bondone (1266–1337), der sicherlich den Kometen 1301 gesehen hat und auch ihn zum Vorbild für die erste realistische Darstellung eines Kometen als Stern von Betlehem in dem Fresko Anbetung der heiligen drei Könige in der Cappella degli Scrovegni nahm.[5]

Erforschung in der Moderne: Kometenkern und Raumsonden[Bearbeiten]

Briefmarkenausgabe anlässlich der Giotto-Mission (Deutsche Bundespost 1986)

Der Halleysche Komet war 1985 das Ziel von fünf Raumsonden der ESA, Japans und der Sowjetunion, teilweise in internationaler Absprache. Es wird vermutet, dass Kometen aus einem Gemisch aus Eis, Gestein und Staub zusammengesetzt sind, das teilweise aus den Anfängen des Sonnensystems stammt. Daher ist die Erforschung dieser Himmelskörper auch zum Interessensgebiet der Kosmogonie und Kosmologie geworden.

Darstellung des Kometen auf dem Missionslogo des gescheiterten Fluges STS-51-L des Space Shuttle Challenger

Von den Sonden Giotto, Sakigake, Suisei, Vega 1 und Vega 2 war die ESA-Sonde Giotto (benannt nach dem oben erwähnten mittelalterlichen Maler) die wissenschaftlich erfolgreichste. Ihr gelang die direkte Beobachtung des Kerns, der sich auf den Fotos als unregelmäßig geformtes Gebilde mit Abmessungen von etwa 15,3 × 7,2 × 7,2 Kilometern zeigte. Das Volumen wurde zu rund 420 Kubikkilometer, und die Dichte zu einem erstaunlich geringen Wert von 0,55 ± 0,25 g/cm³ ermittelt. Die Oberfläche des Kerns ist sehr dunkel (Albedo 0,05) und leicht rötlich (ähnlich einem P-Typ-Asteroiden). Der Kern rotiert mit einer Periode von 7,1 Tagen um seine Längsachse. Seine Präzessionsachse ist um 66° gegen die Längsachse geneigt. Die Präzessionsperiode beträgt nur 3,7 Tage und ist damit kürzer als seine Rotationsperiode, was ungewöhnlich ist. Die Bilder zeigten auch, dass ein Großteil der Oberfläche inaktiv ist: Nur von einigen abgegrenzten Regionen auf der der Sonne zugewandten Seite des Kerns wurden Gas und Staub in Form von Jets in den Weltraum geschleudert. Auch die Zusammensetzung dieses Materials wurde von Giotto gemessen: Wasser (80 % Vol.) und Kohlenmonoxid (10 %) dominieren, aber auch Methan, Ammoniak und andere Kohlenwasserstoffe wurden gefunden. Cyan trat nur in geringen Spuren auf.

Nach Forschungen der letzten Jahre besitzen langperiodische Kometen und jene Planetoiden, die außerhalb des Jupiter um die Sonne kreisen, viele Gemeinsamkeiten in Aufbau, Farbe, Dichte und Bahndynamik. Vielleicht ist der Halleysche Komet noch vor 3000 bis 10.000 Jahren ein derartiger Transneptun gewesen.

Außerdem war für 1986 die Durchführung von zwei NASA-Space-Shuttle-Missionen geplant, bei denen Beobachtungen des Kometen unternommen werden sollten: STS-51-L und STS-61-E. Da die für die erste Mission verwendete Challenger bereits kurz nach dem Start zerstört wurde und infolgedessen bis zur Klärung der Unfallursache keine Space Shuttles mehr starten durften, konnte auch die zweite Mission, für die die Columbia vorgesehen war, nicht mehr ausgeführt werden.

Ständiger Verlust an Materie[Bearbeiten]

Der Komet ist in Erd- beziehungsweise Sonnennähe mit freiem Auge sichtbar, verliert allerdings im Laufe der Jahrhunderte an Helligkeit. Dies hängt mit der Freisetzung von Gasen und Staub aus dem Kometenkern bei intensiverer Sonnenstrahlung zusammen. Das Material, das in weiterer Folge für die Bildung von Koma und Schweif verantwortlich ist, wird vom Sonnenlicht „weggeblasen“ und geht dem Kometen so unwiederbringlich verloren. Für den Kometen Halley wurden in Sonnennähe Verlustraten von mehr als 50 Tonnen pro Sekunde ermittelt[6] – der gesamte Materialverlust während der letzten Sonnenannäherung 1986 betrug 5 x 1011 Kilogramm, d. h. 2,5 ‰ der Gesamtmasse.[7]

In seiner „geschichtlichen“ Zeit ging dem Halleyschen Kometen daher mit jeder Annäherung an die Sonne ein merklicher Teil seines Materials verloren. Seit einigen Jahrhunderten ist sein „Ruf“ als besonders heller Komet nicht mehr ganz gerechtfertigt. So gab es seit seiner letzten Wiederkehr einige neu entdeckte, langperiodische beziehungsweise nicht-periodische Kometen, die „Halley“ deutlich an Leuchtkraft übertrafen, beispielsweise der Komet Hale-Bopp im Jahre 1997. Allerdings ist der Halleysche Komet noch immer der hellste unter den kurzperiodischen Kometen.

Reste des Halleyschen Kometen sind auch für zwei Meteorströme verantwortlich, nämlich für die Orioniden, die im Oktober eines jeden Jahres zahlreich auftreten, und die Eta-Aquariiden im Mai. Diese nur wenige Milligramm schweren Körnchen haben sich im Laufe der Zeit längs der gesamten Kometenbahn verteilt; wenn die Erde diese Bahn kreuzt, verglühen tausende dieser Körnchen pro Tag in ihrer Atmosphäre als Meteore oder „Sternschnuppen“. Beide Meteorströme sollen eine Periodizität von 12 Jahren haben, verursacht von Jupiter.[8]

Trivia[Bearbeiten]

  • Der US-amerikanische Schriftsteller Mark Twain (* 30. November 1835; † 21. April 1910) wurde geboren, nachdem der Halleysche Komet sichtbar geworden war (seit 16. November 1835), und starb – fast auf den Tag genau wie von ihm erhofft – einen Tag nach der Rückkehr des Kometen (Wiederkunft am 20. April 1910).
  • Der Halleysche Komet von 1910 und der Johannesburger Komet trugen mit der ausgelösten allgemeinen Verunsicherung, „Panikmache“ und „Medienschelte“ sehr zum literarischen Expressionismus bei.[9]
  • 1986 reiste der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger (* 29. März 1895; † 17. Februar 1998) nach Kuala Lumpur, um den Kometen wiederzusehen: „Halley stand ebenso deutlich am Himmel wie damals zu Rehburg vor sechsundsiebzig Jahren, als ich ihn mit den Eltern und Geschwistern gesehen hatte. Kuala Lumpur, 15. April 1986“[10]. Diese Reise bildete den Rahmen für seine Gedanken in Zwei Mal Halley. Er konnte den Anblick von 1910 mit der 1986er Wiederkehr vergleichen: „Diesmal schien er mir etwas größer, doch ebensowenig imponierend wie damals - schweiflos, diffus, etwa wie ein Garnknäuel.“[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Halleyscher Komet – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatNASA JPL Small-Body Database Browser: 1P/Halley. Abgerufen am 14. Mai 2010.
  2. Edmond Halley: A synopsis of the astronomy of comets. S. 22 (abgerufen 20. November 2013)
  3. Anzeige daß der im Jahre 1682 erschienene und von Halley nach der Newtonianischen Theorie auf gegenwärtige Zeit vorherverkündigte Comet wirklich sichtbar sey... von einem Liebhaber der Sternwissenschaft. Leipzig 1759, auch abgedruckt in slub-dresden/werkansicht Neue Versuche nützlicher Sammlungen zu der Natur- und Kunstgeschichte, Schneeberg 1759, S. 595 (abgerufen 20. November 2013)
  4. „Sirius, Zeitschrift für populäre Astronomie“, Heft Juni 1910, S. 129
  5. Anfang des 14. Jahrhunderts gab es mehrere Kometen, siehe Donald K. Yeomans: Comets. New York etc. 1991, S. 400 f (engl.); Gary W. Kronk: Cometography: Volume 1, Ancient-1799. Cambridge 1999, S. 228 ff (engl.); F. T. Schubert: Vermischte Schriften über Astronomie, Physik, etc Band 4, 1826, S. 98; François Arago: Unterhaltungen aus dem Gebiete der Naturkunde., Band 2 , übersetzt von Carl v. Remy, Stuttgart 1837, S. 110
  6. Comets
  7. Snowballs In Space: An Introduction to Comets, their sizes and decay
  8. Meteorstrom-Kalender 2014 (www.meteoros.de; PDF; 683 kB), S. 7 bzw. 13/14 (abgerufen 17. November 2013)
  9. z. B. die Gedichte Weltende von Jakob van Hoddis und Umbra Vitae / Die Menschen stehen vorwärts in den Straßen (siehe lyrik.antikoerperchen.de) von Georg Heym oder in der Zeitschrift Der Sturm vom 2. Juni 1910 auf Seite 110 unter Vermischtes: Der Komet. (abgerufen 24. November 2013)
  10. In: Ernst Jünger: Tagebücher VIII. Strahlungen VI. Klett-Cotta, Stuttgart 2001, S. 41, ISBN 3-608-93533-9
  11. Rezension im Spiegel, Buchbeschreibung des Verlags, S. 23 des Buches (abgerufen 17. November 2013)