Komische Oper Berlin

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Dieser Artikel beschreibt die heutige Komische Oper und ihr Gebäude. Die von 1905 bis in die 1930er Jahre an anderer Stelle in Berlin bestehende Komische Oper (Friedrichstraße Höhe Weidendammer Brücke) hat nichts mit der heutigen Komischen Oper zu tun.
Die Komische Oper in der Behrenstraße in Berlin-Mitte.
Eingang der Komischen Oper

Die Komische Oper Berlin ist ein Opernhaus in der Behrenstraße im Ortsteil Mitte (Bezirk Mitte) von Berlin. Sie ist die kleinste der drei Berliner Opern und mit der Deutsche Oper Berlin und Staatsoper Unter den Linden sowie dem Staatsballett Berlin und der Bühnenservice-GmbH Teil der Berliner Opernstiftung.

Geschichte der Komischen Oper[Bearbeiten]

1892 bis 1944: Das Metropol-Theater[Bearbeiten]

Die Wiener Architekten Hermann Helmer und Ferdinand Fellner (Büro Fellner & Helmer) errichteten 1892 den Theaterbau, in dem zunächst das Theater Unter den Linden spielte. Ab 1898 befand sich hier das Metropol-Theater, es war vor dem Ersten Weltkrieg wegen seiner berühmten Metropol-Revuen bekannt und nach 1918 als Operettentheater. 1933 wurde das Metropol-Theater geschlossen, jedoch schon 1934 von der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ wiedereröffnet und diente etwa der Uraufführung der Operette Maske in Blau von Fred Raymond. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurden große Teile des Gebäudes sowie der Eingangsbereich und das Deckengemälde völlig zerstört. Der Zuschauerraum blieb nahezu unbeschädigt.

1947 bis heute: Komische Oper Berlin[Bearbeiten]

Festtreppe in der Oper
Innenraum der Komischen Oper
Innenraum der Komischen Oper

Im Jahr 1947 begann mit der Gründung der Komischen Oper Berlin durch den österreichischen Regisseur Walter Felsenstein und der Eröffnung am 23. Dezember mit Johann Strauß und seiner Operette Die Fledermaus ein neues Kapitel in der Geschichte des Gebäudes. Mit der Arbeit von Walter Felsenstein, der bis zu seinem Tode 1975 Intendant und Chefregisseur des Hauses war, erlangte die Komische Oper Berlin weltweite Anerkennung als Geburtsstätte des modernen Musiktheaters.

Einige der Inszenierungen des Regisseurs genießen heute fast legendären Ruhm, so etwa Hoffmanns Erzählungen und Ritter Blaubart von Jacques Offenbach sowie Verdis La Traviata. Es wurde ein völlig neues Ensemble gegründet und von dem Kapellmeister Leo Spies ein Orchester neu aufgebaut. Zu den namhaften Dirigenten, die das 1947 unter Leo Spies gegründete Orchester der Komischen Oper im Laufe der folgenden Jahre leiteten, zählten Otto Klemperer, Václav Neumann, Rolf Reuter und Kurt Masur.

Zwischen 1965 und 1966 wurde das Haus umfangreich modernisiert. Nach Entwürfen des Architekten Kunz Nierade wurde die Fassade neu gestaltet, und es entstand das neue Funktionsgebäude. Das Haus wurde am 4. Dezember 1966 mit Mozarts Don Giovanni in der Inszenierung von Walter Felsenstein wiedereröffnet. Die Komische Oper verfügt heute über eine Kapazität von 1190 Sitzplätzen.

In der Saison 2002/03 bespielte museum in progress mit dem Großbild (90 m²) Looking Back des norwegischen Künstler-Duos Michael Elmgreen und Ingar Dragset den eisernen Vorhang der Komischen Oper Berlin als lebendigen Museumsraum. 2005/06 wurde das Foyer der Oper nach den Plänen des Architekten Stephan Braunfels umgebaut.

Nach dem Tode des Begründers der Komischen Oper war sein Schüler Joachim Herz von 1976 bis 1980 Intendant und Chefregisseur des traditionsreichen Hauses. 1981 wurde Werner Rackwitz Intendant, Harry Kupfer wurde zum Chefregisseur und Rolf Reuter zum Chefdirigent ernannt. 1994 übernahm Albert Kost den Posten des Intendanten, Yakov Kreizberg wurde Chefdirigent und später Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin; Harry Kupfer blieb Chefregisseur und Operndirektor. Im gleichen Jahr übernahmen Jan Linkens und Marc Jonkers die künstlerische Leitung des Tanztheaters. 1999 erhielt dieses den Namen BerlinBallett – Komische Oper, und der britische Choreograph Richard Wherlock wurde zum Ballettdirektor ernannt, 2001 übernahm Blanca Li diesen Posten. 2002 wurde Harry Kupfer von Andreas Homoki als Chefregisseur abgelöst, Albert Kost zwei Jahre vor Amtsende gekündigt, ein Jahr später wurde Homoki kommissarischer Intendant und übernahm 2004 das Amt des Intendanten und Chefregisseurs. Von 2002 bis 2007 war Kirill Petrenko Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin. Für seine Arbeit an der Komischen Oper Berlin wurde er 2007 mit dem Titel „Dirigent des Jahres“ geehrt, die Komische Oper Berlin wurde von der Fachzeitschrift Opernwelt zum „Opernhaus des Jahres“ und die Chorsolisten zum „Chor des Jahres“ ernannt. Nach „künstlerischen Differenzen“ verließ überraschend der seit Beginn der Spielzeit 2008/2009 als Generalmusikdirektor der Komischen Oper Berlin fungierende Dirigent Carl St. Clair 2010 das Haus, sein Nachfolger als Chefdirigent wurde der erst 29-jährige Patrick Lange. Ab der Spielzeit 2012/13 wird Henrik Nánási Generalmusikdirektor der Komischen Oper.[1] Nach zehn Jahren als Chefregisseur und neun Jahren als Intendant verlässt Homoki nach der abgeschlossenen Spielzeit 2011/2012 das Haus. Er wird Nachfolger von Alexander Pereira als Intendant des Opernhaus Zürich. Sein Nachfolger ist Barrie Kosky.[2]

Ballett[Bearbeiten]

Das Ballett der Komischen Oper, 1966 von Tom Schilling als „Tanztheater der Komischen Oper“ gegründet und fast 30 Jahre lang erfolgreich geleitet, zählte zu den auch international renommierten Kompagnien. Zahlreiche Ur- und Erstaufführungen haben dem Ensemble ein eigenes künstlerisches Profil verliehen.

Der herausragende und erfolgreichste Choreograf war Tom Schilling. Er und sein Librettist Bernd Köllinger führten das Tanztheater der Komischen Oper an die internationale Spitze und begeisterten weltweit das Publikum mit spektakulären Inszenierungen wie La Mer, Romeo und Julia, Undine, Schwarze Vögel, Ein neuer Sommernachtstraum bis hin zur sozialkritischen Inszenierung Revue. Herausragende Tänzer waren Hannelore Bey, Jutta Deutschland, Roland Gawlik, Dieter Hülse, Angela Reinhardt und Gregor Seyffert.

Einmalig war die Unterstützung des Tanzensembles durch 40 Laientänzer der „Gruppe Junger Tänzer Jean Weidt“ unter der Leitung des gleichnamigen Tänzers und Widerstandskämpfers Jean Weidt. Von Beginn an war die Gruppe ein wichtiger Bestandteil in allen Inszenierungen Tom Schillings.

1999 wurde das Tanztheater in „BerlinBallett – Komische Oper“ umbenannt. Nach Richard Wherlock, der das Ballett von 1999 bis 2001 leitete, war die Spanierin Blanca Li von 2001 und 2002 Chefchoreografin und künstlerische Leiterin der Gruppe. Danach war Adolphe Binder künstlerische Leiterin des Balletts und sorgte mit Produktionen wie Casa und Screensaver für eine Ausrichtung auf Erst- und Uraufführungen im Bereich des zeitgenössischen Tanztheaters.

Zum Ende der Spielzeit 2003/04 wurde das Tanztheater auf Druck des Berliner Senates aufgelöst.

Künstlerisches Profil[Bearbeiten]

Der Name „Komische Oper“ verweist auf die Tradition der französischen Opéra comique und ihren Anspruch eines modernen Musiktheaters.

Die Komische Oper Berlin steht für zeitgemäßes und lebendiges Musiktheater, in welchem Musik und szenische Handlung sich gegenseitig bedingen. Den Mittelpunkt bildet das Ensemble von Sänger-Darstellern, das sich in einem breit gefächerten Repertoire von Händel bis ins 21. Jahrhundert präsentiert. Die ersten Spielzeiten unter Andreas Homokis Leitung belegen dies exemplarisch vor allem an der Auswahl der Regisseure, die hier arbeiten. Von der Operngattung Komische Oper gingen wesentliche Impulse für die Entwicklung des Musiktheaters aus. Die Wirkung dieser Impulse will heute die Komische Oper Berlin aufzeigen, indem sie die ganze Breite des Spektrums zeitgenössischer Regiehandschriften präsentiert. So konnten Regisseure wie Calixto Bieito, Peter Konwitschny, Barrie Kosky und Hans Neuenfels langfristig für das Haus gewonnen werden.

Dass alle Opern in deutscher Sprache aufgeführt werden, stellt heute eine Besonderheit im internationalen Opernbetrieb dar. Auch diese künstlerische Grundentscheidung geht auf Walter Felsenstein zurück und ist Ausdruck seines Strebens nach Verständlichkeit und unmittelbarer Wirkungskraft des theatralischen Ereignisses, das bis heute für die Arbeit der Komischen Oper Berlin verbindliche Richtschnur geblieben ist.

Mit der Spielzeit 2011/2012 begann die Komische Oper Berlin ein neues Projekt, mit dem Ziel, türkischsprachige Menschen für Oper zu begeistern. Unter dem Motto „Selam Opera!“ bietet die Komische Oper Berlin ein umfangreiches Vermittlungsprogramm rund um die Welt des Musiktheaters an. Zu allen Produktionen können Workshops besucht werden, zudem werden sämtliche Vorstellungen in der Übersetzungsanlage in die türkische Sprache übertragen.[3]

Bedeutende Aufführungen an der Komischen Oper[Bearbeiten]

Uraufführungen[Bearbeiten]

  • 1967: Siegfried Matthus: Der letzte Schuß
  • 1972: Siegfried Matthus: Noch einen Löffel Gift, Liebling
  • 1985: Siegfried Matthus: Judith
  • 1991: Georg Katzer: Antigone oder die Stadt
  • 2009: Christian Jost: Hamlet, von der Zeitschrift Opernwelt als „Uraufführung des Jahres“ ausgezeichnet
  • 2010: Die Schneekönigin, Auftragsarbeit der Komischen Oper Berlin an Pierangelo Valtinoni, UA: 24. Oktober 2010
  • 2012: American Lulu, Auftragswerk der Komischen Oper Berlin in Zusammenarbeit mit The Opera Group London an Olga Neuwirth, UA: 30. September 2012
  • 2012: Ali Baba und die 40 Räuber, Auftragsarbeit der Komischen Oper Berlin an Taner Akyol, UA: 28. Oktober 2012
  • 2013: Des Kaisers neue Kleider, 1962 entstanden, in der Tschechoslowakei lange verboten Miloš Vacek, UA: 13. Oktober 2013

Neuinszenierungen[Bearbeiten]

Uraufführungen am Metropol-Theater (1892–1944)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2007: „Opernhaus des Jahres“, gemeinsam mit der Städtischen Oper Bremen[4]
  • 2007: Chor des Jahres[4]
  • 2013: „Opernhaus des Jahres“,[5]

Ehrenmitglieder der Komischen Oper[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Komische Oper Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Henrik Nánási. komische-oper-berlin.de
  2. Peter Uehling: Abschied von der Komischen Oper. Das Haus der Provokationen. In: Berliner Zeitung, 7. Juli 2012
  3. Oper entdecken! Salem Opera!. Komische Oper Berlin, abgerufen 10. Dezember 2012
  4. a b Komische Oper Berlin ist „Opernhaus des Jahres“. In: Tagesspiegel, 28. September 2007
  5. Komische Oper Berlin ist „Opernhaus des Jahres“. In: Opernwelt, 1. Oktober 2013

52.51583333333313.386944444444Koordinaten: 52° 30′ 57″ N, 13° 23′ 13″ O