Komitat Neograd

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Dieser Artikel beschreibt das historische Komitat „Neograd“ (ungarisch Nógrád), für das aktuelle Komitat siehe Komitat Nógrád.
Komitat Neograd
(Nógrád)

(1910)
Wappen von Neograd(Nógrád)
Verwaltungssitz: Balassagyarmat
Fläche: 4.128 km²
Bevölkerung: 261.517[1]
Volksgruppen: 76 % Magyaren
22 % Slowaken
1 % Deutsche[2]
Komitat Neograd

Das Komitat Neograd (auch Neograder Gespanschaft, älter auch Neuburg; ungarisch Nógrád vármegye, slowakisch Novohradská župa, lateinisch comitatus Neogradiensis) ist der Name einer historischen Verwaltungseinheit (Gespanschaft/Komitat) des Königreichs Ungarn. Es bestand in dieser Form bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918, und seine direkten Nachfolger waren die bis 1922 in der Tschechoslowakei existierende Neograder Gespanschaft (Novohradská župa) sowie das in Ungarn bis heute bestehende gleichnamige (Rest-)Komitat Nógrád.

Das Gebiet des ehemaligen Komitats liegt heute in der Südslowakei und dem heutigen nördlichen Ungarn. Der slowakische Name Novohrad wird jetzt als inoffizielle Bezeichnung für dieses Gebiet und als offizielle Bezeichnung einer Tourismusregion verwendet. Der Name selbst leitet sich von der ehemaligen Burg Neograd (ungarisch Nógrád, slowakisch Novohrad; südwestlich von Rétság) im heutigen Ungarn ab.

Lage[Bearbeiten]

Karte des Komitats Nógrád um 1890
Lage des Komitats in der heutigen Slowakei

Das Komitat Neograd grenzte im westlichen Norden an das Komitat Sohl (Zólyom), im Nordosten an das Komitat Gemer und Kleinhont (Gömör és Kis-Hont), im Südosten an das Komitat Heves, im Süden an das Komitat Pest-Pilis-Solt-Kiskun und im Westen an das Komitat Hont. Das Gebiet des Komitats erstreckte sich ungefähr entlang der Strecke Poltár, Lučenec, Szécsény und Vác, wurde vom Eipel durchflossen und hatte 1910 261.517 Einwohner auf einer Fläche von 4.128 Quadratkilometern.

Verwaltungssitze[Bearbeiten]

Verwaltungssitz des Komitats war zuerst die Burg Neograd, seit dem 14. Jahrhundert dann Balassagyarmat (deutsch Jahrmarkt, slowakisch Balažské Ďarmoty). Während der osmanischen Besatzung (siehe unten) gab es keinen Verwaltungssitz. Im 18. Jahrhundert übernahm Lučenec für einige Jahre diese Funktion und 1790 wieder Balassagyarmat.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der ungarischen Landnahme in diesem Gebiet entstand das Komitat um das Jahr 1000 herum als Teil des Königreichs Ungarn unter dem Namen comitatus Neogradiensis.

Zwischen 1544/1550/1552/1554 und 1606 sowie zwischen 1663 und 1690 war das Komitat von den Osmanen besetzt.

Nachdem das Königreich Ungarn infolge des Ersten Weltkrieges 1918 aufhörte zu bestehen, kam der Teil des Komitats nördlich des Flusses Eipel zur neu gegründeten Tschechoslowakei, der südliche Teil verblieb bei Ungarn, was auch durch den Vertrag von Trianon 1920 völkerrechtlich bestätigt wurde (zum ungarischen Teil siehe Nógrád).

In der Tschechoslowakei bestand die Gespanschaft bis 1922 weiter (Novohradská župa). 1938–1945 war der tschechoslowakische südliche Teil aufgrund des Ersten Wiener Schiedsspruchs von Ungarn besetzt. 1939, kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, nachdem die Tschechoslowakei aufgelöst worden war, gehörte der restliche tschechoslowakische Teil zur unabhängigen Slowakei. Nach dem Krieg wurde die Tschechoslowakei wiederhergestellt und 1993 wieder aufgelöst.

Das Gebiet der Gespanschaft wurde chronologisch wie folgt administrativ eingegliedert:

  • 1918–1922: Novohradská župa (Neograder Gespanschaft), CS
  • 1923–1928: Zvolenská župa ((Alt-)Sohler Gespanschaft), CS
  • 1928–1939: Slovenská krajina/zem (Slowakisches Land), CS
  • 1940–1945: Pohronská župa (Graner Gespanschaft), SK
  • 1945–1948: Slovenská krajina (Slowakisches Land), CS
  • 1949–1960: Banskobystrický kraj (Neusohler Landschaftsverband – mit dem heutigen nicht zu verwechseln), CS
  • 1960–1990: Stredoslovenský kraj (Mittelslowakischer Landschaftsverband), CS
  • seit 1996: Banskobystrický kraj (Neusohler Landschaftsverband), SK

Bezirksunterteilung[Bearbeiten]

Im frühen 20. Jahrhundert bestanden folgende Stuhlbezirke (meist nach dem Namen des Verwaltungssitzes benannt):

Stuhlbezirke (járások)
Stuhlbezirk Verwaltungssitz
Balassagyarmat Balassagyarmat
Nógrád Rétság
Szirák Szirák
Szécsény Szécsény
Fülek, heute Fiľakovo Salgótarján
Losonc Losonc, heute Lučenec
Gács Gács, heute Halič
Stadtbezirk (rendezett tanácsú város)
Losonc, heute Lučenec

Fiľakovo, Lučenec and Halič liegen in der heutigen Slowakei, die anderen Orte im heutigen Ungarn.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása; Budapest 1912, Seite 12 ff.
  2. A magyar szent korona országainak 1910. évi népszámlálása; Budapest 1912, Seite 22 ff. – Volkszählung von 1910