Kommutatorgruppe
In der Mathematik bezeichnet die Kommutatorgruppe (oder Kommutator-Untergruppe) zu einer Gruppe
diejenige Untergruppe, die von den Kommutatoren in der Gruppe
erzeugt wird:
Die Kommutatorgruppe wird auch mit
bezeichnet.
Im Allgemeinen ist die Menge aller Kommutatoren keine Untergruppe von
, die Phrase erzeugt von in der Definition kann also nicht weggelassen werden.
Das Inverse eines Kommutators ist gegeben durch
, entsprechendes für Produkte aus Kommutatoren.
Die Ordnung der Kommutatorgruppe gibt einen Hinweis darauf, wie weit eine Gruppe von der Kommutativität entfernt ist. Eine Gruppe ist genau dann kommutativ (abelsch), wenn ihre Kommutatorgruppe nur aus dem neutralen Element besteht. In diesem Falle gilt nämlich
. Gruppen, bei denen die Kommutatorgruppe hingegen die ganze Gruppe umfasst, heißen perfekte Gruppen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Eigenschaften
Da die Menge der Kommutatoren unter jedem Automorphismus von
auf sich abgebildet wird, ist die Kommutatorgruppe eine charakteristische Untergruppe von
und damit auch ein Normalteiler der Gruppe.
Die Faktorgruppe
ist stets abelsch, sie wird als Abelisierung der Gruppe bezeichnet. Für jeden Normalteiler
gilt:
ist genau dann abelsch, wenn 
Das heißt, die Kommutatorgruppe ist der kleinste Normalteiler, für den die Faktorgruppe abelsch ist.
[Bearbeiten] Beispiel
Es sei
die symmetrische Gruppe und
die alternierende Gruppe. Dann gilt:
für 
für 
, wobei
die Kleinsche Vierergruppe bezeichnet.
[Bearbeiten] Höhere Kommutatorgruppen
Das Bilden der Kommutatorgruppe lässt sich iterieren, man bezeichnet die
-te Kommutatorgruppe mit
. Die rekursive Definition lautet:
Eine Gruppe
heißt auflösbar genau dann, wenn eine absteigende Kette von Subnormalteilern
(Subnormalreihe) existiert, so dass die Faktorgruppen
abelsch sind. Die Konstruktion der iterierten Kommutatorgruppe liefert ein Kriterium für die Auflösbarkeit von
:
ist genau dann auflösbar, wenn es ein
gibt mit 
Entweder ist die bei fortgesetzter Kommutatorbildung entstehende absteigende Reihe von Untergruppen oder eine Verfeinerung dieser Reihe äquivalent zu jeder solchen Subnormalreihe oder einer Verfeinerung derselben.
Der Zusammenhang zwischen den beiden äquivalenten Definitionen der Auflösbarkeit, über fortgesetzte Kommutatorenbildung einerseits und über eine Subnormalreihe andererseits sowie der Begriff der Subnormalreihe selbst werden ausführlicher im Artikel „Reihe (Gruppentheorie)“ erläutert.
[Bearbeiten] Beispiel
Die symmetrische Gruppe
bzw. die alternierende Gruppe
ist genau dann auflösbar, wenn
. Für
sieht man das sofort mit obigem Beispiel ein. Für
gilt:
,
,
, da
abelsch ist.
Für
wird die Kette der iterierten Kommutatorgruppen stationär bei
, also ist dann weder
noch
auflösbar.
[Bearbeiten] Literatur
- Thomas W. Hungerford: Algebra. 5. print. Springer-Verlag, 1989, ISBN 0-387-90518-9
![K(G) = \left\langle\left\{[a,b]\mid\ a,b\in G\right\}\right\rangle,\qquad [a,b]=aba^{-1}b^{-1}.](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/c/5/6/c5651c8b0c9ac4da4a778f71100ee852.png)
ist genau dann abelsch, wenn 
für 
für 
, wobei
die 


gibt mit 
,
, da