Komplementor

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Aus der Sicht eines Referenzunternehmens ist ein Komplementor (englisch Complementor) ein Unternehmen, das zum eigenen Produkt oder zur eigenen Dienstleistung ergänzende Produkte oder Dienstleistungen anbietet. Aus Sicht des Kunden bedeutet das: Er bewertet das Produkt des Unternehmens A höher, wenn er ebenfalls das Produkt des Unternehmens B besitzt. Unternehmen A und B sind dann Komplementoren. Ein typisches Beispiel für Komplementoren sind Hersteller von Würstchen und Hersteller von Senf, denn die meisten Menschen mögen ein Würstchen lieber zusammen mit Senf als ohne ihn. Genauso ist für die meisten Konsumenten Senf mit Würstchen mehr wert als Senf pur.

Geschäftsbeziehungen zu Komplementoren[Bearbeiten]

Die Geschäftsbeziehungen zu Komplementoren eines Unternehmens unterscheiden sich signifikant von den Geschäftsbeziehungen zu Lieferanten oder Kunden. Das Geschäft eines Unternehmens und das Geschäfts eines Komplementors sind aufgrund der Nutzenabhängigkeit der Komplemente stark voneinander abhängig. Im Fall der Wintel-Komplementarität (s. u.) ist Microsoft z. B. hochgradig von Intels Investitionen in eine komplementäre Forschung und Entwicklung (und umgekehrt) abhängig (vgl. Yoffie 2007). Das führte dazu, dass Microsoft kontinuierlich neue Generationen von Windows und Anwendungssoftware (z. B. Office-Paket) entwickelt, um höhere Prozessorleistungen der neuesten Intel-Chipgeneration optimal auszunutzen. Dabei ist Intels Markterfolg vergleichsweise stärker von der Einführung eines komplementären Betriebssystems abhängig, da nur so die Leistung der neuesten Chip Generation ausgeschöpft werden kann. Microsoft kann seine Umsätze auch ohne eine neue Generation von Chips generieren. Diese Geschäftsabhängigkeit wird anhand des folgenden Zitats veranschaulicht:

„Intel and Microsoft neither buy from nor sell to each other directly, but they are undeniably in business together.“

David B. Yoffie, Mary Kwak: Harvard Business Review[1]

Das Zitat zeigt auch den Unterschied gerade zu Lieferantenbeziehungen: zwischen den Komplementoren gibt es im Regelfall keine Transaktionen zwischen Komplementoren. Diese Besonderheit muss insbesondere beim Management der Geschäftsbeziehungen beachtet werden, was Gegenstand des Complementor Relationship Managements ist.

Beispiel für Komplementoren[Bearbeiten]

Intel und Microsoft dürften wohl zu den bekanntesten Komplementoren auf der Welt zählen. Ein Kunde, der im Besitz eines Computers mit Intel-Chip ist, hat einen deutlichen Mehrwert, wenn er dazu ein Betriebssystem und andere Software erwirbt. Im Gegenzug erfährt eine Microsoft Software eine deutliche Aufwertung, wenn der Kunde auch im Besitz der entsprechenden Hardware ist, um die Software optimal zu nutzen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Nalebuff, Barry J./Brandenburger, Adam M. (1996), Coopetition – kooperativ konkurrieren, Frankfurt am Main und New York 1996
  • Reiß/Zieger (2006), Navigationshilfe für Allfinanzstrategien, in: Die Bank, ohne Jahrgang, 2006, 3, 56–59
  • Reiß/Zieger (2006), Strategische Partnersuche für Finanzdienstleistungsnetzwerke mit dem Extended Value Net, in: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen, 59, 2006, 2, S. 72–80
  • Yoffie, David B./Kwak, Mary (2006), With friends like these, in: Harvard Business Review, 48, September 2006, 9, S. 88–98
  • Yoffie, D. und Casadesus-Masanell, R. (2007), Wintel: Cooperation and Conflict, in: Management Science, 53, 2007, 4, S. 584–598

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. With Friends Like These: The Art of Managing Complementors. (engl.), abgerufen am 29. August 2014