Komposition (Mathematik)
Der Begriff Komposition bedeutet in der Mathematik meist die Hintereinanderschaltung von Funktionen, auch als Verkettung oder Hintereinanderausführung bezeichnet. Sie wird meist mit Hilfe des Verkettungszeichens
notiert.
Die Darstellung einer Funktion als Verkettung zweier oder mehrerer, im Allgemeinen einfacherer Funktionen ist zum Beispiel in der Differential- und Integralrechnung wichtig, wenn es darum geht, Ableitungen mit der Kettenregel oder Integrale mit der Substitutionsregel zu berechnen.
Der Begriff Komposition kann von Funktionen auf Relationen und partielle Funktionen verallgemeinert werden.
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Definition [Bearbeiten]
Seien
beliebige Mengen und
sowie
Funktionen, so heißt die Funktion
die Komposition von
und
oder von
nach
. Man sagt dann auch
komponiert mit
. Es ist dabei zu beachten, dass die zuerst angewandte Abbildung rechts steht, im Gegensatz zum Diagramm
Abweichende Schreibweisen [Bearbeiten]
Eine alternative Schreibweise für
ist
, wobei man dies nicht mit einem anderen Produkt der Funktionen verwechseln darf.
Es gibt auch wenige Autoren, die
nach
als
mit
schreiben, die Funktionen also von links nach rechts auswerten. Welche Reihenfolge gewählt wurde, lässt sich oft an einem Beispiel des Autors nachvollziehen. Daneben existiert auch die Notation, bei der das Funktionssymbol rechts vom Argument geschrieben wird, also
(oder auch
) anstelle von
. Dann ist die Auswertung von links nach rechts naheliegend, also
(hauptsächlich im Kontext von (rechten) Gruppenoperationen verbreitet).
Beispiele [Bearbeiten]
Man betrachte die folgenden Funktionen, für die als Definitions- und Wertemenge die Menge
der reellen Zahlen oder eine Teilmenge davon angenommen wird. Ist die Funktion
durch
und die Funktion
durch
gegeben, so ergibt die Verkettung von
und
die Funktion
mit
.
Umgekehrt lässt sich die durch
definierte Funktion als
darstellen, wobei
sind.
Eigenschaften [Bearbeiten]
Assoziativität [Bearbeiten]
Die Komposition von Funktionen ist assoziativ, das heißt für Funktionen
,
und
gilt:
da
Kommutativität [Bearbeiten]
Die Komposition von Funktionen ist im Allgemeinen nicht kommutativ; beispielsweise gilt für die Funktionen
und
:
Identische Abbildungen [Bearbeiten]
Die identische Abbildung verhält sich bei der Komposition neutral, für eine Funktion
gilt also:
,
wobei
und
die jeweiligen Identitäten auf den Mengen
und
darstellen.
Injektivität, Surjektivität, Bijektivität [Bearbeiten]
Wichtige Eigenschaften, die eine Funktion
besitzen kann, sind
- Injektivität (kein Element in
wird mehrfach angenommen), - Surjektivität (jedes Element in
wird angenommen), - Bijektivität (jedes Element in
wird angenommen, und keins wird mehrfach angenommen).
Jede dieser Eigenschaften überträgt sich auf die Verkettung, es gilt also:
- Die Komposition injektiver Funktionen ist injektiv.
- Die Komposition surjektiver Funktionen ist surjektiv.
- Die Komposition bijektiver Funktionen ist bijektiv.
Umgekehrt gilt: Ist eine Verkettung 
- injektiv, so ist
injektiv. - surjektiv, so ist
surjektiv. - bijektiv, so ist
injektiv und
surjektiv.
Potenzen (Iteration) [Bearbeiten]
Ist
eine Abbildung einer Menge in sich selbst, dann kann man diese Funktion mit sich selbst verketten und erhält
. Wie bei assoziativen Operationen üblich kann nun induktiv für jede natürliche Zahl
die
-te Potenz
erklärt werden durch:
Außerdem setzt man
wird auch als
-te Iterierte von
bezeichnet; das (auch mehrfache) Verketten einer Funktion mit sich selbst nennt man Iteration.
Falls auf
eine Multiplikation definiert ist, darf die Iteration nicht mit der Multiplikation verwechselt werden:
kann in diesem Fall auch den Ausdruck
bezeichnen.
Ist
sogar bijektiv, dann existiert die Umkehrfunktion
, und die negativen Potenzen
sind definiert durch:
Beispiele [Bearbeiten]
Sei
die Menge der positiven reellen Zahlen und
gegeben durch
. Dann gilt:
Algebraische Strukturen [Bearbeiten]
Wird die Menge
aller Funktionen aus einer gegebenen Menge
in sich selbst betrachtet, so definiert die Komposition eine innere zweistellige Verknüpfung auf
, bezüglich derer
(mit der identischen Abbildung als neutrales Element) ein Monoid darstellt.
Werden nur bijektive Funktionen herangezogen, ist das Monoid sogar eine Gruppe mit der jeweiligen Umkehrfunktion als inverses Element. Falls die Menge
endlich ist, handelt es sich um eine symmetrische Gruppe.
Strukturverträgliche Abbildungen [Bearbeiten]
In der Mathematik betrachtet man oft Mengen mit einer zusätzlichen Struktur sowie Abbildungen, die mit dieser Struktur verträglich sind, zum Beispiel
- lineare Abbildungen zwischen Vektorräumen
- stetige Abbildungen zwischen topologischen Räumen
- Gruppenhomomorphismen zwischen Gruppen
Wünschenswert ist nun, dass die Strukturverträglichkeit bei der Komposition erhalten bleibt, und in der Tat gilt in den Beispielen:
- Die Komposition linearer Abbildungen ist linear.
- Die Komposition stetiger Abbildungen ist stetig.
- Die Komposition von Gruppenhomomorphismen ist ein Gruppenhomomorphismus.
Diese Überlegungen führen zur Kategorientheorie, bei der man sogar davon abstrahiert, dass es sich um Abbildungen handelt, und nur noch die Assoziativität sowie die Eigenschaft der Identitäten für die Komposition fordert.
Komposition von Relationen [Bearbeiten]
Zu einer Funktion
ist der Funktionsgraph
eine Relation
. Bezüglich der Komposition von Funktionen gilt dann (unter Verwendung der Infixnotation):
.
Diese Beobachtung führt zur Definition der Komposition von zweistelligen Relationen
und
: Die Relation
ist gegeben durch
.
Bei der Komposition von Relationen wird also immer die Reihenfolge von rechts nach links eingehalten.
Beispiel [Bearbeiten]
sei die Menge der Punkte,
die Menge der Geraden und
die Menge der Ebenen im dreidimensionalen Raum. Die Relationen
und
seien festgelegt durch:
der Punkt
liegt auf der Geraden 
die Gerade
ist in der Ebene
enthalten
Für die Komposition
gilt dann:
der Punkt
liegt in der Ebene 
Eigenschaften [Bearbeiten]
- Die Komposition von Relationen ist assoziativ.
- Bezeichnet
die identische Relation auf einer Menge
, also die Menge aller Paare
, dann gilt für jede Relation
:
- Ist
eine Relation auf einer Menge
, dann sind also auch alle Potenzen
(mit
) definiert. Diese Potenzen werden zum Beispiel bei der Definition der reflexiv-transitiven Hülle verwendet. Eine Relation
mit
heißt transitiv.
Abweichende Notation in der Physik [Bearbeiten]
In der Physik und anderen Naturwissenschaften ist es üblich, die Verkettung einer Funktion mit der "äußeren Funktion" zu identifizieren:
. Aufgrund dieser Notation entstehen in physikalischer Literatur teilweise Gleichungen, die auf den ersten Blick nach gängigen mathematischen Konventionen falsch oder sinnlos sind, etwa
,
wobei
der Ortsvektor des Punktes
ist und
seine euklidische Länge. Diese Gleichung ist, mathematisch gesehen, im Prinzip falsch, da nach der linken Seite der Gleichung
eine Funktion
darstellt (setzt man doch in
ein Element
ein), auf der rechten Seite
offenbar als Definitionsbereich eine Teilmenge der reellen Zahlen aufweist, also
, da man in
die skalare Größe
einsetzt. Gemeint ist mit dieser intuitiven Gleichung jedoch, dass (für einen betrachteten Spezialfall) die physikalische Größe
(in diesem Fall ein Potenzial), das i.A. eine Funktion des Ortes ist, mit einer Funktion beschrieben werden kann, die nur vom Abstand des Ortes
vom Nullpunkt abhängt. Eine mathematisch "saubere" Formulierung dieser Aussage würde etwa lauten:
ist also eine Verkettung aus der skalaren Funktion
und der euklidischen Norm
:
.
Wir erhalten die obige, intuitive Schreibweise dieser Gleichung, indem wir zunächst die Verkettung
- symbolisch - mit der äußeren Funktion
identifizieren und diese wiederum mit dem Potenzial
. Vorteile der Notation sind intuitiv verständliche Schreibweisen und eine geringe Anzahl von verschiedenen Symbolen. Ein typisches Beispiel einer Funktion, die die obige Gleichung erfüllt, sind Zentralpotenziale
der Form
die u.a. in der Elektrostatik verwendet werden.
ist in diesem Fall eine Verkettung der skalaren Funktion
mit
mit der euklidischen Norm:
Literatur [Bearbeiten]
- Michiel Hazewinkel (Hrsg.): Composition. In: Encyclopaedia of Mathematics. Springer-Verlag, Berlin 2002, ISBN 1-4020-0609-8 (Online).


.







,




![f^{-2}(x) = \sqrt[4]{x}\](http://upload.wikimedia.org/math/a/3/8/a38e861e2ff0fc711ccf9fc9d40bb44f.png)
.
.
der Punkt
liegt auf der Geraden 
die Gerade
enthalten
der Punkt
die identische Relation auf einer Menge
, also die Menge aller Paare
, dann gilt für jede Relation 
eine Relation auf einer Menge
(mit
) definiert. Diese Potenzen werden zum Beispiel bei der Definition der
heißt
,
.

