Konflikt in Nordwest-Pakistan

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Eugène Delacroix - La liberté guidant le peuple.jpg
Legende: In Blau, die Stammesgebiete Pakistans (Süd- und Nord-Waziristan sind die zwei Distrikte des Südens); In Gelb, die Orakzai Agency, welche einen Teil der Stammesregion darstellt; In Grün, die Provinz Khyber Pakhtunkhwa

Der Konflikt in Nordwest-Pakistan ist ein bewaffneter Konflikt zwischen der Armee Pakistans und Islamisten, darunter den Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP).[1][2][3] Er begann 2004, als Spannungen eskalierten, die in der Suche nach Al-Qaida-Mitgliedern in Waziristan durch die pakistanische Armee begründet waren.

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Nachdem das Regime der Taliban in Afghanistan im Jahr 2001 durch einen US-geführten Militäreinsatz gestürzt worden war, etablierten sich aus Afghanistan geflohene Taliban in den nordwestlichen Regionen Pakistans. Dort gewannen sie zunächst die Kontrolle über Gebiete innerhalb der Stammesgebiete unter Bundesverwaltung (FATA), eines pakistanischen Sonderterritoriums, das mehrheitlich von Paschtunen bewohnt wird. Diese Region, die sich insbesondere durch eine schwache Kontrolle durch die Zentralregierung auszeichneten, hatten die Taliban schon früher als Rückzugsgebiet genutzt. Von den Stammesgebieten griffen die Taliban auf die Nordwestliche Grenzprovinz (NWFP) und nach Belutschistan aus. Der damalige Präsident Pervez Musharraf versuchte ab 2001 im Zusammenhang mit dem Krieg gegen den Terror, die Taliban an der Festsetzung im Nordwesten Pakistans zu hindern.[4][5]

Ausbruch des Konflikts[Bearbeiten]

Zu Beginn des Jahres 2004 entsandte die pakistanische Zentralregierung 80.000 Soldaten in die Stammesgebiete. Dort kam es, vornehmlich in Süd- und Nordwaziristan, zu Zusammenstößen zwischen den pakistanischen Truppen und den Taliban sowie anderen Kämpfern, denen sich jeweils örtliche Clans anschlossen. In diesem Konflikt starben bis 2006 mehrere hundert pakistanische Soldaten. Aufgrund einer Initiative des Gouverneurs der NWFP, Ali Muhammad Orakzai, wurde zu diesem Zeitpunkt eine Jirga einberufen, von der eine Beendigung der Kampfhandlungen erhofft wurde. Als Resultat dieser Versammlung schloss die pakistanische Regierung mit den Stämmen Nord-Waziristans am 5. September 2006 das Abkommen von Miranshah. Kernpunkte waren ein Rückzug der pakistanischen Armee aus den Stammesgebieten sowie die Einstellung der Kampfhandlungen durch die pakistanischen Streitkräfte. Stattdessen sollten fortan Stammesangehörige die Regierungstruppen ersetzen und für den Schutz der örtlichen Behörden sorgen.

Das Abkommen von Miranshah am 5. September 2006 beendete die Auseinandersetzungen zwischen der pakistanischen Regierung und der Mehrzahl der lokalen Stämme. Es wurde jedoch kritisiert, dass hierdurch der Einfluss der Taliban eher gefördert als aufgehalten werde. Die Taliban ermordeten in der Folgezeit mehrere Stammesführer, die das Abkommen mit unterzeichnet hatten, und setzten ihre Expansion fort. Im Jahr 2007 warben die Taliban offen neue Mitglieder in Koranschulen und versuchten, durch Angriffe auf Schulbehörden deren Kooperation zu erzwingen. Auch verübten die Taliban Anschläge gegen Einrichtungen, die nicht mit ihrem Weltbild zu vereinbaren waren, wie z.B. Musik- und Videoläden oder Modegeschäfte. Zudem gingen die Taliban gegen Kriminelle und auch Behörden vor. Zu dieser Zeit nahmen sie vermehrt Geiseln unter den Polizeikräften der Region, um dadurch inhaftierte Mitkämpfer freizutauschen. Im Dezember 2007 schlossen sich die verschiedenen islamistischen und Taliban-Gruppierungen zur "Tehrik-i-Taliban Pakistan" (TTP), der Taliban-Bewegung in Pakistan, zusammen. Anführer dieser Organisation wurde der Islamist und Stammesführer Baitullah Mehsud. Laut dem Harvard-Wissenschaftler Hassan Abbas bestanden die Ziele Mehsuds darin, die Scharia in Pakistan einzuführen, den Kampf gegen die NATO in Afghanistan weiterzuführen sowie eine Art "Verteidigungsdschihad" gegen die pakistanische Armee und eine kompromisslose Linie gegenüber der pakistanischen Regierung. Abbas schätzte, dass Mehsud etwa 5000 Mann unter seinem Kommando hatte.[6]

Bisher konnte das pakistanische Militär fast jede Schlacht gegen die Kämpfer gewinnen. Die Militanz bleibt jedoch immer noch in verschiedenen Teilen der Nordwestlichen Grenzprovinz stark. Aktuell (2009) werden das Militär Pakistans und das Grenzkorps von Großbritannien und die USA in der Aufstandsbekämpfung ausgebildet.[7] Als Mehsud Anfang August 2009 bei einem US-Drohnenangriff starb, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen um seine Nachfolge, aus denen Hakimullah Mehsud als neuer Anführer der Taliban hervorgegangen zu sein scheint.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The War in Pakistan - washingtonpost.com. Washingtonpost.com. Abgerufen am 19. Oktober 2008.
  2. FEATURE-Pakistan lifts veil on not-so-secret Waziristan war. Wiredispatch.com. Abgerufen am 19. Oktober 2008.
  3. Zaffar Abbas: BBC NEWS | South Asia | Pakistan's undeclared war. News.bbc.co.uk. Last Updated:. Abgerufen am 19. Oktober 2008.
  4. David Montero: Killing scares media away from Waziristan. Christian Science Monitor. 22. Juni 2006. Abgerufen am 25. August 2008.
  5. Pakistan attacks Waziristan compound. Al Jazeera. 16. März 2006. Abgerufen am 25. August 2008.
  6. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,655618,00.html
  7. http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/asia/article5946916.ece