Kongo-Krise

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Machtbereiche während der Kongo-Krise; im Westen Kasavubu, im Osten Gizenga und im Süden Katanga.

Die Kongo-Krise (oftmals auch als Kongowirren bezeichnet) war sowohl eine gewaltsame nationale Krise innerhalb der Demokratischen Republik Kongo als auch eine internationale Krise vor dem Hintergrund des Kalten Krieges, die ungefähr von 1960 bis 1965 dauerte. Während der Krise, die sich unmittelbar nach der Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1960 ereignete, kam es zur Meuterei der Force Publique gegen ihre belgischen Offiziere, was zur Massenflucht der noch im Land befindlichen Belgier und zur Intervention belgischer Truppen führte. Diese wurde von Premierminister Patrice Lumumba als Verletzung der kongolesischen Souveränität abgelehnt, weshalb dieser die Vereinten Nationen um Hilfe bat. Die Vereinten Nationen entsandten daraufhin Blauhelm-Soldaten, die die belgischen Truppen nach und nach im ganzen Land ablösten. Dennoch gelang es Moïse Tschombé unter dem Schutz der belgischen Truppen, die Unabhängigkeit der Provinz Katanga zu erklären. Dieser Sezessionsbewegung schloss sich wenig später auch Süd-Kasai an.

Im September 1960 kam es in der Hauptstadt Léopoldville zur Verfassungskrise, in deren Verlauf sich Präsident Kasavubu und Premier Lumumba gegenseitig für abgesetzt erklärten. Schließlich putschte Oberst Mobutu, welcher Lumumba absetzte und Kasavubu die Ernennung eines ihm genehmen Premiers ermöglichte. Später wurde Lumumba nach Katanga verschleppt und im Januar 1961 ermordet. Die Anhänger Lumumbas bildeten eine Gegenregierung in Stanleyville mit Antoine Gizenga an der Spitze, welche den Ostteil des Landes kontrollierte.

Nach diesen Ereignissen beendeten die UN-Blauhelme in den beiden Katanga-Feldzügen 1963 die Sezession Tschombés und mit der Einnahme der Provinz Orientale durch Regierungstruppen wurde die Einheit des kongolesischen States wiederhergestellt. 1964 begann im Osten des Landes der von Anhängern Lumumbas getragene Simba-Aufstand, welcher aber rasch durch kongolesische und ausländische Truppen niedergeschlagen wurde. Die Wahlen und der zweite Putsch Mobutus im Jahr 1965 markieren das Ende der Kongokrise, gleichwohl noch bis Ende der 1960er Jahre lokale Widerstandsnester von Regierungstruppen zerschlagen wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Foreign Areas Studies Division (Hrsg.): Area handbook for the Republic of the Congo (Leopoldville). United States Government Printing Office, Washington, D. C. 1962.
  • Foreign Areas Studies (Hrsg.): Area handbook for the Democratic Republic of the Congo (Congo Kinshasa). U.S. Government Printing Office, Washington, D. C. 1971.
  • Catherine Hoskyns: Congo Since Independence, January 1960-December 1961. Oxford University Press, London, New York, Toronto 1965.
  • Thomas Kacza: Die Kongo-Krise 1960-1965 Centaurus-Verlagsgesellschaft, Pfaffenweiler 1990, ISBN 978-3-89085-477-9.
  • Albert Kalonji Ditunga Mulopwe: Congo 1960. La sécession du Sud-Kasaï, la vérité du Mulopwe. L'Harmattan, Paris 2005, ISBN 978-2-7475-8132-5.
  • Jules Gérard-Libois: Katanga Secession. University of Wisconsin Press, Madison, London 1966.
  • Colin Legum: Congo Disaster. Penguin Books, Baltimore 1961 (online).
  • David Van Reybrouck: Kongo: Eine Geschichte. 6. Auflage. Suhrkamp Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-518-42307-3
  • Peter Scholl-Latour: Matata am Kongo. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1961.
  • Peter Scholl-Latour: Mord am großen Fluss. Ein Vierteljahrhundert afrikanische Unabhängigkeit. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1986, ISBN 978-3-421-06307-6.
  • Jean Stengers: Precipitous Decolonization: The Case of the Belgian Congo. In: Prosser Gifford, William Roger Louis (Hrsg.): The Transfer of Power in Africa. Decolonization, 1940-1960. Yale University Press, New Haven 1982, ISBN 978-0-300-02568-2, S. 305–336.
  • Albert Wirz: Krieg in Afrika. Die nachkolonialen Konflikte in Nigeria, Sudan, Tschad und Kongo. (= Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte. Band 23). Steiner, Wiesbaden 1982, ISBN 978-3-515-03752-5.
  • Ludo de Witte: Regierungsauftrag Mord. Der Tod Lumumbas und die Kongo-Krise. Forum, Leipzig 2001, ISBN 978-3-931801-09-0.
  • Crawford Young: Politics in the Congo. Decolonization and Independence. Princeton University Press, Princeton 1965.