Konrad Adam

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Konrad Adam (2013)

Konrad Adam (* 1. März 1942 in Wuppertal) ist ein deutscher Altphilologe, Journalist, Buchautor und Politiker (AfD). Er war von 1979 bis 2007 Feuilletonredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) sowie Chefkorrespondent und Kolumnist der Welt in Berlin. 2013 wurde er zum Parteisprecher der Partei Alternative für Deutschland gewählt.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft, Studium und Familie[Bearbeiten]

Konrad Adam wurde 1942 als Sohn des promovierten Juristen und höheren Bahnbeamten Friedrich Adam[1] und seiner Frau in Wuppertal geboren. Sein Vater war während des Krieges Oberreichsbahnrat in Krakau und gehörte als Seiteneinsteiger zu den späteren Mitgliedern des George-Kreis; lernte somit den Dichter Stefan George nie kennen.[2]

Nach dem Krieg sollte Friedrich Adam mit dem Lyriker Robert Boehringer zum wichtigen Kontaktpfleger im Zentrum der zerstreuten Gruppe werden. Auf Wunsch des Vaters besuchte Konrad Adam zunächst auch die Privatseminare des Philosophen Kurt Hildebrandt, ebenfalls George-Schüler, die er aber bald aufgrund der kompromittierten Gesellschaft mied.[3]

Er studierte nach dem Abitur in den 1960er[3] Jahren Klassische Philologie, Geschichte und Rechtswissenschaft an der Eberhard Karls Universität Tübingen, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Nach dem Staatsexamen wurde er 1971 an der Philosophischen Fakultät in Kiel mit der Dissertation Docere – delectare – movere. Zur poetischen und rhetorischen Theorie über Aufgaben und Wirkung der Literatur zum Dr. phil. promoviert.[4]

Konrad Adam ist verheiratet und hat drei Kinder.

Journalistische und publizistische Tätigkeit[Bearbeiten]

Anstatt den Lehrerberuf zu ergreifen wurde er nach dem Studium Redakteur bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Kiel und Hamburg. Danach war Adam von 1979 bis 2000 Mitglied der Feuilleton-Redaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Anschließend ging er für knapp sieben Jahre als politischer Chefkorrespondent der Tageszeitung Die Welt nach Berlin. Bekannt war vor allem seine wöchentliche Kolumne im so genannten Forum des politischen Teils der Zeitung. Ende März 2007 verabschiedete Adam sich in den Ruhestand. Seitdem schreibt er wieder vermehrt im Feuilleton seines früheren Arbeitgebers, der FAZ. Im akademischen Jahr 1995/1996 war Adam Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.[5]

Adam veröffentlichte sowohl in politischen Blättern (u.a. Die Politische Meinung) als auch in Wissenschafts- und Kulturzeitschriften wie Forum Classicum, Merkur. Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken und Neue Rundschau.

Politisches Wirken[Bearbeiten]

Konrad Adam, Frauke Petry und Bernd Lucke (v.l.n.r.) beim Gründungs­parteitag der AfD 2013 in Berlin

Adam ist Gründungsmitglied der eurokritischen Wahlalternative 2013 und wurde 2013 ein Sprecher der Partei Alternative für Deutschland (AfD).[6][7][8]

Rezeption[Bearbeiten]

In dem Essay Das machtlose Parlament aus dem Jahr 2000 kommt Adam zu dem Schluss, dass Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Medien zunehmend die Macht der parlamentarischen und richterlichen Staatsgewalt in Frage stellen. Er exemplifiziert dies unter anderem an der Entscheidungsfindung zu Transrapid und Hochschulfinanzierung.[9] Dieser Essay wurde mehrfach rezipiert und von Norbert Lammert bei seiner Rede am 9. Juli 2006 im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung angesprochen.[10]

Seine zahlreichen Buchpublikationen beschäftigen sich vorwiegend mit der deutschen Innenpolitik, besonders die Bildungspolitik steht seit vielen Jahren im Mittelpunkt seiner journalistischen Arbeit. Vor allem sein Buch Die deutsche Bildungsmisere von 2002, in dem er sich mit den Ergebnissen der PISA-Studie auseinandersetzt und eine Rückbesinnung auf das klassische Bildungsideal fordert, gelangte in die öffentliche Wahrnehmung und wurde in den Feuilletons mehrerer überregionaler Tageszeitungen rezensiert, wobei es auf ein geteiltes Echo stieß.[11] Der Literaturrezensent der Süddeutschen Zeitung Johan Schloemann warf ihm 2006 vor, mit seinem Werk Die alten Griechen, den Dritten Humanismus eines Werner Jaeger wiederzubeleben zu wollen.[3]

Für die sinkende Geburtenentwicklung und den Anstieg von Sozialhilfeempfängern in Deutschland macht er den Sozialstaat mitverantwortlich.[12] Als Kolumnist der Welt hatte Adam 2006 den von André Lichtschlag geäußerten Vorschlag, "den Inaktiven und Versorgungsempfängern" (Beamte, Politiker, Arbeitslose und Rentner) das Wahlrecht abzuerkennen, aufgegriffen und diskutiert. Diese Idee wurde bereits von dem Ökonomen Friedrich August von Hayek angedacht.[13][14] Dies thematisierten einzelne Medien mit Blick auf das Mitgliederprofil der AfD.[15][16]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten]

  • Docere, delectare, movere. Zur poetischen und rhetorischen Theorie über Aufgaben und Wirkung der Literatur., Diss, Kiel, 1971.
  • Für Kinder haften die Eltern. Die Familie als Opfer der Wohlstandsgesellschaft.. Quadriga (Beltz Verlag), Weinheim u.a. 1996, ISBN 3-88679-275-7.
  • Die Republik dankt ab. Die Deutschen vor der europäischen Versuchung. Alexander Fest Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-8286-0037-9.
  • Staat machen. Warum die neue Mitte keine ist und wir die alte Mitte brauchen. Siedler Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-88680-679-0.
  • Die Ohnmacht der Macht. Wie man den Staat ausbeutet, betrügt und verspielt. Siedler Verlag, 2001, ISBN 3-88680-545-X
  • Die deutsche Bildungsmisere. Pisa und die Folgen. Propyläen Verlag, Berlin u.a. 2002, ISBN 3-549-07166-3. (Taschenbuchausgabe als Ullstein 36500, München 2004, ISBN 3-548-36500-0)
  • Die alten Griechen (= Bücher für die nächste Generation). Rowohlt, Berlin 2006, ISBN 3-87134-553-9. (Taschenbuchausgabe als Rororo 62174, Berlin 2008, ISBN 978-3-499-62174-1)
  • Der kurze Traum vom ewigen Leben. Eine Gesellschaft ohne Zukunft. Manuscriptum (Landt Verlag), Waltrop u.a. 2009, ISBN 978-3-937801-55-1.
  • Kampf gegen die Natur: Der gefährliche Irrweg der Wissenschaft. Rowohlt Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-87134-730-6.

Herausgeberschaften[Bearbeiten]

  • Kreativität und Leistung. Wege und Irrwege der Selbstverwirklichung. Referate und Diskussionsbeiträge (= Veröffentlichungen der Hanns-Martin-Schleyer-Stiftung, Band 20). J.P. Bachem Verlag, Köln 1986, ISBN 3-7616-0831-4.
  • Bildungslücken. Neske Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-7885-0521-4.

Beiträge in Sammelbänden[Bearbeiten]

  • Berge gibt es auch im Flachland – oder: Wozu Elitebildung? In: Heinz Bude, Stephan Schleissing (Hrsg.): Junge Eliten. Selbständigkeit als Beruf. Kohlhammer Verlag, Stuttgart u.a. 1997, ISBN 3-17-015103-7, S. 61 ff.
  • Kartelle sind verboten. In: Manfred Bissinger, Dietmar Kuhnt, Dieter Schweer (Hrsg.): Konsens oder Konflikt? Wie Deutschland regiert werden soll (= Campe-Paperback). Hoffmann und Campe, Hamburg 1999, ISBN 3-455-10393-6, S. 11 ff.
  • Einfalt oder kulturelle Vielfalt? In: Walter-Raymond-Stiftung (Hrsg.): Politik und Wirtschaft im Zeichen der Globalisierung. Dresden, 14. bis 16. März 1999 (= Veröffentlichungen der Walter-Raymond-Stiftung der BDA, Band 39). Wirtschaftsverlag Bachem, Köln 1999, ISBN 3-89172-424-1, S. 7 ff.
  • Begrenzte Mittel, unbegrenzte Wünsche: Warum die Gesundheitsreform keine ist – und wie sie eine werden könnte. In: Friedrich Merz (Hrsg.): Wachstumsmotor Gesundheit. Die Zukunft unseres Gesundheitswesens (= Edition DWC). Hanser Verlag, München 2008, ISBN 978-3-446-41456-3, S. 99 ff.

Gespräche[Bearbeiten]

Hörbücher[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Glück (Hrsg.): Konrad Adam. Über Schuld, Scham und Schande (= Jahrbuch der Henning-Kaufmann-Stiftung zur Pflege der Reinheit der Deutschen Sprache, 2009). Im Auftrag der Henning-Kaufmann-Stiftung, IFB Verlag Deutsche Sprache, Paderborn 2010, ISBN 978-3-931263-91-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Konrad Adam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. 2. Auflage, C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59225-6, S. 496.
  2. Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. 2. Auflage, C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59225-6, S. 376.
  3. a b c Ulrich Raulff: Kreis ohne Meister. Stefan Georges Nachleben. 2. Auflage, C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-59225-6, S. 381.
  4. Vorstellung Konrad Adams bei der Berliner Morgenpost (Version vom 27. September 2007 im Internet Archive), archiviert am 27. September 2007 im Internet Archive
  5. Fellows, Wissenschaftskolleg zu Berlin, abgerufen am 26. März 2014.
  6. Zu den Gründern zählen u. a. (Version vom 7. Oktober 2012 im Internet Archive). Abschnitt auf der Startseite der Wahlalternative 2013, abgerufen am 7. Oktober 2012.
  7. Joachim Jahn: Gründungsparteitag der AFD – Aufstand gegen Merkels „alternativlose Politik“. In: FAZ.NET. 14. April 2013, abgerufen am 18. April 2013.
  8. Mitbegründer der Alternative für Deutschland: "Der Euro bringt die Völker gegeneinander auf". In: Spiegel Online, 13. April 2013
  9. Konrad Adam: Das machtlose Parlament. Konsens ohne Gemeinwohl: Experten, Räte, Meinungsmacher umgehen die Verfassung. In: Die Welt. 2. Juni 2001, abgerufen am 26. April 2013.
  10. Rede von Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert zum Thema "Weder machtlos noch allmächtig: Parlamentskultur in Deutschland" beim Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. In: Webpräsenz www.bundestag.de. Deutscher Bundestag, 9. Juli 2006, abgerufen am 26. April 2013.
  11. Rezensionsnotizen bei Perlentaucher.de
  12. Christoph Butterwegge: Krise und Zukunft des Sozialstaates. 3. erweiterte Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2006, ISBN 3-531-44848-X, S. 80.
  13. Friedrich August von Hayek: Die Verfassung der Freiheit, Mohr Siebeck, Tübingen, 2005, S. 135.
  14. Wer soll wählen? Kolumne Die Macht der Schwachen Von Konrad Adam in Die Welt, 16. Oktober 2006: "Neulich hat ein Gastautor auf diesen Seiten den Vorschlag gemacht, den von ihm sogenannten Nettostaatsprofiteuren das Wahlrecht zu entziehen. In diese Kategorie gehören nach seiner Definition nicht nur die Beamten, die im Staat ihren Arbeitgeber sehen, und nicht nur alle diejenigen, die weniger für die Politik als von der Politik leben, die Mehrzahl der Berufspolitiker also, sondern auch und vor allem die Masse der Arbeitslosen und der Rentner. Alle diese Gruppen beziehen ihr Einkommen ganz oder überwiegend aus öffentlichen Kassen und haben schon deshalb ein höchst persönliches Interesse daran, den Staat, der sie ernährt, so fett (und nicht so schlank) wie möglich dastehen zu lassen. [...] Vor diesem Hintergrund klingt die Anregung, den Inaktiven und Versorgungsempfängern das Wahlrecht abzuerkennen, provokativer, als sie tatsächlich ist."
  15. Sie wollen die Alternative für Deutschland sein Zeit-Online, 18. April 2013: "Spricht man ihn [Axel Leonhardt] auf die Forderung von Parteisprecher Konrad Adam an, Arbeitslosen das Wahlrecht zu entziehen, reagiert er ausweichend."
  16. The European: Ohne Demokratie für die Demokratie, vom 24. April 2013. " Sprecher Konrad Adam und der im wissenschaftlichen Beirat sitzende Professor Vaubel etwa haben keine Probleme damit, auch einmal über die Begrenzung des Wahlrechts zu fabulieren."