Konrad Kyeser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Portrait von Konrad Kyeser im Autograph des Bellifortis

Konrad Kyeser (auch Kieser; * 28. August 1366 in Eichstätt; † nach 1405) war ein deutscher Kriegstechniker und Fachschriftsteller im spätmittelalterlichen Europas. Er verfasste die erste deutsche kriegstechnische Bilderhandschrift, den sogenannten Bellifortis (lat. der Kampfstarke), gleichzeitig das erste umfangreichere Kompendium technischer Zeichnungen seit den Skizzen Villard de Honnecourts aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Abbildung einer Blide im Bellifortis
Keuschheitsgürtel (Manuskript Clm 30150)

Konrad Kyeser entstammte einer bürgerlichen Familie aus Eichstätt und lernte im dortigen Dominikanerkloster Medizin. 1389 zog er mit einem bayerischen Söldnerheer nach Italien. Dort sammelte er nicht nur Kriegserfahrungen, sondern kam auch in Kontakt mit dem italienischen Renaissance-Humanismus. Seit 1394 nahm er an den Kreuzzügen König Sigismunds von Ungarn gegen die Osmanen teil, für deren Scheitern er Sigismund in seinem Bellifortis verantwortlich macht. 1402 befand er sich am Hof König Wenzels. Von Sigismund auf die Burg Žebrák verbannt, begann er die Niederschrift seines Bellifortis, den er 1405 mit Malern des königlichen Hofs zu einer reich bebilderten Prachthandschrift erweiterte.

Der Bellifortis fasst handbuchartig Maschinen und Geräte vor allem zu Kriegszwecken zusammen, die dem Autor aus antiken Texten oder eigenen Erfahrungen bekannt waren. Die Geräte sind technisch nicht immer korrekt wiedergegeben, bei Geräten die ihm aus eigener Anschauung bekannt waren, erreicht Kyeser allerdings zum Teil einen außerordentlichen Detailreichtum. Einige der Geräte sind in Kyesers Handschrift erstmals bildlich dargestellt. Dazu gehört die erste eindeutige mittelalterliche Abbildung einer Archimedischen Schraube aber auch die älteste bekannte Zeichnung eines Keuschheitsgürtels. Zum Teil beschreibt er unpraktikable Versuche. Entsprechend dem humanistischen Verständnis von Naturwissenschaft, mit denen Kyeser als Arzt vertraut war, nahm er auch alchemistische und astrologische Praktiken in seinen Bellifortis auf.

Die Schrift Kyesers gelangte in weiten Umlauf und wurde, auch im Manufakturbetrieb, in mehreren verschiedenen Redaktionen verbreitet. Inzwischen sind 45 erhaltene Handschriften bekannt, die in Umfang, Text und Bild mitunter stark vom Original abweichen. Das Ruprecht von der Pfalz gewidmete Autograph Kyesers befindet sich im Bestand der Universitätsbibliothek Göttingen.

Seine Heimatstadt Eichstätt ehrt ihn durch eine Konrad-Kieser-Straße.

Werkausgaben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Konrad Kyeser – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien