Konrad Merz

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Konrad Merz (1992)

Konrad Merz (* 2. April 1908 in Berlin als Kurt Lehmann; † 3. Dezember 1999 in Purmerend, Niederlande) war ein deutsch-niederländischer Schriftsteller und jüdischer Emigrant.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Aufgewachsen in einer armen jüdischen Schneiderfamilie arbeitete Kurt Lehmann ab dem 15. Lebensjahr in einem Textilgeschäft. Auf dem Abendgymnasium holte er das Abitur nach und begann ein Jurastudium. Nachdem Juden auch von den Universitäten ausgeschlossen worden waren, emigrierte er 1934 in die Niederlande. Er verdiente sich seinen Lebensunterhalt unter anderem als Gärtner, schrieb nebenbei jedoch auch kleinere Zeitungsartikel. In Holland nahm er den Namen Konrad Merz an. Sein nebenher geschriebener Tagebuchroman Ein Mensch fällt aus Deutschland erschien 1936 beim bedeutenden Exilverlag Querido in Amsterdam. Sein zweiter im Anschluss geschriebener Roman Generation ohne Väter ging in den Wirren verschollen. Mithilfe niederländischer Freunde konnte Merz sich bis Kriegsende versteckt halten.

Nach dem Krieg machte Merz eine Ausbildung zum Masseur und Physiotherapeuten, heiratete und ließ sich in Purmerend nieder. Neben seiner erfolgreichen Praxis begann er in den 1970er-Jahren wieder Autobiografisches und Satiren zu veröffentlichen. Sein verloren geglaubter Roman Generation ohne Väter tauchte kurz vor seinem Tod wieder auf und konnte 1999 veröffentlicht werden.

Die Neue Zürcher Zeitung würdigte seinen ersten Roman: „Er gehört zu den bedeutendsten, anrührendsten literarischen Zeugnissen, in denen die Leiden und existentiellen Bedrohungen des Exils thematisiert sind: der schäbige kleine Alltag eines Namenlosen ohne Pass und Geld.“

2007 erwarb das Deutsche Literaturarchiv Marbach den Nachlass Konrad Merz’. Er enthält die Manuskripte und Tagebücher, und zahlreiche Briefwechsel u. a. mit Fritz Helmut Landshoff, Horst Bienek, Walter Höllerer, Albert Vigoleis Thelen.

Veröffentlichungen in deutscher Sprache[Bearbeiten]

  • Ein Mensch fällt aus Deutschland (1936)
  • Schlächter, Weib und Majestät. Erzählungen eines Masseurs (1972)
  • Der Mann, der Hitler nicht erschossen hat. Erzählungen eines Masseurs (1976)
  • Glücksmaschine Mensch. Plaudereien eines Masseurs (1982)
  • Liebeskunst für Greise. Memoiren unseres Jahrhunderts (1992)
  • Berliner, Amsterdamer und ach – Jude auch. Memoiren aus neunzig Jahren (1998)
  • Generation ohne Väter, Roman (1999; geschrieben 1937/1938)
  • Die schwankende Zeit, Novelle (2011; geschrieben 1945/1946)

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Schöffling (Hrsg.): Konrad Merz zum fünfundsiebzigsten Geburtstag am 2. April 1983. Ammann Verlag, Zürich 1983.
  • Klaus Mann: Ein Mensch fällt aus Deutschland. In: Prager Tagblatt vom 22. März 1936; wiederabgedruckt in: Klaus Mann: Zahnärzte und Künstler. Aufsätze, Reden, Kritiken 1933–1936. Reinbek 1993 (S. 395–398).

Weblinks[Bearbeiten]