Konservierende Bodenbearbeitung

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Konservierende Bodenbearbeitung ist nach Köller & Linke ein schonendes Bodenbearbeitungssystem, welches den Boden nicht wendet und darauf abzielt, den Eingriff der Bodenbearbeitungsgeräte in den Boden zu verringern, um ihn dadurch vor Bodenerosion, Abbau der organischen Substanz, Reduzierung des Bodenlebens und Austrocknung zu schützen.

Die konservierende Bodenbearbeitung zielt darauf ab, möglichst wenige Ernterückstände zu begraben und möglichst viele Pflanzenrückstände der vorherigen Kultur an der Bodenoberfläche zu belassen.[1] Durch die Verringerung von Oberflächenabfluss und Verdunstung nach einem Niederschlag lässt sich mit diesem System eine höhere Wassernutzungseffizienz erzielen.

Der Begriff „Konservierende Bodenbearbeitung“ leitet sich vom amerikanischen „conservation tillage“ ab. Diese Technik entstand nach den verheerenden Erosionsschäden durch Wind im Mittelwesten der USA in den 1930er Jahren. Als „conservation tillage“ werden in den USA diejenigen Bodenbearbeitungs- und Aussaatverfahren bezeichnet, bei denen nach der Aussaat mehr als ein Drittel der Bodenoberfläche mit Pflanzenresten bedeckt bleiben. Dazu zählen „mulch tillage“ (die Mulchsaat), „ridge tillage“ (die Dammsaat) und „no-tilllage“ (die Direktsaat).[2]

In Deutschland dominierte im Wirtschaftsjahr 2009/10 die konventionelle wendende Bodenbearbeitung mit dem Pflug, die auf 56 % der Fläche verwendet wurde. 34 % der landwirtschaftlichen Betriebe verzichteten auf ihren Ackerflächen zumindest teilweise auf den Pflugeinsatz und setzten auf die konservierende Bodenbearbeitung. Hierbei kommen nichtwendende Bodenbearbeitungsgeräte zum Einsatz (z. B. Grubber oder Eggen), die den Boden weitgehend in seinem Aufbau belassen. Diese reduzierte Form der Bodenbearbeitung wurde auf 38 % der Ackerfläche angewendet. Die Akzeptanz konservierender Bodenbearbeitungsverfahren steigt mit zunehmender Betriebsgröße. Während in Betrieben mit einer Größe von unter 30 Hektar Ackerland nur insgesamt 14 % der Ackerfläche im Wirtschaftsjahr 2009/2010 der konservierenden Bodenbearbeitung unterzogen worden sind, wurde dieses weniger intensive Bearbeitungsverfahren in Betrieben mit 30 und mehr Hektar Ackerland bereits auf etwa 41 % der Ackerfläche eingesetzt. Das Direktsaatverfahren ohne jegliche Bodenbearbeitung ist in Deutschland nur wenig verbreitet (1 % der Ackerfläche).[3]

Umweltauswirkungen[Bearbeiten]

Konservierende Bodenbearbeitung hat eine Reduktion der negativen Umwelteffekte gegenüber der konventionellen Bodenbearbeitung zur Folge. So werden Eutrophierung und Winderosion vermindert. Lebensräume von Wildtieren und CO2-Sequestrierung werden verbessert.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karlheinz Köller & Christian Linke: Erfolgreicher Ackerbau ohne Pflug: Wissenschaftliche Ergebnisse - Praktische Erfahrungen. DLG, 2001 (zweite, überarbeitete Auflage). ISBN 3769005740.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Sommer, C., Zach, M. und Dambroth, M., 1986. Konservierende Bodenbearbeitung – ein Konzept für strukturlabile, erosionsgefährdete Böden. In: Bodenbearbeitungssysteme in der Diskussion. Manuskript, DLG, Frankfurt, April 1986
  2. CTIC, 2011. Conservation Technology Information Center Homepage. (PDF; 166 kB)
  3. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Wirtschaftsbereiche/LandForstwirtschaftFischerei/Produktionsmethoden/AktuellBodenbearbeitung.html
  4. Uri, N.D., J.D. Atwood, and J. Sanabria (1999): The environmental benefits and costs of conservation tillage. Environmental Geology 38(2), S. 111–125.