Konstantinbasilika

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Dieser Artikel behandelt die Konstantinbasilika in Trier; zur Maxentiusbasilika in Rom, die oft irrtümlich als Konstantinbasilika bezeichnet wird, siehe hier; zur archäologisch erschlossenen Bischofskirche von Ostia siehe Basilika des Konstantin.
Basilika 2014
Historische Innenansicht vor 1944
Heutige Innenansicht (Nordseite)

Die Evangelische Kirche zum Erlöser (Konstantinbasilika) in der Stadt Trier (Augusta Treverorum) war eine römische Palastaula und beherbergt den größten Einzelraum, der aus der Antike erhalten geblieben ist. Sie wurde ursprünglich als Audienzhalle der römischen Kaiser, die im 4. Jahrhundert in der Stadt residierten, erbaut. Aus dieser Zweckbestimmung rührt noch ihr Name. Den Namen Basilika erhielt das Bauwerk vom Heimatforscher Johannes Steiner im 19. Jahrhundert in Bezugnahme auf die überlieferte Lobrede des Eumenius von Autun, verlesen im Beisein des Kaisers Constantinus.[1] Er ist aus heutiger Sicht irreführend, da sie nicht diesem Bautyp, sondern dem Bautyp einer Saalkirche entspricht. Sie war auch nie eine katholische Kirche und führt deshalb nicht die Bezeichnung Basilika als Ehrentitel.

Im Frühmittelalter kam die ausgebrannte Ruine in den Besitz der Trierer Bischöfe. Diese bauten sie in ein burgartiges Anwesen um. 1614 wurden Süd- und Ostwand abgerissen und der Rest in die neue Bischofsresidenz, das Kurfürstliche Palais, integriert. Im Jahre 1844 bis 1856 wurde die Basilika wieder aufgebaut und „auf ewige Zeiten“ der evangelischen Kirchengemeinde übergeben, die sie seither als Kirche nutzt.

Seit 1986 ist die Konstantinbasilika Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier, des Weiteren ist sie ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.

Bauwerk[Bearbeiten]

Die Kirche liegt in der Mitte einer 700 m langen Flussniederterrasse, die sich von Dom und Liebfrauenkirche über die Palastaula bis zu den Kaiserthermen im Süden erstreckt. Der Innenraum des Bauwerks ist 67 m lang, 27,5 m breit und 33 m hoch. Es ist das älteste als Kirche genutzte Gebäude Deutschlands.

An römischem Mauerwerk sind die Apsis und die Westwand erhalten. Diese ruhen auf einem 4 Meter breitem und 4-6 Meter tiefen Fundament aus römischem Gußbeton (opus caementitium). Die Mauern haben eine Stärtke von 2,7 bis 3,4 Metern.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Antike[Bearbeiten]

Baugeschichte[Bearbeiten]

Die holzverkleidete Kassettendecke aus Spannbeton, welche in reduzierter Form die Anmutung antiker Holzdecken aufnimmt.

Im 2. Jahrhundert n. Chr. war im Nordosten des römischen Trier durch Zusammenlegung von vier insulae ein Repräsentations- und Verwaltungsbereich entstanden, dessen Kern eine zentrale Halle bildete, die als Legatenpalast angesprochen wird.

Die Palastaula wurde vermutlich mit der Umgestaltung dieses Areals zur Residenz unter Kaiser Konstantin in den Jahren 305–311 als Repräsentationsbau errichtet.[2] Durch Niederlegung eines Wohnviertels wurde Platz für den Monumentalbau der Kaiserthermen geschaffen. Auf dem ehemaligen Legatenpalast wurde die Palastaula erbaut, die mit umliegenden Vorhöfen und Nebengebäuden den Kern der Residenz bildete.[3] Für den Großbau, der auch eine Straßenkreuzung überdeckte, waren erhebliche Planierungen notwendig.

Mit dem Abzug des römischen Kaiserhofes von Trier am Ende des 4. Jahrhunderts verlor das Gebäude seine ursprüngliche Bedeutung. Nach dem Ende der römischen Herrschaft wurde das ausgebrannte Gebäude dem fränkischen Königsgut zugeschlagen.

Teil der kaiserlichen Residenz und Architektur[Bearbeiten]

Rekonstruktion der Trierer Palastaula

Das monumentale Gebäude diente als Kulisse für Audienzen, Empfänge und das Hofzeremoniell, wobei der Kaiserthron in der Apsis anzunehmen ist. Obwohl Name und Erscheinung der heutigen Konstantin(s)basilika auf ein antikes Kirchengebäude hinzuweisen scheinen, ist das Bauwerk ursprünglich als Empfangssaal der kaiserlichen Residenz errichtet worden. Der häufig verwendete Name Palastaula oder Aula Palatina trifft es zwar genauer, ist aber im klassischen Latein unbelegt.[4]

Die Basilika besitzt eine äußere Länge von 69,8 m (einschließlich der 12,4 m langen Apsis) bei einer Breite von 27,2 m.[5] In der Antike besaß sie eine Höhe von etwa 30 m. Die 2,7 m dicken Außenmauern bestanden aus Ziegelmauerwerk und waren außen verputzt. Teile aus Rotsandstein sind moderne Ergänzungen.

Der Innenraum wies eine qualitätvolle Wandverkleidung auf: Langhaus und Apsis besaßen Fußboden- und Wandverkleidung aus eingelegten Marmorplatten (opus insectum) bis auf die Höhe der obersten Fenstergesimse, wovon sich Reste und vor allem die Löcher der eisernen Halterungen erhalten haben. Darüber folgten Stuckarbeiten bis zur frei tragenden Decke, die der heutigen, 1955 eingezogenen Kassettendecke nicht unähnlich gewesen sein dürfte. Bemerkenswert sind die Heizanlagen, durch die der 1600 m² große Innenraum über ein dreigeteiltes Hypokaustum mit fünf Praefurnien heizbar war. Die Basilika war in der Antike kein allein stehendes Gebäude. Im Süden befand sich vor dem Haupteingang eine ebenfalls marmorverkleidete Vorhalle, außen waren Portiken mit Innenhöfen angelehnt. Die Reste dieser Gebäude sind entweder konserviert oder im Pflaster des heutigen Platzes markiert.

Basilika (Stich von 1648, wohl nach einer Ansicht von 1548/50)[6]

Mittelalter und frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Im Mittelalter war wahrscheinlich das Dach eingefallen; die Mauern wurden jedoch bereits 1008 als Burg genutzt. Später diente der gesamte Komplex dem Trierer Erzbischof als Residenz. Die Apsis wurde zu einem Wohnturm umgebaut, an den gegenüberliegenden Ecken wurden Türmchen aufgesetzt, die Mauern wurden mit Zinnenreihen bewehrt. Dieser Zustand hat sich bis etwa zum Jahre 1600 erhalten.

Erzbischof Lothar von Metternich errichtete direkt neben der Basilika am Anfang des 17. Jahrhunderts das Kurfürstliche Palais. Zu diesem Zweck wurden die Ostwand und die Südwand des Gebäudes abgebaut; der Rest wurde in den neu errichteten Palast integriert.

Wiederaufbau im 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Einweihungszeremoniells und Empfanges des Königs von Preußen durch die evangelische Geistlichkeit

Durch König Friedrich Wilhelm IV. wurde die Basilika von 1846 bis 1856 nach Plänen von Oberst Carl Schnitzler in den ursprünglichen (römischen) Zustand wiederhergestellt.

Die Basilika wird seit dem Jahre 1856 von der evangelischen Kirche genutzt, steht aber im Eigentum des Landes Rheinland-Pfalz.

Gustav Kaupert: Jesus Christus (ca. 1880)

Am Ende des 19. Jahrhunderts schuf der Frankfurter Bildhauer Gustav Kaupert fünf Marmorskulpturen für die Basilika. Sie zeigen Jesus Christus und die Evangelisten. Die Statuen wurden beim Wiederaufbau der Kirche zerstört. Heute sind nur noch die Köpfe erhalten.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs brannte der Bau im Jahr 1944 völlig aus. Bei der Wiederherstellung nach dem Krieg, die vom Architekten Heinrich Otto Vogel (Trier) konzipiert worden ist, wurde der noch im 19. Jahrhundert historisierend ausgestaltete Innenraum bewusst ausschließlich auf die steinsichtigen Ziegelmauern reduziert.

Orgeln[Bearbeiten]

Schuke-Orgel von 1962

In der Konstantinbasilika sind drei Orgeln nachgewiesen. Bis zum Zweiten Weltkrieg stand auf der rückwärtigen Empore eine große Orgel, die im Jahre 1856 von den Gebrüdern Uebach (Barmen) erbaut worden war. Das Instrument hatte 40 Register auf drei manualen und Pedal.

Nach dem Wiederaufbau der Basilika nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Jahre 1962 in der (Fenster)Nische an der Ostwand eine Chororgel errichtet. Das Instrument wurde von dem Orgelbauer Karl Schuke (Berlin) erbaut. Es hat 30 Register auf zwei Manualwerken und Pedal, und ist neobarock disponiert.

2014 wurde eine neue Hauptorgel eingeweiht. Das Instrument wurde von der Orgelbaufirma Eule (Bautzen) erbaut. Es hängt an der Südwand der Basilika, und ist auf drei Gehäusekörper verteilt, die sich in die Fensternischen einfügen. Die neue Hauptorgel ist sinfonisch disponiert; sie hat 87 Register (über 6.000 Pfeifen) auf vier Manualwerken und Pedal, und ist damit die größte Orgel in Trier. Das Instrument lässt sich von zwei (identischen) Spieltischen aus anspielen, von denen einer mobil im Kirchenraum aufgestellt ist.

Glocken[Bearbeiten]

Der Rote Turm

Die Konstantinbasilika hat keinen eigenen Glockenturm. Ihr sechs-stimmiges Geläute hängt im sogenannten "Roten Turm", dem ehemaligen Archivgebäude der erzbischöflichen Verwaltung.[7]

Nr.
 
Gussjahr
 
Gießer
 
Masse
(kg, ca.)
Durchmesser
(mm)
Schlagton
(HT-1/16)
1 1965 Rincker, Sinn 1.046 1.216 e1
2 1931 Schilling & Söhne, Apolda 580 970 gis1
3 1965 Rincker, Sinn 455 912 a1
4 1965 Rincker, Sinn 300 805 h1
5 1965 Rincker, Sinn 230 733 d2
6 1965 Rincker, Sinn 155 647 e2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Palastaula in Trier; in treveris.com. Abgerufen am 6. Dezember 2014 (deutsch).
  2. Heinz Cüppers in: H. Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. S. 601.
  3. Margarethe König (Hrsg.): Palatia. Kaiserpaläste in Konstantinopel, Ravenna und Trier. Trier 2003, ISBN 3-923319-56-8, bes. S. 123–161 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 27).
  4. Klaus-Peter Goethert und Marco Kiessel: Trier – Residenz in der Spätantike. In: Alexander Demandt, Josef Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Imperator Caesar Flavius Constantinus. Philipp von Zabern, Mainz 2007, S. 307.
  5. Angaben nach Klaus-Peter Goethert und Marco Kiessel: Trier – Residenz in der Spätantike. In: Alexander Demandt, Josef Engemann (Hrsg.): Konstantin der Große. Imperator Caesar Flavius Constantinus. Philipp von Zabern, Mainz 2007, S. 307; nach Hans-Peter Kuhnen: Die Palastaula (so genannte Basilika) des spätantiken Kaiserpalastes. In: H.-P. Kuhnen (Hrsg.): Das römische Trier. Theiss, Stuttgart 2001, S. 136 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. 40), 71,0 × 32,6 m.
  6. Matthäus Merians Stich von 1646 ähnelt stark dem Holzschnitt von Trier von 1548 in Sebastian Münsters Cosmographiae Universalis (Titel: Situs & figura antiquissimae & praecipuae Medioniatricum ciuitatis Treuirensis), die als die erste authentische Stadtansicht von Trier gilt. Zwar ist Merians Ansicht detaillierter als der Holzschnitt, bildet aber bauliche Veränderungen, die zwischen 1548 und 1646 vorgenommen wurden (z. B. an der Konstantinbasilika), nicht ab. Vergleich den Holzschnitt in der lateinischen Ausgabe der Cosmographiae Universalis von 1550 auf Historic Cities
  7. Informationen zum Geläut der Konstantinbasilika

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerardo Brown-Manrique: Konstantinplatz in Trier. Between Memory and Place. In: Places. Forum of design for the public realm. Vol. 3, 1986, No. 1, S. 31–42 (Digitalisat) – Beitrag zu stadtplanerischen Aspekten mit zahlreichen Abbildungen
  • Sabine Faust: Basilika: Römische Palastaula. In: Jürgen Merten (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes (= Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35). Rheinisches Landesmuseum, Trier 2008, ISBN 978-3-923319-73-2, S. 42f.
  • Eberhard Zahn: Die Basilika in Trier. Römisches Palatium – Kirche zum Erlöser (= Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 6). Rheinisches Landesmuseum, Trier 1991, ISBN 3-923319-18-5.
  • Eckart Leipprand: Der Basilika-Vorplatz in Trier. Ein Monumentalbau ohne Einbindung in: Neues Trierisches Jahrbuch 2001, ISSN 0077-7765

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Konstantinbasilika (Trier) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Links zur heutigen Nutzung[Bearbeiten]


Links zur Geschichte des Gebäudes[Bearbeiten]


49.7533333333336.6433333333333Koordinaten: 49° 45′ 12″ N, 6° 38′ 36″ O