Konstantinos Simonides

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Konstantinos Simonides (* 1820 auf Symi; † 1890 (?) ) war ein griechischer Hochstapler und Fälscher vornehmlich antiker Textdokumente und Papyri.

Leben[Bearbeiten]

Nach der biographischen Skizze, die Alexandros Lykourgos für sein Buch Enthüllungen über den Simonides-Dindorfschen Uranios auf Basis von Aussagen von Simonides selbst erstellte, arbeitete Simonides 1837 in der Druckerei eines bekannten Buchhändlers und gelangte später zu seinem Onkel Benedictos, der Vorsteher des Klosters gewesen sein soll, in dem Konstantinos Simonides mit alten Handschriften in Kontakt gekommen ist. Diesem Onkel mütterlicherseits verdankte er angeblich einige Schriften, mit denen er 1846 in Athen reüssierte und die einer Kommission des griechischen Kultusministerium zur Prüfung vorgelegt wurden. 1850 publizierte er eine Beschreibung der Insel Kefalonia, die aus dem 4. Jahrhundert nach Christus stammen soll. Nach Prüfung von Stil und Inhalt wurde der Text als Fälschung entlarvt. 1850 siedelte er nach Konstantinopel über, wo er einige Diplomaten und Würdenträger für sich gewinnen konnte, die ihm Ausgrabungen am dortigen Hippodrom ermöglichten. 1853 handelte er in England mit echten und gefälschten Manuskripten und gelangte 1855 nach Leipzig. Dort suchte er eine angebliche ägyptische Königsgeschichte des Uranios zu verkaufen, die durch Lykourgos und Konstantin von Tischendorf als Fälschung identifiziert wurde.[1] Später flüchtete Simonides nach Ägypten.

Fälschungen[Bearbeiten]

Zu seinen bekannten Falsifikaten gehörte die sogenannte Symais, eine Geschichte der Hohen Schule von Symi, die diese Universität als Wirkungsstätte antiker Meister darstellt, denen unter anderem die Erfindung des Papiers, des Teleskops oder dampfkraftbetriebener Schnellboote gelungen sein soll.

Methode[Bearbeiten]

Simonides machte sich die Tatsache zunutze, dass echte antike Texte gelegentlich als sogenannte Palimpseste überliefert sind und somit manche Handschriften Spuren noch älterer Originaltexte enthalten können, die in späteren Zeiten mit anderen Inhalten überschrieben wurden, um teures Schreibmaterial zu sparen. Für seine Fälschungen ergänzte er auf echten, alten Papyrusfragmenten mit philologischem Scharfsinn und blasser Tinte teils sensationelle Berichte, die auf die Gelehrten seiner Zeit den Eindruck machen sollten, als seien sie chronologisch vor dem originalen und zweifelsfrei echten Text einzuordnen.

Neuere Entwicklungen[Bearbeiten]

Der italienische Philologe Luciano Canfora mutmaßte, dass auch der 2008 erstmals vollständig wissenschaftlich aufgearbeitete Artemidor-Papyrus eine Fälschung von Simonides sei. Dieser Vorwurf konnte durch die wissenschaftliche Fachwelt zurückgewiesen werden.[2] Auf einem 2009 von Canfora mitorganisierten Kolloquium warf daraufhin ein italienischer Polizeibeamter den Wissenschaftlern vor, auf eine digitale Dokumentenfälschung hereingefallen zu sein. Auch dieser Vorwurf wurde unter anderem durch eine Präsentation an der Universität zu Köln 2010 entkräftet.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Uranĭos. In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 18, Altenburg 1864, S. 275 (online bei zeno.org).
  2. Ragnar K. Kinzelbach: Der Artemidor-Papyrus. Tierbilder aus dem ersten Jahrhundert. Ein zoologischer Kommentar zum Artemidor-Papyrus. In: Archiv für Papyrusforschung und verwandte Gebiete. Beiheft 28. Verlag Walter de Gruyter, Berlin/ New York 2009, ISBN 978-3-11-022580-8. S. 1.
  3. Universität zu Köln: Experte widerlegt Fälschungsvorwurf. 8. September 2010, abgerufen am 22. August 2012.
  4. Die Geschichte eines hochbegabten Hochstaplers. In: Tages-Anzeiger. 26. Juli 2011.