Konstitutioneller Bischof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Ein Konstitutioneller Bischof (frz. évêque constitutionel) war ein Bischof der während der Französischen Revolution reorganisierten Katholischen Kirche Frankreichs.

Die Diözesen der konstitutionellen Bischöfe entsprachen den 1790 errichteten Départements. Die konstitutionellen Bischöfe waren meist Priester, die den Ideen des Gallikanismus und der französischen Revolution nahestanden. Sie wurden von kooperationswilligen Klerikern und Gläubigen ihrer Diözesen aus jenem Teil des französischen Klerus gewählt, der einen Treueeid auf die Zivilverfassung des Klerus (1790) abgelegt hatte, und amtierten ohne Zustimmung des Papstes. Rom betrachtete sie als Schismatiker und die ins Ausland geflüchteten Bischöfe des Ancien Régime weiterhin als die allein legitimen Inhaber der französischen Bischofsstühle.

Am Ende der Terrorherrschaft 1794 amtierten von ursprünglich 87 noch 59 konstitutionelle Bischöfe, im Herbst 1801 noch 32. Im Jahr 1797 und vom 20. Juni bis zur Unterbrechung am 16. August 1801 traten sie in Paris zu Nationalkonzilien zusammen und betonten ihre Selbständigkeit gegenüber der römischen Kurie. Mit der Unterzeichnung des Konkordats von 1801 durch Napoléon und Kardinal Consalvi als Vertreter Papst Pius VII. wurden sowohl die konstitutionellen Bischöfe als auch sämtliche 94 noch lebenden Bischöfe des Ancien Régime zum Amtsverzicht gedrängt. Von letzteren fügten sich 58, wohingegen 36 ihre Demission zunächst ablehnten. Auch ein Teil der konstitutionellen Bischöfe suchte die eigene Diözese zu bewahren oder innerhalb des zu reorganisierenden Episkopats weiter Verwendung zu finden. Im Oktober 1801 traten 49 konstitutionelle Bischöfe zurück, alle ohne Schuldeingeständnis und ohne Verleugnung ihrer Bischofswahl und -weihe. Zwölf rekonziliationswillige Bischöfe erhielten 1802 ihre erneute staatliche Bestellung, doch zunächst keine päpstlichen Urkunden. Ihre Integration in den „neuen“, konkordatären Episkopat erfolgte im Einzelfall unterschiedlich, doch meist unter erheblichen diplomatischen Anstrengungen.

Bekannte konstitutionelle Bischöfe:

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Pisani: Répertoire biographique de l’épiscopat constitutionnel (1791–1802). Paris 1907 (Nachdruck 2004).
  • Simon Delacroix: La réorganisation des l’Église de France après la Révolution (1801–1809). Éd. du Vitrail, Paris 1962.
  • Rodney J. Dean: L’Église constitutionelle, Napoléon et le Concordat de 1801. Diff. Picard, Paris 2004. ISBN 2-7084-0719-8
  • Bernard Plongeron: Face au Concordat (1801), résistances des Bischofs anciens constitutionels. In: Annales historiques de la Révolution française 337 (2004), 85–115.