Konstruktivismus (Architektur)

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Der Konstruktivismus ist eine Stilrichtung der modernen Architektur, die vor allem in der Sowjetunion in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren im Zusammenhang mit der konstruktivistischen Kunst im Städtebau verbreitet war.

Beschreibung[Bearbeiten]

Ehemaliges Mosselprom-Wohnhaus in Moskau (Baujahr 1925)

Ähnlich den anderen Kunstrichtungen des Konstruktivismus, bei denen die Gestaltungselemente typischerweise aus einfachen, geometrisch angeordneten Grundelementen zusammengesetzt sind, sind auch die Bauwerke des Konstruktivismus von schlichten geometrischen Formen geprägt, bei denen im Gegensatz zu herkömmlichen Architekturstilen nicht die ästhetische oder künstlerische, sondern die funktionelle Komponente im Vordergrund steht. Durch betonten Verzicht auf Luxus-Elemente zu Gunsten der Sachlichkeit und funktioneller Ästhetik wollten die konstruktivistischen Baumeister dem gesellschaftlichen Umbruch in Russland der 1920er-Jahre entsprechend die „Demokratisierung“ der Gesellschaft in der Architektur vor allem der öffentlichen Bauten zum Ausdruck bringen.

Als erstes Bauprojekt des frühsowjetischen Konstruktivismus gilt der 1923 von den Brüdern Alexander, Leonid und Wiktor Wesnin vorgestellte (jedoch nicht verwirklichte) Entwurf des sogenannten Arbeitspalastes in Moskau[1]. 1924 schlossen sich die Wesnin-Brüder und einige andere Architekten, die sich ebenfalls der neuen Funktionalität verpflichtet sahen, zu einer Arbeitsgemeinschaft namens Vereinigung moderner Architekten (russ. Объединение современных архитекторов) zusammen. Zu deren Mitgliedern zählte damals unter anderem auch Kasimir Malewitsch, als Maler einer der bekanntesten Vertreter der konstruktivistischen Kunst, dessen Stil des Suprematismus auch architektonische Entwürfe der Konstruktivisten beeinflusste. Bekannte Architekten des Konstruktivismus der 1920er-Jahre waren unter anderem Konstantin Melnikow, Moissei Ginsburg, Noi Trozki und Boris Iofan.

Charakteristisch für Bauwerke des Konstruktivismus war auch die Tatsache, dass es sich bei vielen von ihnen um damals prinzipiell neuartige Elemente der Stadtplanung handelte, die im Wesentlichen auf die Besonderheiten des damaligen Alltags hin konzipiert waren. Als typische Beispiele hierfür sind sogenannte Arbeiterklubs, Kulturhäuser oder auch Fabrik-Küchen zu nennen, die allesamt der neuen, postrevolutionären Vorstellung vom öffentlichen Leben der Arbeiterklasse entsprechen sollten. Neben öffentlichen Bauten errichteten die Konstruktivisten in vielen Städten Wohnbauten, von denen die einen für die neue Eliteklasse (wie das später berüchtigt gewordene Haus an der Uferstraße in Moskau), die anderen als sogenannte Kommune-Häuser für die Arbeiter und Werktätigen bestimmt waren.

Die neuen architektonischen Formen übten in der Frühsowjetzeit auch Einfluss auf die Gestaltung der Alltagsgegenstände wie Möbel, Armatur oder Geschirr aus, aber auch auf das Design beim Buch- und Plakatdruck.

Ab Mitte der 1930er-Jahre, als neuartige Strömungen in der Kunst im Lichte des Stalinismus zunehmend als freidenkerisch und „bourgeois“ kritisiert und teilweise auch verboten wurden, wich der Konstruktivismus im Städtebau im Wesentlichen dem Sozialistischen Klassizismus, in dem wieder prunkvolle Elemente aus der vorrevolutionären Architektur ihren Platz fanden.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webarchiv vom 02. Oktober 2008 der eingelagerten Webseite: Грандиозный Дворец Труда (russisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Konstruktivistische Architektur – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien