Konsum (Handelskette)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Logo

Konsum war die Marke der Konsumgenossenschaften in der DDR. Die einzelnen Genossenschaften betrieben Lebensmittelgeschäfte, Produktionsbetriebe und Gaststätten. Zur Aussprache: Die Betonung liegt auf dem o (sprich Kónnsumm).

Auch in den westlichen Bundesländern gab es viele Konsum-Geschäfte. Diese waren in der Konsumgenossenschaft organisiert. Sie gingen größtenteils in den 1970er Jahren in der co op AG auf, wobei sich in der Alltagssprache der Ausdruck „Ich gehe zum Konsum“ mit der zuvor genannten Aussprache hielt.

Die Konsumgenossenschaften der DDR[Bearbeiten]

Konsum in Kruckow, Kreis Demmin, 1960
Konsum-Kaufhalle in Dresden, 1974
Konsum-Marken für 5 DDR-Mark

Organisiert waren die im Jahr 1989 existierenden 198 Konsumgenossenschaften in Bezirksverbänden, diese wiederum im Verband der Konsumgenossenschaften der DDR (heute Zentralkonsum eG). Dem Verband selbst als wirtschaftleitendes Organ unterstand das zentrale Unternehmen (ZU) Konsument, welches Kaufhäuser unter dem Namen konsument betrieb. Weiterhin gehörten zum Verband 28 Industrieunternehmen (u.a. Teigwaren Riesa, Gewürzmühle Schönbrunn, Röstfein Magdeburg, Melde Cottbus, Bürstenfabrik Stützengrün, Zündwaren Riesa), mehrere Schulungseinrichtungen und das Konsum-Erholungsheim Oberhof (heute 4-Sterne Berghotel Oberhof). Der konsumgenossenschaftliche Großhandel wurde, wie auch teilweise Industrieunternehmen, durch die DDR-Führung verstaatlicht. Insbesondere das Fehlen eines eigenen Großhandels erwies sich nach der Wiedervereinigung unter marktwirtschaftlichen Wettbewerbsbedingungen - neben nicht geklärten Eigentumsverhältnissen bei Grund und Boden - als entscheidender Wettbewerbsnachteil. Diese Handelskette war nach der (staatlichen) HO (Handelsorganisation) die größte in der DDR. Konsumgenossenschaften waren bereits in der DDR private Unternehmen und gehörten ausschließlich ihren rd. 4,5 Mio. Mitgliedern.[1]

In der DDR-Umgangssprache wurde Konsum oft allgemein für Lebensmittelgeschäfte verwendet. Ursprünglich und offiziell galt dieser Name nur für die Verkaufsstellen dieser Genossenschaft. Gelegentlich wurde der Begriff vor allem auf dem Lande auch auf andere kleine Geschäfte dieser Art („Dorf-Konsum“) übertragen.

Zu den Konsumgenossenschaften gehörten auch größere Geschäfte in den Städten, vor allem Kaufhallen (Supermärkte) sowie die Kaufhausketten konsument und kontakt. Darüber hinaus wurden Gaststätten (Konsumgaststätten) betrieben, die z. T. auch als sogenannte „Kommissionsgaststätten“ an private Wirtsleute verpachtet wurden.

Zur Konsum-Handelskette gehörten außerdem mehr als 150 Betriebe, davon 28 durch den VdK zentral geleitete, in denen Waren des täglichen Bedarfs und Konsumgüter hergestellt wurden. Dies vor allem in Back- und Fleischwarenbetrieben. Von den zentral geleiteten Betrieben von Bedeutung waren hierbei die Konsum Gewürzmühle Schönbrunn, das Nährmittelwerk Erfurt, das Kaffeewerk Röstfein in Magdeburg, die Bürstenfabrik Stützengrün sowie die Seifenfabrik Riesa. Diese nahm bereits 1910 als erster großer deutscher konsumgenossenschaftlicher Neubau für die Eigenproduktion von der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine (GEG), Hamburg,[2] die Produktion in einem modernen Großbetrieb auf. 1923 kam am selben Ort eine Zündholzfabrik dazu.[3] Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte durch die Sowjets die Rückgabe der GEG-Betriebe, welche zuvor von den Nationalsozialisten entschädigungslos enteignet wurden.[4]

Die Konsum-Geschäfte gaben zu jedem Kauf Rabattmarken (Konsum-Marken) aus, für die zum Jahresende eine Rückvergütung auf die getätigten Umsätze gezahlt wurde. Da die Rabattmarken nur Mitglieder der Konsumgenossenschaft erhielten, hatten viele DDR-Privathaushalte mindestens ein Konsum-Mitglied. Heute zahlen die Konsumgenossenschaften immer noch Rückvergütung und vielfach auch eine Dividende auf die Einlagen ihrer Mitglieder.

Die großen Konsum-Warenhäuser wurde zum 1. Januar 1965 in die neue Kette Konsument ausgegliedert.

Konsum nach 1990[Bearbeiten]

Logo der Konsumgenossenschaft Leipzig eG
Logo der Konsumgenossenschaft Sachsen Nord eG
Lebensmittelfiliale der Konsumgenossenschaft Hagenow eG in Gresse 2012

Da die Konsumgenossenschaften bereits in der DDR private Unternehmen waren und ausschließlich ihren rd. 4,5 Mio. Mitgliedern gehörten, fielen sie nach 1990 nicht in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandanstalt.[5]

Für die ostdeutschen Konsumgenossenschaften galt mit dem 3. Oktober 1990 das Deutsche Genossenschaftsgesetz. Nach der Wende fusionierten diese 198 Konsumgenossenschaften zu 55 regional tätigen Konsumgenossenschaften. Heute existieren noch 12 regionale Konsumgenossenschaften, welche sich am Markt durchgesetzt haben und wovon zehn (Altenburg, Burg-Genthin-Zerbst, Döbeln, Dresden, Erfurt, Hagenow, Haldensleben, Leipzig, Seehausen, Weimar) Mitglied der Zentralkonsum eG in Berlin sind. Zur Zentralkonsum eG als Wirtschaftsunternehmen gehören Industrieunternehmen, Hotels sowie mehrere Dienstleistungsgesellschaften und Gewerbeimmobilien.

Nach der Wende existiert „Konsum“ als Markenname weiter. In den ostdeutschen Ländern gibt es mehrere regionale Genossenschaften, die Filialen unter der Firmierung „Konsum“ betreiben. In der Region Dresden hat sich die Konsum Dresden eG als Handelskette etabliert und betreibt Konsum Frische-Märkte, Frida- und Genia-Filialen. Im September 2007 wurde die erste Filiale der Konsum Dresden eG in den alten Ländern der Bundesrepublik in Erlangen eröffnet, als zweiter Standort folgte im Herbst 2008 Nürnberg.

In der Region Nordsachsen hat sich zudem seit der Neugründung 1991 die Konsumgenossenschaft Sachsen Nord eG in der Tradition der ersten deutschen Konsumgenossenschaft etablieren können. Nach einer Insolvenz 2010 übernahm die Markant nah & frisch GmbH die 27 noch erhalten gebliebenen Filialen. Sie ist vor allem in der Region der Städte Eilenburg, Torgau, Wurzen vertreten. Die meisten Filialen befinden sich im ländlichen Raum. Die Genossenschaft selbst betätigt sich lediglich noch in der Immobilienverwaltung.

Der Konsum Leipzig behauptet sich innerhalb der Stadtgrenzen neben den großen Supermarktketten. Die Firmenleitung hat jedoch beschlossen, sich vorerst nur auf die Märkte in Mitteldeutschland und maximal des nördlichen Bayern zu konzentrieren.

Die Konsumgenossenschaft „Optimal Kauf“ in Haldensleben ist vor allem in der Region um Magdeburg aktiv. Ihr gehören 24 Lebensmittelmärkte mit ca. 170 Beschäftigten und ca. 13.700 Genossenschaftsmitgliedern an.[6]

Die Konsumgenossenschaft Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern) mit über 7.700 Mitgliedern betreibt in Südwestmecklenburg 12 Lebensmittelfilialen, 5 Getränkefachmärkte und 5 Non-Food-Geschäfte (Textilien & Schuhe).[7]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Kaufmann: Die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m. b. H. GEG. Zum 25jährigen Bestehen 1894–1919. Hamburg 1919
  • Heinrich Sierakowsky: Werk im Werden, im Eigenverlag der Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m. b. H. Hamburg, 3. Auflage, Hamburg 1931
  • Walther G. Oschilewski: Wille und Tat. Der Weg der deutschen Konsumgenossenschaftsbewegung. Hamburg 1953
  • Wilhelm Fischer: 60 Jahre geg. 60 Jahre Dienst am Verbraucher. 1894–1954. Festschrift Hamburg 1954. 362 Seiten.
  • Burchard Bösche, Jan-Frederik Korf: Chronik der deutschen Konsumgenossenschaften. 150 Jahre Konsumgenossenschaften in Deutschland. 100 Jahre Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften e. V. Hamburg 2003

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Konsum (DDR) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Marburger Beiträge zum Genossenschaftswesen, Witho Holland, "Die Konsumgenossenschaften in der DDR"
  2. Vgl. Heinrich Kaufmann: Die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine, a. a. O.
  3. Vgl. Heinrich Sierakowsky: Werk im Werden a. a. O.
  4. Vgl. Wilhelm Fischer: 60 Jahre geg, a.a.O.
  5. Witho Holland: Die Konsumgenossenschaften in der DDR. (Marburger Beiträge zum Genossenschaftswesen)
  6. Mitarbeiterzahlen Konsumgenossenschaft „Optimal Kauf" . Abgerufen am 2. November 2012.
  7. Daten Konsumgenossenschaft Hagenow eG. Abgerufen am 2. November 2012.