Konsumfunktion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Konsumfunktion ist eine volkswirtschaftliche Gleichung, die den Zusammenhang zwischen Konsum und Einkommen beschreibt. Neben dem Einkommen gibt es noch weitere Einflussgrößen wie Vermögen oder Zins, die in die Konsumfunktion einfließen können. Es existieren verschiedene Annahmen für gesamtwirtschaftliche Konsumfunktionen, die sich hinsichtlich der einbezogenen Einflussgrößen und in den jeweils betrachteten Zeiträumen unterscheiden.[1]

Absolute Einkommenshypothese[Bearbeiten]

Die absolute Einkommenshypothese geht auf John Maynard Keynes zurück und wird daher auch als Keynesianische Konsumfunktion bezeichnet. Hiernach hängt der Konsum nur von dem Einkommen der laufenden Periode ab.[2] Hierin unterscheidet sich seine Theorie deutlich von der neoklassischen Theorie, wo der Konsum vom vergangenen oder zukünftig erwarteten Einkommen abhängt.

Der Zusammenhang zwischen dem Konsum (C) und dem Einkommen (Y) lässt sich wie folgt darstellen:

C = C(Y)

Nach der Keynesianischen Konsumfunktion ist das Einkommen die einzige Einflussgröße, die auch kurzfristig veränderbar ist. Keynes zog insgesamt 24 Faktoren in Betracht, die den Konsum beeinflussen können. Hierzu zählt auch der Zins, der in der neoklassischen Theorie die Haupteinflussgröße ist.[3]

Keynes nennt für den Konsum der Haushalte eine ganze Reihe weiterer Einflussfaktoren. Da diese aber unter „normalen Umständen“ („normal terms“) wenig variabel sind oder sich im Durchschnitt der Haushalte weitgehend ausgleichen, vernachlässigt er für seine weitere Theorie diese Faktoren.

Er zählt folgende Faktoren auf:

  • die Spanne zwischen Brutto- und Nettoeinkommen
  • die Änderung von Vermögenswerten
  • die Änderung der Zeitpräferenz
  • der Zinssatz (allerdings in Höhe und Richtung kaum a priori bestimmbar)
  • die Einkommensverteilung
  • die Erwartung über zukünftige Einkommensentwicklung.

Weitere denkbare Faktoren, die er nicht betrachtet, sind:

  • höhere Ausgaben oder geringere Einnahmen in der Zukunft (etwa Bildung, Rente) mit dem Wunsch nach gleichmäßigem Konsum („Foresight“)
  • niedrigere Zeitpräferenz als der Realzins: Wunsch nach Zinseinkünften („Calculation“)
  • Wunsch nach kontinuierlich ansteigendem Konsum („Improvement“)
  • Unabhängigkeit der Wirtschaft vom Staat („Independence“)
  • Eigenkapital für Start-Ups oder Spekulation („Enterprise“)
  • Vermögen vererben („Pride“)
  • Geiz: der negative Nutzen beim Konsum als solchem („Avarice“).

Die Lücke in Keynes’ Theorie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Konsumtheorie von Franco Modigliani, James Duesenberry und Milton Friedman geschlossen.

Funktion[Bearbeiten]

Der Konsum ergibt sich aus dem autonomen Konsum (C_a) und dem verfügbaren Einkommen (Y) multipliziert mit der marginalen Konsumneigung (c_Y).

C(Y) = C_a + c_Y \cdot Y

Eigenschaften der Konsumfunktion[Bearbeiten]

Nach John Maynard Keynes hat die Konsumfunktion folgende Eigenschaften:

  1. Der Konsum C nimmt bei einer Einkommenserhöhung stets zu.[4]
  2. Der autonome Konsum ist größer als 0 → C_a>0
  3. Die marginale Konsumneigung liegt zwischen 0 und 1 → 0<C_Y<1
  4. Die durchschnittliche Konsumquote (C/Y) sinkt mit steigendem Einkommen Y.[5]

Beispiel[Bearbeiten]

C = 100 + 0,8 Y

Der autonome Konsum beträgt hier 100 Einheiten (z. B. Euro). Dies bedeutet, dass die Haushalte 100 Euro zur Deckung ihrer Grundbedürfnisse (z. B. Nahrungsmittel) ausgeben, egal wie viel verfügbares Einkommen gegeben ist (also auch bei keinem Einkommen). Die marginale Konsumneigung beträgt 0,8. Die Haushalte geben also von jedem zusätzlichen Euro Einkommen 80 Cent für Konsumgüter aus und sparen 20 Cent.

Bei Annahme eines verfügbaren Einkommens (Y) von 1000 Euro ergibt sich nun Folgendes: 100 Euro werden sowieso für die Grundbedürfnisse ausgegeben und 800 Euro für sonstige Konsumgüter, 100 Euro werden gespart. Daraus ergibt sich ein Konsum (C) von 900 Euro.[2]

Anwendung[Bearbeiten]

Die Konsumfunktion ist neben den Investitionen und Staatsausgaben Bestandteil der Güternachfrage (auch: gesamtwirtschaftlichen Nachfrage) und findet daher in der IS-Funktion Anwendung.[6]

Relative Einkommenshypothese[Bearbeiten]

Die relative Einkommenshypothese wurde von James Duesenberry begründet und betrachtet neben dem Einkommen der laufenden Periode auch das der Vorperiode(n).[7]

Permanente Einkommenshypothese[Bearbeiten]

Bei der permanenten Einkommenshypothese von Milton Friedman orientiert sich das Konsumverhalten an einem Durchschnittswert gegenwärtiger und zukünftiger Einkommenserwartungen. Vorübergehende Einkommensabweichungen haben somit kaum Auswirkungen auf das Konsumverhalten der privaten Haushalte. Hierbei werden auch Zinszahlungen berücksichtigt.[8]

Lebenszyklushypothese[Bearbeiten]

Nach der Lebenszyklushypothese, die von Franco Modigliani begründet wurde, treffen die privaten Haushalte ihre Konsumentscheidungen anhand ihres erwarteten Lebenseinkommens.[9]

Kritik[Bearbeiten]

Bei Betrachtung der Arbeiten von Keynes, Duesenberry, Friedman und Modigliani kann von einem Fortschritt in der Analyse des Konsumentenverhaltens gesprochen werden. Während Keynes noch davon ausging, dass der Konsum hauptsächlich vom gegenwärtigen Einkommen abhängt, so wurde in der Folgezeit auch das zukünftige Einkommen mit in die Konsumfunktion einbezogen. Nach gegenwärtigem Stand der Forschung wird davon ausgegangen, dass der Konsum sowohl vom gegenwärtigen als auch vom erwarteten zukünftigen Einkommen und außerdem noch vom Vermögen und den Zinssätzen abhängt.[10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peren, Franz W.: Einkommen, Konsum und Ersparnis der privaten Haushalte in der Bundesrepublik Deutschland seit 1970: Analyse unter Verwendung makrooekonomischer Konsumfunktionen. Peter Lang, Frankfurt am Main/Bern/New York 1986, ISBN 3-8204-9006-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reiner Clement und Wiltrud Terlau: Grundlagen der Angewandten Makroökonomie. 2. Auflage, Vahlen, München 2002, S. 135
  2. a b Reiner Clement und Wiltrud Terlau: Grundlagen der Angewandten Makroökonomie. 2. Auflage, Vahlen, München 2002, S. 136
  3. Bernhard Felderer und Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik. 8. Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2003, S. 104, 105
  4. Bernhard Felderer und Stefan Homburg: Makroökonomik und neue Makroökonomik. 8. Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2003, S. 105
  5. N. Gregory Mankiw: Makroökonomik. 4. Auflage, Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2000, S. 480, 481
  6. Olivier Blanchard und Gerhard Illing: Makroökonomie. 3. Auflage, Pearson Studium, München 2004, S. 82, 83
  7. Reiner Clement und Wiltrud Terlau: Grundlagen der Angewandten Makroökonomie. 2. Auflage, Vahlen, München 2002, S. 138
  8. Reiner Clement und Wiltrud Terlau: Grundlagen der Angewandten Makroökonomie. 2. Auflage, Vahlen, München 2002, S. 139
  9. Gustav Dieckheuer: Makroökonomik: Theorie und Politik. 4. Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2001, S. 410
  10. N. Gregory Mankiw: Makroökonomik. 4. Auflage, Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2000, S. 506