Konsumstreik

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Unter Konsumstreik wird das Phänomen verstanden, dass die Konsumenten einer Volkswirtschaft nicht wie erwartet konsumieren. Man kann zwischen allgemeinem Konsumstreik und besonderem Konsumstreik unterscheiden.

Besonderer Konsumstreik[Bearbeiten]

Ein besonderer Konsumstreik ist dann gegeben, wenn die Konsumenten mit dem Konsumstreik ein besonderes Ziel verfolgen. In aller Regel ist der besondere Konsumstreik auf eine bestimmte Produktgruppe begrenzt. Insofern ist der besondere Konsumstreik verwandt mit dem Boykott, jedoch braucht es beim besonderen Konsumstreik kein Motiv, Herstellern und Händlern konsumbestreikter Produktgruppen einen Schaden hinzuzufügen, vielmehr reicht ein eigennütziges oder gemeinnütziges Motiv (z. B. weniger Gesundheitsrisiko, gerechtere Welt) für einen besonderen Konsumstreik aus.

Beispiele[Bearbeiten]

Allgemeiner Konsumstreik[Bearbeiten]

Ein allgemeiner Konsumstreik oder mangelnde Binnennachfrage ist dann gegeben, wenn die Konsumenten mit dem Konsumstreik gerade keine besonderen Ziele verfolgen, sondern allenfalls Ziele, die sonst auch verfolgt werden, sich jedoch die Umweltbedingungen aus Sicht der Konsumenten gerade so ändern, dass ein Konsumstreik trotz alledem vorteilhafter erscheint.

Ursachen[Bearbeiten]

  • Präferenz von Geld über Waren und Dienstleistungen: Der Wert von herumliegendem Geld verfällt meist nicht so stark wie der Wert von herumliegenden Waren oder nicht genutzten Dienstleistungen. So ist es für einen Konsumenten oft günstiger, z. B. den Kauf eines Computers möglichst lange herauszuzögern, denn nach dem Kauf verfällt der Wert der Ware (des Computers), während ohne den Kauf der Wert des dazugehörigen Geldes nicht verfallen würde. Wie stark der Wert des Geldes verfällt, hängt von der Inflationsrate und der Demurrage des Geldes ab.
    • Deflation: Ein besonders starker Fall von Präferenz von Geld über Waren und Dienstleistungen ist die Deflation. Bei einer Deflation sinken die Preise für Waren und Dienstleistungen, der Geldwert steigt dementsprechend. Wird der Preis einer Ware (z.B. ein Paar Schuhe) über mehrere Monate beobachtet, so ist bei einer Deflation ein Preisrückgang feststellbar. Für dieselbe Ware wird also immer weniger Geld verlangt. Folglich ist in so einem Fall das mikroökonomische Interesse eines Konsumenten, den eigentlich längst geplanten Kauf der Paar Schuhe so lange wie möglich herauszuzögern, denn je später sie gekauft werden, desto billiger ist der Kauf.
  • Hyperinflation: Ist die Inflation extrem hoch, dann verliert Geld seine Funktion als Tauschmittel, da niemand das Geld mehr annehmen möchte, weil es zu schnell seinen Wert verliert. Auch dadurch kann (ähnlich wie bei Deflation) der Handel zum Erliegen kommen, da zu einem Handel immer zwei gehören: der Verkäufer, der Ware abgeben möchte und Geld annehmen möchte, und der Käufer, der Ware annehmen und Geld abgeben möchte. Der Handel findet nur statt, wenn beide Handelspartner handelswillig sind. Bei Präferenz von Geld über Waren und Dienstleistungen ist das Verhältnis gestört, weil der Käufer sein Geld nicht herausgeben möchte. Bei Hyperinflation ist das Verhältnis gestört, weil der Verkäufer das Geld nicht annehmen möchte. Paradoxerweise kann es so zu einem Erliegen des Handels kommen, obwohl es eventuell dringenden Bedarf und hohe Nachfrage gibt.
  • hohe Sparquote: Es kann sein, dass Konsumenten einfach deswegen wenig Geld in Konsum stecken, weil sie viel Geld in ihre Geldanlagen stecken.
    • attraktiver Kapitalmarkt: Für eine hohe Sparquote können hohe erwartete Zinsen und Renditen verantwortlich sein.
    • Zukunftsangst: Wer Angst um seine finanzielle Zukunft hat (z. B. Angst um den Arbeitsplatz), aber den Glauben hat, das Finanzsystem sei krisensicher, der spart, um wenigstens dann, wenn die Befürchtung eingetreten ist, einigermaßen ein "Finanzpolster" zu haben.
  • Kluft zwischen Arm und Reich: Gibt es eine große Kluft zwischen Arm und Reich, dann lässt sich die Bevölkerung und daher die Menge aller Konsumenten im Wesentlichen in folgende Teile aufteilen:
    • die Armen und Verschuldeten: Wer ein niedriges Einkommen hat oder von Sozialleistungen lebt (oder aber ein höheres Einkommen hat, daraus aber gehörige Schulden bedienen muss), der lebt in der Regel "von der Hand in den Mund". Das heißt: Er gibt das ganze Geld, was zu ihm fließt, alsbald wieder aus. Derjenige betreibt einen allgemeinen Konsumstreik also deswegen, weil das für mehr Konsum nötige Mehr an Geld fehlt und auch nicht zufließt.
    • die Reichen: Wer ein sehr hohes Vermögen und daher ein entsprechend hohes Zinseinkommen hat, kann sich theoretisch Konsum im Überfluss leisten. Jedoch gibt es gar nicht so wenige Menschen, die keinen Wunsch haben, der durch bereits vollzogenen Konsum nicht schon erfüllt worden wäre, die also überhaupt nicht ihren Konsum steigern können, selbst wenn sie wollten und könnten. Folglich ist eine Konsumsteigerung auch von sehr reichen Menschen nicht zu erwarten.
    • die Mittelschicht: Es bleibt die Mittelschicht, die sowohl das für Konsum nötige Geld vereinnahmt als auch noch nicht "wunschlos glücklich" ist. Wenn jedoch die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird, dann wird die Mittelschicht dazwischen immer dünner. Folglich geht mit einer Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich ein Konsumstreik wegen der verschwindenden Mittelschicht einher.
  • Wachstumserwartung: Man kann einen Konsumstreik auch dann diagnostizieren, wenn man erwartet, der Konsum werde andauernd anwachsen, er es aber nicht tut. Es ist jedoch nicht vernünftig anzunehmen, der Konsum steige von Jahr zu Jahr, genau so wie es nicht vernünftig ist anzunehmen, der Wind wehe von Jahr zu Jahr schneller. So ist in diesem Fall der diagnostizierte Konsumstreik lediglich ein Phänomen erzeugt durch einen Fehler im Diagnoseprozess, kein Phänomen der Realität.